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Die Leistungsfähigkeit der Helene-Lange-Schule anhand der Ergebnisse der Pisa-Studie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 14 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Dinge, die für eine integrative Gesamtschule wie die Helene-Lange-Schule sprechen

3. Die PISA – Ergebnisse
3.1. Die PISA – Studie
3.2. Die PISA – Ergebnisse der Helene-Lange-Schule

4. Die Hauptkritikpunkte der Gegner der Helene-Lange-Schule

5. Die Folgen der PISA – Studie in Deutschland
5.1. Maßnahmen, die infolge der PISA – Ergebnisse ergriffen wurden [...]
5.2. Vergleich der Maßnahmen mit den Lehrprinzipien der HLS

6. Schlussbemerkungen

7. Literatur

1. Einleitung

Die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden ist seit 1986 eine integrierte Gesamtschule der Jahrgangstufen fünf bis zehn. Seit 1995 hat das ehemalige Gymnasium den Status einer „Versuchsschule“, also einer Schule, die den Versuch unternimmt, neue pädagogische Konzepte, Lehrmethoden und Unterrichtsmaterialien zu entwickeln.

Sechshundert Schüler lernen in der Helene-Lange-Schule in überschaubaren Jahrgangsgrößen[1] und in stark projektbezogenem Unterricht, meist ohne starren Stundenplan. Die Lehrer der Versuchsschule arbeiten zur Ermöglichung dessen eng in Teams zusammen. An dieser Stelle knüpfen jedoch viele Kritiker der Helene-Lange-Schule an: Die Teamarbeit ist ihrer Meinung nach nur möglich, weil der Versuchsstatus die Schule in punkto Lehrerversorgung bevorzugt. Bei vergleichbaren Schülerzahlen arbeiten in der Helene-Lange-Schule durchschnittlich sieben Lehrer und Lehrerinnen mehr als in anderen Schulen. Wenn die Helene-Lange-Schule in nationalen und internationalen Vergleichsuntersuchungen wie der PISA – Studie tatsächlich wesentlich bessere Ergebnisse erziele, als vergleichbare Schulen, könne dies nur auf derartige Privilegien zurückzuführen sein[2].

Andere Kritiker gehen sogar so weit, zu sagen, dass bei näherer Betrachtung die Ergebnisse der Helene-Lange-Schule im nationalen und internationalen Vergleich der PISA – Studie wesentlich schlechter ausgefallen seien, als zunächst angenommen.

Aus diesem Grund soll diese Hausarbeit die Frage beleuchten, welche Leistungen die Helene-Lange-Schule tatsächlich zu erbringen vermag, wo sie eventuell Defizite zu anderen Schulen aufweist und an welchen Stellen die Kritiker der Versuchsschule übertriebe Kritik üben, ohne die positiven Errungenschaften der Helene-Lange-Schule in Betracht zu ziehen. Dazu ist es vorab nötig, in einem eigenständigen Kapitel die Frage klären, was für eine integrative Schule wie die Helene-Lange-Schule spricht. Im Anschluss daran soll unter der Überschrift „Die PISA – Ergebnisse der Helene-Lange-Schule“ eine Auswertung stattfinden. Aber auch die Hauptkritikpunkte bezüglich der PISA – Studie, die ihre Gegner hervorbringen, sollen in einem eigenen Kapitel Erwähnung finden.

Letztlich soll aber auch untersucht werden, welche Fragen sich aus den Ergebnissen der PISA – Studie ergeben haben und es soll ein Vergleich zu den Lehrmethoden der Helene-Lange-Schule gezogen werden.

Leider gibt es zum Thema dieser Hausarbeit nur sehr wenig brauchbare Literatur[3], da die Veröffentlichungen zur PISA – Studie eher allgemein gehalten sind, sich also nicht speziell mit den Ergebnissen einer Schule beschäftigen. Aus diesem Grund war eine intensive Internet – Recherche notwendig, bei der allerdings genau abgewägt werden muss, welche Angaben verwendet werden können und welche von nur geringem oder gar keinem Wert sind.

Bezüglich der Internet - Recherche wurden hauptsächlich Veröffentlichungen des Max–Planck–Institutes, das innerhalb Deutschlands für die Auswertung der PISA – Testergebnisse zuständig war, verwendet[4]. Allerdings stützen sich meine Ausführungen nicht nur auf diese Angaben, sondern ich habe auch andere Internetseiten zu Rate gezogen[5]. (Siehe auch Fußnote 1 und 2) Auch ein Artikel des Spiegels[6] und zwei Artikel des Wiesbadener Kuriers vom 04.11.2002 und vom 06.11.2002 werden zum Teil in meine Ausführungen einfließen.

2. Dinge, die für eine integrative Gesamtschule wie die Helene-Lange-Schule sprechen

Basierend auf den Alltagserfahrungen von Lehrerinnen und Lehrern kann gesagt werden, dass sich die Leistungen der meisten Schülerinnen und Schüler beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule verschlechtern. Die Schülerinnen und Schüler sind zu diesem Zeitpunkt maßgeblich damit beschäftigt, eine soziale Position in ihrer neuen Klasse zu finden und sich an Lehrerwechsel, Fachunterricht und neue Schulen zu gewöhnen. Dennoch versucht die deutsche Bildungspolitik nicht, dem entgegen zu wirken. Stattdessen wird in Deutschland bereits im Vor- und Grundschulalter an Bildungsausgaben gespart. Eine bessere Platzierung der Schülerinnen und Schüler in internationalen Vergleichsstudien wie der PISA – Studie soll möglichst kostengünstig, wenn nicht gar kostenfrei erreicht werden.

Hier ergibt sich ein Widerspruch zu Ländern, die mit integrativen Schulsystemen arbeiten. Diese haben festgestellt, dass sowohl leistungsstarke als auch leistungsschwache Kinder und Jugendliche in ihren Systemen wesentlich besser gefördert werden. Da in Deutschland jedoch die Möglichkeiten auf Grund der Bildungspolitik begrenzt sind spricht viel dafür, einzelnen Schulen wie der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden Handlungsspielräume für soziale Integration, Organisation und Orientierung zu geben. Nach dem Prinzip einer „Schule für alle“ sollen die Schülerinnen und Schüler sich nicht nur Wissen aneignen, sondern auch für das Leben lernen. Dazu werden an der Helene-Lange-Schule z.B. eine Vielzahl von Projekten, aber auch die Theaterarbeit eingesetzt.

Für Enja Riegel[7], die bis Januar 2003 Schulleiterin an der Helene-Lange-Schule war, zählt vor allem die Verbindung von Schülerinnen und Schülern mit Eltern und Lehrerinnen bzw. Lehrern durch den pädagogischen Geist der Schule:

Eine Schule darf keine Einrichtung sein, die um acht Uhr morgens die Türen öffnet, in der alle 45 Minuten die Glocke klingelt und in der jede Woche eine Klassenarbeit geschrieben wird.

Stattdessen sollte sie – wie bereits erwähnt – ein Raum zum Lernen und Leben sein. Das Lernen wird hierbei von integrativen Gesamtschulen wie der Helene-Lange-Schule als Hilfe zur Orientierung in der Welt und Grundlage zur Weiterbildung begriffen. Schülerinnen und Schüler bekommen in diesen Schulen Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit vermittelt. Lehrerinnen und Lehrer sind daher nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Erzieher.

Die PISA – Ergebnisse scheinen pädagogischen Konzepten wie dem der Helene-Lange-Schule recht zu geben, wie im folgenden Kapitel noch näher erläutert werden soll.

Die Helene-Lange-Schule nimmt nicht nur eine Unterscheidung zwischen einzelnen Unterrichtsstunden vor. Stattdessen sollen die Schülerinnen und Schüler durch die sogenannte Wochenplanarbeit[8] in eigenständigem Lernen gefördert werden und ihnen soll individuell differenziertes Lernen ermöglicht werden. Den Lehrerinnen und Lehrern bietet sich die Möglichkeit, sich intensiv um einzelne Kinder bzw. Jugendliche zu kümmern. Auch der Stundenplan ist so flexibel, dass er jede Woche neu festgelegt werden kann.

3. Die PISA – Ergebnisse

3.1. Die PISA – Studie

Die PISA – Studie ist eine internationale Schulleistungsstudie, innerhalb der fünfzehnjährige Schülerinnen und Schüler im Jahr 2000 auf ihre Kompetenz im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften überprüft wurden. Dazu wurden aus allen bestehenden Schulformen einige Schulen exemplarisch ausgewählt. Etwa 20 bis 25 Schülerinnen und Schüler nahmen aus jeder dieser Schulen am PISA – Test teil. In der Bundesrepublik Deutschland waren ca. 1460 Schulen mit etwa 57.000 Schülerinnen und Schülern beteiligt. Davon bildeten jedoch nur 210 Schulen die internationale Stichprobe. Bei allen weiteren wurden die internationalen Untersuchungen um bestimmte Fragestellungen ergänzt, da auf der Kultusministerkonferenz beschlossen wurde, im Rahmen von PISA auch Leistungsvergleiche zwischen den Bundesländern durchzuführen. Diese Erweiterungsstudie, kurz PISA – E, lehnte sich stark am internationalen Test an, die Fragen waren aber etwas stärker kognitiv orientiert, da sie den Wissensstand in den verschiedenen Bundesländern vergleichbar machen sollten. So wurden z.B. in Mathematik verstärkt Aufgaben gestellt, die nur bestimmte Fertigkeiten oder Faktenwissen erforderten. Außerdem wurde er nach Stoffgebieten getrennt[9].

3.2. Die PISA – Ergebnisse der Helene-Lange-Schule

Erfolgreiches Lernen kann auf verschiedenen Wegen erzielt werden. Es hängt sowohl von den Rahmenbedingungen, als auch von der Einstellung der Schülerinnen und Schüler zum Lernen ab. Letztere wiederum ist darauf zurück zu führen, welche Werte den Schülerinnen und Schülern vermittelt werden.

[...]


[1] Becker, G. u. a., Die Helene-Lange-Schule Wiesbaden. Das andere Lernen. Entwurf und Wirklichkeit. Hamburg 1997, S. 20

[2] http://www.cdu-wiesbaden.de/presse/0211apfe.htm

[3] Becker, Gerold u.a. (Hrsg.): Die Helene-Lange-Schule, Wiesbaden. Das andere Lernen. Entwurf und Wirklichkeit. Hamburg 1997 Arelt, C. u. a. (Hrsg.), Pisa 2000 – Ein differenzierter Blick auf die Länder der Bundesrepublik Deutschland: Zusammenfassung zentraler Befunde. Berlin 2003

[4] http://www.mbip-berlin.mpg.de/pisa/laborschule.html http://www.mbip-berlin.mpg.de/pisa/ergebnisse.html http://www.mbip-berlin.mpg.de/pisa/ergebnisse-national-vertiefend.html

[5] http://www.zum.de/Faecher/ecR2/BAYreal/as/se/pis/pisa9.htm http://www.cdu-wiesbaden.de/presse/0211apfe.htm

[6] Spiegel Nr. 45 vom 04.11.2002

[7] Enja Riegel war 18 Jahre lang Schulleiterin an der Helene-Lange-Schule. Als gelernte Gymnasiallehrerin für die Fächer Deutsch und Englisch war sie vorher an verschiedenen Schulen tätig. Außerdem arbeitete sie 3 Jahre lang im Hessischen Institut für Bildungsplanung.

[8] Diese Arbeitsform soll den unterschiedlichen Begabungen, Interessen und Neigungen der Schülerinnen und Schülern gerecht werden. In einem Pool von 3 bis 7 Stunden sollen sie unabhängig vom anwesenden Fachlehrer nach dem am Wochenanfang fest gelegten Arbeitsplan selbstständig arbeiten. vgl. auch Becker, G. u.a. (Hrsg.), Die Helene-Lange-Schule, S. 49-59

[9] . Arelt, C. u. a. (Hrsg.), Pisa 2000, Berlin 2003

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638379120
ISBN (Buch)
9783638778831
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39006
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1
Schlagworte
Leistungsfähigkeit Helene-Lange-Schule Ergebnisse Pisa-Studie

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