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Massenmedien und Responsivität

Hausarbeit 2004 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe und Konzepte

3. Medien und Politik: Der massenmediale Einfluss auf die demokratische Responsivität
3.1 Die Agenda-Setting-Hypothese
3.2 Die Schweigespirale

4. Ausblick und die Frage nach der Manipulation

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Das MILLER/STOKES-Modell der politischen Responsivität

Politische Responsivität und der Einfluss der Massenmedien

Der Drei-Stufen-Prozess der massenmedialen Einflussnahme

1. Einleitung

Wichtiges Element einer funktionierenden Demokratie ist die öffentliche Willensbildung, aus der der Wille des Volkes hervorgeht. Anders als in der athenischen Demokratie ist in der heutigen Zeit eine direkte Umsetzung des Begriffes der Volksmacht nicht mehr möglich, da moderne Demokratien Flächenstaaten mit Millionenbevölkerung sind. In der Literatur wird die repräsentative Demokratie klassischerweise als Lösung für das Größenproblem angesehen: Gewählte Abgeordnete übernehmen die Aufgabe des Regierens und handeln dabei nach dem Willen des Volkes. Ein zweites Problem, das die Größe moderner Staaten mit sich bringt, ist das der politischen Willensbildung: Während sich in der Antike alle Bürger an einem Ort versammelten und miteinander diskutierten, ist dies heute nicht mehr möglich. Deshalb kommt der medial vermittelten öffentlichen Diskussion eine besondere Bedeutung zu: Der gewissermaßen advokatorische Diskurs in den Massenmedien, der für alle Bürger erfahrbar ist und an dem auch jeder teilnehmen kann, übernimmt die Aufgabe der politischen Willensbildung.

Insofern ist die Bedeutung der Massenmedien für moderne Demokratien unbestreitbar. Gleichzeitig ergeben sich aus dieser Feststellung neue Probleme und Fragestellungen.

Damit Demokratie bestehen kann, muss die Grundlage des Regierens der Volkswille sein. Das bedeutet, dass sich die Abgeordneten in ihren Entscheidungen an der Meinung der Repräsentierten orientieren müssen. Da die politische Willensbildung heute über die Medien geschieht, muss die Frage gestellt werden, welche Rolle die Massenmedien im Prozess der Repräsentation spielen und in welcher Wirkungsbeziehung die drei Akteursgruppen Abgeordnete, Bürger und Medien stehen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Massenmedien auf die Übereinstimmung des Abgeordnetenhandelns mit dem Volkswillen. Dabei soll versucht werden, bekannte Medienwirkungstheorien aus der Kommunikationswissenschaft in die politikwissenschaftliche Diskussion zu übertragen. Dass Medien bestimmte Wirkungen auf Individuen und Gesellschaft haben, ist unbestritten, nun soll gefragt werden, was dies für die Demokratie und die Repräsentation bedeutet.

2. Begriffe und Konzepte

Kerngedanke der Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. In modernen Demokratien, die als Flächenstaaten mit Millionenbevölkerung das athenische Modell der direkten Demokratie nicht mehr anwenden können, wird der Volkswille von gewählten Repräsentanten umgesetzt. Insofern stand der Grad der Übereinstimmung zwischen Wählern und Gewählten schon immer im Fokus der demokratietheoretischen Diskussion, denn ohne sie wäre der demokratische Grundgedanke, die Ausübung der politischen Macht durch das Volk, verloren (Vgl. HOFFMANN-LANGE: 275).

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts startete eine rege Diskussion in politikwissenschaftlichen Kreisen, als zum ersten Mal der Begriff Responsivität in der Literatur auftauchte, definiert als „reflecting and giving expression to the will of the people“ (PENNOCK 1952, zitiert nach BRETTSCHNEIDER 1995: 19). Worin war nun der Unterschied zwischen Repräsentation und Responsivität zu sehen? Gab es überhaupt einen?

Die Debatte endete schließlich mit der von PITKIN 1967 veröffentlichten Analyse aller bisherigen Definitionen. PITKIN kennzeichnete Responsivität als einen von drei Bestandteilen von Repräsentation und sah ihre Bedeutung darin, im Interesse der Repräsentierten zu handeln (Vgl. BRETTSCHNEIDER 1995: 18). Zehn Jahre später lieferten EULAU/KARPS eine für die empirische Forschung geeignetere Begriffdeutung, indem sie Responsivität in vier Komponenten unterteilten, von denen besonders die Policy responsiveness im Blickpunkt der Forschung steht, welche besagt, dass sich der Abgeordnete bezüglich politischer Sachfragen gemäß den Einstellungen seiner Wähler verhält (Vgl. WALTER 1997: 6f).

Die vorliegende Arbeit bezieht sich vor allem auf die bahnbrechende Studie zur Responsivität, die MILLER/STOKES 1963 mit ihrem Werk Constituency Influence in Congress vorlegten. Sie überprüften zu drei Themengebieten die Responsivität des amerikanischen Repräsentantenhauses mittels des Konzepts der Kongruenz, also die Übereinstimmung von Wählereinstellungen mit dem Abstimmungsverhalten der Abgeordneten. Unter Einstellung ist eine Tendenz zu verstehen, auf ein Objekt positiv oder negativ zu reagieren (BURKART 2002: 190), aber auch Gleichgültigkeit müsste hier Beachtung finden. MILLER/STOKES untersuchten sowohl den direkten Zusammenhang als auch den Einfluss zweier intervenierender Variablen, der vom Politiker wahrgenommenen Wählermeinung sowie seine eigene Einstellung (Vgl. BRETTSCHNEIDER 2002: 543f). Abbildung 1 zeigt das Untersuchungsdesign von MILLER/STOKES in schematischer Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das MILLER/STOKES-Modell der politischen Responsivität.

In Anlehnung an WALTER 1997: 78.

Auf die Ergebnisse der MILLER/STOKES-Studie soll in diesem Zusammenhang nicht eingegangen werden. Wichtiger scheint zunächst einmal die Feststellung, dass hier offensichtlich zwei Akteursgruppen im Zentrum der politischen Forschung stehen: Die Wähler und die Abgeordneten.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, den Einfluss der Massenmedien auf den Prozess der Repräsentation anzureißen. Eine im deutschen Sprachraum allgemein akzeptierte Definition von Massenkommunikation lautet: „Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich, durch technische Verbreitungsmittel, indirekt und einseitig an ein disperses Publikum vermittelt werden“ (MALETZKE 1998: 46). Folglich hat ein jeder Zugang zu dieser Form der Kommunikation, die aufgrund der sich daraus ergebenden Größe und Verstreutheit des Publikums nur über Medien stattfinden kann. Ferner besteht eine räumliche und/oder zeitliche Distanz zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Botschaft. Während Massenkommunikation einen Prozess bezeichnet, in dem keine Interaktion zwischen Kommunikator und Rezipient stattfinden kann, sind die Massenmedien die Träger dieses Prozesses (Vgl. JÄCKEL 2002: 53). Aufgrund des öffentlichen Charakters der Massenkommunikation werden den Massenmedien drei klassische Aufgaben zugeschrieben: Information, Meinungsbildung sowie Kontrolle und Kritik (Vgl. EISENSTEIN 1994: 31f).

Zwei Bemerkungen sind hierzu zu machen: Zum einen wird die einseitige Kommunikationsbeziehung zwischen Sender und Empfänger durch die neuen digitalen Medien in Teilen aufgelöst (Vgl. BURKART 2002: 38) . Zum anderen lässt die Formulierung obiger Definitionen vermuten, dass die Massenmedien die Rolle eines neutralen Vermittlers erfüllen. Medienbotschaften werden jedoch von Menschen, von Journalisten ausgewählt, gestaltet und in den Prozess der Massenkommunikation eingegeben. Insofern darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Journalisten möglicherweise zielgerichtet handeln und mit ihrer Berichterstattung einen bestimmten Zweck verfolgen (Vgl. BURKART 2002: 284).

Ohne öffentliche Kommunikation ist Demokratie nicht möglich, denn sie erlaubt den Bürgern, sich zu informieren und Entscheidungen zu treffen. Allerdings verändert die Anwesenheit der Massenmedien, die in modernen Demokratien aufgrund der Größe des Territoriums und der Bevölkerung die einzige Möglichkeit darstellen, eine funktionierende Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten, den politischen Prozess (Vgl. Meyer 2001: 15, 200). Medien entfalten Wirkungen in vielen Lebensbereichen, ihr Einfluss auf das politische System ist soll hier im Vordergrund stehen. Wirkungen können auf zwei Arten entstehen: Zum einen durch den Inhalt von Medienbotschaften, die der Rezipient aufnimmt, zum anderen durch die Nutzung der Medien, welche Zeit in Anspruch nimmt, so dass die Struktur des Alltags verändert wird. Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition von Medienwirkungen, dennoch besteht ein gewisser Konsens darüber, dass Medienwirkungen feststellbare Veränderungen des individuellen Verhalten, sozialer Strukturen oder sozialer Prozesse sind, die sich durch Inhalt, Form oder Organisation der Medien erklären lassen (Vgl. MALETZKE 1998: 82). Medienwirkungen sind somit abhängig vom medialen Umfeld; verändern sich zum Beispiel Rezeptionsgewohnheiten oder die gesetzlichen Grundlagen, so ändern sich auch die Umstände, unter denen Medien Einfluss nehmen können (BURKART 2002: 187). Ferner sind Medienwirkungen zu unterteilen in gesellschaftlich und individuell; auf psychologischer Ebene können Wirkungen auf Wissen, Einstellungen, Verhalten und Emotionen unterschieden werden (MALETZKE 1998: 86). Im Bereich der Medienwirkungsforschung werden unterschiedliche Ansätze je nach Wirkungsart unterschieden; Beispiele hierfür sind die Diffusionsforschung, die sich mit der Verbreitung von Innovationen befasst, sowie verschiedene Studien zu den Folgen von Gewalt in den Medien.

Im Folgenden soll diskutiert werden, welche medialen Einflüsse und Wirkungsarten insbesondere im Bereich der Politik wirksam werden könnten und worin eventuelle Chancen und Risiken bestehen.

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Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638385138
ISBN (Buch)
9783638790543
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39842
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Massenmedien Responsivität

Autor

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Titel: Massenmedien und Responsivität