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Das Motiv des Narzissmus in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann

Facharbeit (Schule) 2017 7 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Narzissmus in der Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffman
2.1 Was ist Narzissmus?
2.2 Darstellung der Hauptfigur
2.3 Einfluss des Narzissmus auf die Hauptfigur

3. Schlussfolgerungen

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Erzählung ‚‚Der Sandmann‘‘ von E.T.A. Hoffman welches 1816 veröffentlicht wurde, geht es um einen jungen Studenten namens Nathanael, welcher mehr einem Wahn verfällt und in der Folge Suizid begeht. Zu Beginn der Erzählung wird von der Hauptfigur, dem damals noch jungen Nathanael von der Amme vor dem Schlafen gehen Geschichten vom bösen Sandmann erzählt, welcher kleinen Kindern Sand in die Augen streut, wenn diese nicht schlafen gehen möchten.[1]Als eines Nachts der Vater bei alchemistischen Experimenten mit dem Advokaten Coppelius ums Leben kommt,[2]verbindet Nathanael den Tod des Vaters mit dem Advokaten. Später, als Nathanael älter ist, begegnet er einem Händler, welchen er für Coppelius hält.[3]Nach dieser Begegnung verändert sich das Verhalten der Hauptfigur gegenüber anderen Menschen und zeigt dabei viele Symptome, die auf eine Erkrankung im Sinne von Narzissmus hinweisen. Mithilfe dieser Facharbeit soll ein Überblick über die narzisstische Persönlichkeitsstörung bezogen auf die Hauptfigur Nathanael gegeben werden. Hauptgrund für die Entscheidung auf dieses Thema war, das ich mit einem Narzissten Bekanntschaft gemacht hatte und mir mittels dieser Facharbeit mehr Wissen über dieses Thema beschaffen wollte. Da mich die Menschliche Psyche auch sehr Interessiert wurde mein Thema ‚‚Narzissmus in der Erzählung ‘‘Der Sandmann‘‘ von E.T.A Hoffman.‘

2. Narzissmus in der Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffman

2.1 Was ist Narzissmus?

Der Begriff bezeichnet die Eigen- oder Selbstliebe. Ein Narzisst hat eine übertriebene Selbstbezogenheit, kann keine Kritik annehmen und zeigt eine Gier nach Bewunderung, wobei andere Menschen erniedrigt werden.[4]Der Begriff bezieht sich auf Narcissus, welcher die Liebe anderer ablehnte und sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte.[5]

Der krankhafte oder sogenannte negative Narzissmus kann für einen Menschen und seine Umgebung sehr problematisch werden. Krankhafte Narzissten haben ein sehr schlechtes bis kaum vorhandenes Selbstwertgefühlt, wodurch sie immer auf die Bestätigung anderer angewiesen sind.

An Narzissmus erkrankte Menschen werden stark von Phantasien geleitet und handeln ausbeuterisch, d. h. sie nutzen Menschen aus, um ihre Ziele erreichen.[6]

Narzissmus kann schon in jungen Jahren bei Kindern auftreten, wenn diese beispielsweise vernachlässigt werden oder im Gegenteil mit ihren Bedürfnissen zugeschüttet werden. Bei der Entwicklung seines Selbstwertgefühls muss das Kind unterstützt werden. Kann es jedoch seine Bedürfnisse nicht ausleben und muss diese unterdrücken, so kann dies zur einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung führen.[7]Eine Möglichkeit zur Frühdiagnostik gibt es nicht und eine Therapie gilt als schwer.

2.2 Darstellung der Hauptfigur

Nathanael steht für den Menschen der Romantik. In seiner Figur werden epochenspezifische Eigenheiten vereint. Er ist ein empfindsamer, zurückhaltender Charakter voller Fantasie[8]und offen für alles Geheimnisvolle. Ihn fasziniert alles Mystische, Magische und Übersinnliche. Dies lässt sich daran festmachen, wie er mit der Figur des Sandmannes umgeht. Wie er an einer Stelle seines Briefes zugibt, ist er sich eigentlich bewusst, dass das mit dem Sandmann nicht richtig stimmen könne.[9]Gefühl und Fantasie sind jedoch stärker als dieses Bewusstsein.

Er glaubt, sein Schicksal sei durch dunkle Mächte vorherbestimmt,[10]und verfängt sich daher immer weiter in einer Fantasiewelt, die er mit der Realität vermischt, bis er die Verbindung zur Realität völlig verliert und Suizid begeht.[11]

2.3 Einfluss des Narzissmus auf die Figur

Nathanaels Verhalten gegenüber seinen Zeitgenossen verändert sich nach und nach im Verlauf der Geschichte. Nach Nathanaels Aussagen schraubt der Sandmann Nathanael die Arme und die Füße ab und setzt diese an anderen Stellen wieder an.[12]An diesem Ereignis kann man ablesen, dass die Darstellung der Handlung sehr realitätsfremd ist und auf eine Persönlichkeitsstörung deutet. Narzissten füllen die Lücken im realen Geschehen, die nicht in ihren Standard passen, mit ihrer Fantasie.[13]Nach dem Tod seines Vaters, verfällt Nathanael in ein Kindheitstrauma, indem er den Sandmann mit dem Advokaten Coppelius identifiziert.[14]Nachdem einige Zeit vergangen ist, glaubt die Hauptfigur, den Sandmann in dem Wetterglashändler wiedererkannt zu haben. Dies führt dazu, dass das Kindheitstraumas wieder hochkommt.[15]Als Clara, seine Verlobte, in einem Brief versucht, Nathanael zu überzeugen, dass Coppelius nicht schuld am Tod des Vaters sei, sondern der Vater nicht vorsichtig genug gewesen sei[16]und es aus diesem Grund zu seinem Tod kam, fühlt sich Nathanael allein gelassen und verfällt in eine depressive Phase. In dieser Zeit fängt er an, Gedichte an Clara zu schreiben, da er sich alleingelassen und nicht verstanden fühlt. Wenn Narzissten keine Aufmerksamkeit oder Bewunderung bekommen, kann dies zu einer Depression führen.[17]Als Nathanael eines Tages seiner Geliebten eines der Gedichte vorliest, in dem er über die dunklen Mächte schreibt, wird er von ihr gebeten, das Gedicht ins Feuer zu werfen. Da verliert er die Beherrschung und betitelt sie als „lebloses Automat“[18]. Nathanael kauft bei Coppola ein Taschenperspektiv und beobachtet damit Olimpia, die Tochter seines Professors Spalanzani. Er verliebt sich sofort in sie. Auf einer Feier möchte Nathanael Olimpia einen Heiratsantrag machen, doch als er seinen Antrag ausführen will, platzt er in einen Kampf zwischen Spalanzani und Coppelius[19], welche Körperteile von Olimpia in der Hand halten. Als Spalanzani Nathanael mit Olimpias Augen bewirft, verfällt Nathanael völlig in den Wahnsinn und springt auf den Professor, um diesen zu erwürgen. Nachdem die Umstehenden dies verhindern können, wird Nathanael ins Tollhaus gebracht.[20]Wochen später, als Nathanael geheilt scheint, sieht er vor seinem Bett seine alte Geliebte Clara, in die er sich sofort wieder verliebt. Als die beiden auf einen Turm steigen, holt Nathanael sein Perspektiv heraus, sieht Clara durch das Gerät an und verfällt wieder in den Wahnsinn. Er versucht, Clara vom Turm zu werfen. Sie wird von ihrem Bruder Lothar gerettet, aber Nathanael selbst springt hinunter und begeht Suizid.[21]An dieser Handlung kann man herausnehmen das Nathanael nicht völlig geheilt worden ist und die ganzen Problemen in sich gestaut hat, und als dieser unten Coppelius sieht verfällt dieser in einen Wahnsinn und beendet die ganze Dramatik. Sobald ein Narzisst Konflikte mit seinen Mitmenschen entwickelt oder dieser sich von ihnen nicht verstanden fühlt, kann es dazu kommen, dass der Narzisst diese Situation mit einem Suizid aus der Welt schafft. Wenn ein Narzisst anfängt sich selbst und seiner Umgebung leid zu führen deutet diese zu einer Erkrankung an Krankhaftem Narzissmus.[22]

3. Schlussfolgerungen

Insgesamt zeigt die vorgelegte Facharbeit die Entstehung und Entwicklung von Nathanaels Persönlichkeitsstörung als Resultat verschiedener ineinandergreifender Faktoren. Der Ausgangspunkt für den Verlauf von Nathanaels tragischer Geschichte ist sein Kindheitstrauma vom Sandmann. Er ließ sie für sich real werden, indem er den ohnehin unsympathischen Coppelius mit dem Sandmann identifizierte. Sicher hingegen ist, dass die Ereignisse in Nathanaels Kindheit die Grundlage des Traumas bildeten, das ihn in seinem späteren Leben zum Verhängnis wird. Denn der Auslöser für das Auftauchen der unverarbeiteten Erinnerungen ist Coppola, in dem Nathanael den „Sandmann“ Coppelius wiederzuerkennen glaubt. Durch das Vermischen dieser drei Figuren entwickelt er Ängste, Verfolgungswahn und entfernt sich immer weiter von der Realität. Dies führt zu Ausbrüchen des Wahnsinns. Hätte man dem damals jungen Nathanael die Geschichte vom bösen Sandmann nicht erzählt oder hätte sich dieser nicht insgeheim versteckt und wäre schlafen gegangen, wäre es höchstwahrscheinlich erst gar nicht zu dieser tragischen Entwicklung gekommen.

Als dieser die ersten Anzeichen auf eine Veränderung gab, hätte man versuchen können mit Nathanael zu reden und die Problematik die er hat gemeinsam aus der Welt zu schaffen. Doch da es nicht zu so einer Handlung kam, entfernte sich dieser und änderte seine ganzen

[...]


[1] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 7, Z. 20.

[2] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 14, Z. 5.

[3] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 14, Z. 21.

[4] https://umgang-mit-narzissten.de/definition-narzissmus/ (29.11.2017)

[5] Cohen, David: Lexikon der Psychologie. Heyne Verlag, 1995, S. 200, Z. 8.

[6] https://umgang-mit-narzissten.de/maligner-narzissmus/ (29.11.2017)

[7] Steinhausen, Hans-Christoph: Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Urban & Fischer Verlag/Elsevier, 2006, S. 16, Z. 40.

[8] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 11, Z. 24.

[9] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S.19, Z. 4.

[10] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 5, Z. 13.

[11] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 46, Z. 35.

[12] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 12, Z. 15.

[13] https://umgang-mit-narzissten.de/5-beziehungsirrtuemer-mit-einem-narzissten/

[14] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 14, Z. 21.

[15] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 30, Z. 15.

[16] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 16, Z. 19.

[17] https://umgang-mit-narzissten.de/suizid-gefaehrdung-des-narzissten-2/

[18] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 28, Z. 4.

[19] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 40, Z. 25.

[20] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 41, Z. 37.

[21] Hoffman, E.T.A.: Der Sandmann. Schöningh, 1816, S. 45, Z. 35.

[22] https://www.netdoktor.de/krankheiten/narzisstische-persoenlichkeitsstoerung/

Details

Seiten
7
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668630819
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388858
Note
2+
Schlagworte
Narzissmus Der Sandmann E.T.A Hoffman Psychologie Krankheit Eigenliebe

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Titel: Das Motiv des Narzissmus in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann