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Beiträge der Systemtheorie zur Organisationsberatung

Hausarbeit 2001 16 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Überblick über die Grundlagen der Systemtheorie

3. Grundlagen der Beratung

4. Formen der Beratung
4.1. Die Expertenberatung
4.2. Die Prozeßberatung

5. Probleme der Beratung aus systemtheoretischer Sicht
5.1. Das Problem der operativen Geschlossenheit
5.2. Das Problem der Kommunikation
5.3. Das Problem der Veränderung

6. Das Berater-Klienten-Verhältnis

7. Schluß / Ausblick

8. Literatur

1 Einleitung

Die Veränderung des unternehmerischen Zielsystems vom produktionsorientierten Verkäufermarkt zum kundenorientierten Käufermarkt bringt für Unternehmungen zwingend auch eine Veränderung der Strategie zur Sicherung der langfristigen Überlebensfähigkeit mit sich.

Der unternehmerische Geist sieht sich hier nicht mehr nur dem ökonomischen Prinzip und der Frage nach Effizienz, sondern auch zunehmend Fragen der Effektivität der Kundenorientierung gegenübergestellt. Eine Zunahme der strategischen Erfolgsfaktoren[1] führt zu einer Erhöhung des Komplexitätsgrades der Unternehmung und somit zu einem höheren Koordinationsbedarf.

Hier eröffnet sich das Betätigungsfeld für Organisation- bzw. Unternehmensberatungen.

Einen ersten wissenschaftlichen Versuch von Organisationsberatung stellten die im 19. Jahrhundert durchgeführten Zeit- und Bewegungsstudien Frederik Taylors, die zur Philosophie des „scientific management“ führten, dar.

Nach verschiedenen klassischen und neoklassischen Managementtheorien des frühen 20. Jahrhunderts[2], die eher technisch orientiert waren, hält nun seit der Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals eine soziologische Theorie Einzug: die Systemtheorie, die menschliches Verhalten in Gesellschaften und Organisationen zu erklären versucht.

2 Überblick über die Grundlagen der Systemtheorie

Die Systemtheorie versucht, ähnlich wie die klassischen Eigenschafts-, Maschinen- und Handlungsmodelle, Erklärungen für menschliches Handeln zu liefern.[3][4]

Ihr liegen die evolutionstheoretischen Erkenntnisse Darwins, dem späteren Sozialdarwinismus[5] und das Konzept der Autopoiesis lebender Systeme von Humberto Maturana zugrunde. Niklas Luhmann überträgt dieses Konzept der operativen Geschlossenheit selbstreferentieller lebender Systeme auf soziale Systeme, wie Organisationen und Gesellschaften[6].

Diese sind nun in strenger Abgrenzung zu ihrer Umwelt zu „sehen“: basale Operation hierzu ist die Beobachtung[7], ein Unterscheidungs- und Bezeichnungsvorgang seitens des Beobachters. Ein Objekt, der „marked space“, wird von der Umwelt, dem „unmarked space“, zu einem Objekt / Nicht-Objekt-Verhältnis unterschieden und aufgrund von Erfahrungen bzw. Wissen des beobachtenden Subjekts z B. als Apfel / Nicht-Apfel bezeichnet.

Dabei ist der Beobachter jedoch nicht in der Lage, die Umwelt in dieser Beobachtung gegenüber dem Objekt zu bezeichnen, es ist paradoxerweise nur der Nicht-Apfel, obwohl es bekanntlich nicht nur Nicht-Äpfel neben den Äpfeln gibt. Ist aber für ein bestimmtes „Phänomen“ keine Vokabel im Referenzsystem, dem Gehirn als Wissensspeicher, vorhanden, so ist der Beobachter nicht in der Lage dieses Objekt von der Umwelt zu unterscheiden und zu bezeichnen.

In der Terminologie der Systemtheorie hat der Beobachter hier einen sogenannten „blinden Fleck“, den der Beobachter nicht sehen kann, der aber immer vorhanden ist und dessen Existenz akzeptiert und bei jeder Entscheidungssituation bedacht werden sollte.

Erst in einer zweiten Beobachtung oder als Beobachter zweiter Ordnung, also als Beobachter des Beobachters, wäre er in der Lage, zwar den blinden Fleck der ersten Beobachtung zu unterscheiden und zu bezeichnen, jedoch hat diese Beobachtung wiederum einen blinden Fleck.

Eine weitere existentielle Voraussetzung für die Systemtheorie ist die Autopoiesis, „...eine selbst-gewährleistete Fortsetzbarkeit der Operationen...“ (Luhmann, N. 1997: Seite 194), d.h. selbstreferentielle Reproduktion der zu erklärenden Systeme, wobei unter System eine gegen die Umwelt abgrenzbare Handlungs- und Operationseinheit zu verstehen ist, welcher, um abgrenzbar zu sein, operative Geschlossenheit des Systems zugrunde gelegt wird.

Soziale Systeme, wie Organisationen, bestehen aus sinnorientierten psychischen Systemen, den Organisationsmitgliedern, zwischen denen soziale Verbindungen bestehen, die also miteinander interagieren und kommunizieren (können), sei es bewußt oder unbewußt.

Daraus läßt sich ableiten, daß jedes System, aus welcher Perspektive auch immer, sich die „Wirklichkeit“, die das System umgebende Umwelt, subjektiv konstruiert.[8]

Hier stellt sich die Frage, ob sich zwei verschiedene Systeme wie z.B. Organisationen und Organisationsberater, als zwei beobachtende Institutionen unterschiedlichen Wirklichkeiten gegenüber stehen, d.h.. welche Art von Realität der gesellschaftliche Kontext darstellt?[9]

Auf die einzelnen Voraussetzungen bzw. Probleme sozialer Systeme werde ich weiter unten noch eingehen.

[...]


[1] Vgl. Keuper, F. (2001): Seiten 16f

[2] Vgl. Kieser, A. (1999, Hrsg.)

[3] Dem geneigten Leser sei hier die im Verhältnis recht zugängliche Lektüre Kneer, G. / Nassehi, A. (1993): Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. München und die systemtheoretischen Ausführungen Kai Helge Beckers in Prof. Dr. W.Küppers Organisationstheoretischen Vorlesung in ABWL der Universität Hamburg zu empfehlen

[4] Vgl. König, E. / Volmer, G. (1999): Kapitel 1.1

[5] Vgl. Luhmann, N. (1997): Seite 435

[6] Vgl. Kieser, A. (1999, Hrsg.): Seite 301

[7] Vgl. Willke, H. (1999): Seiten 12ff

[8] Vgl. Luhmann, N. / Fuchs, P. (1989): Seite 225

[9] Vgl. Willke, H. (1999): Seite 55

Details

Seiten
16
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638123969
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3872
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Personalwirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
Systemtheorie Organisation Beratung Blinder Fleck Luhmann

Autor

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