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Einführung in die Techniken des Rollenspiels. Erfolgreiche und gestörte Kommunikation im Sinne von Watzlawick

Unterrichtsentwurf 2001 18 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inhaltliche Überlegungen
1.1 Das Rollenspiel als didaktische Methode im Unterricht
1.2 Kommunikationstheorie nach Watzlawick
1.2.1 Einführung in die Kommunikationstheorie nach Watzlawick
1.2.2 Erfolgreiche und gestörte Kommunikation nach Watzlawick
1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren
2. Axiom: Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
3. Axiom: Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt
4. Axiom: Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten
5. Axiom: Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär

3. Das Thema im Kontext des jeweiligen Bildungsplanes

4. Lernzielbestimmung

5. Methodische Gestaltung der Stunde
5.1 Abhängigkeit der Methoden von Zielsetzung und Thematik
5.2 Grobgliederung des Unterrichts:
Einordnung in den Gesamtzusammenhang der Unterrichtseinheit
5.3 Gliederung und methodische Gestaltung der Stunde
5.4 Sozial- und Aktionsformen des Unterrichts
5.5 Technisch- organisatorische Voraussetzungen
5.6 Medien

6. Literaturverzeichnis

1. Inhaltliche Überlegungen

1.1 Das Rollenspiel als didaktische Methode im Unterricht

Der Begriff der `Rolle´ wurde erstmals von den Soziologen Parson und Merton im Zusammenhang der Rollentheorien verwendet und bezeichnet „die Erwartungen von sozialen Systemen (Institutionen, Gruppen, Schichten) an das Verhalten von Individuen. Jedes Individuum wird so von früher Kindheit an zum Träger verschiedener, z.T. miteinander konkurrierender oder sogar einander widersprechender Rollen (...)“ (Meyer, 1999, 357). In der Weiterentwicklung der traditionellen Rollentheorie zur interaktionistischen Rollentheorie durch Habermas (1971) , Krappmann (1972) und Dreitzel (1972) wird vor allem der Spielraum beim Rollenspiel für die subjektive Interpretation der Rollenspieler und die nicht vollständige Erfüllung individueller Bedürfnisse sowie institutionalisierte Rollennormen betont.

So bezeichnet das Rollenspiel eine „Spielform, in der die Teilnehmer eine definierte Rolle im Interaktionszusammenhang einer simulierten realen Lebenssituation darstellen. Die Spieler können dabei unterschiedliche Rollen übernehmen, ausprobieren, wechseln und verändern, so daß sie ihr eigenes Handeln reflektieren und das Denken, Fühlen und Handeln anderer Personen besser verstehen lernen. Das Rollenspiel hat einen Inhaltsaspekt, der auf gesellschaftliche Handlungsfelder wie Familie, Schule, Freizeit, Einkauf, Verkehr usw. bezogen ist, und einen Verhaltensaspekt, der die Wechselbeziehung der unterschiedlichen Rollen in diesen Handlungsfeldern betrifft.“ (Schaub & Zenke., 295)

Die Rollenspielarten lassen sich allgemein untergliedern in:

1. spontanes Rollenspiel

Kinder interagieren aus instrinsischer Motivation heraus. Voraussetzung hierbei ist vor allem eine anregungsreiche Lernumgebung.

2. Offenes bzw. freies Rollenspiel

Spieler interagieren in einer simulierten Handlungssituation, indem sie die übernommene Rolle ohne vorherige Festlegung kreativ, selbstständig und konstruktiv mit eigenen Ideen und Vorstellungen ausfüllen.

3. Gelenktes bzw. angeleitetes, geschlossenes Rollenspiel

Die Spieler interagieren auf der Basis festgelegter Rollen und Situationen mit dem Ziel einer möglichst realitätsgerechten Darstellung der Rollen. Die Vorgaben für das eigene Handeln sind präzise und weitgehend festgelegt. Es wird eine Rolle übernommen und nicht durch die Interaktion mit den anderen Mitspielern entwickelt. Meyer (1999) bezeichnet dies auch als „role taking“.

Die beiden letzt genannten Rollenspielarten verlangen sowohl Information über das Rollenspiel als solches als auch ein hohes Feingefühl von allen Beteiligten.

Das Rollenspiel dient besonders der Entwicklung sozialer Handlungskompetenzen und fördert den Zugang zur gesellschaftlichen Realität: „Mit seiner Hilfe können Schüler ihr eigenes Handeln besser verstehen lernen und sich auch in das Denken, Fühlen und Handeln ihrer Mitschüler, ihrer Lehrer und weiterer Bezugspersonen einfühlen (Meyer, 1999, 358).

Das Rollenspiel birgt aber auch nicht zu vernachlässigende Gefahren: Je nach zugrundeliegender Rollentheorie kann das Rollenspiel entweder affirmativen oder kritisch- emanzipatorischen Zielen, Werten und Normen dienen. So kann es statt zur erwünschten individuellen und gesellschaftlichen Emanzipation von erlernten Rollenwartungen, gesellschaftlicher Rangordnung und unbegründeten Herrschaftsansprüchen eine subtile Förderung der Adaptionsbereitschaft der Schüler an geltenden Normen und Wertvorstellungen stattfinden (vgl. ebd., 362).

In Anlehnung an Meyer (1999) gibt es folgende Spieltechniken:

- Doppelrolle
- Beiseitereden
- Selbstgespräch
- Rollentausch
- Rollenübernahme
- Rollenwechsel
- Einführung neuer Rollen
- Autodrama
- „Hilfs-Ich“
- Fragen stellen
- Rollenverfremdung
- Unterbrechung
- `Zeiger´
- Echo
- Identifizierung
- Personenbeobachtung
- Hinter dem Rücken

1.2 Kommunikationstheorie nach Watzlawick

1.2.1 Einführung in die Kommunikationstheorie nach Watzlawick

Watzlawick (1974) stellte folgende metakommunikative Axiome auf, die die Grundpfeiler seiner Kommunikationstheorie bilden:

1. Man kann nicht nicht kommunizieren.

(Watzlawick (1974) simplifiziert sogar seine Aussage in : „Man kann sich nicht nicht verhalten“ (ebd., 51). Kommunikationsstörungen stellen demnach Versuche dar, nicht zu kommunizieren. Kennzeichen solcher Versuche sind Fortgehen, Nicht-Bereitschaft mitteilen, Unklarheiten, Missverständnisse, Schaffen von Widersprüchen und Produktion von Symptomen.

2. Jede Kommunikation hat einen Inhaltsaspekt und einen Beziehungsaspekt.

Der Beziehungsaspekt dominiert als Metakommunikation den Inhaltsaspekt.

Die Sprache teilt immer Sachverhalte und Hinweise auf Beziehung bzw. die Informationsinterpretation mit. Sprache enthält somit eine Definition und Bewertung des anderen:

„sie [die Kommunikation] definiert also, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht, und ist in diesem Sinn seine persönliche Stellungnahme zum anderen. Wir finden somit in jeder Kommunikation einen Inhalts - und einen Beziehungs aspekt“(Watzlawick, 1974, 53).

3. Die Natur der Beziehung ist durch die Interpunktionsabläufe[1]

seitens der Partner bedingt (d.h. subjektive Bewertung und Deutung).

Kommunikation lässt sich metaphorisch auf einen Fluss übertragen: Sie ist eine Kette von Ereignisfolgen und ist ständig im Fließen. Die subjektive Wirklichkeit ist ein Ergebnis von Interpunktionen und Beurteilungen des Kommunikationsablaufes. Interpunktionen werden individuell gefällt und unterbrechen die zirkuläre Kausalität der Beziehung: Jeder der beiden Kommunikationspartner bestimmt durch die Interpunktion seine persönliche Interpretation des Interaktionsanfangs, wodurch die Fähigkeit zum Perspektivwechsel minimiert wird.

Watzlawick (1974) verdeutlicht die interpunktive Kommunikation[2] anhand eines Beispieles eines sich zurückziehenden Ehemannes und einer nörgelnden Frau:

„Ein oft zu beobachtendes Eheproblem besteht z.B. darin, daß der Mann eine im wesentlichen passiv-zurückgezogene Haltung an den Tag legt, während seine Frau zu übertriebenem Nörgeln neigt. Im gemeinsamen Interview beschreibt der Mann seine Haltung typischerweise als einzig mögliche Verteidigung gegen ihr Nörgeln, während dies für sie eine (...) Entstellung (...) ist: daß nämlich der einzige Grund für ihre Kritik seine Absonderung von ihr ist“ (ebd., 58).

4. Die Menschliche Kommunikation gliedert sich in

Digitale Kommunikation

Kommunikation ist logisch, analytisch, abstrakt und spezialisiert. Die Modalitäten zeichnen sich durch einen komplexen und logischen Satzbau aus und Datenübermittlung steht im Vordergrund (vgl. von Schlippe, 1991, 33).

Analoge Kommunikation

Kommunikation ist universell, symbolisch, ganzheitlich, komplex und

vieldeutig. Die Modalitäten zeichnen sich durch eine vielseitige Semantik aus und die Beziehung wird definiert. Eine Negation ist nicht möglich (vgl. von Schlippe, 1991, 33).

Beide Kommunikationsformen komplementieren einander und stehen in direkter Beziehung zum Axiom des Inhalts- und Beziehungsaspektes (vgl. Watzlawick, 1974, 61f).

5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder

komplementär, je nachdem ob die Beziehung auf Gleichgewicht oder Unterschiedlichkeit beruht.

Bei einer stabilen symmetrischen Beziehung nehmen sich die Interaktionspartner als gleichwertig war. Bei einer komplementären Interaktion ergänzen sie sich gegenseitig in ihrer Unterschiedlichkeit. Hierarchie bzw. Über-/ Unterordnungsverhältnisse kennzeichnen diese Interaktionsform.

Simon (1995, 1999) vergleicht die Kommunikation mit einem Drehbuch (Skript), geschrieben aus Vergangenheit, Gegenwart sowie aktuellen und zukünftigen Ereignissen. Nach Cronen et al. (1979) resultiert die Vielschichtigkeit der Kommunikation aus den vielfältigen Interpretationsrahmen, mit deren Hilfe der Bedeutungsinhalt der Kommunikation zu erfassen versucht wird. Luhmann (1988) entwickelte ein Konzept der relativen Autonomie von sozialen, psychischen und biologischen Systemen: „`Menschen können nicht kommunizieren, nicht einmal ihre Gehirne können kommunizieren, nicht einmal das Bewußtsein kann kommunizieren. Nur die Kommunikation kann kommunizieren´“ (ebd.; zit. n.: von Schlippe & Schweitzer, 1996, 71).

[...]


[1] Watzlawick (1974) verwendet den Begriff der Interpunktion als eine Weiterentwicklung des Aktions-Reaktions-Modells.

[2] Nach Joad (1976) zeigte das internationale Wettrüsten in der Zeit des Kalten Krieges ähnliche Strukturen.

Details

Seiten
18
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638125215
ISBN (Buch)
9783656454199
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4070
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Institut für Andragogik
Note
2
Schlagworte
Unterrichtseinheit Einführung Techniken Rollenspiels Erfolgreiche Kommunikation Sinne Watzlawick Seminar Sozialpsychologieunterricht

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Titel: Einführung in die Techniken des Rollenspiels. Erfolgreiche und gestörte Kommunikation im Sinne von Watzlawick