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Sportunterricht fördert die Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft, soll aber auch zu einer realistischen Selbsteinschätzung verhelfen

Seminararbeit 1998 14 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ist Leistungsbereitschaft erkennbar?

2. Sinn von Leistungsbereitschaft

3. Wer soll gefördert werden?

4. Sinn und Ziele der Förderung

5. Realisierungsmöglichkeiten in der Praxis

Schluß

Literaturverzeichnis

Einleitung

Schule stellt an sich ja die Aufgabe und Intention, den Schüler auf das Leben vorzubereiten und ihm Hilfen an die Hand zu geben, wie er dieses besser bewältigen und für sich positiv gestalten kann. Das kann unter anderem bedeuten, wie ich als Schüler an bestimmte Anforderungen herangehen kann, um sie für mich handhabbar zu machen und zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Oder wie kann ich bestimmte durch soziale Umstände geprägte Situationen lenken und wie muss ich mich den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechend verhalten, um diesen Genüge zu leisten. Weiterhin liegt dem Lehrer auch daran, seinen Schülern Werte und Normen zu vermitteln, an welchen sie sich orientieren oder mit welchen sie sich auseinandersetzen können, sodass sie die von der Gesellschaft im Moment geforderten Verhaltensdispositionen überdenken und für sich beurteilen, annehmen, ablehnen oder für sich modifizieren können.

Wenn man sportliche Aktivitäten aus diesem Blickwinkel betrachtet, so kann man feststellen, dass sie wesentliche, von der Gesellschaft zunehmend geforderten Schlüsselqualifikationen beinhalten.

Die Schüler sollen auch die Bereitschaft erlangen, sich einsetzen zu wollen, zu kämpfen gegen einen Gegner und selbstverständlich auch gegen sich selbst und sich durchsetzen zu können. Sie sollen also bereit sein, Leistung zu erbringen.

Leistung- einer der ganz großen, gefragten Eigenschaften in unserer sogar nach ihr benannten Leistungs-Gesellschaft.

Im Sport können die Schüler diesen Anforderungen der Gesellschaft noch auf spielerische Weise begegnen. Hier sollen sie erfahren, dass Leistung Freude und Zufriedenheit mit sich bringen kann und selbst wieder motiviert und neuen Ansporn liefert.

Durch Erfolgserlebnisse, Freude am Spiel und der Bewegung sollen die Schüler erkennen, dass eigener Einsatz und Erleben viel Spaß und Zufriedenheit mit sich bringen kann und dem verstärkt angepriesenen Konsum in unserer Gesellschaft vorzuziehen ist.

In der folgenden Abhandlung wird näher darauf eingegangen, ob Leistungsbereitschaft überhaupt bei den Grundschulkindern erkennbar und wozu sie nötig ist.

Daraufhin wird geklärt, wer in diese Richtung gefördert werden soll und welchen Sinn eine solche Förderung verfolgt. Ebenso werden die dabei angestrebten Ziele und Hilfen zur Realisierung in der Praxis aufgezeigt.

1. Ist Leistungsbereitschaft erkennbar?

Bevor man sich nun Gedanken darüber macht, auf welche Art und Weise, zu welchem Zweck und mit welchen Zielen man die Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft von Schülern am besten fördern kann, ist es angebracht zunächst nach der bereits vorhandenen intrinsischen Motivation der Grundschulkinder zu fragen. Zeigen sich Kinder der Primarstufe motiviert, freiwillig Leistungen zu erbringen und sich aus eigenem Antrieb anzustrengen?

Eigene Erfahrungen während Praktika und der Aussage einiger Lehrkräfte zu Folge bewegen sich Kinder vor allem in spielerischer Form äußerst gerne und ausdauernd. Dieser Beobachtung schließt sich auch die Meinung von Liselott Diem an, die von einer "natürliche(n) Anstrengungsbereitschaft" des Kindes im Sport spricht; "Es strengt sich gerne an, es will leisten." (Diem, S. 71). W. Joch äußert sich zur Ausdauerleistung eines Kindes, die es freiwillig erbringt, folgendermaßen: "Das Kind ist der geborenen Langstreckenläufer im stundenlangen Spiel. Ein Erwachsener würde ein solches Spiel in seiner Intensität und Dauer nicht mehr aushalten, wenn er nicht ausdauertrainiert ist" (Joch, S. 10). Allerdings dürfen derartige Leistungen des Kindes nicht unter Leistungsdruck und -zwang erfolgen, da unter diesen Bedingungen der Aspekt der Freiwilligkeit und Freude an der Anstrengung verloren gehen kann. Dies wird ebenfalls im Lehrplan bei den Zielen und Aufgaben des Sportunterrichts angeführt, wenn es heißt: „Er vermeidet übertriebenes Leistungsstreben“.

Die Bereitschaft sich anzustrengen und Leistungen zu vollbringen scheint also bei Kindern im Grundschulalter von Natur aus angelegt zu sein.

Im Schulalltag gilt es nun, diese Anlage zu fordern, auszubauen und dem Schüler zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen, sodass sie stabilisiert wird oder zumindest erhalten bleibt und im Laufe der Schulzeit nicht verebbt.

2. Sinn von Leistungsbereitschaft

Es stellt sich die Frage, wozu Leistungsbereitschaft und die Bereitschaft, sich anzustrengen, überhaupt nötig und vorteilhaft sind. Warum ist der Schüler schon von sich aus bereit, Leistung zu bringen?

Sobald der Schüler sich sportlich betätigt, setzt er seinen Körper ein. Geschieht dies aber zielgerichtet und leistungsbezogen, so kann die Körpererfahrung unter einem anderen Blickwinkel in die Erfahrungswelt des Schülers rücken. Denn wenn er versucht, seine Leistungen zu verbessern oder zu optimieren, gelangt er an einen Punkt, an dem er seine körperlichen Möglichkeiten viel bewußter als zuvor wahrnimmt. Weiterhin wird er auch versuchen, durch eine Verbesserung der Technik oder Variation der die sportliche Aktivität bedingenden Faktoren seine eigenen Kapazitäten auszubauen. Das heißt, er versucht das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und gelangt somit unweigerlich an seine ihm im Moment gesetzten Grenzen. Ganz objektiv gesehen kann er zum Beispiel in der Leichtathletik erkennen, dass seine Bestleistung im Weitsprung trotz mehrerer Versuche im Moment nicht zu übertreffen ist. Auf subjektiv-affektiver Ebene kann er erspüren und fühlen, dass sein Körper trotz aller Anstrengung nicht mehr als dies zu leisten vermag. H. Rieckert geht über die Erfahrungen innerhalb des Sportunterrichts hinaus und spricht von Erlebnissen und Grenzerfahrungen durch Sport. Dazu zählt er außer der Fitness und Vitalität auch das Wagnis, das Abenteuer, das Ausleben von Emotionen, Spannungen im Wettkampf, Risiko und Selbstbeherrschung (vgl. Rieckert S. 169).

Ein im Sportunterricht meist ganz offensichtlicher Grund, sich anzustrengen, ist der Wille der Schüler, Erfolge zu erzielen. Dies kann sowohl der Sieg bei einem Spiel, als auch das Übertreffen der eigenen Bestleistung oder der eines Mitschülers sein.

Eine weitere mögliche Ursache, warum sich ein Schüler von sich aus anstrengt, ist nicht unmittelbar in ihm zu finden, sondern entsteht durch die Anforderungen von außen, denen er versucht, gerecht zu werden. Dies kann auf sozialer Ebene der Vergleich oder Konkurrenzkampf unter Schülern sein, der zu besseren Leistungen anstachelt, aber auch die Lehrkraft kann hier als Vorbild dienen, der die Schüler nachzueifern versuchen. Der Lehrer kann dies durch positive Rückmeldungen und motivierende Äußerungen noch verstärken. Innerhalb des Unterrichts kann auch eine Belohnung für den Sieger, die Siegermannschaft oder denjenigen mit der höchsten Leistungssteigerung einen Anreiz bieten. Eine eher negative und auf Dauer sicherlich nicht förderliche Anforderung von außen ist der Druck von Elternseite. Falls diese auf gute Noten oder bessere Leistungen drängen, kann dies zwar zunächst zu einer Vergrößerung der Anstrengungsbereitschaft führen, letztendlich aber nicht auf Dauer motivieren.

Bei manchen Kindern könnte auch schon das Motiv vorherrschen, dem eigenen Ehrgeiz gerecht werden zu wollen oder sich selbst zu behaupten.

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Details

Seiten
14
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638376297
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v38623
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Schlagworte
Sportunterricht Anstrengungs- Leistungsbereitschaft Selbsteinschätzung
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