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Epidemiologie und Gesundheitssituation von Demenzerkrankten und Konsequenzen für pflegende Angehoerige

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Epidemiologie: Begriffsdefinition und Maßzahlen
1.2 Gesellschaftliche Relevanz der Demenzerkrankungen
1.3 Versorgungssituation

2 Demenz – Einordnung des Krankheitsbildes
2.1 Formen der Demenz
2.2 Stadien der Demenz
2.3 Epidemiologie der Demenzerkrankungen

3 Gesundheitliche Bedeutung der Demenz für die Betroffenen
3.1 Folgen der Demenz für die Gesundheitssituation und Lebensqualität
3.2 Risikofaktoren und Maßnahmen der Prävention

4 Situation pflegender Angehöriger
4.1 Belastungen und Konsequenzen der Pflegesituation für Angehörige von Demenzkranken
4.2 Hilfsangebote für pflegende Angehörige von Demenzkranken

5 Zusammenfassung und Ausblick auf künftige Herauforderungen an das Versorgungssystem und die Gesellschaft

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Entwicklung der Zahl von Demenzkranken in Deutschland bei gleich bleibenden altersspezifischen Prävalenzraten Quelle: Bickel 2001, 111 (in Ihl u.a. 2002; 182)

2 Prävalenzraten von mittelschweren und schweren Demenzen in Deutschland Quelle: Bickel 1999, (in Ihl u.a. 2002, 167)

3 Jährliche Neuerkrankungen an Demenz in Deutschland nach Alter Quelle: Gao et al. 1998, Bickel 1999, (in ihl u.a. 2002, 169)

4 Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit, Ergebnisse der EURODEM Collaborative Study und der Canadian Study of Health and Aging Quelle: Kurz 1997, 13

5 Belastungen pflegender Angehöriger Demenzkranker Quelle: Stuhlmann 1997, 70

Epidemiologie und Gesundheitssituation von Demenzerkrankten und Konsequenzen für pflegende Angehörige

1 Einleitung

Auf den folgenden Seiten soll ein Überblick über die Situation von Demenzerkrankten und den derzeitigen Problemen bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland dargestellt werden. Die besondere Beachtung dieser Erkrankung im „Vierten Bericht zur Lage der älteren Generation“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bestätigt, dass diesem Bereich verstärkte Aufmerksamkeit gebührt, nicht zuletzt durch die zu erwartenden demographische Entwicklung der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland in den kommenden Jahrzehnten.

1.1 Epidemiologie: Begriffsdefinition und Maßzahlen

Die Epidemiologie wird von Waller als eine wichtige Methode der Gesundheitswissenschaft zur Beschreibung und Erklärung von Krankheiten in der Bevölkerung bezeichnet. (Waller 2000, 39) Sie befasst sich mit den physikalischen, chemischen, psychischen und sozialen Determinanten und deren Folgen in einer Bevölkerung und teilt sich auf in

- die deskriptive Epidemiologie, die die Entstehung, den Verlauf und die Modifikation von Krankheiten beschreibt;
- die analytische Epidemiologie, die quantitative Aussagen über pathogenetische und verlaufsbeeinflussende Faktoren trifft;
- die experimentielle Epidemiologie, welche kontrollierend in das Untersuchungsgeschehen eingreift und die Folgen beobachtet

(vgl. Hildebrandt 1998, 441).

Die Morbidität als Maßzahl epidemiologischer Studien beschreibt die Krankheitshäufigkeit innerhalb einer Population und wird in zwei bestimmten Größen, der Inzidenz und Prävalenz ausgedrückt (vgl. Hildebrandt 1998, 1039). Die Inzidenz bezeichnet „die Anzahl der Neuerkrankungen in einer Population während eines bestimmten Zeitraumes“ (Flick 2002, 31). Die Prävalenz steht für „die Anzahl der Fälle einer bestimmten Krankheit, die in einer Bevölkerungsgruppe während eines bestimmten Zeitraumes anzutreffen ist“ (Flick 2002, 31) und „…im Unterschied zur Inzidenz .. alle vorhandenen Krankheiten beschreibt.“ (Waller 2001, 35) Solche Schätzungen der Prävalenz sind wichtig und notwendig, um den Behandlungs- und Versorgungsbedarf bei einer Erkrankung in der Bevölkerung zu verdeutlichen und darauf aufbauend entsprechende Strategien zu entwickeln und in der Praxis umzusetzen. (vgl. Bickel 2002, 10)

Die Mortalität als ein weiterer ergänzender Begriff aus der Epidemiologie, beschreibt die Todesursachen-Häufigkeit (vgl. Waller 2001, 35) und wird unter anderem neben der Morbidität, den Risikofaktoren und Krankheitsfolgen als Indikator zur Dokumentation der Gesundheitsberichterstattung verwendet. (vgl. Flick 2002, 22 u. 23)

1.2 Gesellschaftliche Relevanz der Demenzerkrankungen

Im Vierten Bericht zur Lage der älteren Generation des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und Jugend wird die Demenz als „…eine der häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter, die neben den außergewöhnlichen Belastungen für Betroffene und Pflegende mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist“ beschrieben. (Ihl u.a 2002, 164)

Auch Hallauer bemerkt, dass „infolge der Zunahme demenzieller Erkrankungen .. erhebliche Anforderungen auf Patienten, deren Angehörige sowie die Systeme der sozialen Sicherung zukommen werden“ (Hallauer u.a. 2002, 20).

In einer Krankheitskostenanalyse zur Alzheimer-Demenz aus dem Jahr 2000 von Hallauer u.a. ergaben sich durchschnittliche Kosten über alle Schweregrade der Erkrankung hinweg von rund 43 800 € pro Patient und Jahr, wobei im Gegensatz zu anderen Studien hier der Produktivitätsverlust ebenso wie die Kosten von Patienten und Angehörigen einbezogen wurden. (vgl. Hallauer u.a. 2002, 20)

Die zu erwartende Belastung des Sozialsystems und der Familien veranschaulicht die folgende Tabelle:

Tab. 1: Entwicklung der Zahl von Demenzkranken in Deutschland bei gleich bleibenden altersspezifischen Prävalenzraten (Angaben in 1 000),

Quelle: Bickel 2001[1], 111 (in Ihl u.a. 2002, 182)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Entwicklung bringt erhebliche Herausforderungen mit sich:

„Es werden erhebliche zusätzliche finanzielle Belastungen entstehen, wenn ehrenamtliche Hilfe durch professionelle Hilfe ersetzt werden muss, wenn das familiäre Pflegepotenzial aufgrund niedriger Geburtenraten, erhöhter Mobilität und Berufstätigkeit von Frauen abnimmt, wenn die familiäre Solidarität durch Scheidung erschüttert wird und wenn die Bereitschaft und Fähigkeit von Angehörigen, demenzkranke Familienmitglieder zu pflegen, abnimmt.“ (Weyerer/Kuhlmey 2002, 182)

1.3 Versorgungssituation

Die medizinische und pflegerische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Demenzerkrankungen ist leider trotz zunehmender Behandlungsmöglichkeiten häufig unzureichend. (vgl. Hallauer/Kurz 2002, IX)

Im Bereich der medizinischen Versorgung werden trotz der Möglichkeit erhebliche Folgekosten der Demenzerkrankung einzuschränken, nur 20% der Erkrankten einer adäquaten Therapie unterzogen. Dies liegt vor allem an Wissenslücken vieler Hausärzte im geriatrischen und gerontopsychiatrischen Bereich, weshalb eine aktive Frühdiagnostik und rechtzeitige Behandlung nicht im ausreichenden Maß stattfindet. (vgl. Hesse 2002, 52)

Ein weiterer Grund der bestehenden Unterversorgung liegt in der sinkenden Frequenz der Konsultationen bei Hausärzten und Nervenärzten mit der Zunahme der Demenzerkrankung der betroffenen Patienten. Diese Tendenz ist kein Ausdruck für ein abnehmendes Versorgungsbedürfnis, sondern findet seinen Grund in der mangelnden Krankheitseinsicht und der häufigen Weigerung der Betroffenen, notwendige ärztliche Hilfe in Anspruch zunehmen. (vgl. Ihl u.a 2002, 175)

Bei der stationären Behandlung akuter gesundheitlicher Probleme von Dementen in den Allgemeinkrankenhäusern entstehen, aufgrund der Trennung Erkrankter von ihren Bezugspersonen, der fremden Umgebung mit geringen Orientierungsmöglichkeiten und der ungewohnten Abläufe Verhaltensauffälligkeiten in Form von Ängstlichkeit, Aggression und nächtlicher Unruhe, die die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen erschweren und oft zu einer vorzeitigen Entlassung führen. (vgl. Ihl u.a 2002, 175)

Fortschritte in der stationären Versorgung konnten besonders in der Gerontopsychiatrie erzielt werden, wo aufgrund einer verbesserten Diagnostik und Behandlung die Lebensqualität der Betroffenen gesteigert werden konnte. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass es, verursacht durch die Psychiatrieplanung, in nächster Zeit zu Verlusten in den Kapazitäten der Gerontopsychiatrie kommen wird. Das bedeutet letztlich eine Verschlechterung der Situation dementer Patientinnen und Patienten. (vgl. Lohse 2002, 70)

In diesem Zusammenhang kritisiert Wächtler ein weiteres Problem, „… daß unterschiedliche Kostenträger für bestimmte Maßnahmen zuständig sind, wodurch die Kontinuität der Kostenübernahme in einem Behandlungsprozeß unterbrochen wird und bei der Entwicklung geeigneter therapeutischer Einrichtungen keine Absprache erfolgt.“ (Wächtler 1997, 2)

Im Bereich der nichtärztlichen Versorgungsformen wurden in den letzten

Jahrzehnten wichtige Alternativen zur vollstationären Heimunterbringung wie ambulante Pflegedienste, Kurzzeitpflege, Beratungsstellen, Memory-Kliniken, Urlaubsangebote, Betreuungsgruppen und Helferinnenkreise entwickelt, die allerdings nicht immer flächendeckend zur Verfügung stehen. Diese Einrichtungen ermöglichen eine langfristigere häusliche Pflege und bieten für pflegende Angehörige Entlastungsmöglichkeiten im physischen und psychischen Bereich. (vgl. Jansen 2002, 76)

[...]


[1] Bickel, H. (2001): Demenzen im höheren Lebensalter: Schätzungen des Vorkommens und der Versorgungskosten. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 34, S. 108 - 115

Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638394840
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41156
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Epidemiologie Gesundheitssituation Demenzerkrankten Konsequenzen Angehoerige

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