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Exegese zu Mk 2,1-12

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übersetzungsvergleich

2. Textabgrenzung

3. Kontextanalyse

4. Strukturanalyse

5. Synoptischer Vergleich

6. Literarkritik

7. Formgeschichte
7.1. Dekomposition
7.2. Gattungszuordnung
7.3. Sitz im Leben

8. Redaktionsgeschichte / Kompositionskritik

Literaturverzeichnis

Als Grundlage für die exegetische Arbeit an Mk 2,1-12 wähle ich die Übersetzung der Zürcher Bibel.

Markus 2, 1-12

1 Und als er nach einigen Tagen wieder nach Kapernaum hineingegangen war, hörte man, dass er im Hause sei. 2 Und es versammelten sich viele, sodass nicht einmal der Platz vor der Türe mehr reichte, und er verkündigte ihnen das Wort. 3 Da kamen Leute und brachten zu ihm einen Gelähmten, der von vieren getragen wurde. 4 Und da sie ihn wegen des Volkes nicht zu ihm bringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war, und nachdem sie es durchbrochen hatten, liessen sie das Bett hinab, worauf der Gelähmte lag. 5 Und Als Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es sassen aber dort etliche der Schriftgelehrten und machten sich in ihren Herzen Gedanken: 7 Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben ausser Gott allein? 8 Und alsbald merkte Jesus in seinem Geiste, dass sie sich bei sich selbst solche Gedanken machten, und er sprach zu ihnen: Was macht ihr euch da für Gedanken in euren Herzen? 9 Was ist leichter zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben, oder zu sagen: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh hinweg? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Sohn der Menschen Macht hat, auf Erden Sünden zu vergeben – sagt er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh in dein Haus! 12 Und er stand auf, hob sein alsbald sein Bett auf und ging vor aller Augen hinaus, sodass sie alle erstaunten, Gott priesen und sagten: Solches haben wir noch nie gesehen.

1. Übersetzungsvergleich

Für den Übersetzungsvergleich ziehe ich zusätzlich die folgenden sechs Bibelübersetzungen hinzu: die Gute Nachricht, die Einheitsübersetzung, die Übersetzungen nach Ulrich Wilckens, nach Luther und Jörg Zink und das Münchener Neue Testament.

Ich möchte mich beim Vergleich auf die Verse 5 und 12a beziehen, denn dort kommt es bei den Übersetzungen zu gewichtigen Bedeutungsunterschieden. Die tabellarische Darstellung der unterschiedlichen Übersetzungen von Vers 5 soll helfen, meinen Übersetzungsvergleich besser nachzuvollziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auffällig ist, dass Zink und die Gute Nachricht als Gruppe der dynamisch- gleichwertigen das Wort „Vertrauen“ gewählt haben, wogegen die übrigen von „ Glauben“ sprechen. Trotz der großen inhaltlichen Nähe implizieren diese Wörter ein anderes Verhältnis des Gelähmten und seiner Träger zu Jesus. Jemanden zu vertrauen ist viel hoffnungsvoller und persönlicher, als dem anderen zu glauben. Die Beziehung geht sogar dorthin, sich dem anderen ganz hinzugeben. Ein weiterer Übersetzungsunterschied lässt sich in Jesus Reaktion auf die Geschehnisse finden. Sowohl die Einheitsübersetzung, als auch die Zürcher, Luther, Münchener und Wilckens sprechen von der Sündenvergebung, wogegen bei der Guten Nachricht von Schuld die Rede ist. Zink hat den Ausdruck „was du Böses getan hast“ gewählt. In allen Ausdrücken geht es um ein vorangegangenes negatives Verhalten des Gelähmten, aber mit „sündigem Verhalten“ ist wohl eher ein Fehltritt gegen Gott und vielleicht die Zehn Gebote gemeint, wogegen man sich auch in weltlichen Dingen schuldig machen kann. Zink lässt keine Deutungen zu, sondern beschränkt sich auf die Darstellung des schlechten. Diese Übersetzung ist auch die einzige, die verdeutlicht, dass man durch die Sündenvergebung nah bei Gott ist.

Es folgt die Zusammenstellung der Übersetzungen zu Vers 12a.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es fällt auf, dass sich die Übersetzungen auf keine einheitliche Reaktion auf die Wunderheilung einigen können, die mit den Worten: „deine Sünden sind dir vergeben“ begann. Die Reaktionen reichen von einem negativen „entsetzt“ bzw. „erschreckt“ sein, (Münchener, Luther und Zink) über ein relativ neutrales „erstaunt“ sein (Zürcher), bis hin zum anzahlmäßig überlegenem „außer sich sein“ der Menschen (Einheitsübersetzung, Wilckens und Gute Nachricht). Allerdings lässt sich das Letztere nicht eindeutig auf eine positive oder negative Tendenz festlegen, wobei ich aber eher zu einer negativen Festlegung tendiere. Trotzdem haben all die unterschiedlichen Übersetzungen Konsequenzen für das Folgende und da Mk 2,12 der letzte Vers unserer Perikope ist, bekommt die Perikope eine besonders tiefe Prägung. Ein erstaunt sein, wie es die Zürcher Bibel umschreibt setzt eine ganz andere Richtung fest, als ein Lutherisches entsetzt sein. Aufgrund dieser Übersetzungsunterschiede wird ein ganz unterschiedliches Bild der Menschen auf Jesu Wirken dargestellt.

2. Textabgrenzung

Vor der Perikope Mk 2,1-12 geht es inhaltlich auch um eine Heilung. Neben Jesus tritt noch ein Mann auf, der unter Aussatz leidet. Nach seiner Heilung verkündigt der Mann überall, wie Jesus ihm geholfen hat, obwohl Jesus ihm dies untersagt hatte. Als daraus resultierende Folge kann Jesus in keine Stadt mehr unerkannt hineingehen und bleibt daher an einsamen Orten, wo dennoch viele zu ihm strömen. Eine Zäsur zwischen Mk 1,45 und 2,1 liegt einerseits wegen dem Wechsel des Ortes vor, da sich das Geschehene nun in der Stadt Kapernaum, genauer gesagt an einem Haus abspielt. Auch findet ein Wechsel der Personen statt. Statt des Aussätzigen kommt hier ein Gelähmter zu Jesus, der von vieren getragen wird. Die „vielen“ werden nicht mehr nur in einem Schlusssatz erwähnt, ihr Auftreten versperrt dem Gelähmten in dieser Perikope einen direkten Zugang zu Jesus. Neu hinzukommen auch die Schriftgelehrten. Thematisch geht es nicht mehr nur um eine Heilung, da sich Jesus auch mit den Schriftgelehrten auseinandersetzen muss, die ihn wegen seiner Sündenvergebung kritisieren. In ihren Augen ist es nur Gott vorbehalten Sünden zu vergeben. Zusammengefasst lässt sich folgendes feststellen: Zwischen den beiden Perikopen Mk 1,20-45 und Mk 2,1-12 liegt ein eindeutiger Orts-, Personen-, und Themenwechsel vor.

An die 2,1-12 schließt sich die Perikope 2,13- 17 an. Die Ereignisse haben sich zunächst vom Haus weg an einen See und schließlich an den Tisch des Zöllners Levi verlagert. Als Personen treten neben Jesus seine Jünger, der Zöllner Levi, weitere Zöllner und Schriftgelehrte der Pharisäer auf. Es wird nicht explizit erwähnt, ob es sich um die oben bereits erwähnten Schriftgelehrten handelt oder ob es andere Personen dieser Gruppe sind. Diese kritisieren Jesus, der mit den Zöllnern und Sündern ein gemeinsames Mahl einnimmt. Im Übergang von der vorangegangenen Perikope zu dieser Perikope erkennt man einen Orts-, Zeit- und auch Themenwechsel, denn hier geht es nicht um eine Heilung und einen Streit, sondern das Hauptmerk ist auf den Streit gelegt.

Obwohl in 1,45 schon ein Hinweis auf die „vielen“ gegeben wird, die in unserer Perikope von Bedeutung sind, scheint mir die Zäsur zwischen 1, 45 und 2,1 tiefer zu sein, als zwischen 2,12 und 2,13. Denn in den Stellen 2,1-12 und 2,13-18 geht es jeweils um die kritische Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Schriftgelehrten. In der folgenden Kontextanalyse wird sich zeigen, dass unsere Perikope mit Mk 2,13-18 und den darauf folgenden Perikopen nicht nur eine formal festere, sondern auch eine stark inhaltliche Einheit bildet.

3. Kontextanalyse

Mir erscheint es sinnvoll, den Mikrokontext für unsere Perikope von Mk 2,1-12 bis 3,1-6 festzulegen, denn in allen fünf, im Mikrokontext vorkommenden Einzelperikopen, steht eine Auseinandersetzung zwischen Jesus und jüdischen Gelehrten im Vordergrund. In Mk 2,13-17 nimmt Jesus gemeinsam mit Zöllnern und Sündern ein Mahl ein und dies wird von den Pharisäern kritisiert. In Mk 2,18-22 und Mk 2,23-28 ist jeweils das Verhalten der Jünger Ursache für die Auseinadersetzung. In Mk 2,18-22 wollen die Pharisäer wissen, warum die Jünger nicht fasten und in der nachfolgenden Perikope reißen die Jünger am Sabbat Ähren aus, was von den Pharisäern als Verstoß gegen die Sabbatvorschriften ausgelegt wird. Mk 3,1-6 ist der Schluss dieser Perikopen und hier wird Jesus Verhalten, am Sabbat einen Mann mit erstorbener Hand zu heilen, kritisiert. Für diese Festlegung des Mikrokontextes spricht sich auch Ernst aus. Er schreibt: „ die fünf galiläischen Streitgespräche sind eine geschlossene thematische Einheit, die in deutlichem Kontrast zu dem hoffnungsvollen Anfang in Kafernaum und den umliegenden Ortschaften(1,16-45) steht“[1]. Auffällig ist, dass die galiläischen Streitgespräche von zwei Heilungen umrahmt sind. Ein weiterer interessanter Ansatz ist die Feststellung, dass in den Perikopen dreimal auf Jesu Tod hingewiesen wird. In Mk 2,7 wird er der Gotteslästerung beschuldigt, was in 14,64 zum Todesurteil gegen Jesus führt. In 2,19-22 lesen wir, dass die Jünger nicht fasten, da der Bräutigam noch unter ihnen ist und in 3, 6 überlegen die Pharisäer wie sie Jesus ins Verderben bringen könnten.

[...]


[1] Ernst, Markus S. 83.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638393645
ISBN (Buch)
9783640684656
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v40992
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Schlagworte
Exegese Einführung Arbeit Neuen Testament

Autor

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Titel: Exegese zu Mk  2,1-12