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Industrie 4.0. Stehen wir am Anfang einer neuen industriellen Revolution?

Hausarbeit 2017 18 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vor- und Nachteile im Hinblick auf die Fokusthemen der Industrie 4.0

3. Zusammenfassung des Romans ZERO - Sie wissen was du tust

4. Analyse der Fokusthemen in ZERO

5. Konsequenz für die heutige Personalarbeit

6. Öffnung - weiterführende Implikationen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Industrie 4.0 - dies beschreibt eines der prägnantesten Themen unserer Zeit. Nicht ohne Grund investierten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama, zwei der wichtigsten Persönlichkeiten der Gegenwart, viel Zeit in einen Besuch der Hannover Messe 2015. Dort wurde das Thema Industrie 4.0 von insgesamt 400 Ausstellern vorgestellt.1 Treffend dazu sagte auch der Vorstandvorsitzende von Siemens Joe Kaeser: „Industrie 4.0 ist eine Revolution, die die 2020er-Jahre bestimmen wird. Sie wird ganze Geschäftsmodelle und die Industrie weltweit verändern.“ 2.

Doch was ist Industrie 4.0 und wieso fällt in diesem Zusammenhang der Begriff der Revolution? „ Eine Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehre- rer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt. “ 3 . Die Revolution Ende des 18. Jahrhunderts, die durch die Einführung mechanischer Produktionsanlagen mit Hilfe von Wasser- und Dampfkraft gekennzeichnet war, wird als erste industrielle Revolution bzw. Industrie 1.0 bezeichnet. Dieser folgte die 2. industrielle Revolution Ende des 19. Jahrhunderts. Vorreiter war der bekannte Henry Ford, der als Erster die arbeitsteilige Massenproduktion mit Hilfe elektri- scher Energie einführte. Ende der 1970er Jahre begann dann die dritte industrielle Revolution. Kennzeichen der Industrie 3.0 waren der Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automati- sierung der Produktion.4 Aktuell befinden wir uns mitten in der vierten industrielle Revolution, auch Industrie 4.0 genannt. Sie begann Ende des 20. Jahrhunderts. Im Fokus liegen „Cyber- physische Systeme, Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und eine totale Vernetzung von alles mit allem und mit jedem.“ 5 Dies klingt in erster Linie positiv und könnte die Lösung vieler Probleme dieser Welt sein. Jedoch darf man dabei nicht die Schattenseiten außer Acht lassen.6 Im Verlauf dieser Seminararbeit sollen beide Seiten auszugsweise beleuchtet und kritisch hinter- fragt werden.

Im Hauptteil werden bestimmte Fokusthemen am Beispiel des Romans ZERO: Sie wissen was du tust von Marc Elsberg analysiert. Dem folgen die Konsequenz für die heutige Personalarbeit und eine Öffnung mit weiterführenden Implikationen und Vorschlägen, um die Nachteile der Industrie 4.0 zu minimieren bzw. Potentiale noch besser zu nutzen. Abschließend soll einge- schätzt werden, ob Industrie 4.0 diese Potentiale effizient nutzen kann und inwiefern dies über- haupt erstrebenswert ist.

2. Vor- und Nachteile im Hinblick auf die Fokusthemen der Industrie 4.0

Wie bereits in der Einleitung zu erkennen ist, werden die Abstände zwischen den industriellen Revolutionen im Laufe der Zeit immer kürzer und die Grenzen verlaufen immer mehr. Vergin- gen zwischen der ersten und der zweiten industriellen Revolution noch mehr als 100 Jahre, so begegnet uns momentan noch vor vollständigem Abschluss der dritten Revolution die Vierte.7 Daran merkt man, dass Zeit in allen Belangen ein wertvolles Gut ist. Die Revolutionen werden schneller vollzogen, da auch Maschinen das Arbeitspensum sowohl wirtschaftlich als auch zeit- lich gesehen effektiver bewältigen sollen. „Time is Money“ - „Zeit ist Geld“. Das erkannte man bereits 1748, als Benjamin Franklin einem jungem Geschäftsmann diesen Rat mitgab, und dies gilt bis heute.

Durch die totale Vernetzung der Produktions- und Logistikprozesse ganzer Wirtschaftsräume, welche die Industrie 4.0 mit sich bringt, erhofft man sich natürlich in erster Linie Kostenvorteile. Weiterhin profitieren Unternehmen in Form von erhöhter Flexibilität, Schnelligkeit, und Kun- denorientierung.8 Zu klären bleibt, ob auch Arbeitnehmer bzw. Verbraucher profitieren. Sicher- lich werden Teile der Kostenvorteile auch an die Verbraucher weitergegeben. Außerdem kann die Wirtschaft schneller auf Trends, Geschmäcker und Bedürfnisse der Verbraucher reagieren.9 Somit profitieren also sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gleichermaßen. Aus Sicht des Arbeitnehmers ist die vierte industrielle Revolution allerdings ambivalent anzusehen. Diese pro- fitieren als Verbraucher natürlich von den schon genannten Vorteilen. Jedoch müssen sich Ar- beitnehmer zukünftig auf massive Veränderungen einstellen. Zukünftige Berufstätige werden schon jetzt anders auf die neue Arbeitswelt vorbereitet als es noch vor ein bis zwei Jahrzehnten der Fall war. Grund dafür sind die veränderten Anforderungen, welche die Unternehmen in Zu- kunft fokussieren (müssen) und voraussetzen werden. Beschäftige müssen immer mehr in Inter- aktion mit intelligenten Produktionsmaschinen treten. Eine Entwicklung, die wiederum ambiva- lent betrachtet werden muss. Auf der einen Seite kann man als Vorteil ansehen, dass Maschinen bspw. körperlich schwere Arbeiten übernehmen können und flexiblere und familienfreundlichere Arbeitszeiten möglich machen. Andererseits benötigt man durch die Interaktion mit den Maschi- nen spezifisches Wissen, welches gut ausgebildete Fachkräfte und lebenslanges Lernen erfor- dert.10 Durch den demographischen Wandel herrscht in Deutschland ohnehin schon ein starker Fachkräftemangel. Dieser wird durch die Industrie 4.0 nicht bekämpft, sondern eher noch geför- dert. Technikaverse Arbeitnehmer können außerdem Probleme mit dem Bedienen der hoch komplexen Maschinen bekommen oder diese können komplett durch die Maschinen ersetzt wer- den. Dies bringt uns zu einem der größten Nachteile der Industrie 4.0 auf Mitarbeiterebene. Dort werden viele Menschen die hohen Anforderungen der Arbeitsplätze nicht erfüllen können und somit durch das Raster fallen - sie werden schlicht „wegautomatisiert“.11 Dies belegt eine Studie aus dem Jahr 2015. Sie besagt, dass bereits mit dem heutigen Stand der Technologie über 4 Mio. Arbeitsplätze in Deutschland durch Maschinen und Roboter ersetzt werden könnten. Schätzun- gen zu Folge könnten mehr als die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze gefährdet sein. Ein aktuelles Beispiel für die Ersetzbarkeit menschlicher Arbeitskraft, liefert der wichtigste Zulieferer von Apple - Foxconn. Dieser verkündete, „man würde 60.000 Arbeitsplätze durch Roboter erset- zen“12. Arbeitgeber wehren sich dagegen mit der Aussage, es würden aber auch Arbeitsplätze dadurch geschaffen. Dabei wird jedoch außer Augen gelassen, dass die Anzahl der streichbaren Arbeitsplätze weit höher liegt, als die der möglich neu geschaffenen.13 Da dieses Thema aber zu umfangreich ist, wird diese Diskussion in dieser Seminararbeit nicht weiter thematisiert. Ein weiteres, viel thematisiertes Problem der Industrie 4.0 ist die Cyber-Kriminalität. Mit zuneh- mender Vernetzung steigt natürlich auch das Risiko eines Hackerangriffs, welcher ganze Pro- duktionen manipulieren oder zum Erliegen bringen könnte. Somit gewinnt die Cyber-Security stark an Bedeutung. Diese soll präventiv vorsorgen, dass die negativen Auswirkungen einer sol- chen Attacke vermieden bzw. minimiert werden. Unternehmen, die die ganze technologische Entwicklung aufgrund fehlender Ressourcen nicht mitgehen können, werden früher oder später daran scheitern. Denn die Konkurrenz kann dadurch kostengünstiger produzieren und diese über Preissenkungen an die Kunden weiter geben. Dies zeichnet den Darwinismus aus - der Stärkere, in diesem Fall der Günstigere oder qualitativ Bessere, wird sich durchsetzen, d.h. am Markt be- stehen. Ein weiterer, meiner Meinung nach als negativ anzusehender Punkt zunehmender Ver- netzung der Maschinen, ist die Überwachung. Maschinen kommunizieren nicht nur selbst mitei- nander, sondern überwachen sich gegenseitig. Daraus resultiert auch eine Überwachung der Be- diener bzw. der Programmierer und anderen Angestellten. Diese Wirkungskette lässt sich fort- setzen. Durch die Überwachung, ganz davon abgesehen, ob diese als positiv oder negativ ange- sehen wird, werden eine Menge an Daten gesammelt. In diesem Zusammenhang fällt zwangs- weise der Begriff Big Data. Big Data bringt neue Möglichkeiten mit sich. Sei es bezüglich der Speicherung, Verarbeitung oder der Analyse von Daten.14 Dadurch können sich Unternehmen individuell auf jeden Kunden bzw. jede Kundengruppe einstellen, nachdem sie mehrmals analy- siert und möglicherweise auch eine Rangliste erstellt wurde, wie effektiv sich bspw. eine speziel- le Werbung oder ein Angebot auf bestimmte Kunden(-gruppen) auswirkt. Dies stellt allerdings eine große Herausforderung dar. Programme müssen aus einer riesigen Datenmenge, immer zum richtigen Zeitpunkt, bestimmte Informationen analysieren und herausfiltern.15 Work-Life- Separation bzw. Work-Life-Blending - Trennung von Arbeit und Beruf bzw. das Verschwim- men derer sind weitere Begriffe, die beim Thema Industrie 4.0 in den Fokus rücken und kritisch zu diskutieren sind. Natürlich bringt die Zukunft der Arbeitswelt Veränderungen mit sich. Doch muss man sich auch zu Hause noch mit beruflichen Angelegenheiten beschäftigen? Eine klare Trennung von Arbeit und Beruf wird durch die zunehmende Vernetzung der Systeme immer schwerer und erfordert auch von jedem Arbeitnehmer eine gewisse Disziplin und Durchset- zungsvermögen. Positiv anzumerken ist hier jedoch die Möglichkeit des Home-Office, welche heute schon häufig gegeben ist. Diese kann künftig aber noch mehr von der stärkeren Vernet- zung profitieren, indem man bspw. Zugriff auf eine größere Anzahl an Dateien bzw. Funktionen erlangt.

3. Zusammenfassung des Romans ZERO - Sie wissen was du tust

Hinweis: Ab hier dient das Buch als Hauptquelle. Alle im Fließtext in Klammern genannten Seitenzahlen beziehen sich auf den Roman Zero - Sie wissen, was du tust, von Marc Elsberg.

ZERO ist ein von Marc Elsberg verfasster Science-Fiction-Roman, der 2014 erschien. In diesem dreht es sich um eine turbulente Woche im Leben der Cynthia Bonsant (Cyn), eine londoner Journalistin, die, ganz im Gegensatz zu ihrer Tochter Viola (Vi), sehr technikavers ist. Cyn soll für die Zeitung Daily über das soziale Netzwerk Freemee schreiben. Um besser in das Thema zu finden, wird Cyn von ihrem Arbeitgeber eine Datenbrille (Glasses) zur Verfügung gestellt, die es ermöglicht, leichter zu recherchieren und durch die Gesichtserkennung nahezu jede Person zu identifizieren. Bei Freemee handelt es sich um eine Social Network Plattform mit weit über 150 Mio. registrierten Nutzern. Diesen wird bei intensiver Nutzung sogenannter ActApps ein gesün- deres, erfolgreicheres und besseres Leben versprochen. Diese analysieren sämtliche Daten wie bspw. Körperfunktionen und Umwelteinflüsse in Echtzeit und geben individuell darauf abge- stimmte Tipps in allen Lebenslagen. Freemee analysiert und speichert die Daten aber nicht nur.

Sie starten ein Experiment das zeigen soll, wie weit sich die Menschen durch die Ratschläge der ActApps beeinflussen lassen. Mit erschreckendem Ausgang: die Apps konnten den Großteil der Nutzer zu Dingen raten, die eigentlich nicht deren Einstellung entspricht. Dies geht sogar so weit, dass eine Bürgermeisterwahl nach Freemees Belieben entschieden wurde. Der einzige, der zu diesem Zeitpunkt vor sogenannten Datenkraken wie Freemee und deren Manipulation warnt, ist Zero. Dies ist ein Zusammenschluss von engagierten Online-Aktivisten, die Datenkraken den Kampf angesagt haben und in Form von Videos vor Freemee warnen. Die anonymen Aktivisten wurden allerdings erst nach einem Drohnenangriff auf den amerikanischen Präsidenten ernst genommen. Als daraufhin Vis bester Freund Adam Denham bei einer Verfolgungsjagd eines gesuchten Verbrechers, die nur durch Hilfe von Cyns Datenbrille zu Stande kommt, auf offener Straße von diesem erschossen wird, rückt Freemee nun erstmals scharf ins Visier der Medien und Nutzer. Auch Adams bester Freund Edward Brickle, ein sehr versierter Programmierer und vorher überzeugter aktiver Freemee -Nutzer, beginnt nun Nachforschungen über die Plattform anzustellen. Bei der Analyse der Todesstatistik fällt ihm auf, dass die Anzahl der Todesfälle un- ter Freemee -Nutzern nicht etwa wie erwartet abnimmt. In einer bestimmten Altersgruppe steigen die Todesfälle sogar dramatisch an. Jene Ergebnisse seiner Nachforschungen wollte Edward auch Cyn persönlich zukommen lassen. Da diese jedoch gemeinsam mit ihrem Chef und einem weiteren Programmierer namens Chander Argawal einer Spur von Zero nach Wien folgte, bittet sie ihn in einem Telefonat um das Verschieben des Treffens. Edwards Nachforschungen bleiben allerdings nicht unbemerkt, sodass Freemee mit allen Mitteln verhindern will, dass die Wahrheit an die Öffentlichkeit gerät. So unterbreitet die Plattform Edward ein Angebot in Millionenhöhe, um sein Schweigen zu erkaufen. Dies lehnt er jedoch ab. Kurz darauf wird Edward tot aufgefun- den.

Cyn verfolgt währenddessen weiterhin einen der Aktivisten von Zero in Wien bis in die Kanali- sation, in der sie zwar nicht das erhoffte Interview führen konnte, aber erste Informationen direkt von Zero erhält. Zudem wird auch auf Cyn ein Mordanschlag seitens Freemee verübt. Dieser misslingt allerdings. Anschließend wird sie als Gast zu einer Talkshow nach New York eingela- den, um dort mit dem Freemee -Vorstand über die aktuellen Vorkommnisse zu diskutieren. Cyn erfährt dadurch immer mehr Einzelheiten und stößt auf ein Video von Edward, das er kurz vor seinem Tod aufzeichnet hat und darin seine Vermutungen äußert. Aufgrund der ständigen Über- wachung Cyns seitens Freemee bemerken diese natürlich auch den Fortschritt in ihren Recher- chen. Als logische Folge wird auch Cyn und Chander ein millionenschweres Aktenpaket ange- boten, welches sie zum Schweigen verpflichten soll. Cyn lässt sich jedoch nicht in ihrem Bestre- ben beeinflusen, das Video an die Öffentlichkeit zu bringen.

[...]


1 vgl. Andelfinger (2017), 1

2 vgl. Manager Magazin

3 Wikipidia Revolution

4 vgl. Industrie Wegweiser

5 Andelfinger (2017), 3

6 vgl. Andelfinger (2017), 1

7 vgl. Andelfinger (2017), 3

8 vgl. Ott (2017), V

9 vgl. Industrie Wegweiser

10 vgl. Bundesministerium für Umwelt und Energie

11 vgl. Ott (2017), V

12 vgl. Andelfinger (2017), 5

13 vgl. Andelfinger (2017), 5-6

14 vgl. Springer Link, Big Data

15 ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668628687
ISBN (Buch)
9783668628694
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388577
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
Schlagworte
Industrie industrielle Revolution Moderne Wirtschaft Maschinen Fortschritt

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