Lade Inhalt...

Simulationsmodelle in der evolutionären Theorie des ökonomischen Wandels von Nelson/Winter: Darstellung und kritische Analyse ihrer Bedeutung

Seminararbeit 2005 19 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung des Simulationsmodells
2.1 Die Annahmen des Modells
2.2 Der Aufbau des Modells
2.3 Die Ergebnisse der Simulationsstudien

3. Kritische Analyse des Modells

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Erklärung des Verfassers

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung des makroökonomischen Simulationsmodells von Nelson und Winter mit einer sich anschließenden kritischen Untersuchung, inwieweit sich das Modell für die Erklärung des ökonomischen Wandels eignet.

In meinen Ausführungen stütze ich mich auf die Veröffentlichungen von Nelson und Winter aber aufgrund der ausführlicheren Darstellungen vor allem auf die Werke von Gerybadze, der unter anderem die Kritik an den Modellen sehr umfangreich behandelt, und Schwitalla, die die Darstellung der Annahmen und die Simulationsläufe ähnlich intensiv wie Gerybadze herausarbeitet.[1] Nach einer kurzen Einordnung der Theorie gehe ich in Kapitel 2.1 aufgrund des besseren Verständnisses nachfolgender Ausführungen zuerst auf die im Modell getroffenen Annahmen ein, worauf in 2.2 der Ablauf der Simulationsläufe und das Modell an sich dargestellt werden. Dem schließt sich in 2.3 eine kurze Darstellung der Ergebnisse eines der von Nelson und Winter durchgeführten Simulationsexperimente an, um auch die Verwendung dieses Modells und dessen Ergebnisse zu verdeutlichen. Kapitel 3 umfasst eine ausführliche kritische Analyse des Modells im Hinblick auf die Generalisierbarkeit und den Erklärungswert der Ergebnisse des Simulationsmodells während in Kapitel 4 die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst werden.

2. Darstellung des Simulationsmodells

Die Simulationsmodelle der evolutionären Theorie des ökonomischen Wandels von Nelson und Winter sind entstanden aus der Zusammenführung und Weiterentwicklung mehrerer verschiedener Ansätze. Ausgangspunkt ist die Theorie Schumpeters, der die wirtschaftliche Entwicklung als evolutionären Prozess beschreibt, welcher von Innovationen neuer Güter, Methoden, und industrieller Organisationen vorangetrieben wird.[2] Eine treffende Definition eines evolutionären Prozesses liefert Witt: „Evolution wird als Transformation eines Systems in der Zeit durch endogen erzeugten Wandel angesehen.“[3]

Weiterhin übernehmen Nelson und Winter von Schumpeter unter anderem die strikte Ablehnung des Gewinnmaximierungs- und Gleichgewichtsansatzes der Neoklassik, was allen evolutionären Theorien gemeinsam ist. Sie stellen der statisch, exogenen Betrachtungsweise von technischem Wandel in der Neoklassik ein dynamisches Modell gegenüber, dessen evolutionären Ansatz sie an die darwinistische Evolutionstheorie anlehnen und um die organisationstheoretischen Arbeiten vor allem von Simon aber auch von Cyert und March erweitern.[4] Mit der Entwicklung dieses Modells wird das Ziel verfolgt, die dynamischen Prozesse der wechselseitigen Einflussnahmen von Marktstruktur und technischer Entwicklung unter Einwirkung exogener technologischer Bedingungen und Verhaltensregeln von Firmen in einer Industrie zu beschreiben und deren Ergebnisse mit den Aussagen der so genannten Schumpeter-Hypothese zu vergleichen.[5] Vor der Darstellung der eigentlichen Simulations-abläufe sollen jedoch zuerst die getroffenen Annahmen geschildert werden.

2.1 Die Annahmen des Modells

Betrachtet wird eine Industrie mit N Unternehmen, von denen jedes einen FirmenzustandAbbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten aufweist, der sich aus dem Kapitalstock Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten und der Kapitalproduktivität Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten zusammensetzt. Die Summe aller Firmenzustände einer Periode t bildet den Industriezustand Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, dessen Veränderung während der Simulationsläufe in Bezug auf Konzentrationsprozesse und technischen Wandel Gegenstand der Untersuchung ist (vgl. dazu auch Abb.1).[6]

1. Ein homogenes Gut: In der betrachteten Industrie mit N Teilnehmern wird lediglich ein homogenes Gut produziert.
2. Prozessinnovationen: Der technische Wandel wird allein durch Prozessinnovationen hervorgerufen (Produkt innovationen werden gänzlich ausgeklammert). Weiterhin wird angenommen, dass eine einmal durch FuE erreichte Kapitalproduktivität nicht wieder verringert werden oder verloren gehen kann.
3. Konstante Skalenerträge und Faktoreinsatzverhältnisse: Die Produktionstechniken aller Firmen weisen gleich bleibende Faktoreinsatzverhältnisse sowie konstante Skalenerträge auf, wodurch die im Modell festgestellten Konzentrationsvorgänge nicht auf Größenkostenersparnisse zurückgeführt werden können.
4. Gesamtoutput: Der Output Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltender einzelnen Firmen wird bestimmt durch die jeweilige Produktivität Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten und den Kapitalstock Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Unterstellt wird, dass jedes Unternehmen i in jeder Periode mit der besten ihr zur Verfügung stehenden Technik bei maximaler Kapazitätsauslastung produziert. Dadurch ist das Gesamtangebot der Industrie, bestehend aus der Summe der Ausbringungsmengen Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten von N Unternehmen, in jeder Periode t eindeutig bestimmt und kann nicht verändert werden.[7]
5. Nachfragefunktion: Angenommen wird eine monoton fallende Nachfragefunktion, wodurch die Gesamtangebotsmenge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten den Preis Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendes Gutes bestimmt. Da diese nach Annahme 4 in jeder Periode fest ist, kann auch der Preis des Gutes für jede Periode bestimmt werden.[8]
6. Konstante Faktorpreise: Um die Komplexität des Modells möglichst gering zu halten unterstellen Nelson und Winter außerdem ein vollkommen elastisches Faktorangebot, sodass die Faktormärkte aufgrund konstanter Faktorpreise unbeachtet bleiben können.[9]
7. Forschungslos: Durch ein Forschungslos kann jedes Unternehmen die eigene Produktivität erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit zur Produktivitätssteigerung durch ein Forschungslos hängt sowohl vom Stand der verwendeten Technologie als auch von der Höhe der getätigten Forschungsausgaben ab. Alle N Unternehmen verwenden denselben prozentualen Anteil ihres Kapitalstocks für Forschungszwecke, der sowohl aus Forschungs- als auch aus Imitationsausgaben besteht. Diese Abhängigkeit der Höhe der Forschungsausgaben vom jeweiligen Kapitalstock der Firma i ist eine in diesem Modell sehr wichtige, wenn nicht zentrale Annahme, denn die Wahrscheinlichkeit der Zulosung einer höherwertigen Technik steigt im Modell um so stärker, je hoher der Kapitalstock ist und dadurch die Forschungsausgaben sind. Somit ist die Wahrscheinlichkeit einer Produktivitätssteigerung für Unternehmen mit einem in t größeren Kapitalstock höher als für die kleineren Unternehmen, was tendenziell zu einer Zunahme der Konzentration führt. Je höher allerdings die erreichte Produktivität eines Unternehmen ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Steigerung, was der Konzentrationstendenz entgegenwirkt.[10]
8. Imitationslos: Technologisches Wissen wird im Modell als öffentliches Gut betrachtet, d.h. die Technologie einer Firma kann anderen Unternehmen nicht vorenthalten werden, weshalb jede Firma der Industrie die Technik des Unternehmens mit der höchsten Produktivität durch Ziehung eines Imitationsloses in der nächsten Periode imitieren kann.[11]
9. Investitionsregeln (Verhaltensregeln der Firmen)

Um die Frage beantworten zu können, wie die Firmen in dem Modell investieren, müssen bestimmte Verhaltensregeln angesetzt werden. Angenommen wird, dass eine Firma genau in der Höhe Bruttoinvestitionen tätigt, in der sie zu investieren wünscht, was allerdings durch das ihr zu Verfügung stehende Finanzierungsvolumen in t begrenzt ist.

Der Kapitalstock der nächsten Periode Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten eines Unternehmens ist abhängig von der Investitionsneigung I, dem Kapitalstock Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten sowie den Abschreibungen in t.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Investitionsneigung wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Zum einen vom Preis-Produktionskostenverhältnis Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, vom erzielten Marktanteil Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten und vom möglichen Finanzierungsvolumen Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, das hier durch die Kapitalrendite wiedergegeben wird.[12] Angenommen wird, dass ein Unternehmen um so stärker investiert, je größer das Preis-Produktionskostenverhältnis ist, d.h. je besser die Gewinnaussichten sind. Ein hoher Marktanteil dagegen wirkt eher negativ auf die Investitionsneigung eines Unternehmens, da bei einem hohem Marktanteil und durch Prozessinnovation steigenden Output die Gesamtangebotsmenge des Gutes wächst, wodurch der erzielbare Preis bei gegebener Nachfrage sinken wird (Nachfrage weist eine Elastizität von 1 auf). Da durch die Preissenkung wiederum das Preis-Produktionskostenverhältnis verringert wird, kann festgehalten werden, dass bei einem steigenden Marktanteil des Unternehmens und einem dazu relativ geringer wachsendem Preis-Produktionskostenverhältnis die Investitionsneigung abnimmt.[13]

Die Kapitalrendite, welche die Höhe der tatsächlichen Investitionen nach oben begrenzt (für den Fall, dass gewünschte Investition > Finanzierungsvolumen) und damit das Finanzierungsvolumen bestimmt, wird ermittelt aus dem erzielten Umsatz abzüglich der Produktionskosten und den Forschungsausgaben für Innovation und Imitation.[14] Der FuE-Aufwand ist bei allen Firmen ein fest vorgegebener Prozentsatz des Kapitalstocks, wodurch größere Firmen höhere Forschungsausgaben tätigen als kleinere Unternehmen. Weiterhin wurde die Annahme getroffen, dass die Investitionsneigung nicht negativ werden kann, sodass Desinvestitionen größer als die Abschreibungsrate nicht möglich sind.[15]

[...]


[1] Vgl. Gerybadze, Alexander: Innovation, Wettbewerb und Evolution: Eine mikro- und mesoökonomische Untersuchung des Anpassungsprozesses von Herstellern und Anwendern neuer Produzentengüter, Tübingen 1982, sowie Schwitalla, Beatrix: Messung und Erklärung industrieller Innovationsaktivitäten: mit einer Analyse für die westdeutsche Industrie, Heidelberg 1993 und

Nelson, Richard/ Winter, Sidney: An Evolutionary Theory of economic Change, Cambridge, 1982.

[2] Vgl. Schumpeter, Josef: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, München 1975, S.136ff.

[3] Witt, Ulrich: Überlegungen zum gegenwärtigen Stand der evolutorischen Ökonomik in: Bievert, Bernd/Held, Martin (Hg.), Evolutorische Ökonomik, Neuerungen, Normen, Institutionen, Frankfurt a.M. 1992.

[4] Vgl. Nelson/Winter, An Evolutionary Theory,1982, Preface ix und Schwitalla, S.39f.

[5] Siehe Abb. 1 im Anhang.

[6] Vgl. Gerybadze, S.123f.

[7] Vgl. Gerybadze, S.125.

[8] Nelson u. Winter geben den Term p=64/ an, Parameter ist speziell für diese Simulationsstudie gewählt worden.

[9] Vgl. Schwitalla, S.145.

[10] Vgl. ebd, S.47f und Gerybadze, S.126ff.

[11] Vgl. Gerybadze S.126.

[12] Vgl. Schwitalla S.48.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. ebd. S.49

[15] Vgl. ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638390927
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40617
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Lehrstuhl Technologie- und Innovationsmanagement
Note
1,3
Schlagworte
Simulationsmodelle Theorie Wandels Nelson/Winter Darstellung Analyse Bedeutung Quantitative Ansätze Technologie- Innovationsmanagement

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Simulationsmodelle in der evolutionären Theorie des ökonomischen Wandels von Nelson/Winter: Darstellung und kritische Analyse ihrer Bedeutung