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Essstörungen: Bulimie - Bulimia nervosa

Hausarbeit 2005 25 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.1 Definition
1.2 Prävalenz
1.3 Zentrale Symptome

2.1 Körperliche Folgen
2.2 Psychische Folgen
2.3 Komorbidität

3. Diagnostik

4. Ursachen und Bedingungsfaktoren

5. Behandlung und Therapie

6. Literaturverzeichnis

1.1 Definition:

In der Literatur werden die Begriffe Bulimia nervosa und Bulimie am häufigsten verwendet. Der Begriff Bulimie setzt sich aus den griechischen Wörtern „Bous“=Stier und „Limos“=Hunger zusammen und bedeutet übersetzt Stierhunger. Die Krankheit wird auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet.

Neben Heißhungerattacken und dem im Anschluss folgenden Erbrechen bzw. weiteren kompensatorischen Methoden wird eine übermäßige Angst der Betroffenen, dick zu sein bzw. zu werden, als drittes wesentliches Merkmal der Bulimie bezeichnet. (vgl. Wittchen, 1988, S.15)

Bulimie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die Auswirkungen auf alle wichtigen Lebensbereiche haben. Die Beziehungen zu anderen Menschen, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und die Lebenszufriedenheit werden nachhaltig beeinträchtigt und Bulimie hat gravierende gesundheitliche und psychische Folgeschäden. (vgl. Jacobi, 1996, S.4)

Bei Bulimie gibt es anfallsartig auftretende Heißhungerattacken, bei denen die Betroffenen große Mengen Nahrungsmittel essen und dabei ihre bestehenden Diätregeln überschreiten. Im Anschluß an die Fressattacke fühlen sie sich schlecht, sie schämen sich und leiden unter dem Gefühl versagt zu haben, wegen dem vorangegangenen Kontrollverlust. Die Reaktion ist, dass sie versuchen das Essen durch kompensatorische Maßnahmen entweder direkt durch selbstinduziertes Erbrechen oder indirekt durch den Gebrauch von Abführmitteln oder Diuretika (harntreibende Mittel) wieder aus dem Körper zu entfernen.

Bulimie entsteht durch gezügeltes Essverhalten und Schwierigkeiten im Umgang mit individuell vorhandenen Konflikten.

1.2 Prävalenz:

- Bulimie kommt im Vergleich zur Anorexie häufiger vor. Die Häufigkeit in der besonders betroffenen Altersgruppe zwischen 17-35Jahren liegt bei ungefähr 2-3% für Bulimie. In bestimmten Risikogruppen liegt die Prävalenz allerdings höher: Beispiele: Balletttänzerinnen, Models, in Sportarten wie bei Ringern und Jockeys. (vgl. Jacobi, 1996, S.4)
- Nur zwischen 5-10% der Betroffenen sind Männer.
- Einzelne Symptome der Bulimie sind in der Bevölkerung weiter verbreitet (Bsp. Heißhungeranfälle), allerdings sind sie nur in 2-3% der Fälle so vollständig ausgeprägt, das die Diagnose Bulimie gestellt werden kann.
- Bulimie beginnt überwiegend später als Magersucht. Krankheitsbeginn liegt meistens zwischen 17-25Jahren.
- Soziale Schicht und Bildungsstand: Die Betroffenen Frauen stammen vorwiegend aus wohlhabenderen Familien der mittleren und höheren Schichten. Untersuchungsergebnisse aus dem Jahre 1985 zeigten, dass etwa 60% der Bulimikerinnen Abitur oder einen Hochschulabschluss besitzen. (Wittchen, 1988, S.20)
- Krankheit ist fast ausschließlich unter weißen Frauen des westlichen Kulturkreises zu finden. Grund hierfür: das nur in westlichen Kulturen eine negative Bewertung des Dickseins zu finden ist. (vgl. www.hausarbeiten.de)
- Bulimie hat eine hohe Chronizität und eine lange Krankheitsdauer

1.3 Zentrale Symptome:

Neben Heißhungerattacken und dem im Anschluss folgenden Erbrechen bzw. weiteren kompensatorischen Methoden wird eine übermäßige Angst der Betroffenen, dick zu sein bzw. zu werden, als drittes wesentliches Merkmal der Bulimie bezeichnet. (vgl. Wittchen, 1988, S.15)

Ein weiteres Merkmal ist die ständige Beschäftigung mit Essen bzw. nicht Essen.

An Bulimie leidende Personen streben das soziale Ideal eines attraktiven, schlanken Körpers an, nicht das Untergewicht der Magersucht. (vgl. Oerter, 1995, S.1070)

Neben dem gestörten Essverhalten leiden Bulimiker unter Körperwahrnehmungsstörungen (Body-Image-Störung), dass heißt sie haben eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers und der -grenzen. Die Patienten leiden auch unter einer Selbstwertproblematik, sie haben eine große Selbstunsicherheit und haben Gefühle nichts wert zu sein.

Bulimiekranke können die Krankheit oft über mehrere Jahre erfolgreich verbergen, da sie oft normalgewichtig sind und ihr gestörtes Essverhalten geheim halten.

Aufgrund hoher Aufwendungen für die oftmals riesigen Mengen an Lebensmitteln kann es zu einer Verschuldung oder auch zu delinquentem Verhalten wie Ladendiebstählen kommen.

Der Bulimie liegen individuell vorhandene Probleme zugrunde. Die bulimischen Symptome werden von den Patienten im Krankheitsverlauf immer öfter als Problemlösestrategien eingesetzt.

1. Heißhungeranfälle (HA):

- bei den Heißhungeranfällen wird ein Kontrollverlust über das Essen erlebt, dass heißt die Patienten können nicht aufhören zu essen und essen weit über ihren Hunger hinaus.
- ein Heißhungeranfall kann zwischen 15Minuten und mehreren Stunden dauern, durchschnittlich dauert er 70Minuten
- Bei einer Fressattacke werden Kalorienmengen zwischen 1000 und mehreren 10000 kcal aufgenommen
- bei einem Essanfall werden Speisen bevorzugt, die sonst wegen des dickmachenden Effekts gemieden werden, wie Süßspeisen und fettreiche Kost
- sie essen die Nahrung ohne jegliches Geschmacksempfinden und empfinden kein Sättigungsgefühl
- Das Auftreten von HA schwankt zwischen einmal in 2Wochen und mehrmals am Tag, durchschnittlich haben die Patienten einen HA am Tag.

Essanfälle auslösende Momente:

- Einsamkeit und Alleinsein
- Stress, Gefühl der Lähmung, Unterdrückung durch andere
- Zustände der inneren Leere, Langeweile oder Entfremdung
- Wut, Ärger
- Ängste verlassen zu werden, Enttäuschungen durch andere
- Traurigkeit, Deprimiertsein
- Hunger, Appetit (Nur 12% der Patienten haben vor einem Heißhungeranfall wirklich Hunger. )
- Frustriertsein, Unzufriedenheit
- Müdigkeit, Kraftlosigkeit (vgl. www.hausarbeiten.de)

Gefühlslage nach den Heißhungeranfällen:

Depressive Verstimmungen, Selbstverachtung und Hoffnungslosigkeit, Gefühle des Versagens einhergehend mit Schuld-, Schamgefühlen und Selbstvorwürfen wegen des vorhergehenden unkontrollierten Verhaltens, bis hin zum Suizidversuch, können die Folge sein. (vgl. Wittchen, 1988, S.12)

2. Kompensatorische Methoden wie Erbrechen (E):

Kompensatorische Maßnahmen sind Mechanismen um die während eines Heißhungeranfalls aufgenommenen Nahrungsmittel wieder aus dem Körper zu befördern, bevor sie verdaut sind, um der möglichen Gewichtszunahme vorzubeugen.

Neben selbstinduziertem Erbrechen gibt es weitere Methoden zur Gewichtsreduktion und zum Abbau der Angst vor Gewichtszunahme wie Laxantienabusus (Abführmittelmissbrauch, LAX), Einnehmen von Diuretika (harntreibende Mittel), Appetitzügler, strenges Fasten und exzessives Sporttreiben. 85% aller Patienten praktizieren selbstinduziertes Erbrechen, wobei die Häufigkeit sehr unterschiedlich ist, nicht nach jedem Heißhungeranfall wird erbrochen, andererseits kann Erbrechen auch nach einer ganz normalen Mahlzeit stattfinden. Die Häufigkeit schwankt von einmal in 2Wochen bis zu 20mal am Tag. Die Hälfte der Frauen erbricht mindestens einmal täglich. (vgl. www.hausarbeiten.de)

2.1 Körperliche Folgen einer Bulimie:

Körperliche Schädigungen sind Folgen der Gewichtsreduktion, der Heißhungeranfälle, des Erbrechens und des Abführmittelmissbrauchs:

- Hormonveränderungen: sinkender Blutdruck mit Schwindel und Kreislaufstörungen und Durchblutungsstörungen mit Kältegefühlen
- Lanugobehaarung (Flaumhaar am Körper)
-akute Magenerweiterung und Risiko eines Risses der Magenwand
- Störungen der Menstruation (Unregelmäßigkeiten oder Ausbleiben der Regel)
- endokrinologische Störungen (Hormonhaushalts)
- schmerzlose Schwellung der Speicheldrüsen im Bereich der Wange und des Unterkiefers (sogenannte Kotzbäckchen)
- Stoffwechselstörungen
- Störung des Elektrolytgleichgewichts --- Herzrhythmusstörungen
- Tetanie (Muskelverkrampfungen)
- Lethargie (Schläfrigkeit, allgemeine Schwäche)
- Wasserverlust (Austrocknen)
- epileptische Anfälle
- Schädigung der Nieren
- Zahnschmelzschäden
- chronische Heiserkeit und Halsschmerzen
- gastrointestinaler (Magen und Darm betreffend) Reflux (Magensaftrückfluß und Sodbrennen) und Ösophagitis (Entzündung der Speiseröhre)
-Geschwüre im Magen- und Darmbereich
-Mangel an Vitamine, Mineralstoffe und Folsäure: dadurch kann es zu Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit und Erschöpfungszuständen
-Haut trocknet aus und Haare fallen aus
- Störungen des Knochenstoffwechsels: Knochenbrüche können schon nach minimalen Stürzen auftreten
- Kopfschmerzen
- Schlaflosigkeit
- Durchfälle
-Verstopfung bis hin zu Darmverschluss
- Ödeme (Ansammlung von Flüssigkeit in Gewebe)
- Trommelschlegelfinger (Auftreibung der Fingerenden)
- Blutarmut (Anämie)
- Gicht
- Nervenschädigungen
- Hirnatrophien
-Fertilitätsstörungen (Fruchtbarkeitsstörungen)

(vgl. Jacobi, 1996, S.5; Vanderlinden, 1992, S.4)

2.2 Psychische Folgeneiner Bulimie:

Psychische Begleit- und Folgeerscheinungen bei einer Bulimie können sein Konzentrationsstörungen, depressive Stimmung und Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit, Angst, innere Unruhe, sozialer Rückzug, Interessenverlust, ständige gedankliche Beschäftigung mit Essen. (vgl. Jacobi, 1996, S.5)

2.3 Komorbidität:

Häufiger gesellen sich zur chronifiziertem Esssymptomatik andere psychische Symptome wie Depression, Substanzenabhängigkeit und Persönlichkeitsstörungen hinzu.

- Depressive Störungen treten bei 50-75% der Betroffenen Bulimiker auf.
Umstritten ist, ob die Depression Auslöser für eine bulimische Erkrankung ist, oder ob sie aus der Bulimie resultiert. Sicher ist allerdings das Bulimia nervosa zu Depressionen führen kann.
- Anorexie: Übereinstimmend wird das häufige Vorkommen einer Magersucht in der Vorgeschichte einer Bulimikerin angegeben.
- Angststörungen (Sozialphobie) findet man bei 30% der Patienten
- Substanzmissbrauch bzw. –abhängigkeit kommen bei 30-37% vor.
- Persönlichkeitsstörungen wie z.B. Borderline-Störung treten bei Bulimie nicht selten auf. (vgl. www.fu-berlin.de)

3. Diagnostik:

Bei der Differentialdiagnostik müssen andere Erkrankungen, die für Gewichtsverlust, Erbrechen und Störungen des Essverhaltens und des Appetits verantwortlich sein können ausgeschlossen werden: 1. Somatische Erkrankungen (Bsp: Gehirntumor, Darmerkrankungen, Diabetes) 2. Psychische Erkrankungen (Bsp: Depressionen, Zwangsstörungen, Folge von Medikamenten oder Alkohol). (vgl. www.fu-berlin.de)

Die Diagnosekriterien der wichtigsten Klassifikationssysteme DSM und ICD für Bulimia nervosa sind in der folgenden Tabelle 1 aufgelistet. Die Kriterien des DSM-III-R aus dem Jahre 1987, die revidierte Form aus dem Jahre 1994 ist das DSM-IV und die Kriterien für Bulimie im Kapitel V des ICD-10 aus dem Jahre 1991. „Die aktuellen Diagnosekriterien definieren Bulimie über Merkmale, die sich in erster Linie auf das Essverhalten und auf damit in engem Zusammenhang stehende Verhaltensweisen der Gewichtsregulation beziehen.“ (Jacobi, 1996, S.9)

Standardisierte Instrumente zur Erfassung gestörten Essverhaltens und begleitender Symptomatik:

1.Erfassung spezifische Psychpathologie:

Zur Erfassung der spezifischer Symptomatik der Essstörung gibt es verschiedene Instrumente wie Selbst- und Fremdbeurteilungsbögen und strukturierte Interviews. Im Folgenden werden einige Instrumente kurz vorgestellt:

- Eating Disorder Inventory (EDI):

Umfasst verschiedene für Patienten mit Anorexie und Bulimie typische psychologische Charakteristika die in mehreren Skalen abgefragt werden: Streben nach Dünnsein, Bulimie, Körperliche Unzufriedenheit, Ineffektivität, Perfektionismus, Zwischenmenschliches Misstrauen, Interozeption, Angst vor dem Erwachsenwerden.

-Eating Attitudes Test (EAT):

Dieses Instrument beschäftigt sich mit dem Maß gestörten Eßverhaltens und der übermäßigen Beschäftigung mit dem Essen, Figur und Gewicht. Es war ursprünglich ein Screening-Instrument für Risikogruppen.

- Fragebogen zum Essverhalten (FEV):

Erfasst 3 grundlegende psychologische Dimensionen menschlichen Essverhaltens:

1. kognitive Kontrolle des Essverhaltens 2. Störbarkeit und Labilität des Essverhaltens bei Enthemmung durch situative Faktoren 3. Hungergefühle und deren Verhaltenskorrelate.

2. Erfassung der generellen Psychopathologie:
- Beck-Depressions-Inventar
- Self-Control-Schedule
- Unsicherheitsfragebogen
- Frankfurter Körperkonzeptskalen
- Fremdbeurteilungsverfahren: Eating Disorder Examination EDE: halbstrukturiertes Interview (vgl. Jacobi, 1996, S.12)

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Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638381314
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39338
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Psychologie
Note
sehr gut
Schlagworte
Essstörungen Bulimie Bulimia Verhaltensauffälligkeiten

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Titel: Essstörungen: Bulimie - Bulimia nervosa