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Lola rennt - Analyse und Interpretation eines postmodernen Films

Hausarbeit 2005 12 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Information

3. Formalästhetische Analyse
3.1. Struktur des Films
3.1.1. Pre Credit Sequenz
3.1.2. Credit Sequenz
3.1.3. Establishing Scene
3.2. Filmsprachlich – stilistische Realisierung

4. Lola rennt: Ein Computerspiel

5. Persönliche Stellungnahme

6. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Da ich bereits alle Filme des Regisseurs Tom Tykwer gesehen habe und ich von dem Thema und der besonderen Machart des Films Lola rennt sofort fasziniert war, habe ich mich für eine kurze Analyse und Interpretation diese Films, in Form einer schriftlichen Hausarbeit, entschieden. Ich habe bereits ein Referat zu diesem Thema gehalten und ein entsprechendes Handout mit verschiedenen Folien angefertigt. Somit soll diese Arbeit als Ergänzung zu den vorhergehenden Arbeiten dienen.

Der Film hat sehr viele verschiedene und interessante Aspekte und kann aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln analysiert werden. Da ich mich jedoch auf eine Seitenzahl von fünf bis zehn Seiten beschränken soll, bin ich der Meinung, dass ich die Inhalte meines bereits gehaltenen Referates in meiner Hausarbeit noch einmal explizit schriftlich bearbeiten und erweitern werde. Auf die Frage, warum Lola rennt als ein allgemeines Spiel zu verstehen ist, gehe ich allerdings nicht näher ein, da dies den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde. Im Handout ist dieser Aspekt in kurzer Form jedoch schriftlich festgehalten.

Diese Arbeit beschäftigt sich in ihrem Aufbau somit zuerst mit der formalästhetischen Analyse des Films, wobei ich auf die Exposition und ihre Bestandteile näher eingehen werde. In einem weiteren Schritt beantworte ich die Frage, warum der Film in hohem Maße an das Computerspiel angelegt ist. Die besondere Machart von Lola rennt soll hiermit hervorgehoben werden.

Abschließend werde ich in einer Stellungnahme meine persönliche Sichtweise in Bezug auf den Film zum Ausdruck bringen, wobei ich den Aspekt der Sozialarbeit mitberücksichtige.

2. Allgemeine Filminformation

„Ich hatte seit Ewigkeiten ein Bild im Kopf, das Bild einer Frau mit feuerroten Haaren, die verzweifelt und entschlossen rennt und rennt und rennt“, sagt Tom Tykwer über seine erste Idee zu Lola rennt. Keine Geschichte; eine visuelle Idee. Die Visualität von Lola rennt ist ein unablässiges Bombardement des Publikums mit Bildern (Vgl. RADECK 2004: 7.)

Lola rennt ist eine deutsche Produktion aus dem Jahr 1998 unter der Regie Tom Tykwers, der zugleich als Drehbuchautor fungiert. Der Film ist eine Film - Fernsehen - Koproduktion,

„eine seit Jahrzehnten in Deutschland häufig herangezogene Form für anspruchsvolle Verfilmungen,“ (GAST 1996: 17) von X-Filme Creative Pool mit WDR, Arte, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Filmboard Berlin-Brandenburg, Filmförderungsanstalt und BMI. In den Hauptrollen sind zu sehen Franka Potente als Lola und Moritz Bleibtreu als Manni. Auch die Nebenrollen sind mit bekannten deutschen Schauspielern besetzt wie Armin Rohde, Joachim Król, Heino Ferch, Nina Petri. Die Filmmusik stammt ebenfalls von Tom Tykwer, unter Mitarbeit von Johnny Klimek und Reinhold Heil. Lola rennt hatte großen nationalen und internationalen Erfolg, sowohl an der Kinokasse, als auch bei der Kritikerzunft.

3. Formalästhetische Analyse

3.1. Struktur des Films:

Der Film ist durch klare Zäsuren in eine Exposition, drei Alternativepisoden sowie zwei eingeschobene Sequenzen unterteilt. Die Exposition ist wiederum gegliedert in eine:

- Pre Credit Sequenz
- Credit Sequenz
- Establishing Scene

In der Literatur spielen die ersten Sätze, der erste Absatz, der erste Akt eines Textes eine sehr große Rolle. Die Exposition setzt die Grundstimmung, führt Personen und Situationen ein und gibt oft konkrete Hinweise auf eine mögliche Entwicklung, vielleicht sogar schon auf das Ende. Der Prolog im antiken Drama, die Naturschilderung der „gehobenen Literatur“, der Blitz- und Donnereffekt in der Actionliteratur sind wichtige Elemente, um den Leser zu fesseln. Genauso ist es beim Film. Zunächst einmal ist aus wahrnehmungspsychologischer Sicht die Aufmerksamkeit in den ersten Minuten besonders hoch. Am Anfang wird die atmosphärische Grundstimmung etabliert. Deshalb bemühen sich die Filmemacher, mit den ersten Einstellungen eine Sogwirkung zu erzielen, welche die Zuschauer in das Geschehen hineinzieht und bis zum Schluss nicht mehr loslassen soll.

Bei der Exposition von Lola rennt geht Tom Tykwer deduktiv vor, das heißt er geht vom Allgemeinen zum Besonderen. Die Exposition führt in Lolas allgemeine Situation ein, und deutet bereits die Grundzüge der späteren Handlung an. Vor dem Beginn der Establishing Scene - der konkreten Ausgangssituation - erreicht er den Zuschauer sozusagen außerhalb von Raum und Zeit.

3.1.1. Pre Credit Sequenz:

Der eigentlichen Handlung kann eine Vorgeschichte, eine sogenannte Pre Credit Sequenz vorangestellt sein, die vor der Titelsequenz erzählt wird. Häufig besteht eine Pre Credit Sequenz aus einer „in sich geschlossenen Szene“ (KAMP/RÜSEL 1997: 112.) Nahezu alle enden mit einem Knalleffekt und haben „die Funktion eines ersten dramatischen Höhepunkts.“ (KAMP/RÜSEL 1997: 112.)

Die deduktive Vorgehensweise von Tom Tykwer wird in dieser Vorgeschichte besonders deutlich: Er liefert als erste Einstellung die Zitate von T.S. Eliot und Sepp Herberger, welche er als Text einblendet. Die Aussagen der Zitate sind als eine Art Grundthese des Films anzusehen, deren Stimmigkeit sich im Film erweisen muss. Es muss sich zeigen, ob die Charaktere des Films vor der Handlung/dem Spiel dastehen wie nach der Handlung/dem Spiel. Und ob Sepp Herbergers Aussage tatsächlich die filmrelevanten Punkte des Eliots-Zitats wiedergibt. Das Zitat von T. S. Eliot stammt zudem aus seinem Gedichtszyklus Four Quartets, genauer aus dem Quartet Little Gidding. Das Thema dieses Zyklus ist die Beziehung zwischen Zeit und Ewigkeit, die Bedeutung der Geschichte, das Erreichen eines Augenblicks zeitloser Einsicht.

Nach diesen beiden allgemeinen Motti zeigt Tykwer ein schwingendes Pendel und im Ton ein uhrgemäßes Ticken. Aus dem Ticken erwächst ein Rhythmus, der fast alle weiteren Teile des Films begleitet und viele dominiert. Wie die beiden Zitate so geben auch Zeit und Rhythmus den Rahmen vor, indem sich ein jedes Menschenleben zu bewegen hat. Danach zeigt Tykwer eine graue, anonyme Menschenmasse. Dabei spricht eine „Off-Stimme“ - Hans Paetsch, dem deutschen Märchenerzähler der siebziger Jahre - wie aus einem Dokumentarfilm über eine besonders interessante Lebensform: den Menschen und seine grundlegenden Fragen und Erfahrungen. Daraufhin werden allmählich aus der anonymen Menschenmasse spätere Figuren des Films herausgegriffen. Der dramatische Höhepunkt ist der von einem weiteren Sepp Herberger Zitat begleitete „Kick - off“ des Films durch den Wachmann Schuster.

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638395113
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41209
Institution / Hochschule
Hochschule Ravensburg-Weingarten – Sozialwesen
Note
1,3
Schlagworte
Lola Analyse Interpretation Films Einführung Filmanalyse

Autor

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