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Jesus und der messianische Anspruch. Der Weg vom Judenchristentum zum Christentum

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung in den historischen Kontext
3. Jesus und der messianische Anspruch
3.1. Zur historischen Person des Jesus
3.2. Kontroverse zum messianischen Anspruchs Jesu

4. Die Jerusalemer Urgemeinde
4.1. Die Zeit nach der Kreuzigung Jesu 30 n.Chr.
4.2. Das Apostelkonzil 49 n.Chr.

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heutzutage differenziert man zwischen fünf Weltreligionen und das Christentum ist eine davon. Dessen Ursprung als Weltreligion liegt in der Entstehung der Urgemeinde vor zirka 2000 Jahren. Das Christentum wurzelt im Judentum, denn Jesus selbst, aber auch seine Mutter Maria und alle Apostel der Urgemeinde waren Juden. Außerdem stimmen auch die wesentlichen Glaubensüberzeugungen des Christentums, wie der Monotheismus und die Autorität der Heiligen Schrift, mit denen des Judentums überein. Die ersten Christen, die sogenannten Judenchristen haben die Konversion zum Christusbekenntnis als Ergänzung zu ihrem jüdischen Glauben gesehen und nicht als Abkehr verstanden. Spricht man von der Urgemeinde, ist damit die Jerusalemer Urgemeinde gemeint, die anfangs aus der übersichtlichen Anzahl der Jünger Jesu bestand, die sich nach dessen Kreuzigung im Jahre 30 n.Chr. in Jerusalem zusammenfanden. In dieser Hausarbeit wird eben diese Entstehungsgeschichte des Urchristentums, die mit der Ablösung vom Judentum gekoppelt ist, untersucht. Zuerst erfolgt dafür eine knappe Einordnung der Thematik in den historischen Kontext. Der Glaube daran, dass Jesus der Messias ist, ist zentraler Bestandteil der religiösen Auffassung der Urgemeinde und ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal vom Judentum. Man könnte sagen, es ist eine Voraussetzung für die Entstehung der Urgemeinde. Aus diesem Grund wird erörtert inwiefern Jesus selbst einen messianischen Anspruch an sich hatte und warum die Jünger an ihn als Messias glaubten. Schlussendlich wird analysiert inwiefern und wodurch die Jerusalemer Urgemeinde einen wesentlichen Beitrag zur raschen Ausbreitung des Christentums leistete.

Die Informationen zu diesem Thema stammen primär aus der Bibel, und die Frage inwiefern die Bibel als ein Sammelsurium historisch zuverlässiger Quellen angeführt werden kann, ist definitiv berechtigt. Über die Jahre wurde die Bibel zahlreich übersetzt, nicht nur interlingual, es existieren auch verschiedene Übersetzungen innerhalb einer Sprache. Somit ist die Tragweite von Übersetzungsdifferenzen sehr groß. Die Bibel ist aus verschiedenen Schriften zusammengesetzt, die entweder Gesetzestexte, Sagen, Prophetensprüche, Briefe, Gleichnisse oder Sprichwörter sind.[1]Diese verschiedenen Textsorten bürgen ein verschieden hohes Maß an Authentizität, weshalb generell eine kritische Auseinandersetzung mit den Textauszügen der Bibel unabdingbar ist.

2. Einordnung in den historischen Kontext

Im Jahr 63 v.Chr. gelingt es dem römischen Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus (106 v.Chr. – 48 v.Chr.) während seines Siegeszuges auch das Gebiet Palästina in das Imperium Romanum einzugliedern. Pompeius bildet die römische Provinz Syrien, von welcher Palästina ein Teil wurde. Somit wird die Herrschaft der Hasmonäer beendet und die eroberten hellenistischen Städte, sowie Samarien werden wieder selbstständig. Idumäa, Galiläa, Peräa und Judäa mit Jerusalem gehören zum jüdischen Gebiet, dessen Staatsoberhaupt der Hohepriester ist. Im Gegensatz zu den hellenistischen Städten und Samarien zählt das jüdische Gebiet lediglich zum römischen Protektorat und ist somit nicht Teil des Römischen Reiches. Pompeius konnte letztlich im Jahr 48 v.Chr. in Ägypten von Gaius Julius Caesar besiegt werden. Johannes Hyrkanos II, der bereits unter Pompeius Hohepriester des jüdischen Gebiets war, schloss sich Caesar noch rechtzeitig an, wodurch er auch unter seiner Führung die Position des Hohepriesters inne hatte und zusätzlich zum Ethnarchen von Judäa ernannt wurde. Antipatros, der aus Idumäa stammte wurde als römischer Verwalter in Judäa eingesetzt und fungierte somit auch als Ratgeber des Hyrkanos.

Nach Caesars Tod im Jahr 44 v.Chr. wird einer seiner Mörder, Gaius Cassius Longinus, zum Statthalter von Syrien ernannt. Durch ihn wird auch Antipatros ermordet. Zu diesem Zeitpunkt war Herodes, später auch Herodes der Große genannt, durch seinen Vater bereits zum Statthalter von Galiläa ernannt worden. Um den Tod seines Vaters zu rächen, ließ er Cassius im Jahr 42 v.Chr. umbringen. Aufgrund der Tatsache, dass die Parther aus dem Norden nach Syrien vordrangen, floh Herodes nach Rom. Im Jahr 40 v.Chr. wird er zurück nach Galiläa geschickt, allerdings wurden ihm von dem römischen Reich Hilfstruppen zur Seite gestellt. Mit deren Hilfe gelang es ihm zuerst Galiläa und später auch Jerusalem wieder unter Kontrolle zu bringen. Unter Marcus Antonius wurde Herodes 37 v.Chr. als König von Israel eingesetzt, obwohl dieser laut seiner Herkunft kein Jude war. Das Amt des Königs behielt er auch unter Kaiser Octavian, später Augustus genannt, ab 31 v.Chr.

Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet, dass die Einwohner Judäas in Herodes allerdings nur eine Marionette Roms sahen und seine Herrschaft als Fremdherrschaft mit römischen Waffen empfanden. Auch Herodes‘ Versuch die jüdischen Einwohner durch den Bau des jüdischen Tempels in Jerusalem milde zu stimmen, brachten ihm keine größere Beliebtheit ein.[2]Neben dem Bau des Tempels gründete Herodes zahlreiche hellenistische Städte (z.B. Sebaste), er ließ weitere Tempel und Burgen errichten und sorgte außerdem für die bauliche Erneuerung Jerusalems mit starken Mauern, heute u.a. bekannt als die Klagemauer. Trotz der Vorwürfe der Bürger Judäas kann der Status der Provinz Judäa in diesen Jahren rückblickend als weitgehend autonom bezeichnet werden.[3]

Herodes der Große stirbt im Jahr 4 v.Chr. Das Reich hatte er bereits unter seinen Söhnen aufgeteilt, jedoch scheinen sie nicht in der Lage gewesen zu sein das Reich gut zu regieren. So schrieb Flavius Josephus über Herodes Sohn Archealus: “When Archealus had received the ethnarchy and, in memory of old conflicts, treated savagely not only the Judeans but even the Samarians, and each of them had sent embassies against him to Caesar, in the ninth year of his rule he himself was banished to Bienna, a city of Gallia […]“[4]Die in diesem Zitat beschriebene Verbannung von Archealos führt dazu, dass die Römer ab dem 6 Jahrhundert n.Chr. die Herrschaft in Judäa ausführen. Judäa ist nun also eine römische Prokuratur, die noch immer der kaiserlichen Provinz Syrien zugeordnet ist. Wie bereits durch diese Bezeichnung angedeutet, wird die Herrschaft nun über eingesetzte Statthalter, sogenannte Prokuratoren ausgeübt. Einer der bekanntesten, der auch später eingehender thematisiert wird, ist Pontius Pilatus.

3. Jesus und der messianische Anspruch

3.1. Zur historischen Person Jesus

In der historischen Forschung herrscht größtenteils Einigkeit darüber, dass Jesus im Jahr 6 v.Chr. oder 7 v.Chr. geboren wurde. Biblische Berichte über seine Geburt sind in den Evangelien des Lukas und Matthäus zu finden, darin steht geschrieben, dass Jesus in der Regierungszeit Herodes des Großen geboren wurde, welche von 37 v.Chr. bis 4 v.Chr. andauerte. Außerdem ist von einer Volkszählung geschrieben, diese hatte Herodes im Jahr 8. n.Chr. veranlasst hatte, somit dürfte sie in Judäa zirka 7 n.Chr. durchgeführt worden sein. Einen entscheidenden Hinweis liefert auch die Erwähnung eines außergewöhnlich hellen Sterns im Matthäus Evangelium, denn um den 1. Dezember 7 v.Chr. soll es eine große Konjunktion von Jupiter und Saturn gegeben haben, dass der Geburtstort von Jesus tatsächlich Bethlehem ist, ist allerdings nach wie vor umstritten. Vielmehr gehen Historiker davon aus, dass der Geburtsort von den Evangelisten geändert wurde, um die Verbindung zu David aus Bethlehem zu schaffen. Denn der angekündigte Messias sollte auch ein Sohn Davids sein.[5]

Aufgewachsen ist Jesus mit hoher Wahrscheinlichkeit in Nazareth, dies überliefern alle Evangelien einstimmig. Außerdem deutet die Namensgebung der vier Brüder Jesus (Jakobus, Simon, Josef und Juda) auf eine feste Verwurzelung der Familie in den jüdischen Glauben hin. Wahrscheinlich erlernte Jesus den Beruf des Tektonen[6], den schon sein Vater erlernte. Außerdem sprach er aramäisch, zudem wird angenommen, dass er von seinem Vater in das Lesen der heiligen Schriften erlernt hatte, wodurch er vermutlich auch Kenntnisse in der hebräischen Sprache besaß.[7]

Mit zirka 30 Jahren schloss sich Jesus dem Bußprediger Johannes dem Täufer an, seinen eigenen Schülerkreis hatte Jesus jedoch erst nach dessen Hinrichtung durch Herodes Antipas. Herodes Antipas war einer der Söhne Herodes des Großen und somit auch der Bruder von Archealos. Im Gegensatz zu den meisten seiner Brüder wurde er nicht verbannt, sondern wurde der Herrscher von Galiläa und Peräa.

Jesus war zunächst Wanderlehrer in Galiläa, aufgrund der Tatsache, dass er schon zu dieser Zeit in Konflikt mit den Pharisäern[8]und auch mit Herodes Antipas geriet, hielt er sich auch in dem nichtjüdischen Gebiet von Philippos auf, der ebenfalls ein Sohn Herodes des Großen war, und zog außerdem in die griechische Dekapolis[9]. Kurz vor seinem Tod zog Jesus nach Jerusalem ein, um sich mit den Pharisäern auseinanderzusetzen. Diese widerstrebten der Auffassung Jesus, dass der Gotteswille einen höheren Stellenwert hatte, als die Gesetzestreue der Tora.[10]In Jerusalem kam es schließlich zur Verhaftung Jesus durch die Polizeiorgane des Hohen Priesters. Grund dafür war, der von Jesus verursachte öffentliche Tumult auf dem Vorplatz des Jerusalemer Tempels. Jesus Äußerungen wurden als Gotteslästerungen interpretiert, woraufhin er von Pontius Pilatus angeklagt wurde. Im Matthäusevangelium ist beschrieben, das letztlich das Volk Jerusalems entscheiden konnten, ob entweder Jesus, oder der ebenfalls angeklagte Verbrecher Barabbas zum Tod verurteilt werden sollten. Die Entscheidung fiel auf Jesus, welcher daraufhin gekreuzigt wurde.

3.2. Kontroverse zum messianische Anspruchs Jesus

Hinter dem Begriff messianischer Anspruch verbirgt sich der Glaube daran, dass Jesus Gottes Sohn und der verheißene Messias ist, beides wurde von den Juden sowohl vor als auch nach dem Tod Jesus, verneint. In diesem Kapitel wird nun die Frage erörtert, ob Jesus selbst sich als Messias verstand.

Die Informationen hierzu stammen vor allem aus den Evangelien. Grundsätzlich werden hierbei fünf literarkritisch fassbare Jesustraditionen unterschieden. Die Logienquelle, die Markusüberlieferung, das Sondergut des Matthäus, das lukanische Sondergut und die Johannestradition.[11]Die Zwei-Quellen-Hypothese besagt, dass die Evangelien Matthäus und Lukas auf dem Markusevangelium und einer anderen Quelle basieren, demnach wäre das Markusevangelium das älteste von allen. Die Evangelien des Matthäus und Lukas haben allerdings auch über das Markusevangelium hinaus viele Übereinstimmungen. In diesen Übereinstimmungen wird vor allem von Reden Jesus berichtet. Dies fand Karl Lachmann, C.G. Wilke und Hermann Weiße 1838 in voneinander unabhängigen Studien heraus, und die Quellen auf die sich Lukas und Matthäus außerdem stützten wurden fortan als Logienquelle oder Redequelle bezeichnet.[12]Die Zwei-Quellen-Hypothese hat sich im Laufe des 19. Jahrhunderts im Allgemeinen durchgesetzt.

Die Frage danach, ob Jesus selbst tatsächlich einen messianischen Anspruch an sich hatte, ist in der Forschung umstritten. Bereits in der Einleitung wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Bibel aufgrund der vielen Übersetzungen nicht als vollkommen historisch verlässlich einzustufen ist. Das wird auch in der Selbstwahrnehmung Jesus als Messias deutlich. Kurz nach seiner Verhaftung wird Jesus vom Hohen Priester befragt ob er der Sohn Gottes, also der Messias sei. Nachfolgend finden sich zwei Zitate derselben Bibelstelle, allerdings entstammen sie verschiedenen Bibelübersetzungen:

63Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester antwortete und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn Gottes. 64Jesus sprach zu ihm: „Du sagst es. Doch ich sage euch: Von nun an wird’s geschehen, daß ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.(LUT 1915 Mt 26, 63-64)

63Aber Jesus schwieg. Darauf sagte der Hohepriester: „Ich nehme dich vor dem lebendigen Gott unter Eid: Sag uns, bist du Christus, der Sohn Gottes?“ 64„Ja, du sagst es“, antwortete Jesus, „und ich versichere euch: Von jetzt an werdet ihr den Menschensohn an der rechten Seite Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen(HFA 2008 Mt 26, 63-64)

Es mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, diese Zitate als Beweise für verschiedene Übersetzungen bezüglich des Selbstverständnis Jesus als Messias anzuführen, da in keinem der beiden das Wort Jesus geschrieben steht. Allerdings istMessiashebräisch und bedeutet ins Deutsche übersetztder Gesalbte. Christus kommt aus dem Griechischen und bedeutet ebenfallsder Gesalbteund ist somit das griechische Pendant zu dem hebräischen Messias. Durch den Namen Jesus Christus, ist Jesus also unmissverständlich mit dem Messiastitel verbunden. In der Übersetzungsvariante der Lutherbibel von 1915 bringt er nicht klar zum Ausdruck, ob er sich als Messias sieht oder nicht. Im Gegenteil, er unterscheidet klar zwischen dem, was der Hohe Priester sagt und was er selbst sagt. In derHoffnung für alleÜbersetzung allerdings, streitet er nicht ab, dass er der Messias ist, er bejaht es sogar ausdrücklich.

[...]


[1]Vgl. Grill-Ahollinger, Görnitz-Rückert, Rückert, & Samhammer, 2012. S. 135.

[2]Vgl. Gussmann, 2008. S.99 ff.

[3]Vgl. Krämer, 2002. S.24.

[4]Vgl. Josephus & Mason, 2008. S.71.

[5]Vgl. Prollius & Tsigarida, 2003. S.41.

[6]Tekton: griechische Berufsbezeichnung für Bauhandwerker oder Baumeister. Aufgaben: Verarbeitung von Holz und Stein, Errichtung von Häusern. (Vgl. Stork, 2008. S.50.)

[7]Vgl. Prollius & Tsigarida, 2003. S.42.

[8]Pharisäer: „die Abgesonderten“, jüdische Religionspartei, setzten sich für die genaue Einhaltung des jüdische Gesetzes, insbesondere des Gebotskomplexes der Reinheitsfragen, ein. (Vgl. Deines, 2006: DNP „Pharisaioi, Pharisäer.“)

[9]Dekapolis: Bezeichnung für den Territorialbereich einer wechselnden Anzahl von Städten (bsp. Damaskos, Gadara, Gerasa, Hippos, Pella) mit vorwiegend griech. Bevölkerung. (Vgl. Leisten, 2006:DNP „Dekapolis.“)

[10]Vgl. Deines, 2006: DNP „Pharisäer“.

[11]Vgl. Stauffer, 1956. S.82.

[12]Vgl. Siegert, 2011. S. 10.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668630925
ISBN (Buch)
9783668630932
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388878
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
jesus anspruch judenchristentum christentum

Autor

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