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Inwiefern werden Kinder von Märchen beeinflusst? "Kinder brauchen Märchen" von Bruno Bettelheim

Hausarbeit 2018 17 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung „Kinder brauchen Märchen“

2 Biografien
2.1 Biografie Bruno Bettelheim
2.2 Biografie Sigmund Freud
2.3 Biografie Brüder Grimm

3 Definition von Märchen

4 Freuds Psychoanalyse in Bezug zu Bettelheim
4.1 „Es“, „Ich“ und „Über-Ich“
4.2 Bewusstseinsebenen
4.3 Phasen der psychosexuellen Entwicklung
4.4 Übertragung von Psychoanalytischen Thesen auf Märchen
4.5 Aufgaben des Märchens nach Bettelheim
4.6 Symbole in Märchen und die Bedeutungen für das Kind

5 Fazit
5.1 Aktuelle Relevanz von Bettelheims „Märchentheorie“
5.2 Eignung von Märchen als Theaterstoff mit politischer Relevanz

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung „Kinder brauchen Märchen“

Für Bruno Bettelheim sind Märchen eines der wichtigsten Instrumente der Persönlichkeitsbildung, die über eine reine Wissensvermittlunghinausgehen. Gerade in der Stimulierung der Fantasie, die durch Märchen bewirkt wird, sieht er für Heranwachsende ein enormes Entwicklungspotenzial. Das Kind kann durch das kulturelle Angebot, in Form von Märchen, seine Wahrnehmungsfähigkeit für die Sinnhaftigkeit oder Sinngebung ausbilden. Unter Einsatz seiner Fantasie kann es dazu befähigt werden, sich flexibel in der Welt zu orientieren und wird oder bleibt visionsfähig. Für Bettelheim bildet das Märchen den Ort, an dem sich Menschen entwickeln können.

In seinem Buch „Kinder brauchen Märchen“ beschäftigt er sich mit den persönlichkeitsbildenden Aufgaben von Märchen. Zur Bekräftigung seinerTheorien, bezieht sich Bettelheim überwiegend auf Märchen der BrüderGrimm und auf die arabischen Märchen aus „Tausend und einer Nacht“.Bettelheim erklärt aus seiner psychoanalytischen Perspektive heraus,warum Märchen für Kinder so wichtig und fesselnd sind.Der Bestseller (im Original: „The Uses of Enchantment“ von 1976)erscheint 1977 erstmals in deutscher Übersetzung. Die Veröffentlichungfällt in eine Zeit, in der Märchen als Instrumente bürgerlicher Repressionbetrachtet werden. Die Gewaltdarstellungen, vor allem in den Erzählungender Brüder Grimm, spielen in diesen märchenkritischen Debatten einezentrale Rolle.

Im Verlauf soll die Wirkung verschiedener Elemente in Märchen, auf das Unterbewusstsein des Kindes, im Zusammenhang mit Freudspsychoanalytischen Thesen, beleuchtet werden.

In der Schlussbetrachtung soll der Frage nachgegangen werden, welcheRelevanz Märchen heute noch, auch in der Theaterlandschaft, haben.

2 Biografien

2.1 Biografie Bruno Bettelheim

Bruno Bettelheim wird am 28. August 1903 in Wien geboren.

1938 nach Beendigung seines Philosophiestudiums an der Universität inWien, wo er auch Psychoanalyse Vorlesungen von Freud besucht, kommter in das Konzentrationslager Dachau und danach nach Buchenwald.

1939 erhält er die Freiheit und emigriert in die USA.

Von 1944 bis 1973 lehrt er als Professor für Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Chicago und leitet die „Orthogenic School“ für „verhaltensgestörte Kinder“.

1976 veröffentlicht er „The Uses of Enchantment“ (1977 mit dem deutschen Titel „Kinder brauchen Märchen“).

Wichtige Werke: „Erziehung zum Überleben“ (1979), „Kinder brauchen Bücher“ (1982), „Freud und die Seele des Menschen“ (1982).

Am 13. März 1990, nimmt sich Bruno Bettelheim das Leben.(Vgl. http://www.litde.com/autoren/bettelheim-bruno.php)

2.2 Biografie Sigmund Freud

Sigmund Freud wird am 6. Mai 1856 in Freiberg geboren.

1860 zieht die Familie nach Wien, dort studiert er Medizin und habilitiert im Fach Neuropathologie.

1885 macht er eine Studienreise nach Paris, wo er über Hysterie, Hypnose und Suggestion Anschauungsunterricht erhält.

1886 eröffnet er seine Privatpraxis.

1902 wird er Professor und in den darauffolgenden Jahren, wird diePsychoanalyse zu einer international anerkannten Wissenschaft.

1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Macht.

1938 emigriert die Familie Freud nach London.

Wichtige Werke: „Die Traumdeutung" (1900), „Totem und Tabu“ (1913), „Jenseits des Lustprinzips“ (1920), „Das Ich und das Es" (1923).

Am 23. September 1939 stirbt Sigmund Freud.

(Vgl. http://gutenberg.spiegel.de/autor/sigmund-freud-182)

2.3 Biografie Brüder Grimm

Jacob Grimm wird am 04.01.1785 und sein Bruder Wilhelm Grimm am 24.02.1786 im hessischen Hanau geboren.

1802 bzw. 1803 nehmen sie ihr Studium der Rechtswissenschaft auf und entwickeln immer mehr Interesse an der deutschen Literatur.

1806 beginnen sie Volkslieder, Märchen und Sagen zu sammeln.

1812 erscheinen die von beiden Brüdern gesammelten Geschichten als Buch, mit dem Titel „Kinder- und Hausmärchen“.

1829 gehen die Brüder Grimm an die Universität nach Göttingen, wo sie als Bibliothekar und Professor arbeiten.

Wichtige Werke: „Kinder- und Hausmärchen“, zweiter Band (1815), „Deutsche Grammatik“ (1819), „Deutsche Mythologie“ (1835), „Deutsches Wörterbuch“ (1854). 1859 stirbt zuerst Wilhelm und 1863 auch Jacob Grimm.

vgl. http://www.zeno.org/Literatur/M/Grimm,+Jacob+und+Wilhelm/Biographie

3 Definition von Märchen

Märchen sind Prosaerzählungen, die übernatürliche Elemente enthaltenund insofern als frühe Vorläufer der phantastischen Literatur geltenkönnen. Ihre Stoffe stammen aus mündlich überlieferten volkstümlichenTraditionen. Der Begriff ist abgeleitet vom mittelhochdeutschen „maere“ (Kunde, Nachricht). Im Gegensatz zum mündlich überlieferten und anonymen Volksmärchen, steht das Kunstmärchen, dessen Autor bekannt ist, wie beispielsweise im deutschsprachigen Raum die Sammlung derBrüder Grimm.

Märchen können je nach Erzähler unterschiedlich ausgeformt sein. Fest ist jedoch in der Regel ihr Erzählkern (Handlung, Figuren, Motive oder Bildsymbole wie die Dornenhecke in „Dornröschen“).

Charakteristisch für Märchen ist unter anderem das Erscheinen fantastischer Elemente in Form von Hexen, Riesen, Zwergen, Geistern und Fabelwesen. Gleichzeitig erzählen sie viel über die gesellschaftlichenBedingungen und Familienstrukturen zur Zeit ihrer Entstehung. Nach derschriftlichen Fixierung der Volksmärchen folgt, anstelle der mündlichenWeitergabe, eine multimediale Auseinandersetzung. Zu nennen wären daunter anderem, das Weihnachtsmärchen am Theater und die DisneyVerfilmungen berühmter Grimms Märchenvorlagen (Schneewittchen,Aschenputtel usw.).

(Vgl.https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rchen)

4 Freuds Psychoanalyse in Bezug zu Bettelheim

4.1 „Es“, „Ich“ und „Über-Ich“

Nach Freud besteht die Psyche des Menschen aus drei Teilen. Dem „Es“,dem „Ich“ und dem „Über-Ich“. Dazu stellte er die These auf, dass sichetwa 90% der Entscheidungen eines Menschen aus dem „Unbewussten“heraus entwickeln.

Das „Es“ übernimmt die Rolle des „Unbewussten“. Hierbei stellt das „Es“ einen triebhaften Zweig der Psyche dar, der keine Zeit, keinenWiderspruch und keine Ablehnung kennt. Diese Triebe, Bedürfnisse und Gemütszustände nimmt ein Mensch unbewusst wahr, und richtet sein Handeln zum größten Teil danach aus.

Das „Ich“ hat die Aufgabe, die Wünsche zwischen dem „Es“ und dem „Über-Ich“ zu vermitteln. Das „Ich“ sucht nach Lösungen und wird bewusst wahrgenommen.

Aus dem „Über-Ich“ entstehen Verhaltensweisen, Ideale und erlernteEinstellung der Umwelt gegenüber. Hierbei werden das Gewissen und Werte gebildet. Auch die Ansichten von Gut und Böse, Verbote undGebote entstehen aus dieser Entwicklungszeit. Das „Über-Ich“ ist daspassende Gegenstück zum „Es“, wobei aber das „Ich“ und das „Über-Ich“ aus dem „Es“ heraus entstehen.

4.2 Bewusstseinsebenen

Das Bewusstsein wird in drei Ebenen, das „Bewusste“, das „Vorbewusste“und das „Unbewusste“ unterteilt. Diese unterschiedlichen Anteile derPersönlichkeit können Auswirkungen auf das menschliche Verhaltenhaben.

Das „Bewusste“ umfasst das im Moment bewusste Erleben, die augenblickliche Wahrnehmung und die Gedanken. Bewusst ist alles, was gerade gedacht wird.

Das „Vorbewusste“ umfasst Erinnerungen und Wissensinhalte, die durch aktive Aufmerksamkeit in das Bewusstsein gebracht werden können. Vorbewusst ist alles, was aktiv erinnert werden kann, wie Erinnerungen von Wahrnehmungen, Erlebnissen, Personen und vieles mehr, auf das man nicht sofort zugreifen kann, sondern erst nach aktivem Suchenwieder ins Gedächtnis bringen kann.

Das „Unbewusste“ oder Unterbewusstsein beinhaltet verdrängte, zum Teil unangenehme Erinnerungen oder nicht erlaubte Triebwünsche.Unbewusste Inhalte sind jene, die man selbst bei größter Anstrengung nicht aufrufen kann. Es gibt Methoden, wie beispielsweise diePsychoanalyse und die Hypnose, die einen Zugang zum „Unbewussten“ verschaffen können. Nach Bettelheim stellen Märchen die Möglichkeit dar, dem Kind Zugang zum „Unbewussten“ zu gewähren.

4.3 Phasen der psychosexuellen Entwicklung

Orale Phase (1. Lebensjahr)

Die „ES-Impulse“ haben Vorrang. Die Mundregion ist das primäre Bezugsorgan. Säuglinge und Kleinkinder verbringen viel Zeit damit, am Daumen oder Zehen zu lutschen. Die Mutter wird als Quelle der Sicherheit angesehen und es besteht eine starke Furcht vor Liebesverlust.

Narzisstische Phase (2. Lebensjahr)

Das Kind entdeckt den eigenen Körper und entwickelt dabei Lustgefühle(Autoerotismus). Dieses Verhalten ist die Urform der Selbstliebe(Narzissmus). Störungen in dieser Phase können im Erwachsenenalter zuVerminderung des Selbstvertrauens und der Selbstachtung führen.

Anale Phase (2.-3. Lebensjahr)

Entstehung des „Ich“. Die Körperausscheidungen stellen die primäreLustquelle dar. Es können erste Konflikt mit den Eltern, auf Grund derSauberkeitserziehung entstehen. In dieser Phase wird das Ausscheidenund später auch das Zurückhalten von Exkremente als lustvollempfunden.

Phallische Phase (3.-6. Lebensjahr)

Das Interesse richtet sich auf die eigenen Genitalien, auf die der Spielgefährten und der Eltern. Es treten Rivalitätsgefühle gegenüber demgleichgeschlechtlichen Elternteil auf, der andersgeschlechtliche wirdgeliebt. In der phallischen Phase kommt es zur Übernahmegeschlechtlicher Moralbegriffe und zur Entwicklung des „Über-Ich“(Gewissen).

Latenzphase (6. - 12. Lebensjahr)

Es tritt eine scheinbare Unterbrechung der sexuellen Entwicklung ein. Es ist die Zeit relativer Ruhe. Sexuelle Wünsche werden im Unterbewusstsein bewahrt. Die psychische Energie wird kanalisiert und in konstruktive und sozial akzeptierte Handlungen umgewandelt.

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Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668635722
ISBN (Buch)
9783668635739
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v412256
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Theaterwissenschaften
Note
Schlagworte
inwiefern kinder märchen bruno bettelheim

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Titel: Inwiefern werden Kinder von Märchen beeinflusst? "Kinder brauchen Märchen" von  Bruno Bettelheim