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Staatlich geförderte Altersvorsorge. Welche Möglichkeiten bietet Riester zur Schließung der Versorgungslücke im Rentenalter?

Studienarbeit 2017 16 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das deutsche Rentensystem
2.1 Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung
2.2 Das Drei-Säulen-System der Altersvorsorge

3 Beispielrechnung einer Riester-Rentenversicherung
3.1 Anforderungen der Riester-Produkte
3.2 Grundlagen des Rechenbeispiels der Riester-Rente
3.3 Methode zur Berechnung der Rentenhöhe
3.4 Rentabilitätsrechnung der Riester-Rente

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Skepsis über die staatliche Versorgung im Alter in Deutschland ist groß. 61 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland fühlen sich für ihre Rente nicht ausreichend abgesichert. So lautet die schockierende Meldung einer Umfrage des AXA Deutschland-Reports 2017.1 Somit scheint eine Mehrheit der Deutschen finanziell nicht für das Alter gewappnet. Untermauert wird diese Angst durch Probleme des demographischen Wandels und einhergehender politischer Reformen wie der fortwährenden Erhöhung des Renteneintrittsalters oder Senkungen des gesetzlichen Rentenniveaus.2 Prognosen des Rentenberichts der Bundesregierung zufolge wird sich der Trend des Sinkens des Rentenniveaus weiterhin fortsetzen. Die Bundesregierung spricht hier auch deutlich an, „dass die gesetzliche Rente zukünftig alleine nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard [zu halten]“.3 Als zusätzliche Absicherung werden staatlich geförderte Maßnahmen über das Alterseinkünftegesetz angeführt. Eine Möglichkeit zur Nutzung dieser staatlichen Förderung ist die Riester-Rente.4

Im Folgenden soll erläutert werden, ob die Riester-Rente der Bevölkerung als Option für die Schließung der Versorgungslücke im Alter dienen kann. Hierfür soll zunächst einmal auf die bestehenden Problematiken im deutschen Rentensystem und die daraus resultierende Versorgungslücke eingegangen werden. Um die Frage der Tauglichkeit der Riester-Rente zu beantworten, soll das Konzept der Riester-Rente zunächst erklärt und anhand eines Rechenbeispiels und Rentabilitätseinordnung bewertet werden.

2 Das deutsche Rentensystem

Um eine Bewertung der Riester-Rente durchzuführen, muss diese zunächst in das Rentensystem eingeordnet werden. Zur Einordnung soll hierfür das Drei-Säulen-System verwendet werden.

2.1 Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung

Die erste Säule des Drei-Säulen-Systems bildet die gesetzliche Rente. Mit den Rentenreformen von 2001 und 2004 wurde die Altersvorsorge in Deutschland grundlegend verändert. Seit 1957 besteht in Deutschland ein umlagefinanziertes Rentensystem. Dabei zahlen die Erwerbtätigen und Arbeitgeber gemeinsam die Beiträge zur Finanzierung der aktuellen Renten und nicht der eigenen Renten. Durch den Generationenvertrag erwerben sie jedoch zeitgleich einen Anspruch zum Erhalt der Rente in der eigenen Rentenphase.5

Das Ziel dieses Rentensystems war, dass Versicherte, die in ihrem Erwerbsleben dauerhaft ihre Beiträge zahlten, eine lebensstandardsichernde Rente erhalten. Der Lebensstandard in der Rentenphase wurde äquivalent zum beruflichen Lebensstandard gesetzt. Hierdurch sollte auch Altersarmut vermieden werden. Mit dem Altersvermögensgesetz von 2001 wurden allerdings genau diese Ziele in den Hintergrund gestellt. Im Vordergrund stand nun die Beitragssatzstabilität für die Erwerbstätigen. So sollten die Belastung der Beitragszahler und die Lohnkosten für die Arbeitgeber langfristig stabil gehalten werden.6 Um diese Beitragssatzstabilität umzusetzen, mussten zahlreiche und tiefgreifende Einschnitte bei der gesetzlichen Rente vorgenommen werden. Das Abschmelzen der Beitragszahlerbasis in Richtung der Rentenempfänger durch den demografischen Wandel sollte unter anderem durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Einhalt geboten werden. Zusätzlich wurde die Berechnung der Renten modifiziert, so dass diese zukünftig nicht mehr direkt an das Lohnniveau der Bevölkerung gekoppelt ist und die Renten langsamer steigen als das Lohnniveau. Eine umfassende Lebensstandardsicherung entfällt somit, jedoch wurde so die Beitragsbasis gestärkt.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung des Netto-Rentenniveaus vor Steuern zwischen 1990 und 2030, Quelle: Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen (Hrsg.) (2017).

Zwangsläufig geht damit aber auch eine Absenkung des Rentenniveaus einher, da die Brutto- Löhne schneller steigen als der Rentenanspruch. Der Verlauf des Rentenniveaus von 1990 bis zur Prognose im Jahr 2030 ist in Abbildung 1 dargestellt. Das Netto-Rentenniveau sinkt hier im Verlauf von 55% im Jahr 1990 auf prognostizierte 43% im Jahr 2030. Das Netto- Rentenniveau bezeichnet das Verhältnis der Rente des Empfängers und zu seinem früheren Durchschnittsverdienst, vermindert um die Sozialabgaben.8 Deutlich wird, dass zwischen früheren und zukünftigen Rentenniveaus eine immer größere Lücke entsteht, die es auszugleichen gilt. Diese Lücke soll hier als Versorgungslücke im Rentenalter definiert werden.

2.2 Das Drei-Säulen-System der Altersvorsorge

Um die zuvor beschriebene Lücke der gesetzlichen Altersvorsorge zu schließen, wurde sich seit den Rentenreformen 2001 und 2004 stark an dem Drei-Säulen-System der Altersvorsorge orientiert. Auf diesen drei Säulen soll die Vorsorge gemeinsam bauen. Die erste Säule ist die beschriebene gesetzliche Rentenversicherung. Diese soll nach wie vor die Haupteinnahmequelle im Rentenalter bleiben.

Für die weitere Vorsorge ist jeder Beitragszahler individuell und freiwillig verantwortlich. Die zweite und dritte Säule sind die betriebliche bzw. private Altersvorsorge. Auf die zweite Säule soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen werden, da diese unerheblich für die Beantwortung der Leitfrage ist.9 Die dritte Säule wird durch die private Altersvorsorge abgebildet. In dieser Arbeit steht die private staatlich geförderte Altersvorsorge im Fokus, welche im Folgenden näher beleuchtet werden soll.

3 Beispielrechnung einer Riester-Rentenversicherung

Die private staatlich geförderte Altersvorsorge ist besser bekannt unter dem Namen RiesterRente. Trotz aller medialer Kritik an der Riester-Rente ist diese mit 48% Marktdurchdringung die beliebteste private Vorsorge in Deutschland.10 Aus dem Lager der Kritiker gibt es jedoch erhebliche Zweifel an der Rendite sowie der Kostenstruktur der Riester-Rente. Ebenso wird Riester häufig als Geschenk für die Finanzindustrie verunglimpft, da Riester ausschließlich von privaten Anbietern vertrieben wird.11

3.1 Anforderungen der Riester-Produkte

Für die Zulassung als Riester-Produkt, welches mit staatlichen Förderungen einhergeht, müssen die Anbieter zahlreiche gesetzliche Anforderungen einhalten. Einige Beispiele sollen an dieser Stelle einmal angeführt werden. Die Auszahlung der Rente darf frühestens ab dem 62. Lebensjahr beginnen. Die ausgezahlte Rente muss mindestens gleichbleibend ausfallen, zudem muss ein Kapitalerhalt der eingezahlten Beiträge zum Auszahlungszeitpunkt garantiert werden. Bei der Kostenstruktur gilt die Zillmerung, bei der die Vertriebs- und Abschlusskosten innerhalb der ersten fünf Jahre abgetragen werden müssen. Wichtig zu erwähnen ist außerdem, dass sämtliche Riester-Verträge geschlechtsneutrale Tarife sind, was bei der späteren Betrachtung der Rendite (vgl. S.9) eine Rolle spielt. Neben diesen Anforderungen müssen die vorsorgenden Personen außerdem zum Förderkreis der Riester-Produkte zählen. Hierzu gehören alle Personen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind, Empfänger einer Erwerbsminderungsrente und Beamte.12

Die Ausgestaltung der Riester-Produkte obliegt den Anbietern unter Einhaltung der beschriebenen gesetzlichen Anforderungen. Den größten Anteil der Riester-Produkte bildet die Riester-Rentenversicherung mit 67,5%, gefolgt von Investmentfondsverträgen mit 19%.

Ebenfalls möglich sind einfache Banksparpläne, die einen Anteil von 5% ausmachen und Wohn-Riester mit 8,5%, welcher zur Finanzierung des Eigenheims genutzt werden kann. Kosten- und Renditestrukturen können auf Grund des vorliegenden Produktportfolios nicht pauschalisiert werden. Differenzen können dabei nicht nur zwischen den Produktklassen ausgemacht werden, sondern ebenfalls innerhalb einer Produktklasse bei verschiedenen Anbietern.13

Allen Produkten ist jedoch die Förderung gemein. Gefördert wird Riester durch staatliche Zulagen und einen steuerlichen Sonderausgabenabzug. Die jährliche Zulage beträgt pauschal 154€ und wird 2018 auf 175€ erhöht. Zusätzlich können für jedes Kind weitere 185€ bzw. für Kinder ab dem Geburtsjahr 2008 300€ beantragt werden. Förderung kann häufig auch über den Sonderausgabenabzug beansprucht werden, indem die eingezahlten Beiträge von der Steuer abgesetzt werden.14

Um dem Umfang dieser Hausarbeit gerecht zu werden, wird im Folgenden ausschließlich das beliebteste Produkt, die Riester-Rentenversicherung, der Rechnung zugrunde.

3.2 Grundlagen des Rechenbeispiels der Riester-Rente

An dieser Stelle soll Riester hinsichtlich ihrer Rentabilität geprüft werden. Gewählt wurde eine Riester-Rentenversicherung des Anbieters Allianz. Die Allianz bietet online einen umfangreichen Beispielrechner, welcher jedoch ausschließlich für die Berechnung der Garantierente verwendet wurde. Diese dient als Basis für die weitere Berechnung in dieser Arbeit.15

Da es sich bei Riester um eine lebenslange monatliche Rente handelt, wird der Riester-Vertrag in dieser Arbeit als rentabel definiert, sobald die Summe aller Einzahlungen die Summe der ausgezahlten Renten übersteigt. Für diese Schwelle wird das jeweilige Alter des Rentenempfängers berechnet und dieses mit der statistisch durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland verglichen. Wenn diese Kennzahl höher als die Lebenserwartung liegt, lohnt sich der Abschluss im Durchschnitt nicht.

Um möglichst allgemeine Aussagen zu treffen, wurden drei verschiedene Einkommensklassen für die Berechnung gewählt, die vom statistische Bundesamt zuletzt 2014 definiert wurden.

[...]


1 vgl. AXA SA (Hrsg.) (2017), S.5.

2 vgl. Trischler, F. (2014), S. 9.

3 Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2016), S.12.

4 vgl. ebd. 1

5 vgl. Ruser A. (2011), S.118.

6 vgl. Dedring, K-H./ Deml, J. et al (2010), S.12f.

7 vgl. Wilke F. (2016), S.58f.

8 vgl. Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.) (o.J.a), zweiter Abschnitt im Hauptframe.

9 vgl. Bäcker G., Schmitz J. (2013), S.34.

10 vgl. die Bayrische (2017), zweiter Absatz im Hauptframe.

11 vgl. Freiberger, H. (2016), erster Absatz im Hauptframe.

12 vgl. Wilke, F. (2016), S.70f. 4

13 vgl. Bäcker G. (2016), S. 73.

14 vgl. Die Bundesregierung (Hrsg.) (2016), 6. Abschnitt im Hauptframe.

15 vgl. Allianz SA (Hrsg.) (o.J.), Hauptframe

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668611481
ISBN (Buch)
9783668611498
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v386915
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Riester-Rente Altersvorsorge Staatlich geförderte Altersvorsorge Riester Versorgungslücke Rente Rentenversicherung Rentensystem

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