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Die jüdische Kabbala. Ein Annäherungsversuch an die Gliederung der sefirotischen Welt

Seminararbeit 2009 13 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die jüdische Kabbala

3. Der Sohar, das Buch des Glanzes,
3.1. Ez Chajim – der kabbalistische Baum des Lebens
3.2. Ejn-Sof
3.3. Das System der 10 Sefirot
3.4. Lurianische Kabbala

4. Zusammenfassung

5. Persönliche Schlussbetrachtung:

1.Einleitung

Als angehende Lehrerin hat man natürlich immer seine künftigen und gegenwärtigen Schüler/innen vor Augen, Themen, die sie interessieren, Fragen, die sie stellen und Menschen, Idole aus Sport, Film und Musik, an denen sie sich orientieren. Die jüdische Kabbala ist seit einiger Zeit nicht mehr nur eine mystische Angelegenheit einiger Experten und geschulter Kabbalisten, sie ist inzwischen zum Kult unter Hollywoodstars und anderer Prominenter avanciert. Madonna, die Beckhams, Demi Moore oder Gwyneth Paltrow treten als Anhänger der kabbalistischen Lehre auf. In diesem Zusammenhang können im Unterricht nicht nur Fragen auf die Lehrkraft zukommen, sondern auch unreflektiertes Nacheifern der bewunderten Stars. Das mystische, geheimnisvolle übt einen faszinierenden Bann aus. So nutze ich diese Seminararbeit ganz persönlich dazu, Ordnung in das zunächst befremdlich wirkende Denk- und Deutungsmuster der jüdischen Kabbala zu bringen, um später –sollten die Fragen kommen- diese „Ordnung“ auch im Unterricht vermitteln zu können. Neben einem kurzen Einblick in die Anfänge der jüdischen Mystik werde ich mich daher vor allen Dingen darum bemühen, das eigentliche „Gravitationszentrum“ dieses mystischen Denkens, die geheimnisvollen Wirkungskräfte der 10 Sefirot, zu begreifen. Ich möchte deutlich machen, dass die Kabbala des Mittelalters weit davon entfernt war und ist ekstatisch-esotherische Erfahrungen zu vermitteln, sondern ein Verstehen der göttlichen Welt und ihrer verborgenen Verbindungen zur Schöpfung angestrebt wurde und wird.

2. Die jüdische Kabbala

Kabbala – aus dem hebräischen von qabbada, Empfangenes, Tradition - ist die klassische jüdische Mystik, wie sie sich ab dem 12. Jahrhundert aus antiken Wurzeln und unter dem Einfluss der neoplatonischen Emanationslehre in Spanien und der Provence entwickelte.[1] Parallel zu der jüdischen Mystik bildete sich im mittelalterlichen Judentum die jüdische Religionsphilosophie mit Rückgriff auf das aristotelische Denken heraus.[2] „Dem Philosophen geht es darum, Gott zutreffend zur Sprache zu bringen, was letztlich darauf hinausläuft, ihn von allen menschlichen Zügen zu transzendieren. Dem Mystiker hingegen ist es darum zu tun, eine Begegnung (wenn nicht gar Vereinigung) zwischen Mensch und Gott zu denken, er muss also irgendeine Art von Immanenz Gottes begründen.“[3]

Die Anfänge der jüdischen Kabbala liegen im 12. Jahrhundert mit dem Buch Bahir, lange Zeit Hauptgrundlage der danach allmählich verschriftlichten kabbalistischen „Geheimlehre“. Mystische Strömungen gab es schon davor und so greift auch das Buch Bahir dieses Denken auf und geht zurück auf ältere Formen (Merkaba, Hekhalotliteratur, Buch Ezechiel).[4] Dabei enthält dieses Buch nur streckenweise das Neue, also Aussagen über Symbole und Funktionen, welche die 10 göttlichen Wirkungskräfte betreffen.[5] Erst mit dem Sohar, der als Hauptwerk der Kabbala gilt, wurde dies strukturell ergänzt und ein ziemlich fixiertes Grundschema konstruiert, quasi eine Leseschablone oder Deutungsfolie für kabbalistische Texte entwickelt.[6]

3. Der Sohar, das Buch des Glanzes,

Der Sohar, Buch des Glanzes, ist das Buch der Kabbala schlechthin, verfasst in der Form eines antiken Midrasch bedient er sich ebenso der „Midrasch-Methode“, der Auslegung eines Verses durch einen anderen. Im Sinne dieser „Vergleichungsmethode“ werden immer wieder Stellen aus anderen biblischen Büchern (Psalmen, dem Hohen Lied) herangezogen. „Das Neue kommt im Gewand des Alten daher. In Sprache, einem archaisierenden Aramäisch, und Form wird der Eindruck erweckt, als handle es sich um ein Werk der rabbinischen Zeit, verfasst von Simon bar Jochai, einem Tannaiten zur Zeit Hadrians.“[7] Als maßgeblicher Verfasser gilt aber inzwischen Mose ben Schem Tov de Leon, der zwischen 1280 und 1286 große Teile des Werkes verfasst hat.[8]

Der Sohar beschreibt die Gottheit als einen dynamischen Fluss von Kräften, welcher viele verschiedene Aspekte umfasst. Man findet in der Kabbala keine rationalen Vernunftserklärungen, sondern es ist ein Rückbezug auf die Schrift, es handelt sich nicht um eine literatur-kritische Auslegung, d.h. es geht nicht darum den historischen Wortsinn zu erfassen, sondern kabbalistische Auslegung versucht in dem Bibeltext eine weitergehende Realität zu sehen. Die Schriftauslegung der Mystiker ist der Versuch eines neuen Verstehens der biblischen Texte. Dabei soll jedes Wort der Tora in einem verschlüsselten System von auf- und miteinander wirkenden Kräften wieder zu finden sein und so geheime Vorgänge in der Gottheit selbst verbergen.[9] Diese gilt es für den Kabbalisten zu entdecken. „Die Kabbalisten fanden in der Bibel in erster Linie nicht eine Darstellung philosophischer Gedanken, sondern vielmehr die symbolische Darstellung des verborgenen Prozesses des göttlichen Lebens, das sich in den Manifestationen und Emanationen der Sefirot entfaltet. Dieses am besten wohl theosophisch zu nennende Anliegen steht für sie an erster Stelle.“[10]

3.1. Ez Chajim – der kabbalistische Baum des Lebens

Die Struktur der Sefirot wird in der Kabbala als Ez Chajim, Baum des Lebens, bezeichnet. Sefirot ist die hebräische Bezeichnung der zehn göttlichen Emanationen in diesem dynamischen System. Dieses Modell spiegelt die göttliche Schöpfung zugleich im Mikrokosmos und Makrokosmos. Nach den Kabbalisten zeigen sich in den 10 Sefirot die Wirkungskräfte der offenbarenden und verborgenen Aspekte der Gottheit. Die Sefirot sind rein geistige Welten, fern von jedem materiellen Gedanken. „Der Sefiroth-Baum. wahrt das Bild der organischen Gestalt, in der alles an seinem rechten Orte steht und von dort erst im Verband des Ganzen die ihm gemäße Wirkung ausübt. Der Sefiroth-Baum, in dem Gott seine Kräfte eingepflanzt hat, ist auch der Weltenbaum und in einem gewissen Sinn der Baum des wahren Lebens.“[11] Ein Strukturprinzip ist die Abfolge der Ziffern von 1 bis 10. Zehn an der Zahl - mit jeweils unterschiedlichen Zuschreibungen, Attributen? Öffnet sich hier gar eine polytheistische Hintertür? Dieser Gedanke lag den Kabbalisten mehr als fern, alle unterschiedlichen Erscheinungen in den 10 Sefirot gehen immer in der Substanz nur auf den einen Gott – ejn sof - zurück.[12]

3.2. Ejn-Sof

Sowohl die neoplatonische Emanationslehre als die aristotelische Philosophie setzten als gegeben voraus, dass Gott unendlich, unwandelbar und unerkennbar ist. Jenseits der allgemeinen menschlichen Erkenntnis steht Gott, er ist über allem, das unwandelbare Unendliche. In der Kabbala wird dieser nicht offenbare Aspekt Gottes in der Regel als Ejn Sof („ohne Ende“) bezeichnet.[13]

[...]


[1] vgl. Seminar, Universität Potsdam, Einführung ins Judentum, Susanne Galley WS 2005/2006 sowie Galley, Susanne: Das Judentum, Campus-Verlag Frankfurt/Main, 2006

[2] vgl. Galley, S.: Das Judentum, S.86

[3] Galley, S.: Das Judentum, S. 86f

[4] vgl. 1 und 2. Seminarsitzung: Die dynamischen Aspekte der Gottheit. Zur Sefirot-Lehre im Buch Sohar, Dozent: Dr. Haußig

[5] vgl. Maier, Johann: Die Kabbalah: Einführung – klassische Texte – Erläuterungen, Beck-Verlag, München 1995, S.48

[6] vgl. Maier, J.: S.48

[7] Galleys, S.: Das Judentum, S.93

[8] Galley, S.: Das Judentum, S.93

[9] vgl.u.a. 2 und 3. Seminarsitzung: Die dynamischen Aspekte der Gottheit. Zur Sefirot-Lehre im Buch Sohar, Dozent: Dr. Haußig

[10] Scholem, Gershom: Zur Kabbala und ihrer Symbolik, Rhein-Verlag Zürich, 1960, S.75

[11] Scholem, Gershom: Von der mystischen Gestalt der Gottheit, Rhein-Verlag, Zürich, 1962, S.34

[12] vgl. 1 und 2. Seminarsitzung: Die dynamischen Aspekte der Gottheit. Zur Sefirot-Lehre im Buch Sohar, Dozent: Dr. Haußig

[13] vgl. Grözinger, K.E.:Jüdisches Denken. Theologie, Philosophie, Mystik, Bd 2: Von der mittelalterlichen Kabbala zum Hasidismus, Darmstadt 2005, S.218f sowie Galley, S.: Das Judentum, S. 89

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668609372
ISBN (Buch)
9783668609389
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v386906
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – LER Lebensgestaltung, Ethik Religion, philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Kabbala Sefirot-Lehre Judentum Mystik

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Titel: Die jüdische Kabbala. Ein Annäherungsversuch an die Gliederung der sefirotischen Welt