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Korruption und Chancen der Korruptionsbekämpfung - eine politökonomische Analyse am Beispiel Sub-Sahara Afrikas

Diplomarbeit 2004 90 Seiten

VWL - Fallstudien, Länderstudien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einf ü hrung in das Thema
1.2 Methodik und Vorgehensweise

2. Was ist Korruption?
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Formen der Korruption

3. Erklärungsansätze der Korruption
3.1 Theoretische Modelle
3.1.1 Rechtliche Erklärungsansätze
3.1.2 Soziologische Erklärungsansätze
3.1.3 Funktionalistisch-modernisierungstheoretische Ansätze
3.1.4 Ökonomische Theorieansätze
3.1.4.1 Principal-Agent-Theorie
3.1.4.2 Allokationstheorie
3.1.4.3 Spieltheorie
3.1.4.4 Public Choice
3.2 Konkrete Ursachen der Korruption
3.2.1 Individualistische Perspektive
3.2.2 Systemische Perspektive
3.3 Zwischenfazit

4. Konsequenzen der Korruption
4.1 Korruption als ‚ Schmierstoff ’
4.2 Effizienz
4.2.1 Investitionsrate und Wachstum
4.2.2 Internationaler Handel
4.2.3 Staatsausgaben
4.3 Schattenwirtschaft
4.4 Einkommensverteilung und Armut
4.5 Anreizstrukturen
4.6 Zwischenfazit

5. Korruption in Sub-Sahara Afrika
5.1 Korruption und Entwicklungsstand
5.2 Spezifische Ursachen in Sub-Sahara Afrika
5.2.1 Soziokulturelle Ursachen
5.2.2 Politische und ökonomische Ursachen
5.2.3 Externe Ursachen
5.3 Auswirkungen der Korruption auf Sub-Sahara Afrika
5.3.1 ‚Positive’ Auswirkungen
5.3.2 Negative Auswirkungen

6. Chancen der Korruptionsbekämpfung
6.1 Ma ß nahmen der Korruptionsbek ä mpfung auf nationaler Ebene
6.1.1 Politischer Wille
6.1.2 Politische Rechenschaftspflicht
6.1.3 Partizipation der Zivilgesellschaft
6.1.4 Administrative Reform
6.1.5 Überwachungsinstitutionen
6.1.6 Unabhängige und effektive Judikative
6.1.7 Korruptionsbekämpfung in Sub-Sahara Afrika
6.2 Ma ß nahmen der Korruptionsbek ä mpfung auf internationaler Ebene
6.2.1 Internationale Organisationen
6.2.1.1 Weltbank
6.2.1.2 IMF
6.2.1.3 ICC
6.2.1.4 WTO
6.2.2 Internationale Nichtregierungsorganisationen
6.2.3 Korruptionsbekämpfung mittels Konditionalität

7. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Vorwort

Das Thema Korruption ist aus den weltweiten Schlagzeilen nicht mehr wegzudenken. Allerdings bedarf es bei diesem schweren Problemkomplex, der in der Literatur auch ger- ne als „Krebsgeschwür“ betitelt wird, nicht nur der Kenntnisnahme und Besorgnis, son- dern gerade auch intensiven Anstrengungen bzgl. der Bekämpfung. Nahezu jedem ist der Begriff Korruption geläufig und wird mit Schmiergeldern und Bestechungen im Wirt- schaftsleben und der Politik assoziiert. In den westlichen Industrieländern ist der Schaden der Korruption keinesfalls zu verachten, jedoch tangiert er die wenigsten Menschen direkt. Bzgl. der ärmsten Länder der Welt fehlt es der Welt allerdings am Bewusstsein, dass Kor- ruption als eines der schwerwiegendsten Entwicklungshemmnisse vieler Entwicklungs- länder anzusehen ist und die Auswirkungen dieser ins Unermessliche gehen. An diesem Punkt setzte meine Arbeit an, bei der es über drei Monate hinweg meine Aufgabe war, das Phänomen Korruption aus der polit-ökonomischen Perspektive am Beispiel Sub-Sahara Afrikas zu analysieren und Chancen der Bekämpfung aufzuzeigen. Bevor ich all denen Menschen danken möchte, die mir mit Rat und Tat in dieser Zeit zur Seite standen, möchte ich einen besonderen Dank an Prof. Dr. Freytag und meinen Betreuer Gernot Pehnelt aus- sprechen, die mich an dieses Thema herangeführt haben und mir jederzeit mit konstrukti- vem Gesprächen und Abstimmungen bzgl. inhaltlicher Unklarheiten sowie für alle weiteren Hilfestellungen zur Seite standen. Für die Unterstützung bei der Anferti- gung bzw. dem endgültigen Abschluss dieser Arbeit möchte ich mich bei Tom Brö- kel, Nicole Meßmer, Simon Renaud und Kristina Tonndorf hinsichtlich der kriti- schen Durchsicht des Manuskripts bzgl. inhaltlicher und formaler Aspekte herzlichst bedanken. Ihre Hinweise auf Fehler und ihre Verbesserungsvorschläge haben diese Arbeit bereichert.

Ich möchte abschließend nicht versäumen, mich bei Menschen zu bedanken, die mir die schweren Phasen in der Arbeitszeit erleichtert haben, indem sie mir als Freunde zur Seite standen. Diesen Dank möchte ich besonders an meinen engsten Freundes- kreis 'vor Ort' adressieren. In diesem Sinne: Danke Andreas, Franzi, Kristina, Nadja und Stephan!

Ein ganz besonderer Dank gehört meinen Eltern, denen ich es nicht zuletzt mit zu verdanken habe, dass ich mich so umfangreich und ungestört meinem Studium und dieser Arbeit widmen konnte.

Yvonne Schindele

Jena, den 29.10

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entscheidungsbaum des Agenten

Abbildung 2: Das optimale Maß an Korruption

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Typisierung der Korruptionsformen

Tabelle 2: Charakteristische Merkmale der Korruption:

Tabelle 3: Strategiekombinationen

Tabelle 4: Korrelationskoeffizienten verschiedener KorruptionsIndizes

Tabelle 5: Corruption Perception Index (CPI) 2004

Tabelle 6: Korruptionsformen und Entwicklung im Ländervergleich

Tabelle 7: Konsum-/Einkommensarmut basierend auf der nationalen Armutslinie

Abk ü rzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einf ü hrung in das Thema

Das weltweit beobachtete ‚Krebsgeschwür’ Korruption ist so alt wie die Menschheit, allerdings tritt es von Land zu Land, von Kultur zu Kultur in Intensität, Erscheinungsform und Akzeptanz unterschiedlich auf.

Der entscheidende Unterschied liegt sowohl in den Ursachen als auch in den Konsequen- zen der Korruption und bedingt folglich eine länderspezifische Korruptionsbekämpfung. In den Industrienationen haben die vereinzelt auftretenden Korruptionsfälle kaum Auswir- kungen auf die wirtschaftliche und politische Leistungsfähigkeit. In den Ländern Sub- Sahara Afrikas (SSA) hingegen ist die endemische Korruption ein zentrales Entwicklungs- hemmnis.1 Dabei wirkt gerade in SSA die stark verbreitete Korruption ausgesprochen ne- gativ auf das Entwicklungspotential dieser Gesellschaften, so dass einige afrikanische Staa- ten als ‚Kleptokratien’2 bezeichnet werden können. Insgesamt konnte der Schaden für Af- rika im August 2004 auf $148 Milliarden jährlich geschätzt werden, was 25% des GDP entsprach und die Preise der Güter um ca. 20% erhöhte (Ekwujuru 2004). Der Corruption Perceptions Index (CPI) von Transparency International (TI) zeigt, dass sich die meisten Länder SSAs im obersten Drittel der korruptesten Länder befinden, Nigeria bspw. liegt seit 1996 auf dem ersten oder zweiten Platz dieser Rangliste.

In der entwicklungspolitischen Debatte war der Problemkomplex Korruption lange Zeit ein Tabuthema. In den letzten Jahren erfolgte jedoch ein Stimmungswandel was u. a. durch Diskussionen innerhalb der Institutionen die sich für eine Bekämpfung der Korruption en- gagieren (z. B. Vereinten Nationen (UN), Weltbank (WB), Internationalen Währungsfond (IMF), Europäischen Union (EU)) und die eingeleiteten Maßnahmen belegt werden kann. Somit werden die Gefahren und Folgen der Korruption für die Entwicklungsländer (EL) und dessen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft nicht mehr als sekundäres Thema be- trachtet, sondern stehen zuoberst auf der Traktandenliste der internationalen Organisationen und Gremien.3

1.2 Methodik und Vorgehensweise

Aus dem Titel ‚ Korruption und Chancen der Korruptionsbek ä mpfung - eine polit- ö konomische Analyse am Beispiel Sub-Sahara Afrikas ’ lassen sich die beiden großen Kom- ponenten der Arbeit erschließen. Zum einen geht es um die Analyse der Korruption im sub- saharischen Afrika, der eine intensive Diskussion der allgemeinen Grundlagen des Phänomens vorausgeht. Zum anderen bedarf es der Betrachtung der Chancen der Korrupti- onsbekämpfung. Dabei liegt der Fokus der Arbeit auf Korruption im öffentlichen bzw. zwischen öffentlichem und privatem Sektor und bezieht sich nicht explizit auf Korruption innerhalb des privaten Sektors, da mögliche Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen im öf- fentlichen Sektor einfacher anzusetzen sind und ein Eingreifen in die Wirtschaft und die damit meist negativ einhergehenden Folgen verhindert werden können.

In Kapitel 2 erfolgt eine knappe Einführung in die Korruptionsproblematik in Form von Begriffsbestimmung (Kapitel 2.1) und Darstellung der verschiedenen Korruptionsformen (Kapitel 2.2). Ein Defizit der Korruptionsforschung besteht in dem Fehlen einer allge- meingültigen ‚Theorie der Korruption’, die das Phänomen erklären kann. Kapitel 3 be- schreibt daher zunächst Versuche Korruption mittels bewährter theoretischer Modelle zu erklären (Kapitel 3.1) und schließt mit der Analyse konkreter Ursachen aufgeteilt in zwei sich bedingende Ursachenperspektiven, die individualistische und systemische Perspektive (Kapitel 3.2). Kapitel 4 stellt die Konsequenzen der Korruption zunächst allgemein dar, indem zuerst die funktionalistische Perspektive (Kapitel 4.1) vorgestellt wird, die dann aber in den darauf folgenden Kapiteln (Kapitel 4.2 bis 4.5) mittels stichhaltiger Argumen- tation und empirischer Ergebnisse widerlegt wird.

In Kapitel 5 geht es um die Darstellung der Korruption in den sub-saharischen Staaten Afrikas. Nach einer einleitenden Untersuchung der Abhängigkeit von Korruption und dem Entwicklungsstand eines Landes (Kapitel 5.1) werden in Kapitel 5.2 die spezifischen Ur- sachen für Korruption analysiert, um dann analog zu Kapitel 4 zunächst die ‚positiven’ Auswirkungen (Kapitel 5.3.1) und dann die negativen Auswirkungen (Kapitel 5.3.2) dar- zulegen. In Kapitel 6 werden Möglichkeiten zur Korruptionsbekämpfung dargestellt, in- dem unterschieden wird zwischen anzustrebenden Maßnahmen im nationalstaatlichen Kontext (Kapitel 6.1) und jenen auf internationaler Ebene (Kapitel 6.2).

Kapitel 7 schließt mit einer kritischen Schlussbetrachtung der aus der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse.

2. Was ist Korruption?

2.1 Begriffsbestimmung

Die Korruption4 ist ein schwer zu fassendes und komplexes Phänomen welches sich nicht anhand einer einzigen Definition erklären lässt. Konsens besteht allerdings darüber, dass „ corruption refers to acts in which the power of public office is used for personal gain in a manner that contravenes the rules of the games” (Jain 2001, S. 73).

Ziel ist es im Folgenden, anhand der verschiedenen in der Literatur gegebenen Definitio- nen, eine geeignete Arbeitsdefinition zu finden, die zum einen der politökonomischen Ana- lyse gerecht wird und zum anderen der Anwendung auf SSA dient. Im engeren Sinn be- deutet dies, dass neben dem öffentlichen Sektor auch der private Sektor in Betracht gezo- gen wird.5 Weiterhin wird zum administrativen Bereich auch die politische Ebene hinzuge- fügt.6 Neben der Integration der legalistischen Komponente muss die Definition auf SSA anwendbar sein, d .h. spezifische kulturelle Besonderheiten berücksichtigen und somit eine rein westlich geprägte Sichtweise ausschließen. Michael Johnstons (1993) Ansatz erfüllt alle genannten Anforderungen und wird im Folgenden als Arbeitsdefinition herangezogen: „ [Corruption is] the abuse of public office or resources, by officials or by the private par- ties who seek to influence them, for private benefit - with ‚ abuse ’ being identified by legal or cultural standards” (Johnston 1993, S. 192).

2.2 Formen der Korruption

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten Korruption zu typisieren. Vertikal kann eine Typisierung nach der Ebene vorgenommen werden. Auf Regierungsebene wird der Staat von den herrschenden Eliten als Beute für klientelistische Strukturen betrachtet (BMZ 2002, S.7), die auch als ‚grand corruption’ bezeichnete Form bezieht sich demnach auf Handlungen der politischen Elite, die ihre Macht ausnutzt um Wirtschaftspolitik zu betreiben. Diese Form von Korruption ist einerseits nur schwer zu identifizieren und dadurch auch kaum messbar, anderseits birgt sie schwerwiegendste Konsequenzen (Jain 2001, S. 73), auf die in Kapitel 4 eingegangen wird. Die ‚petty corruption’7 bezieht sich auf die Ebene der Schnitt- stelle von B ü rger und Staat und beschreibt Situationen, in denen Bürger den Amtsträgern kleinere Summen übermitteln, um eine bestimmte Dienstleistung, auf die sie einen An- spruch haben, zu erhalten, oder um gewisse bürokratische Prozesse zu beschleunigen. Die Bezeichnung ‚Kleinkorruption’ ergibt sich aus der relativ niedrigen Korruptionssumme, die aber nicht im Verhältnis zu den Konsequenzen steht, die sich für die Bevölkerung und für das Verhältnis von Staat und Bürger ergibt (BMZ 2002, S.7). Ebenfalls unter diese Katego- rie fallen Schmiergelder im Rechtswesen, wie beispielsweise Zahlungen die das Strafmaß mildern (Jain 2001, S. 75). Auf der Ebene des politischen Gemeinwesen findet sich die politische (BMZ 2002, S.7) bzw. die legislative Korruption. Diese bezieht sich auf die Art und Weise sowie das Ausmaß in welcher das Verhalten der Regierung durch Unterstützung bei Wahlen beeinflusst wird. Die Legislative kann von Interessengruppen korrumpiert wer- den um solche Gesetze zu erlassen, die die ökonomischen Renten und Gewinne zu ihren Gunsten ändern. Diese Form beinhaltet u. a. auch das so genannte ‚vote bying’ bzgl. der Regierung im Sinne einer Wiederwahl wie auch bei Amtsträgern in der Exekutive um be- stimmte Gesetze verabschieden zu können ( Jain 2001, S. 75).

Rose-Ackerman (1978) unterscheidet zusätzlich zu den drei oben genannten Formen zwi- schen ‚ low-level ’ und ‚ high-level ’ Korruption, die sie ausführlich mittels eines Models dar- stellt. Hier sei nur knapp auf die Bedeutung der beiden Formen eingegangen. Ersteres be- schreibt ein einfaches Bürokratiemodell bei dem Korruption nur auf der unteren Ebene (low-level) vorkommt. In diesem Fall ist jeder Amtsträger nur ein kleiner Teil der Organi- sation und handelt in der Form rational, dass er sich weigert die Beziehung zwischen der individuellen Handlung und der Entscheidung der Legislative über das Behördenbudget mit in Betracht zu ziehen. Analog zu einem Preisnehmer bei vollkommener Konkurrenz sind diese Amtsträger Budget-Nehmer, wenngleich sie auch monopolistische Macht ge- genüber den Behördenklienten haben können. So wie Unternehmen bei vollkommener Konkurrenz keinen Einfluss auf die Höhe des Preises haben, so hat auch der Beamte keinen unabhängigen Einfluss auf das Budget. Es können zwei Typen der ‚ low-level ’ - Korruption unterschieden werden: Bestechungen, welche die marginalen Budgetkosten der öffentli- chen Dienstleistungen (DL) erhöht und welche, die diese Kosten reduzieren. Im Fall der high-level Korruption gilt die Annahme vollständig passiver ‚high-level’-Bürokraten, die sich über ihren Einfluss auf die Entscheidungen der Legislative bewusst sind. Sie geben einzig und allein Informationen über die Kosten der DL an die Legislative weiter, welche wiederum die endgültigen Entscheidungen über den Output und das Budget trifft. Somit können ‚high-level’- Bürokraten den möglichen Einfluss der Korruption auf das bereitge- stellte Budget und der legislativen Nachfrage des Outputs der Behörde selbst festlegen. Des Weiteren wird von der Annahme ausgegangen, dass das Ziel der ‚high-level’ Bürokraten die Maximierung des persönlichen monetären Gewinns ist und aufgrund dessen drei der möglichen legislativen Mandate anstreben: ein gepolstertes Budget, die Höchstquote an bürokratischem Output oder ein Unmaß an ‚red tape’ (überzogenes Maß an Bürokratie) welches wiederum den ‚Kunden’ auferlegt werden soll (Rose-Ackermann 1978, S. 60 ff.). Im Zuge der horizontalen Perspektive unterscheidet Brünner (1981) zwischen der Korrup- tion im ö ffentlichen Sektor und der Korruption im privatwirtschaftlichen Bereich. Öffentli- che Korruption liegt im Fall korrupter Aktivitäten von beispielsweise Regierungsmitglie- dern oder Beamten vor. Dabei spielt es, solange der Bestochene selbst ein öffentliches Amt bekleidet, keine Rolle ob der Bestechende privat oder im öffentlichen Amt ist. Privatwirt- schaftliche Korruption liegt vor, wenn Angestellte oder Beauftragte eines Unternehmens im Zusammenspiel mit anderen Unternehmen der Korruption verfallen (Brünner 1981, S. 681).

Neben der Typisierung nach der Ebene können verschiedene Formen der Korruption nach ihrer Ausprägungsart unterschieden werden. Eine ausführliche Erläuterung der Haupt- formen zeigt Andvig (2000) welche hier verkürzt dargestellt werden: Bestechung, Unter- schlagung und Veruntreuung, Betrug und Erpressung (Andvig 2000, S. 14 f.). Wird nach der Häufigkeit der Korruption differenziert, kann zwischen drei Formen unter- schieden werden: gelegentliche Korruption, systematische Korruption und systemische Korruption (Riley 1993, S. 251ff.). Die verschiedenen Ansätze der Typisierung von Kor- ruption lassen sich in einer Tabelle zusammenfassen, die im Anhang (Tabelle 1) darge- stellt ist.

Alatas (1986) stellte weiter die Frage, anhand welcher Merkmale auf Korruption geschlossen werden kann. Hierfür arbeitete er neun charakteristische Merkmale heraus die im Anhang unter Tabelle 2 dargestellt werden.

3. Erkl ä rungsans ä tze der Korruption

Im Anschluss an die Analyse einer geeigneten Arbeitsdefinition und der Formen der Korruption wird nun mit Hilfe von theoretischen Erklärungsansätzen die Korruption analysiert. Anschließend erfolgt eine allgemein gehaltene Darstellung der Korruptionsursachen auf Basis empirischer Daten.

3.1 Theoretische Modelle

In der Wissenschaft existiert keine allgemein anerkannte ‚ Theorie der Korruption ’, statt- dessen wird versucht mittels bewährter Modelle Korruption zu erklären. Die geläufigsten theoretischen Erklärungsansätze lassen sich in Anlehnung an Jakobeit (1997) in rechtliche, ökonomische, soziologische, polit-ökonomische und funktionalistisch-modernisierungs- theoretische Ansätze einteilen (Jakobeit 1997, S. 376 ff.).

3.1.1 Rechtliche Erklärungsansätze

Nicht vorhandene oder nur ineffizient implementierte Gesetzesvorschriften werden bei diesen Erklärungsansätzen als Ursache für das Entstehen von Korruption angesehen. Sind auf nationaler wie auch internationaler Ebene keine Gesetze gegen Korruption verankert, so fördert dies unweigerlich die Korruption im In- und Ausland. Doch das Vorhandensein allein genügt zur Prävention nicht. Es bedarf weiterhin einer funktionsfähigen, unabhängi- gen und effizienten Justiz, die Entscheidungen durchsetzen und die dafür nötigen finanziel- len Ressourcen für die Vollstreckung wie auch qualifiziertes Personal vorweisen kann (Weltbank 1997a, S. 116). Weitere juristische Grundlagen sind unerlässlich um gegen Kor- ruption entgegenwirken zu können: faires Wahl- und Steuerrecht, Satzungen und Ge- schäftsordnungen von Parlamenten wie Parteien und rechtlich institutionalisierte Kontroll- instanzen (Jakobeit 1997, S. 376 f.).

3.1.2 Soziologische Erklärungsansätze

In Anlehnung an Max Weber (1964) erklären die soziologischen Erklärungsansätze Kor- ruption als Situation, in der bestimmte Bedingungen für eine funktionierende Bürokratie8 nicht gegeben sind (Weber 1964) und setzen diese in Kontrast zu traditionellen Strukturen (Stephan 1994, S. 21ff.). In vielen EL steht nicht die Loyalität gegenüber dem Staat oder dem Unternehmen im Mittelpunkt, sondern die Verpflichtung gegenüber Familie, der Cli- que oder eigenen ethnischen Gruppen. Dabei heben die soziokulturellen Erklärungsansätze die Bedeutung des leistungsorientierten Individualismus und die Förderung ohne Ansehen der jeweiligen Person in westlichen Staaten hervor (Jakobeit 1997, S. 377f.). Analog dazu sollte eine moderne Verwaltung nach westlichem Vorbild aufgebaut werden, da die traditi- onellen Werte wie Gruppensolidarität und enge Bindung an die Familie, in den EL Korrup- tion hervorrufen.

3.1.3 Funktionalistisch-modernisierungstheoretische Ansätze

Im Gegensatz zu den anderen Ansätzen wird Korruption hier nicht als Entwicklungs- hemmnis sondern als ‚Gegebenheit des Lebens’ in traditionellen Gesellschaften, die nur durch konsequente Lern- und Modernisierungsprozesse bezwungen werden können, ange- sehen (Jakobeit 1997, S. 378). Korruption wird somit als Fördermittel für den Modernisie- rungsprozess und das Wirtschaftswachstum gesehen, da verkrustete rückständige Struktu- ren aufgebrochen werden, welches dem Transaktionskostensenkungsansatz entspricht. Im Mittelpunkt der funktionalistischen Korruptionstheorie steht der Nutzen der Korruption, der zur gesellschaftlichen Stabilität beiträgt (Noack 1985, S. 20f. oder Huntington 1968, S. 69). Die funktionalistisch-modernisierungstheoretischen Ansätze beschäftigen sich dabei weniger mit der Entstehung von Korruption als mit deren Resultaten und Auswirkungen.

3.1.4 Ökonomische Theorieansätze

Ökonomische Theorieansätze bzw. Modelle versuchen den Grad an Korruption in einer Gesellschaft zu erklären, indem sie sowohl Anreize als auch Abschreckungsfaktoren von Korruption einbeziehen. Die Beteiligten müssen sich Problemen wie der Informationsa- symmetrie und Unsicherheit, sowie den Risiken, die in korrupten Transaktionen zu finden sind, annehmen. Die in der Literatur vorherrschenden ökonomischen Theorieansätze gehen zurück auf das korruptionsbezogene Principal-Agent Modell von Rose-Ackerman (1978), welches die ‚grand corruption’ und die legislative Korruption erklärt, und auf den Ansatz der Ressourcenallokation der die ‚petty corruption’ erklärt (Jain 2001, S. 85).

Weitere Ansätze erklären die Korruption zum einen mit Hilfe der Spieltheorie (Kapitel 3.1.4.3), und zum anderen mit Hilfe der Public Choice (Kapitel 3.1.4.4).

3.1.4.1 Principal-Agent-Theorie

Zurückgehend auf die Pionierarbeit von Rose-Ackerman (1978) bietet das Principal-Agent- Modell, das von Klitgaard (1988) zum Principal-Agent-Client-Modell erweitert worden ist, einen geeigneten Rahmen um Korruption zu analysieren. Das Principal-Agent-Modell wird zum einen auf Situationen der Informationsasymmetrie angewandt, in der der Principal versuchen muss gewisse Anreizstrukturen zu schaffen, damit der Agent sich konform verhält, und zum anderen auf Situationen, in denen es dem Principal nicht möglich ist die A- genten voll zur Rechenschaft zu ziehen und er somit keine Kontrollmöglichkeit aufgrund prohibitiv hoher Kosten hat (Jain 2001, S. 86).

Ausgangspunkt dieses Modells sind zum einen der Principal (ein Vorgesetzter oder Auf- traggeber) der seine Präferenzen, die seine gewünschten Ergebnisse spezifizieren, aus- drückt. Auf der anderen Seite steht der Agent, der dem Principal unterstellt ist, und dem das Erreichen der gewünschten Ergebnisse aufgetragen ist. Der Principal erwartet vom Agen- ten, dass sich dieser voll und ganz für die Auftragserfüllung einsetzt, also nicht seine eige- nen Ziele, sondern die Ziele des Principals verfolgt. Jedoch hat der Agent einen gewissen Spielraum bzw. Informationsvorsprung, da er sein eigenes Verhalten im Hinblick auf Er- folg besser beurteilen kann. Diese Informationsasymmetrie kann er nutzen, um durch ent- sprechendes Handeln (‚shirking’) seine eigenen Interessen zu Ungunsten des Principals durchzusetzen - was als korrupt bezeichnet wird. Es folgt der Moment in dem der finan- zielle Aspekt ins Licht rückt: eine dritte Person, der Client, der von den Handlungen des Agenten profitieren kann, versucht dessen Entscheidungen mit finanziellen Mitteln zu be- einflussen, ohne dass diese Mittel an den Principal übergehen (Rose-Ackerman 1978, S. 6). Um aus diesen Annahmen ein ökonomisches Modell zu formulieren muss folgende Prä- misse gelten: der Agent handelt korrupt, wenn sein wahrscheinlicher Nettogewinn aus der korrupten Handlung die wahrscheinlichen Nettokosten überwiegt. Klitgaard (1988) kreierte einen einfach gehaltenen Entscheidungsbaum für den potentiell korrupten Agenten:

Abbildung 1: Entscheidungsbaum des Agenten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ist dieser Ausdruck größer als die Auszahlung im Fall von ‚nicht korrupt sein’, wird der Agent die Bestechungssumme annehmen.

Die moralischen Kosten die der korrupte Agent verursacht stellen für den Principal negative Externalitäten dar. Im Fall unvollständiger Information muss das Modell auf die Annahme, dass der Principal die korrupte Handlung des Agenten einkalkuliert, erweitert werden. Dann ist es die Aufgabe des Principals, den Agenten zur optimalen Ausführung seiner Pflichten zu bewegen. Dies bedeutet ein optimales Maß an Produktionsaktivität und ein optimales Maß an Korruption (Klitgaard 1988, S. 69 ff.). Für die graphische Herleitung des optimalen Maßes an Korruption siehe Anhang Abbildung 2.

Die Aufgaben des Principals gelten auch für den Client, der dem Agenten Bestechungsgelder zukommen lässt. Dieser handelt korrupt, wenn er einen höheren Nettogewinn als Nettokosten zu erwarten hat. Auch hier ist der Principal um angemessenes Verhalten des Klienten bemüht (Klitgaard 1988, S.73 f).

3.1.4.2 Allokationstheorie

Das allokationstheoretische Modell behandelt Korruption wie jede andere ressourcenab- sorbierende Aktivität in der Ökonomie. Es untersucht die Konsequenzen der Ressourcenal- lokation bezogen auf rent-seeking Aktivitäten, welche sich von Korruption dadurch unter- scheidet, dass rent-seeking keine illegalen Zahlungen beinhalten muss (Jain 2001, S. 87). Die Trennung von rent-seeking9 und Korruption stellt eine wichtige Aufgabe dar und ist weiterführend folgendermaßen zu begreifen: wenn mindestens eine der folgenden Bedin- gungen verletzt wird, kann aus einem rent-seeking-Verhalten eine illegale Handlung in Form von Korruption werden. Erstens, die Einflussnahme auf die Entscheidungsträger stellt einen Konkurrenzkampf mit Regeln dar, die allen Beteiligten bekannt sind. Zweitens gibt es keine Geheimnisse oder Extrazahlungen an die Agenten. Und drittens sind die Klienten und die Agenten unabhängig voneinander in der Art, dass keine Gruppe einen Gewinn aus dem Einkommen der anderen Gruppe erfährt. Anwendung auf Korruption im Bereich der Ressourcenallokation ist möglich, da rent-seeking als ein Teil der ökonomi- schen Aktivitäten, wie Distribution oder Produktion, angesehen wird und Teile der Unter- nehmensressourcen dieser Aktivität gewidmet sind (Krueger 1974, S. 293). Somit können die rent-seeking Aktivitäten, die nach der o. g. Definition als Korruption gelten, ebenfalls mit Hilfe der Ressourcenallokation analysiert werden.

Korruption verändert in diesem Modell sowohl die relativen Kosten der In- und Outputs, die Sanktionen mit denen die Entscheidungsträger konfrontiert sind und daraus folgend auch das Verhalten aller Beteiligten sowie den Output der Gesamtwirtschaft. Das Modell muss sowohl die Unsicherheiten, die bei der Schließung von korrupten Verträgen bestehen, sowie die Risiken der Sanktionen und Einschränkungen die auferlegt werden könnten, be- rücksichtigen (Jain 2001, S. 86).

Die meisten Anwendungen dieses Modells basieren auf der Prämisse, dass Unternehmer der ‚invisible hand’ des Marktes versuchen zu entweichen, und politische Maßnahmen zu ihrem eigenen Interesse auszurichten (Jain 1998, S. 87).

Ressourcenallokationsmodelle über rent-seeking beruhen auf der Annahme vollkommener Konkurrenz, in der Unternehmer und Angestellte die Wahl haben, ihre Anstrengungen auf die Produktion von Gütern und DL oder auf rent-seeking Aktivitäten zu konzentrieren. Dabei sind Preise für Güter, DL und Faktoren marktbestimmt und der Staat verteilt die

Lizenzen zum produzieren oder importieren der Güter und DL. Die Unternehmer konkur- rieren hierbei um diese Lizenzen. Die Annahmen der rent-seeking Modelle sind, dass rent- seeking Aktivitäten Ressourcen benötigen, sie aber die Kosten der Güter- und Dienstleis- tungsproduktion nicht beeinflussen. Sie verschieben eher die Rechte diese zu produzieren von einem zum anderen Unternehmer und tragen somit keinen Anteil zum Wohlstand der Gesellschaft bei bzw. stellen einen Nettoverlust für die Wirtschaft dar (Jain 1998, S. 21 f.). Somit hat Korruption aus Sicht des allokationstheoretischen Modells negative Auswirkun- gen auf den Wohlstand der Gesellschaft und impliziert einen Nettoverlust f ü r die Wirt- schaft.

Allerdings kann Korruption nicht adäquat mit alternativen Formen des rent-seekings verglichen werden und es kann somit zu falschen Wohlfahrtsimplikationen kommen. Es wird nicht berücksichtigt, dass Korruption die Kreierung von ineffizienten Regeln, welche Renten generieren, anregt. Ebenfalls nicht beachtet wird, dass die Größe der Renten, die ein Entscheidungsträger steuert, mit dem Ausmaß der Korruption wächst, und dass Korruption Interessen involviert, welche begrenzter sind als bei alternativen Formen von rent-seeking wie bspw. Lobbying (Lambsdorff 2002, S. 97 ff.).

Shleifer und Vishny (1993) nehmen das Principal-Agent Problem bereits als gegeben an, d. h. ein korrupter Beamter hat effektive Eigentumsrechte über die von ihm zu alloziierenden staatlichen Güter und legen den Fokus auf die Konsequenzen der Korruption, d. h. auf die Ressourcenallokation. Dabei unterscheiden sie zwischen Korruption ‚ohne Unterschla- gung’, d. h. der Beamte reicht den offiziellen Preis des Gutes oder der Dienstleistung direkt an den Staat weiter und behält nur die Bestechungssumme und ‚mit Unterschlagung’, d. h. dass der Amtsträger gar nichts an den Staat abgibt und den Verkauf des Gutes oder der Dienstleistung verheimlicht. Die restriktiven Annahmen des vereinfachten Models sind, dass es ein homogenes, vom Staat produziertes Produkt gibt (bspw. eine Importlizenz) und eine klassische Nachfragekurve D(p) für dieses Gut von Seiten des privaten Agenten. Die- ses Gut wird für den Staat von einem Beamten verkauft, der die Möglichkeit besitzt, die Menge dieses Gutes zu beschränken, was im praktischen Bezug einer Hinauszögerung oder das Auferlegen von diversen Anforderungen bedeuten kann. Im Modell wird angenom- men, dass der Beamte den Verkauf des Gutes verweigert. Dabei verweigert der Beamte das Angebot ohne jegliches Risiko der Aufdeckung oder Bestrafung von oben, er gleicht somit einem Monopolisten. Sein Ziel ist es, den Wert der Bestechungssumme, den er durch den Verkauf des Produktes bekommt, zu maximieren. Der offizielle Preis des Gutes sei p. Der Beamte hat keinerlei Interesse daran, wie viel es den Staat kostet dieses Produkt zu produ- zieren. Die marginalen Kosten für den Beamten dieses Gut anzubieten beträgt im Falle ‚ohne Unterschlagung’ p. Im Falle ‚mit Unterschlagung’ ist die Summe die der private Agent zahlt gleich der Bestechungssumme, und könnte ggf. auch unterhalb des offiziellen Preises liegen. Die marginalen Kosten betragen hier also Null. Im ersteren Fall erhöht Kor- ruption somit den Gesamtpreis des Gutes, wobei im zweiten Fall Korruption die Kosten reduziert und somit attraktiver für die Käufer erscheint. Ist eine Preisdiskriminierung über die Käufer seitens des Beamten nicht möglich, so setzt er als Monopolist den Grenzgewinn gleich den Grenzkosten. Der Gewinn des Beamten ergibt sich aus Erlös abzüglich der Kos- ten und kann als Maximierungsproblem folgendermaßen dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei R (x) = p (x) * x die Erlösfunktion darstellt.

Setzt man die erste Ableitung der Erlösfunktion gleich Null erhält man die Optimalitätsbedingung bei der gelten muss:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies entspricht der oben genannten Bedingung MR = MC bzw. Grenzerlös gleich Grenz- kosten. Im ersten Fall von Korruption ‚ohne Unterschlagung’ gilt MC = p und bedeutet, dass der Beamte beim Verkauf des Gutes x zusätzlich zum offiziellen Preis p eine Beste- chungssumme in Höhe von b verlangen wird. Die Grenzkosten in Höhe von p leitet er an den Staat weiter, für jede weitere Einheit x die er verkauft um eine weitere Einheit von b zu erhalten, muss er Kosten in Höhe von p aufbringen. Eine graphische Erklärung ist im An- hang unter Abbildung 3 dargestellt.

Im zweiten Fall von Korruption ‚mit Unterschlagung’ verheimlicht der Beamte den Verkauf und vereinnahmt den inoffiziellen Verkaufspreis b für sich. Die Grenzkosten betragen in diesem Fall Null und für jede weitere Einheit die er verkauft entstehen ihm keinerlei Kosten. Aus Abbildung 4 im Anhang ist ersichtlich, dass der inoffizielle Verkaufspreis b unter dem offiziellen Preis p liegen kann.

Bei Bestrafung des korrupten Beamten verändert sich zwar die Höhe der Bestechungs- summe, aber nicht die Essenz des Problems. Wenn die Wahrscheinlichkeit aufgedeckt und bestraft zu werden unabhängig von der Bestechungssumme und der Anzahl derjenigen die diese zahlen ist, wird der Beamte solange die gleiche Summe verlangen, bis die Strafen so hoch sind, dass Korruption nicht mehr profitabel erscheint. Steigt die erwartete Strafe mit der Höhe der Bestechungssumme, wird er die Forderung reduzieren und den Output erhö- hen. Sollte hingegen die Strafe mit der Anzahl derjenigen, die die Bestechungssumme zah- len, steigen, wird er das Angebot reduzieren und die Forderung erhöhen. Der Beamte wägt also die Gewinne mit der erwarteten Strafhöhe ab (Shleifer / Vishny 1993, S. 4 ff.).

Diese einfache Analyse zeigt auf, dass Korruption sich aufgrund von Konkurrenz zum einen zwischen den Beamten und zum anderen zwischen den Konsumenten ausbreitet. Im ersten Fall bedeutet dies, dass bei einer Auktion bzgl. der Stelle des Beamten, derjenige sie bekommt, der am meisten dafür bezahlt. Somit gewährleistet Konkurrenz zwischen den Beamten, dass die maximale Bestechungssumme eingefahren wird.

Eine weitaus bedeutendere Rolle spielt die Ausbreitung von Korruption im Fall von Kon- kurrenz zwischen den Käufern mit Unterschlagung. Sollte Käufer A das Gut billiger als Käufer B erwerben, so kann er Käufer B aus dem Markt verdrängen. D. h. wenn A den Beamten besticht, damit dieser die Kosten senkt, müssen dies seine Konkurrenten ebenso tun. Damit führt Konkurrenz zwischen Käufern zweifellos zur Ausbreitung von kostenre- duzierender Korruption. Dies geschieht zum einen weil Befolgung des Gesetzes in der Konkurrenzwelt nicht bestehen kann und weiterhin weil der Käufer kein Interesse hat den Beamten zu informieren und daher die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung weitaus kleiner ist. Dies wiederum führt zur Ausbreitung der Korruption ‚mit Unterschlagung’. Für Kor- ruption ‚ohne Unterschlagung’ trifft dies nicht zu. Da Korruption ‚mit Unterschlagung’ die Interessen der Verkäufer und Käufer trifft, ist diese persistenter als Korruption ‚ohne Unterschlagung’ (Shleifer / Vishny 1993, S. 4 ff.).

3.1.4.3 Spieltheorie

Anwendungen der Spieltheorie zeigen, wie Unternehmen sich verhalten wenn Wettbewerb um rent-seeking besteht oder wenn sie miteinander kooperieren können (Linster 1994). Kaufmann und Wei (2000) leiten das optimale Maß an Korruption mittels eines Stackel- bergspiel zwischen Beamten und Unternehmen her. Aus diesen Modellen kann geschluss- folgert werden, dass das Ausmaß des aggregierten rent-seeking und daraus folgend die gesamten sozialen Kosten verursacht durch rent-seeking, bestimmt wird durch die verfüg- bare ausschöpfbare Rente und der Anzahl der Spieler im Spiel (Paul / Wilhite 1994, S. 110; Jain 1998, S. 88).

Eine spieltheoretische Analyse von Korruption mit Fokus auf Interaktionen zwischen ei- nem Beamten und einem privaten Individuum oder einer Institution beinhaltet folgende Annahmen: es gibt nur zwei Akteure, einen Beamten und einen interessierten privaten Bürger bzw. eine Institution, der oder die innerhalb des Zuständigkeitsbereiches des Beam- ten liegt. Weiter sei angenommen, dass der Beamte der alleinige Anbieter des Gutes oder der Dienstleistung ist (aufgrund von Gesetzen, Regulierungen oder seitens der Nachfrager aufgrund von unvollständiger Information), welches das private Individuum bzw. die Insti- tution nachfragt. Die beiden Akteure können nur zwischen zwei Strategien wählen: legales oder illegales Verhalten. Illegales Verhalten bedeutet das Anbieten oder Nachfragen von

Bestechungsgeldern und jegliche Form von Beeinflussung des anderen mit der Erwartung von Gewinnen, welche nicht im Gesetz oder in Regulierungen festgelegt sind. Legales Verhalten meint dabei die Handlungen, die nicht illegal sind. Korruption existiert, wenn einer von beiden Akteuren illegal handelt. Die vier resultierenden Strategiekombinationen sind im Anhang unter Tabelle 3 dargestellt.

Weiterhin sei angenommen, dass beide Akteure ihren eigenen Interessen nach handeln. Bei legal handelnden Beamten können diese Interessen auf das Gehalt bezogen oder bzgl. einer Wiederwahl sein, bei einem illegal handelnden Beamten beruhen die Motive auf den öko- nomischen Renten der Bestechung welche höher sein sollten als die ggf. folgenden Nachteile auf seine Bezüge, welche von administrativen Sanktionen bis hin zu Jobverlust gehen können. Die Interessen des Individuums oder der Institution beziehen sich haupt- sächlich auf die Akquirierung des Gutes oder der Dienstleistung, welche der Beamte anbie- tet. Dabei ist das Individuum bereit Schmiergelder zu zahlen, wenn der Beamte sein Mo- nopol ausnutzt und Verzögerungen sowie andere versteckte Kosten auferlegt. Jede illegale Zahlung ist mit dem Risiko der Aufdeckung und Sanktionierung verbunden welche das Individuum möglichst zu umgehen versucht. Beide Akteure wählen die Strategie, die das Ergebnis erzielt, welches den Nutzen der Akteure maximiert. In Anlehnung an das Gefan- genen-Dilemma-Beispiel kann geschlussfolgert werden, dass beide Akteure illegal bzw. korrupt handeln werden (Correa 2002, S. 1 ff.).10

3.1.4.4 Public Choice

Während vor allem Politikwissenschaftler glauben, dass Individuen im politischen Bereich versuchen dem öffentlichen Interesse gerecht zu werden, untersuchen Ökonomen das Ver- halten der Individuen im Marktgeschehen und gehen von der Annahme aus, dass das Indi- viduum durch Selbstinteresse und eigener Nutzenmaximierung getrieben ist (Kimenyi / Mbaku 1999, S. 1). Die Public Choice Theorie lässt diese Dichotomie außen vor und ar- gumentiert hingegen, dass das politische wie das ökonomische Individuum ein und dassel- be ist. Sie wendet das Konzept der rationalen Ökonomik auf den Kontext der ‚social choi- ce’ und ‚political choice’ an und versucht mittels Einsatz der ökonomischen Werkzeuge und Methoden das Ergebnis des öffentlichen Sektors zu verstehen und zu erklären. Das primäre Postulat der Public Choice ist, dass Individuen in ihren unterschiedlichen Funktio- nen (z. B. Wähler, gewählte Amtsträger, Bürokraten, Regulierungsbeamte) von Selbstinte- resse getriebene und ihren eigenen Nutzen maximierende Agenten sind (Kimeny / Mbaku 1999, S. 1).

Während die neoklassischen Ökonomen den Staat als einen sich exogen entwickelnden Faktor, dessen Kerninteressen die Verbesserung der nationalen Wohlfahrt ist, ansehen, stellten Buchanan und Tullock in den 60iger Jahren die Public Choice Perspektive vor, in der argumentiert wird, dass der Staat als ein endogener Faktor, der zusammen mit ver- schiedenen anderen Variablen (wie z. B. Interessengruppen, Wähler, Politiker und Zivil- bürger) die Ergebnisse der öffentlichen Politik bestimmt, gesehen wird. Demnach werden diese Ergebnisse endogen von gut organisierten Interessengruppen, die versuchen Gewinne für sich selbst auszuschlagen und von Bürokraten und Politkern, die sich bemühen die Kontrolle über die Regierungsstrukturen zu behalten, auf Kosten der schlecht organisierten Bevölkerung bestimmt (Mbaku 2000, S. 125 ff.).

Korruption wird aus der Public Choice Theorie als postkonstituierender Opportunismus angesehen und eine Bekämpfung muss folglich mit ausgehandelten Regelveränderungen beginnen, um die Anreizstrukturen mit denen die Marktteilnehmer konfrontiert sind, beeinflussen zu können (Mbaku 2000, S. 5 f.).

Die dargestellten theoretischen Erklärungsansätze der Korruption bieten einen geeigneten Rahmen um Korruption zu analysieren. Sie untermauern sowohl die anschließende (empi- rische) Ursachenanalyse, wie auch die der Konsequenzen im darauf folgenden Kapitel. Des Weiteren zeigen sie Ansatzpunkte für eine erfolgversprechende Korruptionsbekämpfung, auf die im letzten Kapitel eingegangen wird. Dabei soll, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, der Schwerpunkt auf die ökonomischen Theorieansätze gelegt werden.

3.2 Konkrete Ursachen der Korruption

Bei einer allgemeinen Differenzierung der Ursachen der Korruption erscheint die Auftei- lung in zwei sich bedingende Perspektiven sinnvoll. Einerseits eine vom einzelnen Akteur als Analyseeinheit ausgehende individualistische Perspektive, die sich wieder aufspaltet in eine rationalistische und eine moralisch-ethische Variante. Andererseits die systemische Perspektive, die als Analyseeinheit vor allem strukturelle Rahmenbedingungen analysiert. Diese Unterscheidung bietet eine ausgezeichnete Basis für eine detaillierte Untersuchung der spezifischen Ursachen in SSA.

3.2.1 Individualistische Perspektive

Die individualistische Perspektive konzentriert sich auf die Betrachtung einzelner Perso- nen, den Korrumpierenden und den Korrumpierten. Bereits in der Theorie der individuellen

Dekadenz von Niccolò Machiavelli (1469-1527) wird Korruption aus rationalistischer Sicht zum einen als ein allgemein krankhafter Zustand des Staatskörpers beschrieben und zum anderen auf die mangelnde Tugendhaftigkeit der Bürger zurückgeführt (Acham 1981, S. 40). Das darin enthaltene negative Menschenbild kann als Trittbrettfahrerverhalten (free-rider) interpretiert werden. D. h. dass viele Interessenten ein gemeinsames Ergebnis (ein öffentliches Gut) anstreben und somit jeder einen Anreiz zur Leistung für dieses Re- sultat hat. Der ‚free-rider’ leistet diesen Beitrag nicht, da er auch ohne das Einbringen sei- ner eigenen Ressourcen (für ihn persönlich in Form von steigenden Kosten) trotzdem vom Gesamtergebnis profitiert. Somit lässt sich aus der Perspektive der ‚Rational Choice’- Ansätze heraus festhalten, dass ein Individuum immer dann korrupt agiert, wenn die wahr- scheinlichen Vorteile der korrupten Handlung größer sind als die wahrscheinlich entste- henden Kosten (Lüdtke / Schweitzer 1993, S. 469 f.), das wiederum dem Principal-Agent- Client-Modell entspricht.

Aus der moralisch-ethischen Perspektive begründet Freisetzer (1981) korruptes Verhal- ten mit dem Verfall der moralischen Sitten anhand einer ‚ Vorbild-Imitations ’ -Strategie. Die Bevölkerung sieht demnach die Eliten und die mit Macht bekleideten als ihre Vorbilder an, und würde ggf. auch ein korruptes Verhalten dieser imitieren (Freisitzer 1981, S. 157). Diese beiden individualistischen Varianten stellen eine wichtige Betrachtungsweise dar, ignorieren aber gänzlich wichtige systemische Korruptionsursachen, auf die im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird.

3.2.2 Systemische Perspektive

Schwerpunkt dieser Perspektive ist das strukturelle Umfeld als Korruptionsursache, dieses beinhaltet soziale, politische sowie ökonomische Ursachen.

Klitgaard (1988) fasste die von Huntington (1968) ausführlich dargestellten sozialen Kor- ruptionsursachen wie folgt zusammen: Korruption tendiert zum Wachstum in einer schnel- len Wachstumsphase und in der Phase der Modernisierung aufgrund von wandelnden Wertevorstellungen der Gesellschaft, neuen Quellen von Wohlstand und Macht und der Expansion des Regierungs- und Verwaltungsapparates. Eine Tendenz zu weniger Korrup- tion ist der Fall in Ländern mit ausgepr ä gten sozialen Schichten, einer starken Klassenpo- larisierung und feudalen Tendenzen, da diese Bedingungen ein flexibleres System an Nor- men und Sanktionen, welches die Korruption eingrenzt, darstellt. Weiterhin hat das Ver- h ä ltnis von politischen zu ö konomischen M ö glichkeiten in einem Land Einfluss auf das Ausmaß der Korruption. Im Fall größerer politischer Möglichkeiten treten die Menschen in die Politik ein, um einen monetären Erfolg verbuchen zu können (Huntington 1979 in: Klitgaard 1988, S. 66).

In der konventionellen Politikwissenschaft werden als Ursache für Korruption die Unzu- l ä nglichkeiten des politischen Systems gesehen, insbesondere im ‚democratic deficit’. Kor- ruption wird demnach von politischen Systemen verursacht, die keine Gewaltenteilung, gegenseitige Kontrolle sowie transparente Institutionen und Prozesse eines formalen und idealen Systems demokratischer Regierung haben (Andvig 2000, S. 52). Empirische Stu- dien konnten bisher keinen signifikanten, allerdings einen grob negativen Zusammenhang zwischen Demokratie und Korruption feststellen: je weniger demokratisch, desto mehr korrupt (Lambsdorff 1999, S. 9 f.). Ein ineffizientes politisches System birgt meist auch einen ineffizienten Verwaltungsapparat in sich. Eine damit einhergehende übermäßige Komplexität der Verwaltungsabläufe stellt eine weitere Ursache für Korruption dar (Müller 2002, S. 492). Bzgl. der Verwaltung sind viele weitere Ursachen für Korruption zu nennen. Die geringen und teilweise unzureichenden Geh ä lter im öffentlichen Dienst führen nicht nur zu Armut, sondern auch zu Korruption, da die Bediensteten auf diese Art und Weise versuchen ihr Gehalt zu erhöhen. Rijckeghem und Weder (1997) erhielten statistisch signi- fikante Ergebnisse über den Zusammenhang von Gehältern und Korruption. Hinzu kom- men hohe Risiken jeder Art (z. B. Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit) seitens der Bürger und keine Aussicht auf risikostreuende Mechanismen (Versicherungen, funktionierender Arbeitsmarkt, etc.) die einen Anreiz für korruptes Handeln darstellen. Ferner verursachen die hohe Machtf ü lle bzw. die diskretion ä re Macht der Amtsträger und nur wenig weit ent- wickelte politische Parteien, sowie schwache oder gar nicht vorhandenen Kontrollinstituti- onen, die der Aufdeckung dienen sollten und die zu niedrigen bzw. milden Sanktionen Kor- ruption. Weiträumiger Konsens in der Literatur besteht darüber, dass ü berregulierte Volks- wirtschaften und hohe staatliche Interventionen (Devisenbewirtschaftung, Handelsbe- schränkungen, Subventionen und Preiskontrollen) ebenfalls eine Ursache für Korruption sind (Gray / Kaufmann 1998, S. 3).

Aus ökonomischer Sicht entsteht Korruption immer dann, wenn ein Beamter willk ü rliche Macht ü ber die Distribution von Gewinnen und Kosten gegenüber dem privaten Sektor innehat, da die privaten Unternehmen in diesem Fall bereit sind, Bestechungsgelder zu zahlen um die Gewinne zu erhalten bzw. die Kosten zu vermeiden (Rose-Ackerman 1997, S. 34). Dabei ist die Nachfrage nach korrupten DL, welche dem Angebot an Bestechungs- geldern entspricht, abhängig von der Größe und Struktur des Staates. Die Ursachen für Korruption bzgl. der Gewinne beziehen sich auf Güter und DL die der Staat kauft und ver- kauft, sowie Subventionen, Privatisierungen von staatlichen Unternehmen und Lizenzen, um die die Unternehmen konkurrieren.11

Ursachen für Korruption im Falle von Vermeidung von Kosten beziehen sich auf vom Staat auferlegte Regulierungen, Erhebung von Steuern und in Kraft tretende Gesetze. Aufgrund der Annahme ‚Zeit ist Geld’ verzögern und drangsalieren Beamte diejenigen, die damit konfrontiert sind um von ihnen Bestechungsgelder zu erhalten. Die Unternehmen sind demnach bereit Bestechungsgelder zu zahlen um ihre Transaktionskosten zu senken. Es sind also die ökonomischen Renten in Verbindung mit willkürlicher Macht, die Korruption hervorrufen. Je größer diese Renten sind, desto größer ist einerseits der Anreiz den Kosten auszuweichen und anderseits der Wert der Extrazahlung die sie den Agenten mit willkürlicher Macht anbieten können (Jain 2001, S. 79 f.).

Eine weitere Studie konzentrierte sich auf die ö konomische Offenheit eines Landes. Es kann geschlussfolgert werden, dass größere ökonomische Offenheit zu Spillovers bzgl. ‚Good Governance’ und folglich zu weniger Korruption führt (Brunetti / Weder 2001, S. 99).

Zuletzt sei eine Ursache für Korruption genannt, bei der sich die Frage nach der Kausalität stellt: „ Corruption breeds poverty, but does poverty breed corruption? “ (Mauro 1998, S. 13). Es konnte nachgewiesen werden, dass Korruption ökonomisches Wachstum reduziert und somit die Armut ansteigen lässt. Gleichzeitig kann aber Armut selbst zu Korruption führen, da arme Länder möglicherweise nicht genug Ressourcen mobilisieren können um ein effizientes Rechtssystem aufzubauen oder auch weil Menschen in Not eher dazu ge- neigt sind ihre moralischen Prinzipien ‚über Bord zu werfen’ (Mauro 1998, S. 13).

Diese Auflistung beinhaltet bei weitem nicht alle systemischen Korruptionsursachen, aber spiegeln im Angesicht der beschränkten Kapazität die wichtigsten systemischen Ursachen wider.

3.3 Zwischenfazit

Nachdem mittels der theoretischen Modelle und der allgemein gehaltenen Ursachen die Entstehung von Korruption erklärt wurde, lässt sich zusammenfassen, dass es zur Existenz

von Korruption neben der individualistischen Perspektive dreier Determinanten bedarf: die willk ü rliche Macht, die die Autorität sowohl zum entwerfen als auch zum verwalten von gesetzlichen Regulierungen besitzt. Zweitens müssen in Verbindung zu der willkürlichen Macht ö konomische Renten vorhanden sein, welche derart gestaltet sein müssen, dass iden- tifizierbare Gruppen diese ausschöpfen können. Als drittes muss das legale bzw. juristische System ein geringes Ma ß an Wahrscheinlichkeit an Aufdeckung bzw. Bestrafung des Verbrechens aufweisen. Die ersten beiden Determinanten stellen Anreize zur Korruption da, während das dritte Argument als Abschreckung fungiert. Es kann festgehalten werden, dass Korruption dann eintritt, wenn hohe Renten verbunden sind mit dem Missbrauch der willkürlichen Macht, abzüglich jeglicher illegalen Zahlung und Strafen die mit dem Miss- brauch in Verbindung stehen.12

4. Konsequenzen der Korruption

Die Konsequenzen der Korruption sind weitläufig und erstrecken sich auf verschiedene Bereiche, insbesondere auf die Wirtschaft und Politik betroffener Länder. Die theoretische und empirische Forschung in diesem Bereich, die die Folgen der Korruption objektiv betrachtet, hat in den letzten Jahren signifikant zugenommen.

4.1 Korruption als ‚ Schmierstoff ’

In Folge der funktionalistischen Argumentationsweise wird Korruption als ‚ Schmierstoff der die quietschenden R ä der einer rigiden Administration ö lt ’ (Jain 2001, S. 92) angese- hen, und ist in der Literatur stark umstritten. Korruption stellt diesbezüglich ein Instrument dar, das beim Umgehen von belastenden Regulierungen und ineffizienten Rechtssystemen helfen kann. Allerdings ignoriert dieses Argument, dass Politiker und Bürokraten von kor- rupten Gesellschaften eine enorme Macht über die Schaffung und Interpretation dieser kontraproduktiven Regulierungen innehaben. Somit wird aus dem ‚Öl’ ein Anheizen des Wachstums von exzessiven und willkürlichen Regulierungen. Ades und Di Tella (1997) konstituieren, dass Korruption eher wie ‚ Sand in einer Maschine ’ wirkt (Ades / Di Tella 1997, S. 501).

[...]


1 Es gibt innerhalb der entwicklungspolitischen Diskussion Schätzungen, die besagen, dass mehr als ein Drittel sämtlicher Schulden der Entwicklungsländer aus korrupten Geschäften resultieren und zu weißen Elefanten und Entwicklungsruinen geführt haben (Eigen 1995, S. 165).

2 Der Begriff Kleptokratie wurde in den 60er Jahren von Andreski (1968) geprägt, um die korrupten Herrschaftsformen in den westafrikanischen Staaten zu charakterisieren (Körner 1988, S. 3).

3 Für das gestiegene Interesse der Industrieländer an der Bekämpfung der Korruption in den EL spielt der Schaden der eigenen Interessen durch die dortige Korruption ebenfalls eine gewichtige Rolle (Pieth 1998, S. 29).

4 Aus dem Lateinischen: corrumpere = verderben, vernichten (Langenscheidt 1996, S. 105).

5 Zwar wird Korruption meist mit dem öffentlichen Sektor in Verbindung gebracht, jedoch ist sie im privaten Bereich ebenso präsent. Tatsache ist, dass der private Sektor an der überwiegenden Anzahl der Korruptionsfälle im staatlichen Bereich beteiligt ist (Klitgaard 1998, S. 4).

6 Die Eingliederung der politischen Komponente ist von entscheidender Bedeutung, da hiermit neben den öffentlich Bediensteten auch die politischen Amtsträger berücksichtigt werden, was im Angesicht steigender Einflussnahme der politischen Eliten auf die Gesellschaft (Etzioni-Halevy 1989, S. 287ff.) enorm wichtig ist.

7 Die ‚petty corruption’ wird oft auch als bürokratische Korruption bezeichnet (siehe Jain (2001), S. 75; OECD (1997), S. 11).

8 Diese Bürokratie wird von hierarchisch angeordneten Beamtenkorps geleitet, die aus objektiven Kriterien, wie beruflichen Qualifikationen und Berufserfahrung rekrutiert und befördert werden, die mit einem regulären Gehalt entsprechend der Position und Qualifikation bezahlt werden, und die klar definierten gerichtlichen Ebenen mit eindeutig festgelegten Regeln und Prozessen zugeordnet sind. Die wichtigsten charakterlichen Merkmale sind Objektivität, Sachlichkeit und vor allem die strikte Trennung von Amtsinhaber und Angestell- ten (Theobald 1990, S. 2).

9 Tullock (1980) definiert rent-seeking als eine Situation in der „ [ … ] an individual who invests in something that will not actually improve productivity or will actually lower it, but that does raise his income because it gives him some special position or monopoly power [ … ] ” (Tullock 1980, S. 17). Eine ähnliche Definition findet sich bei Rose-Ackerman (1999, S. 2): “ [ … ] situations where people use resources both for productive purposes and to gain an advantage in dividing up the benefits of economic activity “.

10 Dabla-Norris (2000) versuchte in ihrem Paper beobachtbare Variationen in der Art und des Ausmaßes der Korruption in verschiedenen Länder und Zeit zu erklären, in dem sie die strategischen Interaktionen der von Selbstinteresse geleiteten Agenten mittels Spieltheorie analysierte. Als Ergebnis konnte sie festhalten, dass das von Selbstinteresse geleiteten Verhalten der zentralen Autoritäten den optimalen Level an Korruption in der Hierarchie bestimmt. Für weitere Ergebnisse und die dazugehörige Untersuchungsmethoden siehe Dabla- Norris (2000).

11 Wenn der Staat als Auftraggeber bzw. Auftragsnehmer fungiert und die Firmen Bestechungsgelder anbieten um am Bieterverfahren bzw. als einziger Anbieter erfolgreich zu sein, stellt dies einen Anreiz zur Korruption dar. Ferner werden Dual-Preise, die entstehen wenn der Staat Güter und DL unter Marktpreisen verkauft, als Anreiz für korruptes Handeln angesehen um Zugang zu Angeboten unterhalb der Marktpreise zu bekommen. Wenn der Staat das Angebot an Krediten und die Zinsrate steuert, werden Bestechungsgelder für den Zugang zu Krediten gezahlt. Multiple Wechselkurse reflektieren meist die ökonomischen Fundamente nicht und pro- duzieren somit Anreize zu bestechen um an rare Devisen heranzukommen. In gleichem Maße führt die Alloka- tion von knappen Im- und Exportlizenzen zu Bestechungen. Korruption kommt auch häufig vor, wenn die Höhe der Subventionen nicht für alle Qualifizierten ausreicht oder wenn Beamte beurteilen müssen wer für die Berechtigung in Frage kommt (Jain 2001, S. 79 f.).

12 Klitgaard et al. (2000) stellte diesbezüglich folgende Gleichung auf: Corruption = Monoploy power + Discretion by officials - Accountability (Klitgaard 2000, S. 26 f.).

Details

Seiten
90
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638390897
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40614
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Schlagworte
Korruption Chancen Korruptionsbekämpfung Analyse Beispiel Sub-Sahara Afrikas

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Titel: Korruption und Chancen der Korruptionsbekämpfung - eine politökonomische Analyse am Beispiel Sub-Sahara Afrikas