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"A Hacker Manifesto". Das Hackermanifest des McKenzie Wark

Akademische Arbeit 2015 12 Seiten

Kunst - Computerkunst, Medienkunst

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wer ist McKenzie Wark?

2. Bibliographie

3. Rezeption

4. Was ist „Hacking“ resp. ein „Hacker“?

5. A Hacker Manifesto

6. Struktur und Stil

7. Einflüsse

8. Abstraktion / Hacker

9. Kommodifikation von Information

10. Vektoralistenklasse

11. Eigentum

12. Hacken

13. Staat

14. Revolte

15. Ausbildung

16. Literaturnachweis

1. Wer ist McKenzie Wark?

McKenzie Wark wurde am 10. Septemer 1961 als Kenneth McKenzie Wark als jüngstes von drei Geschwistern in Newcastle, Australien geboren. Seine Mutter starb, als McKenzie sechs Jahre alt war und sein Vater, der Architekt Ross Kenneth Wark, zog die Kinder allein auf. McKenzie erlangte einen Bachelorabschluss der Macquarie University, einen Masterabschluss der University of Technology in Sydney und er erhielt einen Doktor der Philosophie in Communications der Murdoch University. Derzeit ist er Professor für Media and Cultural Studies an der The New School in New York City. Bekannt ist Wark für seine Abhandlungen im Bereich der Medientheorie, der Critical Theory, der Neuen Medien und der Situationistischen Inernationale. Seine populärsten Werke sind A Hacker Manifesto und Gamer Theory.

2. Bibliographie

In Virtual Geography, das 1994 veröffentlicht wurde, offerierte Wark eine Theorie, des, wie er es nannte, „weird global media event“[1]. Als Beispiele nennt er in diesem Buch den Börsencrash des Jahres 1987, die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens von 1989 und den Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989. Er behauptet, dass die Entstehung eines globalen Mediaspace - einer virtuellen Geographie - bestehend aus immer mehr um sich greifenden Kommunikationsverbindungen - den Vektoren - einen chaotischeren Raum entstehen lassen würde als die Globalisierungstheorie hinlänglich annimmt.

Für sein Werk Dispositions (2002) bereiste Wark die Welt mit einem GPS-Gerät und zeichnete Beobachtungen zu bestimmten Zeitpunkten und Koordinaten auf. Der Medientheoretiker Ned Rossiter hat diesen Ansatz als »Mikro Empirismus« bezeichnet, und sieht ihn als eine Fortführung des Werks von Gilles Deleuze abgeleitet.

Im Jahr 2004 veröffentlichte Wark dann sein bekanntestes Werk, das Hacker Manifesto. Hier zeigt Wark auf, das es durch die Zunahme des sogenannten geistigen Eigentums zu einer neuen Differenz zwischen den Klassen gekommen ist, und zwar derer, die geistiges Eigentum produzieren, die Hacker-Klasse, und derer, die es besitzen möchten, die Klasse der Vektoralisten, welche sich bisher der Prinzipien des Eigentums auf anderen physischen Bereichen bedienten, welche durch Knappheit begrenzt waren, nun aber Ansprüche in den Bereichen des geistigen Eigentums stellen, die eben keiner Knappheit unterliegen. Und mit eben diesem Verständnis in Bezug auf die Knappheit, versuchen die Vektoralisten eine künstliche Knappheit in diesem immateriellen Bereich zu erzeugen. Jedoch weist Wark darauf hin, das die vektorale Klasse niemals in der Lage sein wird, die intellektuellen Eigenschaften der Welt in Form von Waren zu kontrollieren und zu lenken, sondern lediglich die Information in ihrer Objektform. Sie kontrollieren also niemals die allgemeine An- oder Verwendung.

In Gamer Theory (2007) verbindet Wark das interesse an experimentellen Schreibtechniken in vernetzten Medien mit seiner eigenen Entwicklung der Medientheorie. So wurde die Gamer Theory zuerst vom Insitute for the Future of the Book als networked book mit einem eigens entwickelten Interface publiziert. In seinem Buch 50 Years of Recuperation of the Situationist International (2008) untersucht Wark die Einflüsse der situationistischen Ästhetik auf die zeitgenössische Kunst und die Aktivismusbewegung, wobei er besonderes Augenmerk auf meist wenig beachtete Akteure und Arbeiten der Situationisten legt, wie z.B. die utopischen Architekturprojekte von Constant, die Gemälde von Guiseppe Pinot und die Romane von Michèle Berstein.

3. Rezeption

Auf theoretischer Ebene kann Wark im Rahmen dreier Ströme gesehen werden: der Britischen Cultural Studies, der deutschen Critical Theory und des französischen Poststrukturalismus. Während seine frühen Arbeiten, in denen es hauptsächlich um die Kulturwissenschaften Australiens geht, britische und französische Einflüsse kombiniert, zielen seine späteren Arbeiten mehr auf die Kritische Theorie und den viel repetierten Marxismus. Durch seine Arbeiten mit neuen Medienformen, beginnend mit Listservern wie nettime.org und später mit Web-Interfaces wie das, welches für die Gamer Theory entwickelt wurde, gehen seine Werke in die selbe Richtung wie die der New Media-Theoretiker Geert Lovink und Mark Amerika.

4. Was ist „Hacking“ resp. ein „Hacker“?

Die Hackerkultur, wie sie in der heutigen Form bekannt ist, entstand am Massachusetts Institute of Technology im Kreis des Modelleisenbahnclubs Tech Modern Railroad Club in den 1960er Jahren. Hacking war zuerst eine Art Streiche zu spielen. So zogen die Studenten beispielsweise ein Auto aufs Gebäudedach der Universität, welches dann am nächsten Tag von verdutzten Mitgliedern der Universitätsleitung entdeckt wurde. Oder sie vermaßen eine Brücke mit der Körperlänge eines Studenten namens Brian, so dass die Länge der Brücke dann mit 828 Brians angegeben wurde. Aus Späßen und Streichen dieser Art entstand das Hacking. Ingenieure und Computerspezialisten setzten diese dann später auf kreative Weise fort. Der Begriff des politisch motivierten »Hacktivismus« ist auf die Hackergruppe »Cult of the death Cow« zurückzuführen, die als eine Art Propagandaorganisation angesehen werden konnte und sogar einen Propagandaminister berufen hatte. Sie erinnerten an die Merry Pranksters, eine Gruppe kalifornischer Künstler, die sich zu Beginn der 1960er Jahre formiert hatte, und galten als extrem. Hacktivismus sollte ihre Art der Aktionen beschreiben, die sich beispielsweise darin äußerten, dass sie ein Computerprogramm schrieben, dass es Menschen ermöglichte, die in ihren jeweiligen Heimatländern überwacht wurden, ungestört kommunizieren konnten. Sie kämpften für Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Kommunikation durch Internetzugang für alle, vor allem in Diktaturen, wo Inhaftierungen aufgrund regimekritischer Äußerungen keine Seltenheit waren. Die Bandbreite der Protestaktionen in der damaligen Hackerkultur war enorm groß. Sie reichte von Sitzstreiks, Mahnwachen, Tree Spiking (eine Form der Sabotage, bei der Stäbe aus Metall in den Stamm eines Baumes gehämmert werden um dessen Fällung zu verhindern) bis hin zu Sabotageaktionen, bei denen Sand in die Motoren von Baufahrzeugen gestreut wurde. Hacktivismus ist oftmals anarchistisch angehaucht, da er sich durchaus den Authoritäten widersetzt, die aus der Sicht der Haktivisten der Bevölkerung bestimmte Denk- und Verhaltensmuster aufzwingen wollen. So versuchen sich die »Mächtigen«, sich die digitale Revolution zu Nutze zu machen. Viele Hacker setzen sich nach ihren Maßstäben für Gerechtigkeit ein und weisen auf Missstände hin.

5. A Hacker Manifesto

Das Hacker-Manifest formuliert prägnant und provokativ das politische Selbstverständnis des Hackens. Es ist die intellektuelle Landkarte der vielleicht am meisten unterschätzten politischen Bewegung der Neuzeit. Mit dem globalen Triumphzug des Internets wird die Auseinandersetzung zwischen denen, die Information zu kontrollieren suchen, und jenen, die sich für den freien Informationsaustausch einsetzen, besonders heftig ausgetragen. Hacker genießen gemeinhin einen zweifelhaften Ruf, aber abgesehen von einer Minderheit unter ihnen, die rein kriminelle Ziele verfolgt, sind sie es, die die Grundidee der für alle frei zugänglichen Information gegenüber anders gelagerten Interessen zu bewahren suchen. Warks Buch ist eine unkonventionelle Auseinandersetzung mit dem Grundkonflikt des Internets. Einst für den nichtkommerziellen, freien Informationsfluss und -austausch erfunden, setzen Regierungen und große Konzerne aus unterschiedlichsten Motiven alles daran, eben jenen Informationsaustausch zu kontrollieren oder zu kommerzialisieren. Künstler und Wissenschaftler, Autoren und Leser, Einzelpersonen und private Einrichtungen, alle, die Inhalte schaffen und konsumieren, stehen denen entgegen, die sich aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen die Kontrolle über eben jene Inhalte und deshalb über den Zugang zum Internet vorbehalten wollen.

6. Struktur und Stil

Das Hacker-Manifest ist in 17 Kapitel unterteilt, wobei jedes Kapitel aus einer Zahl kurzer nummerierter Paragraphen besteht (insgesamt 389), die sich stilistisch an der Form von Guy Debords Die Gesellschaft des Spektakels orientieren. Der erste Satz in diesem Buch „Ein Doppel geht um in der Welt, das Doppel der Abstraktion“[2], ist eine klare Hommage an das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels, in dem es heißt: „Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus.“[3] Wark baut sein Manifest auf den Ideen von Marx und Engels auf, angereichert mit den Theorien Deleuzes und Guattari, um zwei neue Arten von Klassen zu etablieren - die Hackerklasse und die Klasse der Vektoralisten.

7. Einflüsse

Wie der Titel schon verlauten lässt, handelt es sich hierbei um ein klassisches Manifest als eine Grundsatzerklärung für eine radikal neue Vision und als ein »Waffenaufruf« auf der Grundlage dieser Vision. Der Schreibstil ist nicht »schwierig« im Vergleich zu anderen poststrukturalistisch-philosophischen Texten, mit den Worten Warks aber durchaus als »abstrakt« zu bezeichnen. Von Marx beeinflusst ist der Jargon des Buches, der dem des Kommunistischen Manifests ähnelt. Wark verknüpft die Ideen Marxs mit den Konzepten des aktuellen Zeitalters digitaler Informationen, wie z.B. dem Konzept des geistigen Eigentums.

8. Abstraktion / Hacker

Für Wark beginnt Hacking mit etwas, das er als Abstraktion bezeichnet, die Konstruktion von differenten und nicht verwandten Problemstellungen in einer vorher nicht umgesetzten oder existenten Beziehung. Hacker erzeugen neue Konzepte, neue Wahrnehmungen, neue Sinneseindrücke aus gehackten Rohdaten. Für den Hacker ist alles und jedes ein zu hackender Code, „sei es in Programmiersprache, Sprache der Dichtung, Mathematik oder Musik, in Diagrammen oder Farben“[4] und einmal gehackt, schaffen sie so die Möglichkeit, dass etwas Neues die Bühne der Welt betreten kann. Was sie dabei erschaffen ist nicht notwendigerweise »groß« oder »gut«, aber neue Daten in den Bereichen der Kultur, Kunst, Wissenschaft und Philosophie oder in jeder anderen Form der Wissensproduktion können aus diesem Schaffen extrahiert werden. Wark behauptet, das Informationen aus dem Hack entstehen. Dabei spielt es keine Rolle ob jemand Programmierer, Philosoph, Lehrer, Musiker oder Physiker ist; wenn er im Wesentlichen neue Informationen generiert ist es Hack. In diesem Sinne sind Hacker Schöpfer, die neue Ideen in die Welt bringen.

9. Kommodifikation von Information

Bei der Kommodifizierung von Information geht es um Kommerzialisierung durch Aneignung vormals freier Informationen durch die Vektoralistenklasse. Wark meint, das freie Information niemals ein Produkt sein kann. Wenn Informationen zur Ware werden, hat dies zur Folge, das wir nur noch die Informationen erhalten, die von der Vektoralistenklasse verbreitet werden, was darin begründet liegt, dass Profite von der Knappheit einer Information abhängig sind. Information wird zu geistigem Eigentum, damit zur Ware und unterliegt entsprechend den Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Es ist aber die Hackerklasse, die Informationen generiert, die im Ursprung frei von den Restriktionen einer Eigentumsform sind. Diese Eigentumsform wird aber von der Vektoralistenklasse generiert, die die Produktionsmittel der Informationen im industriellen Maßstab besitzen und kontrollieren. McKenzie Wark regt an, dass sich die Hackerklasse mit anderen produzierenden Klassen verbünden sollte, um nicht mehr den Anweisungen und Vorgaben der Vektoralistenklasse folgen zu müssen.

10. Vektoralistenklasse

Der hauptsächliche Gegenspieler des Hackers bei der Schaffung einer Welt, in der die Informationen keiner Knappheit unterliegen und somit frei sind, ist das, was Wark als die Vektoralistenklasse bezeichnet. Benannt nach ihrer Eigenschaft der Kontrolle von Vektoren (Wege und Netzwerke, über die Informationen verbreitet werden können), besteht die Vektoralistenklasse aus den modernen dotcom-Konzerngiganten, den transnationalen turbokapitalistischen Regimen, die Eigentümer der Produktionsmittel der Informationen sind und somit die Abstraktionen monopolisieren. Sie behalten die Kontrolle und führen einen intensiven Kampf, um die Hacker durch Verwendung von Patenten und Urheberrechten von ihrem geistigem Eigentum zu enteignen und sie von den Früchten ihrer Arbeit zu trennen.

11. Eigentum

Wo Millionen von jungen Menschen »illegal« elektronische Informationen aus dem Internet herunterladen, sieht Wark das Potential für eine revolutionäre Politik, die auf der chaotischen Zirkulation von Informationen, die aus dem Regime des Eigentums befreit wurden, begründet ist:

“»Eigentum ist Diebstahl!«, wie Proudhon sagt. Und zwar abstrahierter Diebstahl, der Diebstahl von Natur von der Natur, durch kollektive soziale Arbeit, und festgeschrieben in der Form von Eigentum. Eigentum kommt nicht natürlich vor. Es ist kein Naturrecht, sondern ein historisches Produkt, ein Produkt eines mächtigen Hacks mit ambivalenten Konsequenzen. Etwas zum Eigentum zu machen heißt, es von einem Kontinuum zu trennen, zu markieren oder zu fesseln, es als etwas Finites zu repräsentieren. Zugleich wird das zum Eigentum Erklärte durch seine Repräsentation als separates und finites Objekt zu einer Verbindung zum Subjekt, das es besitzt. Was aus dem einen Prozess herausgetrennt wird, wird Teil eines anderen Prozesses, was Natur war, wird zweite Natur.“[5]

12. Hacken

Urheberrechtsanwälte, Patente, Trademarks, Hacker, geistiges Eigentum und Informationspiraterie prägen die Landschaft dieses neuen, an Marx angelehnten,Klassenkampfes. Mit Ausnahme von Marxs Philosophie des historischen Materialismus befüllt Wark marxistische Kategorien mit neuen Inhalten. Der Arbeiter wird gestrichen und durch den Hacker ersetzt, die Kapitalistenklasse wird zu den Vektoralisten. Der Hacker aber ist bei Wark kein Computerterrorist:

„Die Apologeten der vektoralistischen Interessen wollen die semantische Produktivität des Terminus »Hacker« ganz auf den Bereich der Kriminalität begrenzen, und zwar genau deswegen, weil sie sein abstrakteres und multiples Potenzial fürchten - sein Klassenpotenzial. Überall wird vom Hacker als der neuen Erscheinungsform des jugendlichen Delinquenten oder nihilistischen Vandalen berichtet, oder als Diener des organisierten Verbrechens. Oder der Hacker wird als Mitglied einer bloß harmlosen Subkultur dargestellt, als besessener Garagenbastler mit zweifelhaften Auftrittsformen. Überall löst sein Wunsch, die virtuelle Seite der Information frei zugänglich zu machen, Daten als Geschenk zu teilen und Vektoren zur eigenen Expression zu appropriieren, moralische Entrüstung und Panik aus und wird zu einer Rechtfertigung für Überwachung und Zugangsbeschränkungen technischen Wissens, das nur noch den »richtigen Autoritäten« verfügbar sein soll. Dies ist nicht das erste Mal, das die produzierenden Klassen einer solchen ideologischen Erpressung gegenübergestanden haben. Der Hacker erscheint nun in den offiziellen Organen der herrschenden Ordnung neben seinen früheren Archetypen, dem organisierten Arbeiter, dem rebellischen Landarbeiter. Der Hacker ist in exzellenter Gesellschaft.“[6]

13. Staat

Der Hacker ist vielmehr der freudige Schöpfer, der zum militanten Revolutionären wird, sobald Information zum Eigentum wird. Dieser Revolutionär bekämpft das Regime aber nicht mit Gewalt:

„Der Staat hat seine Grenzen. Er kann überall sein und nirgends, sich durch seine Kontrolle von Ausbildungssystem und Kultur in sämtlichen Poren seiner Subjekte eingebacken haben, und er hat doch seine Grenzen. Eine Grenze bildet die heftige Entschlossenheit, die Unbedingtheit, mit der er seinen Anspruch begründet, Souverän über die Gesetze der Repräsentation zu sein. Diese Grenze offen in Frage zu stellen bekräftigt lediglich die Ungerechtigkeit im Herzen des Staates, ohne diese in irgendeiner Weise zu überwinden. Der Staat ist Grenze, Inneres, Hülle. Eine expressive Politik ist nicht transgressiv. Sie versucht, dem Staat zu entkommen, nicht, sich ihm entgegenzustellen. Jene, die die Konfrontation mit dem Staat suchen, seine Gewalt selbst mit Gewalt kontern, tragen stets selbst das reaktive Verlangen in sich, so zu werden wie das, was sie sehen.“[7]

14. Revolte

Vielmehr malträtieren Hacker den Staat durch Gesten der permanenten Ablehnung, indem sie Beziehungen außerhalb der Repräsentation bilden, welche nicht einfach durch herrschende Mächte erfasst oder gar kontrolliert werden können:

„Doch es gibt noch eine dritte Politik, die außerhalb der Allianzen und Kompromisse der Welt nach ‘89 steht. Während sowohl Abschottungs- wie vektorielle Politik repräsentative Politiken sind, die sich mit aggregativen Parteiallianzen und -interessen beschäftigen, ist diese dritte Politik eine staatenlose Politik, die den Ausweg aus der Politik als solcher sucht. Diese Politik ist die Politik des Hacks, das Erfinden von Beziehungen außerhalb von Repräsentation. Weil Repräsentationspolitik unvermeidlich dabei scheitert, ihre Versprechungen wahr werden zu lassen, ist nicht viel zu verlieren, wenn man sich für eine Politik jenseits von ihr öffnet. Viel eher als eine repräsentative Politik, die Pro- oder Kontra-Bewegungen repräsentiert, entkommt eine Politik der Expression den Fallen der Repräsentation. Blissett: »Möge es ohne Plan weitergehen.«“[8]

Ausbildung

Für Wark existiert eine Fülle von Informationen, die den Klauen der vektoralistischen Klasse entweicht, die darauf aus ist, das Regime von Patenten und Urheberrechten durchzusetzen. Der Kampf zwischen den Hackern und der Vektoralistenklasse ist noch immer unentschieden. Sollte es aber zu einem Sieg der Hackerklasse kommen, würde dies nicht nur das Ende aller Monopole der herrschenden Klasse bis zum Ende der Geschichte bedeuten, sondern auch das Entstehen einer Politik der freien Information:

„Hacken heißt, Wissen in all seinen Formen auszudrücken. Hackerwissen beruht in seiner praktischen Umsetzung auf freier Information, freiem Lernen und der kostenlosen Weitergabe von Ergebnissen in einem Netzwerk von Gleichen. Ebenso setzt Hackerwissen eine Wissensethik voraus, die die Virtualität der Natur ausdrückt, indem sie sie transformiert, und zwar in vollem Bewusstsein all jener Üppigkeit und Gefahr, die zur Natur gehört. Wenn Wissen von den Fesseln künstlicher Verknappung befreit ist, dann wird die freie Produktion von Wissen zum Wissen freier Produzenten. Dies mag nach einer Utopie klingen, doch die Berichte aus tatsächlich zeitweilig existierenden Zonen der Hacker-Freiheit sind Legion. Stallmann: »Es war ein wenig wie der Garten Eden. Wir wären gar nicht auf den Gedanken gekommen, nicht zu kooperieren.«“[9]

16. Literaturnachweis

Marx, Karl, Manifest der Kommunistischen Partei, Hamburg: tredition 2012.

Wark, McKenzie, Virtual Geography. Living with Social Media Events, Bloomington: Indiana University Press 1994.

Wark, McKenzie, Hacker-Manifest, München: C.H Beck 2005.

[...]


[1] McKenzie Wark, Virtual Geography. Living with Social Media Events, Bloomington: Indiana University Press 1994, S. x.

[2] McKenzie Wark, Hacker-Manifest, München: C.H Beck 2005, S. 6.

[3] Karl Marx, Manifest der Kommunistischen Partei, Hamburg: tredition 2012, S. 5.

[4] Wark, Hacker-Manifest, S. 6.

[5] Wark, Hacker-Manifest, S. 186.

[6] Wark, Hacker-Manifest, S. 74.

[7] Ebd., S. 271.

[8] Wark, Hacker-Manifest, S. 245.

[9] Wark, Hacker-Manifest, S. 69.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668631144
ISBN (Buch)
9783668631151
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v402821
Institution / Hochschule
Merz Akademie - Hochschule für Gestaltung Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Hacker Manifest McKenzie Wark Hacking Kommodifikation Vektoralisten Eigentum Staat Revolte

Autor

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