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Smartphones als Hilfsmittel im Unterricht

Welche Programme und Apps können zielführend im Englischunterricht eingesetzt werden?

Essay 2016 6 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Smartphones als Hilfsmittel im Unterricht: Welche Programme und Apps können im Englischunterricht zielführend eingesetzt werden?

Smartphones sind mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Von Schüler/innen und Lehrer/innen genutzt, sind sie auch aus dem Klassenzimmer kaum wegzudenken. Dies hat zur Folge, dass auch während des Unterrichts via WhatsApp und Facebook kommuniziert wird, und die Aufmerksamkeit der Schüler/innen oftmals nicht beim Unterrichtsgeschehen liegt. Die Kommunikation hat sich in den letzten Jahren im Zuge der Digitalisierung sehr verändert. Oft chatten die Schüler/innen auch in der Pause, anstatt sich mit Freunden tatsächlich zu unterhalten. Weitere Schattenseiten der Digitalisierung, wie der zunehmende soziale Druck immer und überall erreichbar zu sein oder Cyber Mobbing, sind durch Smartphones präsenter denn je. Allein deshalb sollte der Umgang mit Smartphones im Unterricht thematisiert werden, um die Schüler/innen darüber aufzuklären. Zusätzlich sollten die Lehrer/innen beginnen, die positiven Aspekte des Smartphones für ihren Unterricht zu nutzen. Einerseits zeigen sie den Schüler/innen dadurch neue, kreative Möglichkeiten der Nutzung auf. Andererseits sind diese durch die Eingliederung des Smartphones in den Unterricht motivierter, weil es ein neues Medium im Unterricht ist. Außerdem ist das Smartphone ein wichtiger und positiver Alltagsgegenstand vieler Schüler/innen. Diese positive Assoziation sorgt für eine motivierende Wirkung im Unterricht.[1] Im Folgenden wird nun erläutert, an welche Bedingung der Einsatz von Smartphones im Unterricht geknüpft ist. Anschließend wird, so spezifisch wie nur möglich, auf die Verwendung ausgewählter Programme und Apps im Englischunterricht, eingegangen.

Mögliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Smartphones im Unterricht

Das Ergebnis der jährlichen JIM-Studie (Jugend, Information, Media) war im vergangenen Jahr 2015, dass mittlerweile 92% aller Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren in Besitz eines Smartphones sind. Je jünger die Schüler/innen, desto geringer ist der Anteil an Smartphone- Nutzern. Somit muss vor einer verpflichtenden Arbeit mit dem Smartphone seitens der Lehrkraft erst geprüft werden, ob tatsächlich alle Schüler/innen eines besitzen. Hierbei ist darauf zu achten, dass, falls ein/e Schüler/in kein Smartphone Nutzer ist, der- oder diejenige nicht sozial ausgeschlossen wird. Wenn ausreichend Smartphones vorhanden sind, ist es außerdem wichtig, dass es einen Interzugang gibt, um entsprechende Apps zu downloaden.

Lehrer/innen sollten im Umgang mit Smartphones vertraut sein. Das soll nicht heißen, dass sie auf diesem Gebiet Experten sind. Aufgrund der Schnelllebigkeit der Technik ist dies auch nur schwer möglich. Jedoch sollten die Lehrkräfte sich regelmäßig nach neuen Methoden der Smartphone-Nutzung informieren, denn besonders Anwendungssoftwares (sogenannte Apps) unterliegen einem starken Wettbewerb, weshalb es in diesem Bereich viele Innovationen und Veränderungen gibt. Besonders in den höheren Klassen ist es schwierig im Hinblick auf Smartphone-Anwendungen konstant auf einem aktuelleren Stand zu sein als die Schüler/innen. Mit entsprechender Offenheit des Lehrers bieten Smartphones allerdings auch die Möglichkeit, einen schülerorientierten Unterricht durchzuführen und die Schüler/innen somit aktiver in das Geschehen einzubinden.

Außerdem bedarf es für die Nutzung des Smartphones im Unterricht ein vertrautes Unterrichtsklima. Die Lehrkraft hat in den Smartphone-Arbeitsphasen wenig Handhabe über das tatsächliche Arbeitsverhalten der Schüler/innen. Durch den offenen Internetzugang bewegen sich die Schüler/innen in keinem abgesteckten Rahmen und aufgrund der Größe der Smartphones kann die Lehrkraft kaum überprüfen, inwiefern die Schüler/innen dem jeweiligen Arbeitsauftrag nachgehen.

Verwendung von Smartphones im Englischunterricht

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Smartphones in den Unterricht einzubeziehen. Es wird nun zwischen der Nutzung von Standard-Smartphone-Funktionen und speziellen Applikationen unterschieden.

Die Nutzung sogenannter Standardfunktionen von Smartphones ist breit gefächert. In jedem Unterrichtsfach könnte die Kamera des Smartphones für die Ergebnissicherung eingesetzt werden. Wenn die Schülerinnen und Schüler Hausaufgabenstellungen oder andere Tafelbilder abfotografieren, kann im Unterricht die Zeit, die sonst mit dem Abschreiben verbracht wird, eingespart werden. Allerdings muss die Lehrkraft dann verstärkt darauf achten, dass die Ergebnissicherung, die beispielsweise in Form eines Tafelbildes erfolgte, ihre Wirkung nicht verfehlt indem sie lediglich im Smartphone gespeichert und nie wieder angeschaut wird. Dem könnte entgegengewirkt werden, indem das Foto ausgedruckt wird und seitens der Lehrkraft auf eine Hefterführung bei den Schüler/innen geachtet wird.

Insbesondere im Fremdsprachenunterricht kann das integrierte Mikrofon Verwendung finden.

Mündliche Kommunikation und mündliche Prüfung rückten in den vergangenen 20 Jahren vermehrt in den Fokus der Englischdidaktik. Demnach gehört es zum Lernen einer Sprache dazu, diese auch zu sprechen.[2] Mithilfe von Smartphones kann seitens der Schülerinnen und Schüler eine Selbstevaluation erfolgen, indem sie beispielsweise Dialoge oder Diskussionen aufnehmen und anschließend auswerten. Die Art der Auswertung ist abhängig von der jeweiligen Person und dem Klassenklima, schließlich sollten die Audioclips nicht den Effekt haben Schülerinnen und Schüler vor der Klasse vorzuführen.

Im Gegensatz zu den integrierten Funktionen eines Smartphones müssen Applikationen vom Benutzer selbst installiert werden. Je nachdem welches Betriebssystem das Smartphone hat, werden entsprechende Apps aus dem Google Play Store (Betriebssystem Android - Google) oder AppStore (Betriebssystem iOS - Apple) heruntergeladen. Einmal heruntergeladen, funktionieren die meisten Apps offline, und man kann sie somit überall verwenden. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl verschiedener Apps mit ähnlichen Funktionen, daher legte ich bestimmte Mindestkriterien fest, die alle Apps erfüllen müssen um potenziell im Schulalltag zu bestehen. Android und iOS sind die beiden gängigsten Betriebssysteme, deshalb muss die App sowohl im Playstore als auch im AppStore verfügbar sein. Damit die Schüler/innen jeder Zeit mit der App arbeiten können, muss diese auch offline uneingeschränkt funktionieren. Außerdem sollte die App kostenlos sein, denn auch wenn Apps in der Regel nicht teuer sind, stellt das Bezahlen eine Hürde dar. Letztlich waren auch die Nutzerbewertungen ausschlaggebend. Alle hier aufgeführten Apps sind schon länger auf dem Markt und wurden mehrfach verbessert, so ist es aus den überwiegend guten bis sehr guten Nutzerbewertungen zu entnehmen.

Eine der typischen Lernaufgaben im Englischunterricht stellt das Vokabeln lernen dar. Durch die falsche Technik bleiben die Vokabeln allerdings oftmals nicht lange in den Köpfen der Schüler/innen verankert. Strategien für den langfristigeren Lernerfolg, wie beispielsweise die Karteikartenmethode, sind den Schüler/innen wohl bekannt, werden aber häufig nicht genutzt. Mittlerweile gibt es verschiedene Karteikarten- oder Lernkarten-Apps für iOS und Android, die allesamt ähnlich aufgebaut sind. Empfehlenswert, laut Nutzerbewertungen ist beispielsweise die BRAINYOO-App. Darin können Karteikarten entweder am Smartphone oder mithilfe der Desktop Anwendung erstellt und editiert werden und es gibt verschiedene Modi in denen die Vokabeln abgefragt werden können. Weitere kostenlose Karteikarten-Apps sind card2brain

Lernkarten oder Learn Easy (Karteikarten). Des Weiteren gibt es auch Karteikarten-Apps die bereits vorgefertigte Lernkartensets für den Englischunterricht beinhalten. Es ist also der Lehrkraft überlassen zu beurteilen, ob sie diese Vokabellisten als sinnvoll und adäquat einstuft. Beispiele hierfür ist die English Flashcards-App. In dieser App werden die zu lernenden Vokabeln außerdem in der Zielsprache erklärt und es gibt neben dem üblichen Karteikartenmodus auch Quizzes und Memory-Spiele. In dieser App werden die Schüler/innen somit zum intelligenten Üben angeregt, indem sie auf motivierende Weise an verschiedene Lernstrategien herangeführt werden.

Ebenfalls sinnvoll in den Englischunterricht einzubeziehen sind verschiedene Wörterbücher- Apps. Hierbei gibt es simple Apps wie LEO Wörterbuch, die die primäre Funktion von Wörterbüchern übernehmen. Für höhere Klassen ist deshalb auch die App Dictionary.com geeignet, die darüber hinaus englische Definitionen, Anwendungsbeispiele und Synonyme findet.

Für den Anfangsunterricht bietet sich die Duolingo-App als Ergänzung an. Hierbei lernen die Schüler/innen sowohl neues Vokabular als auch Satz- bzw. Grammatikstrukturen, dabei wird neben der Lese- und Hörverstehenkompetenz auch die Sprechkompetenz geschult. Der Lernprozess ist in verschiedene Lektionen gegliedert, die aufeinander aufbauen. Jede/r Schüler/in kann somit den Lernprozess individuell gestalten, bzw. hat auch die Lehrkraft die Möglichkeit der Differenzierung, indem sie für die Schüler/innen verschiedene Level als Zielsetzung vereinbart.

Außerdem gibt es verschiedene Apps mit deren Hilfe die Schüler/innen selbstständig ihre Aussprache verbessern können. Bei der App Speak English! hören die Schüler/innen zuerst Aufnahmen zu verschiedensten Themen um sich anschließend selbst aufzunehmen. Im Anschluss wird die eigene Aufnahme mit der des Sprechers verglichen. Die Mehrheit der Beiträge wurde von Sprechern mit einem amerikanischen Akzent verfasst. Im Gegensatz dazu gibt es die App British English Vowel Training, die für Lerner des britischen Englischs geeignet ist. Im Gegensatz zu der Speak English!-App hat der/die Schüler/in allerdings nicht die Gelegenheit seine eigene Aussprache aufzunehmen und zu vergleichen. Er/sie muss lediglich aus einer Liste mit ähnlich klingenden Worten das Wort auswählen, welches zuvor vom Sprecher gesagt wurde. Das Positive daran ist, dass der Lerner so auch den Fokus auf der Schreibweise des Wortes hat.

Bei der Suche nach Apps, die den Fokus auf die Grammatik des Englischen legen, stößt man größtenteils auf Apps die Übungen zu Verben mit Präpositionen (engl. phrasal verbs) enthalten.

Am populärsten ist die Phrasal Verbs Machine - App. Auch sie enthält eine Graduierung in Form verschiedener Level, die eine differenzierte Diagnostik der Schülerleistungen ermöglicht. Eine kostenlose App, deren Schwerpunkt nicht nur auf einem grammatischen Phänomen liegt, war nicht zu finden. Allerdings sei an dieser Stelle auf die sehr gut bewerteten Apps English Grammar Ultimate und Grammar Up verwiesen, die jedoch kostenpflichtig sind.

Fazit

Der Großteil der vorgestellten Apps stellt eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht dar. Die App Duolingo bietet hinsichtlich der Themen und der Übungen die größte Vielfalt. Somit kann der/die Schüler/in selbst einen Fokus wählen und sich so individuell steigern. Die anderen Apps, die sich mit der Aussprache, mit den Vokabeln oder bestimmten Verbkonstruktionen befassen, sind wesentlich spezifischer. Allerdings bieten sie dafür auch ein höheres Leistungsniveau. Die Wörterbücher-Apps können als Hilfsmittel im Unterricht mit Sicherheit sinnvoll eingesetzt werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass die Schüler/innen den Text nicht nur mithilfe der Apps, sondern auch eigenständig übersetzen. Des Weiteren bietet vor allem das integrierte Mikrofon eine gute Möglichkeit der Selbstevaluation.

Generell gilt, dass die erwähnten Programme und Apps wohlbedacht in den Unterricht integriert sein müssen, um zielführend zu sein. Nimmt sich die Lehrkraft ausreichend Zeit um den Fortschritt der Schüler/innen in der jeweiligen App zu überprüfen, können Apps außerdem ein wertvolles Diagnoseinstrument sein und der Binnendifferenzierung dienen.

Literaturverzeichnis

Dennis, P. (10. Oktober 2015). Bildungsklick. Von Face to Face: Die neue Mündlichkeit im Englisch- Unterricht.: http://bildungsklick.de/pm/94785/face-to-face-die-neue-muendlichkeit-im- englisch-unterricht/ abgerufen. 12.01.2016.

Hausschild, J. (15. Oktober 2014). Spektrum. Von http://www.spektrum.de/news/smartphones- schaden-dem-unterricht-nicht/1313051 abgerufen. 19.01.2016.

Jiménez, F. (2015). Smartphones verbannen ist einfach, aber nicht klug. Die Welt, 12.

Saferinternet.at/Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation. (2014). saferinternet.at. Von https://www.saferinternet.at/uploads/tx_simaterials/Das_Handy_in_der_Schule.pdf abgerufen. 12.01.2016.

Simmetsberger, U. (14. April 2014). Education Group. Von

https://www.edugroup.at/innovation/tablets-mobiles/news/detail/smartphones-im-unterricht- motivation-oder-gefahr.html abgerufen. 17.01.2016.

[...]


[1] Vgl. Simmetsberger, 2014.

[2] Vgl. Dennis, 2015.

Details

Seiten
6
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668634473
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388875
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Schlagworte
smartphone unterricht

Autor

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Titel: Smartphones als Hilfsmittel im Unterricht