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Die Darstellung von gesellschaftlichen Geschlechtsvorstellungen im Film "Rosemary's Baby" und die daraus resultierende Erzeugung von Unheimlichkeit

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG MIT KURZBESCHREIBUNG DES FILMS ROSEMARY'S BABY

2 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DARSTELLUNGEN IM FILM
2.1 Rosemary als Hausfrau und Mutter
2.2 Guy als Versorger
2.3 Die Vormundschaft von Guy über Rosemary

3 DIE ENTSTEHUNG DES UNHEIMLICHEN DURCH GESCHLECHTSSPEZIFISCHE DARSTELLUNGEN
3.1 Die Machtlosigkeit Rosemarys
3.2 Das Spielmitder Realität
3.3 Der Körper Rosemarys als Brutstättedes Bösen
3.4 Die Wendungohne Happy End

4 ZUSAMMENFASSUNG

5 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

1 Einleitung mit Kurzbeschreibung des Films Rosemary's Baby

„This is really happening!”

Ein äußerst unheimlicherAusruf, den Rosemary in einerdergrausamsten Szenen des Films von sich gibt. Gleichzeitig ist er ein ausgezeichneter Ausdruck für die Thematik des Films:

Die Frage nach Realität und Traum bzw. Illusion. Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ira Levin, das 1967 ein Bestseller wurde und dann 1968 von Roman Polanski verfilmt wurde. Rosemary's Baby beginnt mit dem Einzug von Rosemary und ihrem Ehemann Guy in ein gotisches Mehrfamilienhaus in Manhattan im Jahr 1965. Der Film erzeugt durchgehend eine alltägliche und vertraute Atmosphäre, wie man sie aus Familienfilmen kennt. Die Unheimlichkeit schleicht sich unerwartet in das Geschehen ein und treibt damit beim Rezipienten den Grusel aufdie Spitze, da diese Handlung auch im eigenen privaten Umfeld passieren könnte. Der gesamte Film handelt von der Schwangerschaft Rosemarys und ihren unwirklich wirkenden Erlebnissen. Der Zuschauer ist Teil der Sichtweise von Rosemary und damit Teil derVerwirrung bezüglich der Realität. Erst am Ende bewahrheitet sich Rosemarys Zweifel und es wird aufgedeckt, dass ihr Mann mit den Nachbarn, den Castevets (Roman und Minnie) einen Pack geschlossen hatte. Die Castevets, die dem Satan dienen, versprechen Guy beruflichen Erfolg und im Gegenzug wird Rosemary das Kind des Satans austragen. Rosemary ist zwar nicht bewusst, dass das Kind satanischer Herkunft ist, wird aber immer skeptischer, was ihr Umfeld und deren Gesinnung ihr und dem Neugeborenen gegenüber angeht. Die unheimlichen Situationen und der Zweifel treiben sie in eine Art Panik, aus der sie trotz Bemühungen nicht flüchten kann. Zwar führen die Zusprachen des Ehemannes, Arztes und der Nachbarn und die eigentliche nicht Existenz eines Satans zu einer deutlichen Hinterfragung Rosemarys geistiger Gesundheit beim Zuschauer, dennoch ist ihre Wahrnehmung an manchen Stellen des Films sehr realistisch und nachvollziehbar. Beim Rezipienten entsteht dadurch ein permanentes Hin-und-her-Gerissen-sein über die Wirklichkeit, was wiederum zu einer Erzeugung von Unheimlichkeit führt. ,,lt is a story of violence, deceit, and misappropriation of a woman’s body by people that makes pregnancy a Gothic spectacle.“[1]

Besonders auffallend ist die konventionelle Geschlechtsverteilung zwischen Rosemary und Guy mit besonderem Fokus auf die Mutter-Kind-Bindung. Gerade hierbei entsteht unter anderem der Effekt der Unheimlichkeit, da Rosemary den patriarchalen Gesellschaftsstrukturen machtlos ausgeliefert ist. Diesen Effekt möchte ich in meinerArbeit näher betrachten. Bevor ich aber das Unheimliche betrachte, welches durch die Machtlosigkeit, den vermutlichen Realitätsverlust, die nahezu tödliche Schwangerschaft

Rosemarys und besonders das Ende erzeugt wird, werde ich auf die geschlechtsspezifischen Merkmale, die in diesem Film vermittelt werden, eingehen.

2 Geschlechtsspezifische Darstellungen im Film

Der Film spielt in ,,a society within western ideals of white, monogamous, heterosexual patriarchy.”[2]Rosemary ist mit ihrem Mann Guy verheiratet. Wie es der gesellschaftliche Habitus voraussetzt, ist nun der nächste Schritt, eine gemeinsame Wohnung zu beziehen und sich an die Planung des Nachwuchses zu machen. Die Nachbarn sind ein schon ins Alter gekommene Pärchen, das bedauerlicherweise kinderlos geblieben ist, aber eine Art großelterliche und fürsorgliche Position einnimmt, bzw. einnehmen möchte. Es sind gesellschaftliche Performanzen[3], die in dem Film intergiert sind. Konstruktionen wie ein Leben und im Besonderen eine Paarbeziehung auszusehen und abzulaufen hat. In 1960er Jahren war dieses Familienbild noch sehr stark in der Gesellschaft verhaftet und führt daher zu einer starken Identifikation des Publikums mit der Erzählung. Aberauch eine Debatte über die Legalisierung der Abtreibung war zu dieser Zeit in der öffentlichen Diskussion sehr präsent und mit ihr der Aufschrei der Feministen, den weiblichen Körper nicht zu objektivieren und die Rechte der Frau über ihren eigenen Körper zu stärken. Der Film ist somit in einem Kontext dergesellschaftlichen Bipolarität entstanden und kann auch als Auseinandersetzung mit klassischen Rollenbildern und der Emanzipation der Frau gesehen werden. Nun werfe ich zuerst einen Blick auf die zwei Protagonisten Rosemary und Guy und deren Verbindung.

2.1 Rosemary als Hausfrau und Mutter

Der Film ist hauptsächlich aus der Perspektive von Rosemary geschildert, sodass der Zuschauer mit ihrer Person und ihren Gefühlen konfrontiert wird. Rosemary wird von Mia Farrow gespielt, eine sehr zart erscheinende Frau. Zu Beginn des Films hat sie eine sehr fröhliche und offene Ausstrahlung. Besonders ihre Kleidung in Pastelltönen betont ihre Sanftmut und ihre weibliche Weichheit. Sie wirkt zwar sehr autark, dennoch ist sie immer von den Entscheidungen ihres Ehemannes abhängig. Diese beginnen bei der Wohnungssuche und gehen dann weiter über die Wohnungseinrichtung, die Schwangerschaft und vieles mehr. Anfänglich ist es ihre Aufgabe die Wohnung einzurichten und zu kochen. Sie geht keiner beruflichen Tätigkeit nach, sondern verbringt die Zeit daheim. Das erste diskriminierende Szenario ist die vermeintliche Vergewaltigung durch ihren Mann, die sie einfach hinnimmt. Es wird immer deutlicher, dass Guy sie unterdrückt, besonders durch seine Bevormundung bei zum Beispiel dem Umgang mit den Castevtes. Mit dem Eintreten der Schwangerschaft liegt ihr Fokus nur noch bei dem Kind. Da sich aber ihr körperlicher Zustand drastisch verschlechtert, hat sie Angst, dass etwas mit dem Kind nicht stimmt. Auch hier wird sie von einem Mann bevormundet, ihrem Arzt, dervon den Castevets empfohlen wurde und auch von Guy hoch angepriesen wird. Sie und ihr Umfeld nehmen keine Rücksicht auf ihren Körper und konzentrieren sich nur auf das Neugeborene. Rosemarys Funktion ist das Vehikel für das Kind (des Satans). Ihre Angst wird durch ihr Umfeld als schwangerschaftsbegleitende Verrücktheit und Panik heruntergemacht und somit verliert Rosemary jegliche Glaubwürdigkeit und Handlungslegitimation. Der Versuch aus diesen Strukturen zu fliehen, passiert auch nur unter dem Vorwand, für das Wohl des Kindes zu sorgen. Sie hätte wohl niemals die Flucht aus den patriarchalen Strukturen gestartet, wenn nicht die Gesundheit ihres Kindes gefährdet gewesen wäre. Hier sieht man, dass sie immer noch in dergesellschaftlichen Performanz mitagiert, denn die gesunde Geburt des Kindes ist das Ziel ihres Daseins und wenn sie dabei über ihren eigenen Tod gehen muss. Auch wenn das Publikum Zeuge der schlechten gesundheitlichen Verfassung Rosemarys ist, entsteht durch ihre Fürsorge um das Kind eine große Sympathie für den Fötus. Noch ist ja nicht bekannt, dass er der Grund für den schlechten Zustand ist. Somit kann man zusammenfassen, dass Rosemarys Pflichten lediglich auf das Schlafzimmer, die Wohnung und auf das Kind verteilt sind. Zuletzt ist es auch ihre mütterliche Pflicht, die sie zur Mutter des Satans macht und sich in einer abwertenden Geste von ihrem Ehemann lösen lässt. Damit sind es die gesellschaftlichen Anforderungen an eine „gute“ Frau und Mutter, die Rosemary im ganzen Film handeln lassen und sie auch übergriffige Handlungen ertragen lässt.

2.2 GuyalsVersorger

Rosemarys Ehemann Guy wird von John Cassevetes gespielt, ein attraktiver und freundlicher Mann. Er ist Schauspieler und der einzige Versorger der Familie. Anfänglich merkt man ihm die Liebe zu Rosemary an, doch diese legt sich schnell. Besonders seine beruflichen Probleme machen ihn zu einem eher mürrischen und unberechenbaren Partner. Vor allem gegenüber Rosemary zeigt er wenig Empathie und distanziert sich immer mehr. ,,..., the film demonstrates Guy’s lack of engagement with his wife from the off.”[4]Die erste gravierende Gräueltat ist sein Geständnis, sich an Rosemary vergangen zu haben. Und von da an distanziert er sich immer mehr von ihr, schaut ihr nicht mehr in die Augen und interessiert sich immer weniger für das Kind in ihrem Bauch. Er pflegt stattdessen eine immer bessere Beziehung zu den Nachbarn und unterstützt diese in ihrer fragwürdigen Fürsorge für Rosemary. Er wird gegenüber Rosemary immer herrischer und unterdrückender. Erwird zu einem wahren Patriarch. Seine Fürsorge am Ende des Films wirkt dadurch aufgesetzt und unauthentisch. Die Krönung seines Egozentrismus ist der Verkauf seiner Frau und ihres Körpers für seine berufliche Karriere. Auch er ist somit in der gesellschaftlichen Performanz gefangen: Er versagt als Versorger und setzt seine patriarchale Stellung ein, um den Körper seiner Frau als Gebärmaschine für seine berufliche Karriere einzutauschen, um wieder seinem männlichen Ideal entsprechen zu können.

2.3 Die Vormundschaft von Guy über Rosemary

Auch wenn der Fokus im Film nicht auf Guy liegt, hat er eine zentrale Funktion. Er ist zum einen daran beteiligt, was mit Rosemary geschieht und wie sie sich verhält, und zum anderen bringt er den Zuschauer zum Zweifeln an Rosemarys Psyche. Davon abgesehen, dass Guy Schuld an der Vergewaltigung durch den Teufel hat, ist es seine Machtausübung, die Rosemary in vielen Entscheidungen lenkt. Auf Grund seiner Aggression isst sie das vergiftete Dessert; seine Vehemenz lässt sie nicht den Arzt wechseln; seine Freundschaft zu den Nachbarn steht ihrer versuchten Distanzierung zu diesen im Weg. Die patriarchale Struktur im Zusammenhang mit einem latent aggressiven Verhalten von Guy setzen Rosemary einer Machtlosigkeit gegenüber ihrem eigenen Schicksal aus. Aber eine weitere Funktion besitzt Guy: Er lässt den Zuschauer an der Zurechnungsfähigkeit von Rosemary zweifeln. Durch Rosemarys Perspektive scheint dem Rezipienten ihr Verhalten und ihre Ängste nachvollziehbar. Besonders ihre Machtlosigkeit führt zu einer enormen Empathie­Bildung. Doch Guy schafft es immerwieder, Zweifel aufkommen zu lassen. Durch sein Herabspielen und Erklären, geht es dem Rezipienten wie Rosemary: eine Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion scheint unmöglich. Besonders durch diese Schutzlosigkeit Rosemarys gegenüber Guy und deren Interaktion entstehen durch den Zweifel unheimliche Effekte auf den Zuschauer.

3 Die Entstehung des Unheimlichen durch geschlechtsspezifische Darstellungen

3.1 Die Machtlosigkeit Rosemarys

Wie oben schon dargestellt, entsteht Rosemarys Machtlosigkeit vor allem gegenüber ihrem Mann Guy. Doch auch ihren Ärzten und Nachbarn ist sie wehrlos ausgeliefert. „Since Rosemary’s exploitation occurs precisely within the privacy of her doctor-patient relationship, her home, her marriage, her body, and even her desire, her privacy is less sanctuary which is violated than a trap which ensnares her. In these terms, privacy is not an alternative to exploitation since protecting a woman’s privacy will not ensure her safety from violence.”[5]Besonders das direkte Umfeld übt die Gefahr aus und macht Rosemarys Hilflosigkeit noch deutlicher, da es für sie keinen Ausweg zu geben scheint.

Angefangen bei den Castevets, die sich immer mehr in das Leben der beiden einschleichen. Obwohl Rosemary dies nicht möchte, wendet sich Guy gegen sie. Auch wieder durch ihn genötigt, versucht sie Minnie eine Chance zu geben. Vor allem interessiert sich Minnie als Einzige mit voller Aufmerksamkeit für das Kind. Aber es scheint so, dass Minnie mit ihrem Essen, wie dem Dessert vor derVergewaltigung und den Kräutergetränken zur Stärkung des Kindes, Rosemary vergiftet bzw. dem Kind hilft, aber nicht der Mutter. Ohne es zu wissen, wird Rosemary in Form des Essens durch Minnie körperliche Gewalt angetan. Dieses Unwissen über den körperlichen Missbrauch verursacht eine unbewusste Machtlosigkeit gegenüber Minnie. Rosemary ist ihr unfreiwillig ausgeliefert.

Ihr Ehemann, den sie so sehr liebte und vertraute, dass sie ihn heiratete und mit ihm nun ein Bett teilt, vergewaltigt sie und zweifelt immer mehr ihre Zurechnungsfähigkeit an.,,..., his changes, and the degree of their peculiarity, are foregrounded in several key moments.”[6]Eine Schlüsselszene formt dabei der Morgen nach derVergewaltigung: zum einen ist Rosemarys Akzeptanz für die Gewalttat durch ihren Mann erschreckend und zeigt ihre Unterwürfigkeit. Dabei verlorsie die Kontrolle überihren eigenen Körperan ihren Mann[7]bzw. den Satan, beide patriarchale Figuren. Aber der gesellschaftliche Habitus verlangt von Rosemary dieses Handeln und beinhaltet geleichzeig den Schrecken über die Ausmaße dieser gesellschaftlichen Zwänge, da eine Vergewaltigung nicht als Grenze empfunden wird. Gleichzeitig wirft diese Tat zum ersten Mal bewusst einen dunklen Schatten auf den Ehemann, derdamit nicht mehr vertrauenswürdig erscheint. Zum anderen beginnt auch er, sich zu verändern, indem er sich immer mehr von seiner Frau distanziert.

[...]


[1]Valerius, Karyn: Rosemary’s Baby, Gothic Pregnancy, and Fetal Subjects, in: College Literature, Vol. 32 (3), 2005, S.116

[2]Davis, Rob: Female Paranoia: The Psychological Horror of Roman Polanski, in: Film Matters, Bd. 5 (2), 2014, S. 18

[3]vgl., Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. 16. Auflage. Frankfurt am Main 2012.

[4]Fife, Lucy: Human Monstrosity: Rape, Ambiguity and Performance in Rosemary’s Baby, in Baumgartner, Holly Lynn und Davis Roger (Hg.): Hosting the Monster. Amsterdam/ New York 2008, S. 49

[5]Valerius, Karyn: Rosemary’s Baby, Gothic Pregnancy, and Fetal Subjects, S.121

[6]Fife, Lucy: Human Monstrosity: Rape, Ambiguity and Performance in Rosemary’s Baby, S. 49

[7]vgl., Davis, Rob: Female Paranoia: The Psychological Horror of Roman Polanski, S. 22

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668629585
ISBN (Buch)
9783668629592
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v388900
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Schlagworte
Rosemary's Baby Filmanalyse Geschlecht Gender gesellschaftliche Geschlechtsvorstellungen Ira Levin Roman Polanski

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