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Die Besetzung der Baltischen Inseln 1917 als flankierende Unterstützung der deutschen Heeresverbände - Unternehmen ALBION

Hausarbeit 2005 18 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ostfront und die strategische Bedeutung der Baltischen Inseln

3. Die Situation der Marine im Deutschen Kaiserreich

4. Die Durchführung des Unternehmens „Albion“

5. „Lessons Learned“ für Joint Operations

6. Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Der Kriegsverlauf im Osten 1915-1917 Neugebauer,

Abb. 2 Der Frontverlauf in Kurland ab 07.09.1917 Tschischwitz,

Abb. 3 Übersichtskarte zur Eroberung der Baltischen Inseln Leisler Kiep,

Abb. 4 S.M. Panzerkreuzer www.kaiserliche-marine.de

Abb. 5 Transportflotte marschiert nach Ösel Bastian,

1. Einleitung

Im Morgengrauen des 12. Oktober 1917 landeten deutsche Soldaten auf den Baltischen Inseln Ösel und Dagö an und eroberten diese sowie die Insel Moon in nur acht Tagen. Das Unternehmen „Albion“[1] oder auch „Ösel-Unternehmen“ – verschiedene weitere Bezeichnungen für die Besetzung der Baltischen Inseln – stellt das erste von insgesamt wenigen Beispielen der deutschen Militärgeschichte für teilstreitkraftübergreifende und noch dazu amphibische Operationen dar.[2]

Auch wenn die strategische Bedeutung der Ergebnisse dieser Operation, die Herrschaft über den Rigaischen Meerbusen, über die Baltischen Inseln sowie der freie Seezugang nach Riga, für die Gesamtkriegführung eher ohne Belang war, so gewinnt diese Operation gerade vor dem Hintergrund der „Joint“-Aspekte ihre Bedeutung. Der damalige Chef des Generalstabes des Landungskorps und spätere General der Infanterie von Tschischwitz beurteilt sie wie folgt: „Sie [die Operation „Ösel“, d. Verf.] ist nicht nur interessant durch die Zusammenarbeit der beiden Schwesterwaffen, sondern vor allem auch ungemein lehrreich auf operativem und taktischem, auf navigatorischem, waffen- und schiffbautechnischem Gebiet.“[3] So ist ein näher zu fokussierender Aspekt eben jener der historischen „Lessons Learned“ für Joint Operations.

Zunächst jedoch zum Unternehmen „Albion“ selbst. Nach einer kurzen Einordnung des Unternehmens in die politischen und militärischen Ereignisse im Kriegsjahr 1917 wird die Situation der Marine im Deutschen Kaiserreich im mittlerweile vierten Kriegsjahr betrachtet. Die Planung und Durchführung des Unternehmens an sich sowie die teilstreitkraftgemeinsamen Aspekte schließen sich an, bevor die Schlussbetrachtung erfolgt.

2. Die Ostfront und die strategische Bedeutung der Baltischen Inseln

Der gesamte Ostseeraum war zu Beginn des I. Weltkrieges eher ein Nebenkriegsschauplatz. Der Schwerpunkt der deutschen Land- und Seekriegführung lag 1914 an der Westfront und in der Nordsee. Die Land- und Seestreitkräfte an der Ostfront waren für größere Offensivoperationen zu schwach und agierten daher unabhängig voneinander eher defensiv. Erst im Mai 1915 gewann die Ostfront mit einer Großoffensive der Armee im Baltikum und der Unterstützung dieser Offensive durch Küstenbeschießungen der Marine, u.a. dabei auch ein kurzer Vorstoß in den Rigaischen Meerbusen, an Bedeutung.

Mit Ablauf des Jahres 1915 ging die Armee entlang der Düna zur Verteidigung über. Im Jahr 1916 verlagerte sich der Schwerpunkt wieder. Armee und Marine suchten die Kriegsentscheidung im Westen – die Schlacht von Verdun, die Skagerrakschlacht sowie die Kämpfe an der Somme und in Galizien banden alle verfügbaren Reserven.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ostfront verfiel in eine trügerische Ruhe, die geprägt war von einem Stellungskrieg an Land sowie einem Minen- und Kleinkrieg auf See. Die durch die russische Passivität mögliche offensive Gesamtkriegführung musste aufgrund der fehlenden Verstärkungsmöglichkeiten unterbleiben.[4]

Erst im Frühjahr 1917, als sich die Hoffnung auf einen Sonderfrieden nicht erfüllte, gewann die Ostfront wieder an Bedeutung. Nach der ersten russischen Revolution im März 1917 wandelten sich die Verhältnisse nicht wie erhofft zum Frieden mit Russland. Trotz der Revolution begann im Juli 1917 die russische Kerenski-Offensive, die von den Ufern des Dnjestr in Richtung der österreichischen Front zielte. Diese wurde durch einen Gegenangriff gestoppt und nun sollte die russische Front durch weitere gezielte militärische Schläge geschwächt werden. Das Ziel war es, Druck auf die russische Regierung auszuüben, um die Kampfhandlungen an der Ostfront zu beenden.[5]

Zu diesem Zweck wählte man den Nordflügel der Ostfront, wo die russische 12. Armee mit acht Divisionen bei Riga noch westlich der Düna mit einem Brückenkopf stand und dort schon seit zwei Jahren eine ständige Bedrohung für den deutschen Nordflügel darstellte. Nach einem kühnen Übergang der deutschen 8. Armee über die Düna nördlich von Riga wurde die alte deutsche Hansestadt Riga am 1. September 1918 erobert. Die russische 12. Armee zog sich in vorbereitete Stellung östlich der Aa zurück. „Nunmehr war für unseren, an den Rigaischen Meerbusen angelehnten Nordflügel zwar die Bedrohung auf dem Festland beseitigt – nicht aber von See aus. Wollte man sich auch hiergegen sichern, so musste man Herr im Riga-Busen sein.“[6]

Die strategische Bedeutung der Baltischen Inseln Ösel, Dagö und Moon für eine an den Rigaer Busen angelehnte Front ist begründet in deren geographischer Schlüssel-position, welche die Kontrolle dieses Seegebietes ermöglicht. Für die deutsche Landfront bedeutete die unbeherrschte See im Norden eine offene Flanke, die der Gegner für eigene Operationen nutzen konnte und welche daher ständig gesichert werden musste und so Kräfte band.[7] Zudem war die Nutzung für eigene Zwecke, wie z.B. für den Nachschub über See, nicht möglich und durch den Vorstoß bis zur Aa war die Küstenstrecke noch länger geworden.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

So erging am 18. September 1917 der kaiserliche Befehl für das Unternehmen „Albion“: „Zur Beherrschung des Rigaischen Meerbusens und zur Sicherung der Flanke des Ostheeres sind durch gemeinsamen Angriff von Land- und Seestreitkräften die Inseln Ösel und Moon zu nehmen, der große Sund für die Durchfahrt feindlicher Seestreitkräfte zu sperren.“[9]

3. Die Situation der Marine im Deutschen Kaiserreich 1917

Bereits bei dem kurzen Flottenvorstoß in den Riga-Busen 1915 wurde deutlich, dass die Eroberung der Baltischen Inseln zu einer wichtigen operativen Option für die Ostseestreitkräfte geworden war, da nur die Besetzung der Inseln die Beherrschung des Seegebietes und damit den Schutz der Heeresflanke garantieren könnte. Vor diesem Hintergrund begann der Admiralstab bereits Ende 1915 mit den Vorarbeiten für die Eroberung der Baltischen Inseln. Notwendige Informationen über die russischen Inselbesatzungen und über die Größe eines einzusetzenden Landungskorps der Armee wurden jedoch seitens des Generalstabes mit dem Hinweis auf die nicht verfügbaren Reserven für eine solche Operation verwehrt. „Sollte die Armee zur Unterstützung ihrer Operationen im Ostseeraum ein Eindringen der Flotte in den Rigaischen Meerbusen wünschen, werde der Admiralstab zeitgerecht unterrichtet.“[10]

Dieses vermeintliche Desinteresse der Armee stieß in der Marine auf Verwunderung, da die Eroberung der Inseln für das Heer noch wichtiger zu sein schien als für die Marine. So präzisierte der Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, Oberfehlshabers der Ostseestreitkräfte (OdO) und Bruder des Kaisers, am 05. März 1916 in einer Denkschrift die Bedeutung der Eroberung der Baltischen Inseln. Auf dessen Drängen hin trug der Admiralstabschef von Holtzendorff erneut dem Chef des Generalstabes, General von Falkenhayn, vor. Doch auch dieser Vorstoß verlief erfolglos. Der Chef des Generalstabes, zu diesem Zeitpunkt ganz auf den Angriff bei Verdun konzentriert, fragte nur nach, ob die Marine nach erfolgreichem Abschluss der Operation die Seeherrschaft in der Ostsee und eine sichere Verbindung zu diesen Inseln garantieren könne. Beide Fragen musste der Admiralstabschef verneinen und vielmehr auch die Risiken der Operation, hier die Auswirkungen der Verschiebung von Seestreitkräften aus der Nord- in die Ostsee auf die Nordseekriegsführung und den U-Boot-Krieg einräumen. Er erkannte das gegenwärtige Desinteresse der Obersten Heeresleitung und erklärte, „dass die Marine nicht beabsichtigt, die treibende Kraft für die Ösel-Moon-Unternehmung zu sein, sondern dass sie sie nur in Angriff nehmen wird, wenn die Heeresleitung auf ihre Durchführung im Interesse der Landkriegführung großen Wert legt.“[11] Während die Eroberung der Baltischen Inseln zu diesem Zeitpunkt für die Armee nicht mehr relevant war, ging die marineinterne Diskussion jedoch weiter. Holtzendorff wollte dem Ansehen der Marine durch weiteres Insistieren nicht schaden, sah sich in der Folge jedoch wiederholt mit dem Vorwurf konfrontiert, er sei wankelmütig und unentschlossen und sei wegen seines mangelnden Durchsetzungsvermögens nicht in der Lage, die Interessen der Marine gegenüber der OHL und dem Reichskanzler durchzusetzen. Vor allem der OdO machte wiederholt von seinem Immediatrecht beim Kaiser Gebrauch, um gegen den Admiralsstabschef zu intrigieren und ihn zum Schuldigen für das Scheitern seiner eigenen Ostseekriegspläne zu erklären.[12]

[...]


[1] ALBION ist ein alter Name für die britischen Inseln oder Großbritannien, obwohl der Begriff meist auf England bezogen ist. Der Name ist womöglich keltischen Ursprungs, wobei die Römer es mit albus (weiß) in Bezug zu den Kalklippen bei Dover verbanden, und A. Holder (Alt-Keltischer Sprachschatz, 1896) übersetzte ihn schlicht mit Weißland. (http://de.wikipedia.org/wiki/Albion vom 14.04.2004)

[2] vergl. Groß, S. 171

[3] Tschischwitz, S. 7

[4] vergl. Groß, S. 173

[5] vergl. Groß, S. 177 und Tschischwitz, S. 9

[6] Tschischwitz, S. 10-11

[7] vergl. Rohwer u.a., S.407

[8] vergl. Tschischwitz, S. 11-12

[9] Tschischwitz, S. 12

[10] Groß, S. 173

[11] Groß, S. 174

[12] vergl. a.a.O., S. 172-177

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638384735
ISBN (Buch)
9783638902168
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39785
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Schlagworte
Besetzung Baltischen Inseln Unterstützung Heeresverbände Unternehmen ALBION Wehrgeschichte

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