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Motiv und Motivation. Erläuterung der drei Basismotive und Beschreibung von Emotion und Emotionstheorien

Einsendeaufgabe 2017 18 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Motiv und Motivation
1.1 Leistungsmotiv
1.2 Anschlussmotiv
1.3 Machtmotiv
1.4 Messmethoden

2. Emotion
2.1 Definition
2.2 Komponenten
2.3 Klassifizierung
2.4 Abgrenzung von verwandten Konstrukten
2.5 Basisemotionen und Display Rules
2.6 Bedeutung der Basisemotionen für Diversity Management

3. Emotionstheorien
3.1 James-Lange-Theorie
3.2 Cannon-Bard-Theorie
3.3 Kognitive Bewertungstheorie nach Lazarus
3.4 Zwei Faktoren Theorie nach Schachter

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Kognitive Bewertungstheorie Lazarus

Abbildung 2 Emotionstheorien im Vergleich

1. Motiv und Motivation

Im Alltag gehen wir verschiedenen Tätigkeiten nach, so entschließen wir uns zum Beispiel für ein Studium oder lernen für eine Klausur. Dies tun wir aus unterschiedlichen Beweggründen, in der Fachsprache auch Anreize genannt. Besagte Anreize geben uns ein Ziel vor welches wir erreichen möchten, sie können dabei in der Tätigkeit selbst liegen (Tätigkeitsanreize) oder aus der Erreichung des Ziels resultieren (Zweckanreize). Diese Anreize/Beweggründe werden auch als Motiv bezeichnet[1]. Weiter gibt es interindividuelle und intraindividuelle Unterschiede im Motiv. Interindividuelle Unterschiede beziehen sich auf das Verhalten bei der Zielverfolgung, intraindividuelle Unterschiede auf die Anreize selbst. Auch muss zwischen implizierten und expliziten Motiven unterschieden werden. Implizite Motive beruhen dabei auf den in der Kindheit gemachten Erfahrungen mit den verschiedenen Motivklassen, so kann beispielsweise das Meistern einer Aufgabe zu der affektiven Reaktion führen dass man sich stolz fühlt, je nach gemachten Erfahrungen führt dies zu bestimmten Präferenzen, so dass auch in Zukunft diese Anreize bevorzugt werden. Implizite Motive sind also affektgesteuert, sowie unbewusst, sie bestimmen unser Verhalten bei der Zielverfolgung. Explizite Motive hingegen entstehen aus der Interaktion mit der sozialen Umwelt, deren Anforderungen und Erwartungen. Sie werden auch als kognitive Motive bezeichnet, da sie auf Kognitionen beruhende Selbstzuschreibungen sind.[2]So wäre also das Ziel einen Bachelor Abschluss zu erreichen oder auch schon das pünktliche Erscheinen zu Vorlesungen ein explizites Motiv beruhend auf unserem Selbstkonzept entstanden durch soziale Interaktion mit der Umwelt.

Der Unterschied zur Motivation liegt also darin, dass das Motiv die Zielsetzung darstellt bzw. die Richtung vorgibt, es stellt also die Ausrichtung des Verhaltens dar. Die Motivation hingegen stellt einen Sammelbegriff dar welcher das Zielgerichtete Verhalten von Menschen erklären und beschreiben soll. Hierzu gehören die erwähnte Ausrichtung des Verhaltens im Sinne des Motivs, sowie die Persistenz (Ausdauer) des Handelns, welche meint, dass dieses auch trotz evtl. auftretender Schwierigkeiten weiter verfolgt wird um das angestrebte Ziel zu erreichen und die Verhaltensintensität, welche die Anstrengungen und die Konzentration darstellt, die hierfür aufgewandt wird.[3]Die Persistenz kann also auch mit der Selbstwirksamkeitserwartung von Bandura verglichen werden.

1.1 Leistungsmotiv

Das Leistungsmotiv ist das wohl am meisten Erforschte der drei Basismotive. Murray definiert hier Leistung als:„To accomplish something difficult. To master, manipulate or organize physical objects, human beings, or ideas. To do this as rapidly and as independtly as possible. To overcome obstacles and attain a high standard. To excel one´s self. To rival and surpass others. To increase self-regard by the successful exercise of talent”.[4]

Das Verhalten ist also auf das Erreichen von Gütestandards ausgerichtet, und man ist bestrebt etwas besonders gut zu machen, sich selbst zu übertreffen.

Der Anreiz ist liegt hier also der Befriedung im Sinne von positiven Emotionen wie Stolz und Zufriedenheit, die aus der erfolgreichen Bewältigung einer Tätigkeit gezogen wird. Daraus ergibt sich auch schon, dass es sich nur um ein Leistungsmotiv handelt, wenn der Anreiz auch wirklich in der selbstständigen Bewältigung einer Tätigkeit liegt und nicht in einer evtl. erwarteten Belohnung.[5]

Beispielsweise handelt es sich um ein Leistungsmotiv, wenn ein Student auf eine Klausur lernt um diese perfekt meistern zu können.

Das Leistungsmotiv teilt sich dabei noch in das Erfolgs- und Misserfolgsmotiv, wie nachfolgend anhand des Risikowahlmodells von Atkinsons verdeutlicht wird.

Dieses Modell beschäftigt sich mit der Frage welche Aufgabe Menschen auswählen, wenn sie zwischen Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen müssen.

Atkinson geht in seinem Modell über das bisherige Verständnis des Leistungsmotivs hinaus, er differenziert dieses in das (Erfolgsmotiv(Me)) und das Motiv Misserfolg zu vermeiden (Misserfolgsmotiv(Mm)). Neben diesen beiden als das Motivkonstrukt Leistungsmotiv wird auch noch eine Umweltkomponente im Sinne von Attraktivität und Schwierigkeit der Aufgabe zur Verhaltensvorhersage hinzugezogen. Damit entspricht dieses Modell der heutigen Auffassung das sich Motivation aus Personen- und Umweltkomponenten zusammensetzt.

Zudem postuliert Atkinson, dass die Wahlentscheidung als Funktion von Valenz (Un)-Attraktivität von Erlog bzw. Misserfolg, sowie der Erwartung deren Eintretens betrachtet wird.

Nach Atkinson braucht es drei Konstrukte die Wahlentscheidung vorherzusagen:

Das Motivkonstrukt (Erfolgs- oder Misserfolgsmotiv)

Die Erwartung ob man die Aufgabe bewältigen kann. Also die Wahrscheinlichkeit mit der Erflog bzw. Misserfolg eintreten.

Sowie der Anreiz der sich aus der Erfolgreichen Bewältigung ergibt, dieser ist höher, je schwerer die Aufgabe war.

Die beiden Tendenzen Erfolg und Misserfolg (Te u. Tm.) ergeben miteinander addiert die resultierende Motivtendenz (Tr= Te + Tm). Die Tendenz zu Erfolg lässt sich dabei folgendermaßen berechnen (Te= Me * We * Ae), bzw. die Tendenz für Misserfolg (Tm= Mm * Wm * Am).

Die resultierende Motivtendenz gibt dabei an ob es sich um einen Erfolgs- oder einen Misserfolgsmotivierten Menschen handelt. Dies spielt deshalb eine Rolle da sich Menschen je nach ihrer Tendenz unterschiedliche Aufgaben aussuchen. So bevorzugen Erfolgsmotivierte eher mittelschwere Aufgaben, während Misserfolgsmotivierte zu leichten oder schweren Aufgaben tendieren.[6]

1.2 Anschlussmotiv

Das Anschlussmotiv beschreibt das Streben nach befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Befriedigung dieses Bedürfnisses führt zu positiven Konsequenzen für das subjektive Wohlbefinden, die Frustration hingegen zu negativen[7]. Zurückzuführen ist das Bedürfnis nach sozialen Kontakten, Freunden, Bekanntschaften wohl auf die Evolution. Zwischenmenschliche Kontakte wahren zu allen Zeiten wichtig für den Selbst- und Arterhalt, zum Beispiel für Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen, oder zum Schutz vor Feinden.[8]

Auch dieses Basismotiv differenziert sich wieder in zwei Komponenten:

- Hoffnung auf Anschluss:ist die Erfolgserwartung auf gute zwischenmenschliche Beziehungen. Menschen mit diesem Motiv beurteilen andere besser, mögen andere mehr, und werden von anderen mehr gemocht. Dieses positive Zuwenden wirkt ansteckend und führt häufig zu einer Atmosphäre die der Erfüllung des Motivs förderlich ist.

- Furcht vor Zurückweisung:stellt die generalisierte Misserfolgserwartung in sozialen Beziehungen dar. Furcht vor Zurückweisungsmotivierte fühlen sich in sozialen Situationen unbeholfen und unwohl, interpretieren mehrdeutige Signale als Zurückweisung. Dies Übertragt sich auch oft auf den Interaktionspartner.[9]

Anschlussmotivierte Menschen fühlen sich verstärkt Menschen mit demselben Motiv hingezogen, sie sind sensibel für ihre Mitmenschen, streben nach Harmonie und vermeiden oder schlichten Konflikte.[10]

Abgegrenzt werden muss dieses Basismotiv jedoch von ähnlichen verwandten Konstrukten wie dem Intimitätsmotiv (streben nach engen zwischenmenschlichen Beziehungen und gegenseitiger Anziehung), sowie sozialen Phobien die der Furcht vor Zurückweisung ähneln.[11]

Beispielsweise würde ein Mensch mit dem Motiv Hoffnung auf Anschluss zu einer Feier oder einer Veranstaltung gehen mit dem Ziel dort neue Kontakte zu knüpfen und dabei offen auf andere zugehen. Jemand mit der Furcht vor Zurückweisung hingen würde auf der selben Feier/Veranstaltung durchweg unwohl fühlen, sich von der Menschenmenge zurückziehen und eher ängstlich und vorsichtig auf soziale Kontakte reagieren.

1.3 Machtmotiv

Macht ist in unserer Gesellschaft oft negativ bewertet, sie beruht auf der Unvereinbarkeit der Ziele zweier Parteien.

Murray versteht unter Macht:„to influence or control others. To persuade, prohibit, dictate. To lead and direct.To restain. To organize the behavior of a group”.[12]

Daraus lässt sich schon schließen, das Macht nicht zwangsläufig etwas negatives ist und in unserem Alltag eine wichtige Rolle einnimmt. Sei es in Unternehmen im Sinne von Führungspositionen oder in der Politik. Jedes interagieren mit der Umwelt um diese nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten stellt eine Machthandlung dar.

Unter dem Machtmotiv versteht man die Fähigkeit Befriedigung aus der physischen, psychischen und emotionalen Einflussnahme auf andere zu ziehen.[13]

Hierbei gibt es verschieden Quellen aus denen Macht gezogen werden kann:

- Belohnungsmacht:andere für ihr Verhalten belohnen können.
- Bestrafungsmacht:andere für unerwünschtes Verhalten bestrafen können.
- Vorbildmacht:hängt davon ab inwiefern a wie b sein möchte.
- Expertenmacht:hier wird die Macht daraus gezogen, dass andere auf das Wissen von anderen Personen angewiesen sind.
- Legitimierte Macht:Bedeutet das Person a auf Grund von Normen und Gesetzen dazu befugt ist Person b für dessen Verhalten zu beurteilen.
- Informationsmacht:Hierunter sind Informationen über die zu beeinflussende Person gemeint, mit denen diese zu dem gewünschten Verhalten bewegt werden kann.[14]

Um Macht ausüben zu können ist es dabei unerlässlich sich der eigenen Machtquellen bewusst zu sein und der Stärke mit der diese die zu manipulierende Person beeinflussen können. Diese Quellen können dabei von einem selbst oder von außen kommen.

Wie schon die beiden anderen Basismotive hat auch das Machtmotiv zwei Varianten, dies ergibt sich auch schon aus der Definition des Machtmotivs von Schmalt:„[...] the power might be conceived as a motivational tendency that is aroused by an existing or anticipated asymmetry in status and/or resources between at least two persons, promising the experience of exercised control or threatening the experience of loss of control. Thus two motivational components have to be discerned: „Hope of power“ and „Fear of power“ (in the sense of fear of losing power)”.[15]

Hoffnung auf Macht:Menschen mit diesem Motiv suchen die aktive Einflussnahme und nehmen wichtige Positionen und Ämter ein.

Furcht vor Machtverlust:Personen dieses Motivs suchen eher Ersatzhandlungen wie das Lesen von Sport- und Erotikmagazinen, welche ein Gefühl von Stärke mit sich bringen, aber nicht das Risiko die eigene Macht zu verlieren.[16]

Als Beispiel für das Machtmotiv kann beispielsweise

1.4 Messmethoden

Gemessen werden können diese drei Basismotive anhand von implizite Messmethoden wie demThematischen Auffassungstest (TAT), hier müssen die Testpersonen eine Geschichte zu einem vorgelegten Bild schreiben, je nach der Geschichte kann dann auf das jeweilige Motiv geschlossen werden.[17]Die Nachteile dieser Methode finden sich jedoch in der geringen Reliabilität, Objektivität und Validität wieder.[18]Zudem sind Durchführung und Auswertung sehr aufwendig. Ein weiteres implizites Messverfahren ist dasMulti-Motiv-Gitter, eine Form der Gittertechnik, bei der sich alle drei Basismotive messen lassen. Bei dieser wird auf Basis der Annahme, dass mehrdeutige Bilder Motive anregen, den Testpersonen Bilder vorgelegt und diese müssen nun Aussagen zu den Bildern zustimmen oder ablehnen.[19]Der Vorteil gegenüber des TAT liegt in der ökonomischeren Durchführbarkeit, der größte Unterschied besteht darin, dass beim Multi-Motiv-Gitter im Gegensatz zum TAT die Antwortmöglichkeiten nicht offen sind, sondern eine Vorauswahl von Aussagen zu den Bildern besteht.[20]

[...]


[1]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 4

[2]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 68

[3]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 4-6

[4]Vgl. Murray(1938) S. 164 zitiert nachHeckhausen(1989) S. 231

[5]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 26

[6]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 31-33

[7]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 42

[8]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 43

[9]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 44-45

[10]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 46

[11]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 48

[12]Vgl. Murray(1938) S. 82 zitiert nachBrandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 55

[13]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 55

[14]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 56

[15]Vgl. Halisch/Kuhl(1987) S. 102 zitiert nachHeckhausen(1989) S. 375

[16]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 61

[17]Vgl. Brandstätter/Schüler/Puca/Lozo(2013) S. 61-62

[18]Vgl. Heckhausen(1989) S. 240

[19]Vgl. Wirtz(2017) S. 1060

[20]Vgl. Langens/Schmalt/SokolowskiS. 10

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668628304
ISBN (Buch)
9783668628311
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388692
Note
2,3
Schlagworte
Motiv Motivation Emotion Emotionen Basismotive

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