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“Die Verwandlung” von Franz Kafka. Allgemeine Analyse und groteske Bestandteile

Hausarbeit 2017 26 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Vorstellung der Charakteren
2.2. Strukturelle Analyse des Werkes
2.2.1. Genre
2.2.2. Erzählperspektive
2.2.3. Ort und Zeit
2.2.4. Erzählhaltung
2.2.5. Rhetorische Mittel
2.3. Analyse gesamtes Werkes und Betrachtungen
2.4. Groteske Bestandteile und deren Auswirkungen an Samsas

3. Fazit

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

“Du bist entweder aus dem Kreis

Oder sollst drinnen stehen

Wenn du drinnen bist

Während dein Kopf draußen steht”

Was Murathan Mungan in seinem Gedicht erzählt, wird in “die Verwandlung” von Franz Kafka teils klar, teils eher feinsinniger beschrieben. Unser Leben besteht aus verschiedenen Kreisen. Kleine und größere Kreise... Unsere Freundeskreis, Familienkreis und Arbeitskreis... Alle haben seinen Platz in -oder aus- diesen Kreisen. Man kann nicht drinnen und draußen zugleich stehen. Man soll entweder die gesellschaftlichen Normen akzeptieren und sie erfüllen, oder wagen, entfremdet zu werden und draußen zu stehen, um sich selbst verwirklichen zu können. Da sein Kopf draußen ist, wird Gregor die Möglichkeit erhalten, die Realität von einem total anderen Gesichtspunkt zu sehen -vielleicht desto klarer in diesen Verwischung und Durcheinander- und er wird immer depressiver werden, bis er das nicht mehr durchhalten kann. Nichtsdestotrotz ist die Verwandlung der Familie Samsa auf das Innere des Kreises gerichtet. Es geht in “die Verwandlung” hauptsächlich um die Menschen, die weder in noch aus dem Kreis stehen können. Die Unbestimmtheit ihrer Standpunkt im Hinblick auf den Kreis wurde durch Groteske ausgedrückt. Bei Groteske ist der Gegensatz der Schönheit nicht die Hässlichkeit, vielmehr ergänzen sie einander. Groteske bringt das ans Licht, was im Finstern verborgen ist, in diesem Fall durch die Verwandlung, denn die offensichtliche Verwandlung Gregors löst alle die anderen Verwandlungen aus. Da das Groteske ein sehr umfassender Begriff ist, wird dies in diesem Aufsatz aus der Perspektive von Mikhail Bakhtin analysiert, um den Fokus nicht aus den Augen zu verlieren. Somit kann man davon ausgehen, dass die allmählich zunehmende Spannung, die Verschwommenheit der Verwandlungen, oder genauer gesagt, was wir unter Verwandlung verstehen, und die Lächerlichkeit, die wohl als furchterregend oder tragikomisch angenommen werden kann, zeigen uns, dass unsere tief verwurzelte, verinnerlichte Werten aus wirklichen aber umso unwirklicheren, merkwürdigen aber umso ernsthafteren Dimensionen entstehen, anders gesagt, das Groteske zeigt uns die Schönheit der Absurdität. Das Groteske lässt alle die Begriffe und Wahrnehmungen ineinander übergehen. Da entsteht ein teils hässlicher, teils schöner Mischmasch. Das Vertrauen des Lesers in das Normale, das von Gesellschaft Genehmigte wird dadurch zutiefst erschüttert. Das Groteske hilft dabei, dass die “heimlichen Bosheiten” , anhand welcher die despotischen Regimes die Leute erfolgreich stillhalten, ans Licht kommen und von der Leute mit Gelächter und Spötterei empfangen werden. Es wurde in diesem Aufsatz außerdem über die Metaphern, Handlungsstrang, düsteren Untertonen und den allgemeinen Aufbau gründlich diskutiert. Die Charakterisierungen haben eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Kafka selbst und seinem Familienkreis. Das gewährt einen tiefen Einblick in seinen Leben und seine Weltanschauung. Man kann in “die Verwandlung” mehr über Kafkas Verhältnis zu seiner Familie entdecken als eine Biografie weil Kafka seinen Herz durch seine literarischen Werke ausschüttet. Es gibt dennoch einige Ungewissheiten, die dem Leser Interpretationsspielraum lassen wie zum Beispiel die Größe von dem Ungeziefer oder ob die Schwester tatsächlich nur an sich selbst denkt. Vor allem bedeutend ist, dass Kafka seinen Werk mit der Macht einer eindrucksvollen, dennoch ungekünstelten Sprache gekrönt hat. Die Gedanken und Gefühle gewinnen durch diese tiefsinnige, vielschichtige und geschickte Art und Weise an Bedeutung. Deshalb kann man wohl sagen, dass dieser literarische Werk ein Spiegelbild von Kafkas Persönlichkeit ist.

2. Hauptteil

2.1. Vorstellung der Charakteren

Gregor Samsa:Gregor ist ein reisender Tuchhandler, dessen Alter vermutlich zwischen zwanzig und dreißig ist. Nachdem das Geschäft des Vaters Pleite gegangen war, ist er das einzige arbeitstätige Familienmitglied, beziehungsweise der Ernährer ganzer Familie geworden. Er ist weder ein Streber, noch ein Überflieger gewesen. In seiner Berufslaufbahn ist er nullachtfünfzehn (mittelmäßig), wie Kafka selbst. Er hasst seinen Beruf dennoch erträgt er ihn, denn das Wohlbefinden seiner Familie steht für ihn im Vordergrund, wenngleich dieses Verhältnis auf keine Herzlichkeit und Innigkeit beruht. Er ist trotzdem kein arbeitsscheuer Mensch. Da seine Arbeit alle seine Zeit in Anspruch nimmt, kann er gar keine Zeit schaffen, um seine Herzenswünsche zu erfüllen und eine Partnerin kennenzulernen. Eine Schilderung von einer Frau mit Pelzmantel ist seine einzige Tröstung. Er ist ein zurückweichender, zaghafter, dennoch verantwortungsbewusster und selbstloser Mensch, der sich oft in die geistige Welt zurückzieht und fast nie den Mut aufbringen kann, über seinen eigenen Schatten zu springen. Durch seine Verwandlung befreit er sich ,oder er glaubt zumindest so, von seinen alltäglichen Verpflichtungen aber nun ist er ironischerweise sein Lebens lang pflegebedürftig.

Er legt seine liebe Schwester, Grete, besonders ans Herzen. Er will für sie den Weg zum Konservatorium auf Biegen und Brechen frei machen.

Nur die Schwester war Gregor doch noch nahe geblieben...” (Kafka, 28). Der Leser spürt, dass er mit seinem Vater nicht umgehen kann, obwohl es keinen offenen Hinweis gibt als die anscheinende Distanz vor der Verwandlung Gregors. Hierbei ist diese Beziehung auf die von Franz und Hermann Kafka zurückzuführen. Der Vater vertreibt ihn und haut mit dem Bein einen Schwung zu ihm und Gregor kriecht zu seinem Zimmerblutendzurück undbedankt sichbei dem Vater. Er hat zwar nichts gegen seine Mutter, dennoch hält er sie nicht für besonders klug und bezweifelt, inwieweit sie ihn wirklich kennt.

Nach der Verwandlung will er einfach raus und weg, dennoch kann er das nicht schaffen. Er verlangt immer noch nach Nestwärme jedoch kommt er zur Einsicht, dass er nun wie ein bedrohlicher Außenstehender behandelt wird und betrachtet den Tod als der einzige Ausweg zuliebe des Segens seiner Familie. Dieselbe Zuneigung mit denselben Beweggründen war damals auch bei Franz Kafka zu beobachten. Er bleibt seiner Familie (im wahren Sinne des Wortes)bis in den Todtreu. Es wird ihm alles nach und nach gleichgültig. Am Ende verliert er den inneren Kampf und gibt sich geschlagen.

Grete Samsa:Grete ist ein siebzehn jähriges Mädchen, das laut Gregor und ihrer Eltern noch nicht vernünftig denken kann. Es ist dem Leser unklar, ob sie ihren Bruder wirklich liebt oder heimlich ausnutzt. Sie erträgt ihn irgendwie am Anfang aber im Laufe der Zeit zeigt sie ihr wahres Gesicht. Sie versucht nicht wirklich, ihn zu verstehen und sein Problem zu erkennen, wie die anderen Familienmitglieder.

Grete Samsa weist eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit Ottla Kafka auf. Sie ist für ihren Bruder immer da und bleibt ihm treu. Dennoch plötzlich wechselt sie ihre Gesinnung und verrät ihn. Der Vater mag Gregor körperlich verletzt haben aber der Todesschlag, der seine Seele schadet, kommt von seiner selbstsüchtigen Schwester, Grete. Sie wird von ihren Eltern dadurch immer unabhängiger, dass sie sich traut, Gregors Zimmer hineinzutreten und ihm Essen zu bringen, selbst wenn sie nach und nach aufgibt, sich um eine Speise zu kümmern, die ihm schmeckt. Sie kann ihm jedoch noch nicht begegnen. Nachdem sie größtenteils eigenständig geworden war, hat sie sich immer weiter von Gregor entfernt und von der Familie als eine Erwachsene behandelt.

Franz und Ottla hatten sich zwar miteinander versöhnt, dennoch ist das nicht der Fall in der Geschichte. Es liegt hauptsächlich daran, dass Ottla noch an der Seite der Familie war, während Franz Kafka “Die Verwandlung” schrieb.

Grete wird nach einer Weile als das einzige Kind der Familie betrachtet und empfängt deren Liebe, die Gregor nie in seinem Leben spüren zu bekommen hat. Sie macht sich daran, sich selbst zu verwirklichen und bleibt am Ball indem sie Französisch und Stenographie erlernt.

Gretes Beweggründe bleiben dennoch Rätsel. Franz Kafka hatte darauf verzichtet, eine letztendliche Entscheidung zu treffen, ob sie unschuldig oder böse ist. Wahrscheinlich war das auch so eine Ungewissheit für Franz Kafka selbst.

Der Vater:Der Vater, der früher sein Geschäft total heruntergewirtschaftet hatte und infolgedessen in Konkurs gegangen war, führt in seinen (schätzungsweise) Endfünfzigern dank Gregor ein behagliches und unbeschwertes Leben, wenngleich er gegenüber ihm immer bissig ist und ihn verachtet. Gregor unterwirft sich ihm unverständlicherweise vorbehaltlos, obwohl er ihn hasst.

“Die Mutter übrigens wollte verhältnismäßig bald Gregor besuchen, aber der Vater und die Schwester hielten sie zuerst mit Vernunftgründen zurück, denen Gregor sehr

Er verdient zwar kein Geld, beschlagnahmt aber das ganz aufmerksam zuhörte, und die er vollständig billigte.”(31)

Das Einkommen, ein kleiner Teil dessen genug wäre, die Schulden zu begleichen und dadurch Gregor von seiner gehassten Arbeit zu befreien wenn dies von dem Vater nicht gespart würde, wird vom Vater gespart. Um Gregor kümmert sich der Vater anscheinend nicht im Geringsten. Die übertriebene Sparsamkeit des Vaters wurde ausgedrückt wie folgt:“ Es war bloß eine Summe, die man eigentlich nicht angreifen durfte, und die für den Notfall zurückgelegt werden musste; das Geld zum Leben aber musste man verdienen.”(29) Gregors Naivität veranlasst ihn, seine Dominanz zu bewahren ohne jeglichen Einwand. Er ist eine Last, die Gregor auf dem Rücken zu tragen hat. Er ist nämlich ein Schmarotzer.

Der Name des Vaters bleibt dem Leser ungewiss, denn der Schriftsteller kümmert sich darum nicht so äußerst. Das schildert die Beziehung zwischen Franz und seinem Vater kristallklar, die auch in “Brief an den Vater” von Franz Kafka zu finden ist. Franz war in seinen Augen immer ein Ungeziefer gewesen. Der Vater trifft die wesentlichsten Entscheidungen an seiner statt, sowohl in der Geschichte als auch im realen Leben.

Er war früher durchaus schwach und abgeneigt, eine neue Arbeitsstelle zu suchen dennoch gewinnt er durch Gregors Verwandlung seine längst verlorene Kraft zurück.

Er war seit Anbeginn Gregors Verwandlung immer feindselig gegenüber ihm. Bei den Verfolgungen flieht er immer in sein Zimmer. Das ähnelt den Streiten zwischen Hermann und Franz Kafka und der Tatsache, dass er sich nach diesen Streiten in seinen Zufluchtsort, nämlich in die geistige Welt zurückzog.

Da Gregor nun keine Rolle bei der Versorgung der Familie spielt, ist er eine Schande und muss umgehend versteckt werden. Er tritt und verletzt ihn auf jede Art und Weise, er schmeißt ihm sogar einen Apfel, der seinen panzerartigen Rücken trifft und schlussendlich zu seinem Tod beiträgt“ Die schwere Verwundung Gregors, an der über einen Monat litt- der Apfel blieb, da ihn niemand zu entfernen wagte, als sichtbares Andenken im Fleische sitzen-...“(40).

Während Gregor noch am Leben ist unterwirft sich der Vater den drei Zimmerherren, die dies offensichtlich nicht zu schätzen weißen. Dennoch ändert sich diese Situation aufgrund Gregors Tod drastisch. Er fühlt sich nie mehr minderwertig und spielt seine Überlegenheit gegenüber ihnen aus““Verlassen Sie sofort meine Wohnung!” sagte Herr Samsa und zeigte auf die Tür, ohne die Frauen von sich zu lassen.”(54).

Die Mutter:Die Mutter wird als eine ziemlich passive Person dargestellt. Sie leidet unter Asthma und ist nicht erwerbstätig. Sie liebt seinen Sohn und ist wahrscheinlich die Einzige, die sich um ihn wirklich kümmert. Sie will doch ihm helfen, hat aber weder Macht über die anderen Familienmitglieder noch Kraft. Sie fällt in Ohnmacht immer wenn die Handlung ihren Höhepunkt erreicht““Ach Gott, ach Gott!” und fiel mit ausgebreiteten Armen, als gebe sie alles auf, über das Kanapee hin und rührte sich nicht.”(36). Dieses Verhalten hat sich quasi zu einem Verteidigungsmechanismus gegen unangenehme Situationen verwandelt.

Abgesehen von der Tatsache, dass sich Gregor in ein Ungeziefer verwandelt hat, weshalb er sich so gut wie kaum verständigen kann, ist die Mutter selbst vor Gregors Verwandlung niemals imstande gewesen, ihn völlig zu verstehen. Sie ist fester Überzeugung, dass Gregor gerne zur Arbeit geht und sich der mit Haut und Haare verschreibt.“Der Junge hat nichts im Kopf als das Geschäft.”(11) Sie erspart sich sozusagen jeglichen Blick, der nicht mit ihren Vorstellungen übereinstimmt.

Der Prokurist:Der Prokurist schildert den damaligen Ansatz der wirtschaftlich überlegenen Oberschicht gegenüber den Arbeitnehmern. In seiner Gegenwart ist der Vater, nämlich der Machthaber der Familie, nur ein kläglicher Unterwürfige.

Es ist durchaus markant, dass der Prokurist bei allerersten Verspätung Gregors unvermittelt vor dessen Haustüre steht und ihm vorwirft, blau zu machen, ohne sich nach etwaigen Gründen zu erkundigen. Er hat keinen Respekt vorm Lebensraum seiner “Untertanen”.

Er zeichnet sich durch Machtgier, Unmenschlichkeit und Überheblichkeit aus. Als er das Ungeziefer beziehungsweise Gregor zu sehen bekam, kam er zu der Erkenntnis, dass er nun keine Macht über ihn hat, weil dieses Ungeziefer nicht in der Lage ist, eine aktive Rolle bei den Rädern der Handel und Industrie zu spielen. Er nimmt die Beine unter den Arm, nicht nur wegen Gregors furchterregender Erscheinung, sondern auch weil er seine Verantwortung eher zu vernachlässigen bevorzugt, denn er ist auch schuld an Gregors Verwandlung wegen seinem grausamen Verhalten gegenüber ihm.

Da ergibt sich die Frage: Was ist der Stellenwert der Arbeitnehmer und inwieweit ist das Leben eines Arbeitnehmers von Wichtigkeit?

Die drei Zimmerherren:Die Zimmerherren werden äußerlich identisch geschildert und sind kaum voneinander unterschiedlich. Sie sind rücksichtslos und haben nur dann Macht, wenn sie zusammen sind. Das mag ein kleines Modell der Gesellschaft sein. Man kann sie auch als “Invasoren” betrachten. Sie lassen die Grenzen zwischen Außenwelt und Heim verschwimmen. Sie legen auf Gregor gar keinen Wert. Sie machen sich Sorgen nur um belanglose und oberflächliche Sachen wie zum Beispiel Hygiene des Gregors Zimmers und ignorieren Gregors Dasein.

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Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668600270
ISBN (Buch)
9783668600287
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v385794
Institution / Hochschule
Hacettepe Universität
Note
Schlagworte
verwandlung” franz kafka allgemeine analyse bestandteile

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