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Wie kam es zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF)?

Seminararbeit 2005 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Hauptteil

1. Kurzbiographie Louise Otto-Peters

2. Stand der Frau in der Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts
2.1 Einfluss der Französischen Revolution 1789
2.2 Die soziale Lage: Frauenarbeit und Rechte der Frau

3. 48er Revolution und Aufbruch der Frauen
3.1 Der Übergriff der Revolution von Frankreich auf Deutschland
3.2 Die bürgerliche Frauenbewegung im Aufbruch
3.3 Die Frauen - Zeitung

4. Die offizielle Geburtsstunde der bürgerlichen Frauenbewegung
4.1 Gründung des ADF am 15. Oktober 1865
4.2 Wirken und Wirkungen des ADF

Schluss

I. Einleitung

Die Frauen und ihre gesellschaftliche Stellung sind in Deutschland in den letzten Jahren immer wieder ein aktuelles Thema und zum Teil auch Mittelpunkt kontroverser Debatten. Gerade an Daten wie etwa dem Weltfrauentag ( 8. März) wird die Rolle der Frau in der Gesellschaft in das Zentrum einer breiten Öffentlichkeit gerückt und es finden Diskussionen im Bezug auf überwundene und noch vorhandene Mißstände statt. So ist zum Beispiel die Politik immer noch weitgehend eine Domäne des Mannes, und auch wenn Frauen inzwischen vereinzelt leitende Ämter innehaben ist die weiterhin relativ große Diskrepanz in der Politik im Verhältnis zwischen Mann und Frau durchaus auffällig. Doch gerade in Betracht von diesem auch zu Beginn des 21. Jahrhundert noch nicht ganz überwundenem Geschlechterunterschied in unserer Gesellschaft stellt sich die Frage, wie dann erst die Lage vor 100 oder 200 Jahren gewesen sein mag.

Ausgehend von einem Sitzungsprotokoll der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins im Jahre 1865, veröffentlicht 1890 von einer gewissen Louise Otto-Peters in ihrer Schrift Das erste Jahrhundert des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, möchte ich daher im Folgenden der Frage nachgehen, wie es dazu kam, dass jene Louise Otto-Peters gemeinsam mit Auguste Schmidt diese Gründung initiiert hat und versuche zugleich die Hintergründe der damaligen Frauenbewegung zu beleuchten. Wer ist diese Louise Otto gewesen und was hat sie angetrieben? Seit wann existiert eine Frauenbewegung und welche Ziele hat sie verfolgt? Welchen Einfluß haben dabei solch epochale Ereignisse wie die Französische oder die 48er Revolution ausgeübt? Welche gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen haben Mitte des 19. Jahrhunderts geherrscht und welche Rolle hat darin das weibliche Geschlecht gespielt? Speziell den Zeitraum zwischen den Politischen Unruhen 1848/49 und der Gründung des ADF 1865 möchte ich dabei einer näheren Betrachtung unterziehen.

Hauptsächlich stütze ich mich bei meinen Ausführungen auf Werke von Cordula Koepcke und Florence Hervé, beziehe aber auch Originalwerke der damaligen Zeit mit in meine Überlegungen ein und gehe auf ausländische Autoren, allgemein-historische Darstellungen und Fachzeitschriften ein.

II. Hauptteil

1. Kurzbiographie Louise Otto-Peters

Louise Otto wird am 26. März 1819 in Meißen als jüngste von vier Töchtern eines Justizrates geboren; über ihre Mutter, die Tochter eines Porzellanmalers, ist nur sehr wenig bekannt. Louise wächst in einer dem Bürgertum angehörigen Familie auf und lernt daher zwangsläufig früh die Pflichten eines jungen Mädchens kennen: Vor allem im Nähen und darin, die täglichen Bedürfnisse des Haushaltes an Lebensgütern abzudecken bestehen die Hauptaufgaben einer jeden jungen Frau, die sie hauptsächlich durch ihre Mutter vermittelt bekommt. Es wird im bürgerlichen Hause aber auch für eine Schulbildung gesorgt. Wie damals üblich besucht Louise Otto bis zu ihrer Konfirmation die Schule, die zusätzlichen Privatstunden und das Vorlesen während dem Nähen tun ihr Übriges dazu, und schon sehr bald beginnt Louise selbst viel zu lesen, neben der damals jungen Mädchen zugedachten Lektüre wie Goethe, Schiller oder Hauff auch Bücher von Karl Gutzkow oder Friedrich Schlegel, deren Werke zur damaligen Zeit als äußerst anrüchig gegolten haben.

Im Alter von 17 Jahren verliert Louise Otto innerhalb kurzer Zeit ihre Eltern und bald darauf auch ihren Verlobten, Schicksalsschläge welche die junge Frau durch die Konzentration auf ihre schriftstellerischen Tätigkeiten kompensiert. Nachdem sie bereits mit elf Jahren selbst angefangen hat zu schreiben, hat sie im Alter von 28 Jahren bereits fünf Romane und einen Gedichtband veröffentlicht. Ein Romanhonorar ermöglicht ihr schließlich auch eine Reise, die sie in den Teutoburger Wald, auf die Wartburg und an das Grab Friedrich Schillers führt. Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Unternehmung ist die Tatsache, dass sie diese Reise völlig alleine unternimmt, ein für die damalige Zeit sehr erstaunliches Verhalten, das uns viel Aufschluß über Louise Ottos Persönlichkeit gibt.[1]

Seit sie Anfang der 40er Jahre bei einem Verwandtschaftsbesuch im Erzgebirge Heimatarbeiterinnen und deren Elend kennengelernt hat, lässt sie die Soziale Frage nicht mehr los. Tief beeindruckt verarbeitet sie die Situation der Arbeiterinnen unter dem Pseudonym Otto Stern in Gedichten und Artikeln. Dabei entstehen u.a. ihre Werke Die Klöpplerinnen und das Weberlied, ab 1843 arbeitet sie als freie Mitarbeiterin für Zeitschriften wie die Sächsischen Vaterlandsblätter, den Planet oder den Leuchtturm. Ihre politische Forderungen konzentrieren sich von nun an auf die Öffnung der Arbeit für bürgerliche Frauen sowie eine Verbesserung der Situation der erwerbstätigen Frauen[2].

Am 21. April 1849 veröffentlicht Louise Otto die Frauen-Zeitung und erschafft damit die erste Zeitung dieser Art, da sie nämlich speziell für das weibliche Geschlecht gemacht ist, und erschafft somit rückblickend eine ihrer herausragendsten Leistungen. Berühmtheit erlangt auch das Motto der Zeitung „Dem Reich der Freiheit werb` ich Bürgerinnen“, und die Publikationen werden schnell zum Erfolg, doch bereits Ende des Jahres 1851 wird Frauen durch ein Pressegesetz untersagt, eine Zeitung oder Zeitschrift verantwortlich zu leiten. Louise Otto sieht in dieser Gesetzesänderung eine speziell auf sie gemünzte Reaktion des Staates und bezeichnet den betreffenden Paragraphen selbst als „ Lex Otto“, ihr bleibt jedoch nichts anderes übrig als die Frauen-Zeitung einzustellen.

Durch die sich ihr dank der journalistischen und politischen Tätigkeiten öffnenden liberalen und demokratischen Kreise hat sie auch einen Redakteur der Berliner Zeitung

Der Volksvertreter kennengelernt: August Peters. Dieser muss infolge seines Mitwirkens an revolutionären Bestrebungen in Dresden und Baden am 1. Mai 1850 eine sechsjährige Zuchthausstrafe antreten. Louise Otto besucht ihn Mitte 1851 das erste Mal im Gefängnis und beschreibt dieses Wiedersehen in einem späteren Brief als einen der schönsten Momente ihres Lebens und nennt ihn ihren geliebten Gefangenen[3]. In ihrer Frauen-Zeitung veröffentlicht sie bald darauf Ausschnitte aus Briefen von August Peters und berichtet über die Verhältnisse, die in den Zuchthäusern herrschen, in denen die politischen Häftlinge der 48er Revolution untergebracht sind. Der Staat reagiert mit der Beschlagnahmung der Zeitungausgabe. Erst 1953 darf sie August Peters ein zweites Mal besuchen, ehe er am 8. Juli 1856 schließlich begnadigt wird. Als es ihm zwei Jahre später nach langer Suche gelingt, bei der Leipziger Volkszeitung, deren Feuilletonteil übrigens Louise Otto leitet, einen Posten zu bekommen, steht auch ihrer Heirat nichts mehr im Wege und Louise Otto nimmt den Doppelnamen Otto-Peters an. Bis zu seinem frühen Tod 1864 geben beide gemeinsam die Mitteldeutsche Volkszeitung heraus.[4]

Louise Otto-Peters beläßt es jedoch nicht nur bei der Aufklärung ihrer Leserschaft über die misslichen Verhältnisse speziell der Heimarbeiterinnen, sie fängt in Folge der Freigabe von

[...]


[1] Vgl. Cordula Koep>

[2] ders.: Die rote Demokratin, S. 28-33.

[3] Vgl.Koep>

[4] Vgl. Rita Jorek, Johanna Ludwig: Louise Otto-Peters. Ihr literarisches und publizistisches Werk, Leipzig 1995, S. 13.

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638385404
ISBN (Buch)
9783638902199
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v39875
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH) – Institut für Geschichte
Note
2.0
Schlagworte
Gründung Allgemeinen Deutschen Frauenvereins Emanzipation Frauenrechte Gleichberechtigung Louise Louise-Otto Peters Auguste Schmidt Leipzig ADF 1865 Frauenbewegung Rechte Wahlrecht Mutterschutz

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