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Vergleich der Romane 'Emil und die Detektive' und 'Als ich ein kleiner Junge' war mit dem Schwerpunkt auf der Untersuchung der Kindheit von Erich Kästner in beiden Romanen

Hausarbeit 2004 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was versteht man unter dem Begriff Autobiographie?

3. Die Kindheit des Erich Kästner
3.1 Erich Kästners Kindheit in seinem Roman „Emil und die Detektive“
3.1.1 Die Mutterrolle
3.1.2 Die Musterknaben

4. Autobiographie in „Emil“ und „Als ich ein kleiner Junge war“

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frage, der ich mich in der vorliegenden Arbeit widmen möchte, bezieht sich auf Erich Kästners autobiographische Anteile in seinem Kinderroman „ Emil und die Detektive “. Meiner These zu Folge ist der Roman ein autobiographisches Werk, wobei hier geklärt werden soll, warum Kästner dann 29 Jahre später, im Jahre 1957, seine Autobiographie „ Als ich ein kleiner Junge war “, ebenfalls als Kinderbuch verfasst, veröffentlichen lässt. Ich möchte meinen Schwerpunkt auf die Herausarbeitung der autobiographischen Teile in „ Emil und die Detektive “ legen und dann versuchen zu klären, worin die grundlegenden Unterschiede zu seiner Autobiographie liegen, und diese somit notwendig machten. Aus meiner Sicht ist es äußerst interessant das Leben des Erich Kästner zu erforschen, denn er war ein besonders mutiger und erfolgreicher Schriftsteller, insbesondere in der Zeit des deutschen Reiches. Das „Zusehen müssen“ bei der öffentlichen Verbrennung seiner Bücher in Dresden und die zweimalige Festnahme durch die Gestapo hielten ihn jedoch nicht von seiner großen Leidenschaft, dem Schreiben, ab. Aufgrund seiner teilweise tragischen und intensiven Kindheitserlebnissen, insbesondere durch die Mutter geprägt, entsteht die Vermutung Kästner hätte dies in seinem ersten Kinderroman einfließen lassen. Der Schriftsteller wandte sich schnell einem jungen Publikum zu, den Kinder.

„Ihr Gewissen ist noch nicht korrumpiert. Ihnen dieses reine Gewissen bewahren zu helfen, gehört zu den großen Aufgaben der Erzieher und Lehrer.“[1]

Da es Kästners ursprünglicher Wunsch war Lehrer zu werden, setzte er seine pädagogischen Ziele in seinen Büchern um, denn „[n]ur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!“[2] Eine weitere Besonderheit in Kästners Biographie ist die außergewöhnlich intensive Beziehung zu seiner Mutter, der ein auffällig schwacher Bezug zu seinem Vater gegenüber steht. Dies prägte Kästner nachhaltig und lässt sich in den oben genannten Werken herausarbeiten, wie es auch mein Ziel in dieser Arbeit sein wird.

2. Was versteht man unter dem Begriff Autobiographie?

Der Begriff Autobiographie setzt sich aus den griechischen Wörtern autos (=selbst), bios (=Leben) und graphein (=schreiben) zusammen, wodurch sich seine ursprüngliche Herkunft schon selbst erklärt. Platon und Isokrates verfassten bereits in der Antike im alten Griechenland Autobiographien, die aber nach dem modernen Verständnis viel zu objektiv und stilisiert sind. Erst in der Renaissance entsteht eine „Hinwendung zur äußeren Lebenswirklichkeit“[3], wodurch der Mensch beginnt verstärkt über sich selbst nachzudenken und sich selbst reflektiert. Die Autobiographie erfährt in dieser Zeit ihre erste Blüte.

Eine Autobiographie ist die literarische Darstellung des eigenen Lebens, wobei der Autobiograph sein Leben systematisiert und durch eine chronologische Anordnung strukturiert. Ihr Ziel ist es, die Entwicklung der Persönlichkeit aus einer einheitlichen Perspektive heraus, das ganze Leben überschauend, zu beschreiben. Sie wird meist in höherem Alter oder von einem abgeklärten Standpunkt aus verfasst[4]. Motivation sind u. a. Suche nach der eigenen Identität, Rechtfertigung und Drang zu Bekenntnis[5]. Die Merkmale einer Autobiographie sind hauptsächlich ihre Authentizität, durch die Darstellung von Gefühlen, sowie Subjektivität und ein hoher Wahrheitswert bezogen auf historische und gesellschaftliche Ereignisse. Häufig bietet sie nicht nur eine authentische Beschreibung vom Leben des Autobiographen, sondern ist auch eine „Analyse der geistigen und kulturellen Strömungen einer Zeit.“[6] Die Autobiographie wird häufig, jedoch nicht ausschließlich, in der Ich-Form verfasst. Den Wert einer Autobiographie bestimmen die Unmittelbarkeit und Selbstreflektiertheit des Autors.

Mit dem Begriff autobiographischer Roman bezeichnet man eine „fiktionale Gestaltung biographischer Erlebnisse des Autors“.[7] Der Autor transponiert seine eigenen Erlebnisse in eine, von ihm erfundene, fiktionale Handlung. Die Biographie des Autors wird dadurch zu einer stilisierten Erzählung mit künstlichem Höhepunkt und Schluss. So kann der Autor durch Einfügen von erfundenen Ereignissen oder Personen mehr Spannung erzeugen und im realen Leben nicht eingetroffene, aber erwünschte, Umstände darstellen. Der Wahrheitswert der Autobiographie geht im

autobiographischen Roman also verloren. Die Aufarbeitung des eigenen Lebens in Romanform ist besonders seit den 80er Jahren sehr beliebt.

3. Die Kindheit des Erich Kästner

Erich Emil Kästner kommt am 20.02.1899 als Sohn des Sattlermeisters Emil Kästner und der Friseuse Ida Amalia Kästner, geborene Augustin in Dresden zur Welt. Seine Eltern sind bereits seit sieben Jahren, nicht unbedingt glücklich verheiratet, als der große Wunsch der Mutter einen Sohn zu bekommen erfüllt wird. Später stellt sich heraus, dass nicht Emil Kästner, sondern der langjährige Hausarzt der Familie, Sanitätsrat Dr. Zimmermann der leibliche Vater von Erich ist[8]. Doch dies erfährt der Junge erst später von seiner Mutter persönlich.

Die Kästners sind eine typische kleinbürgerliche Familie[9]. Sie wohnen in der Königsbrücker Straße in Dresden und leben von der Arbeit des Vaters in einer Kofferfabrik, sowie von verschiedenen Nebentätigkeiten der Mutter. „Sie begann für eine Firma im Stücklohn Leibbinden zu nähen.[10] “ Die Familie konnte so ihren Lebensunterhalt verbessern und zog schon sehr bald hinunter in der Königsbrücker Straße in Richtung der herrschaftlicheren Häuser mit den Vorgärten, die Kästner nicht nur in seiner Kindheit bewunderte. „Trotzdem gehört meine ganze Liebe nach wie vor den kleinen gemütlichen Häusern mit den Stiefmütterchen und Dahlien im Vorgarten.[11] “ Jedoch hatte der finanzielle Aufstieg der Kästners auch seine Grenzen und so schreibt Erich Kästner im weiteren Verlauf: „Wir zogen tiefer, weil es mit uns bergauf ging. Wir näherten uns den Häusern mit den Vorgärten, ohne sie zu erreichen.“[12] Die Mutter spielte im Leben des Schriftstellers eine herausragende Rolle. Sie war stets sehr besorgt und versuchte ihrem Erich alles zu ermöglichen, was zu ermöglichen war. Um mehr zu verdienen, begann sie ein Zimmer, der ohnehin schon kleinen Wohnung, an den Volksschullehrer Franke zu vermieten, dem noch andere Untermieter folgten. Im Gegenzug verlangte Frau Kästner von ihrem Sohn allerdings „erstklassige Leistungen in Schulen“[13] und vortreffliches Verhalten. Erich wächst mit Lehrern auf; hat also durch sie schon sehr früh einen Eindruck von deren Aufgabenfeld und ist begeistert: „Und wenn mich die Leute[…]fragten: „Was willst du denn später einmal werden?“, antwortete ich aus Herzensgrunde: „Lehrer“!“[14] Er entschließt sich nach dem Abschluss der Volksschule nun also selbst Pädagoge zu werden und beginnt mit der Ausbildung im Freiherrlich von Fletscher`schen Lehrer-Seminar. Immer wieder ist die Mutter bereit und stolz ihrem Sohn die Ausbildung erwirtschaften zu können.

„Die 34jährige Mutter erlernte den Friseurberuf, um im eigenen Schlafzimmer das Geld für die höhere Bildung des Kindes zu erschuften.“[15] Die ständige Sorge der Mutter wird von dem Sohn eher belächelt. Es wundert also nicht, dass Kästner später in seinen Schriften eine Spur ironisch-kritischer Distanzierung zu dem Vereinnahmungsbestreben seiner Mutter einbringt.[16]

Ida Kästner und der, eher im Schatten stehende Vater Emil Kästner liefern sich einen ständigen Kampf, um Erichs Liebe und machen dem Jungen dadurch in seiner Kindheit schwer zu schaffen. Kästner beschreibt sein Elternhaus als „eine Hölle“.[17].

Es war ein Konkurrenzkampf aus Liebe zu mir, und es war ein verbissener Kampf. Es war ein Drama mit drei Personen, und der letzte Akt fand, alljährlich, an Heiligabend statt. Die Hauptrolle spielte ein kleiner Junge. Von seinem Talent aus dem Stegreif hing es ab, ob das Stück eine Komödie oder ein Trauerspiel wurde. Noch heute klopft mir, wenn ich daran denke, das Herz bis in den Hals.[18]

Ida Kästner vergisst sich über der Aufopferung für ihren Sohn selbst. Das Dasein ihres Sohnes, seine Zukunft und sein Glück sind ihr alleiniger Lebensinhalt.[19] Sie wollte die vollkommene Mutter ihres Sohnes werden. So ist es auch kein Wunder, dass sie anderen Leuten gegenüber oft egoistisch, streng und hochmütig erscheint. Ihre Verzweiflung treibt sie dazu Selbstmordversuche zu begehen. Die Abschiedsbriefe sind ausnahmslos an Erich adressiert und er ist es auch, der seine Mutter fast immer nach angstvoller Suche auf einer der Brücken der Stadt findet. Sanitätsrat Dr. Zimmermann ist der einzige, dem Erich seine Sorgen um die Mutter anvertraut, doch dieser beruhigt ihn und glaubt nicht, dass Frau Kästner ernsthaft Selbstmord begehen würde.[20]

Die wichtigsten Punkte in Kästners Leben, bezogen auf meine Hausarbeit, sind also Kästners Beziehung zu seiner Mutter, das, aus den Vollkommenheitsansprüchen der Mutter, entstandene Musterknaben-Dasein, sowie das kleinbürgerliche Milieu der Kästnerschen Familie.

[...]


[1] Enderle 1960, S. 6f.

[2] Kordon ² 1995, S. 33.

[3] Metzler Literatur Lexikon 1990, S. 34.

[4] Vgl. ebd., S. 34.

[5] Vgl. ebd.

[6] Ebd.

[7] Wilpert 2001, S. 61.

[8] Vgl. Schneyder 1982, S. 19ff.

[9] Vgl. ebd., S. 14.

[10] Kästner für Erwachsene, Bd. 4, 1983, S. 42.

[11] Ebd. S. 9.

[12] Ebd. S. 44.

[13] Schneyder 1982, S.15.

[14] Kästner für Erwachsene, Bd. 4, 1983, S. 55.

[15] Ebd. S. 36.

[16] Vgl. Schikorsky. In: Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, 1995, S. 226.

[17] Ebd. S. 240.

[18] Kästner, Bd. 4, 1983, S. 94

[19] Vgl. Kordon ² 1995, S.23.

[20] Vgl. Kästner für Erwachsene, Bd.4, 1983, S. 98-101.

Details

Seiten
16
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638393508
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40971
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – EZW Fakultät
Note
2,7
Schlagworte
Vergleich Romane Emil Detektive Junge Schwerpunkt Untersuchung Kindheit Erich Kästner Romanen Großstadterzählungen Kinder Weimarer Republik

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Titel: Vergleich der Romane 'Emil und die Detektive' und 'Als ich ein kleiner Junge' war mit dem Schwerpunkt auf der Untersuchung der Kindheit von Erich Kästner in beiden Romanen