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Sport im Nationalsozialismus. Leibeserziehung an den NS-Ausleseschulen

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Sport in der Zeit des Nationalsozialismus
2.1 Der öffentliche Sport
2.2 Formationssport
2.3 Die Hitlerjugend

3. Das Schulsystem im Dritten Reich
3.1 Schulsport

4. Sport an nationalsozialistischen Ausleseschulen
4.1 Leitmotive in der politischen Leibeserziehung
4.1.1 Natürlichkeit
4.1.2 Mut
4.1.3 Gesundheit
4.1.4 Kraft
4.1.5 Ehre
4.2. Sport an Adolf-Hitler-Schulen
4.3. Sport in den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napolas)

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Welche Bedeutung hat Sport? Diese Frage lässt sich nicht ohne weiteres beantworten. So muss man zum Beispiel abwägen, wen man fragt. Oder auch in welcher Zeit die Bedeutung eine Rolle spielen soll. In der heutigen Zeit ist Sport für viele eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Viele Menschen treiben aktiv Sport, sind Mitglied in einem Sportverein oder Fitness-Studio, schauen sich ein Spiel in der städtischen Sporthalle an oder verfolgen zum Beispiel die Bundesliga oder Biathlon im Fernsehen. Sport ist somit zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens geworden. Immer mehr Menschen treiben Sport, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Wohnort. Doch was ist der Grund dafür? Wenn man die Entwicklung in den Lehrplänen betrachtet, so hat die Bedeutung des Sports als Unterrichtsfach offensichtlich abgenommen. Gerade Veränderungen im Schulsystem wie G8 bringen oft eine Kürzung jener Fächer mit sich, deren Bedeutung oft strittig ist. Wie viel Sportunterricht Schüler/innen in welchem Alter und in welcher Intensität brauchen, wird wahrscheinlich immer ein Diskussionspunkt bleiben. Doch angesichts der Problematik, dass Deutschland immer dicker wird und auch die deutschen Kinder ein Adipositasproblem haben, wird dem Sport meiner Meinung nach in der heutigen Zeit eine sehr große Bedeutung beigemessen. Auch die Attraktivität spielt in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle. So haben sich das Sporttreiben an sich und sein Equipment zu einer ganz eigenen Kultur entwickelt. Fitness-Studios, Fitness-Bekleidung, Fitness-Ernährung. Fitness boomt. Doch welche Bedeutung hatte der Sport vor 70 Jahren? Zur Zeit des dritten Reiches, als die Politik versuchte, in alle Bereiche, vor allem auch in den Sport, Einfluss zu nehmen? Gab es Unterschiede, was die Bedeutung des Sports in unterschiedlichen Institutionen anbelangt? Diese Fragen möchte ich in dieser Hausarbeit versuchen, zu beantworten. Dafür werde ich zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Formen des Sports geben. Anschließend werde ich dann den Fokus auf die Ausleseschulen des NS-Regimes richten. Im Anschluss daran soll in der Zusammenfassung reflektiert, welche Bedeutung der Sport im Nationalsozialismus hatte.

2. Sport in der Zeit des Nationalsozialismus

Die Bedeutung des Sports für die Erziehung während des Nationalsozialismus wird von Hitler schon früh betont. In Mein Kampf heißt es, es dürfe „kein Tag vergehen, an dem nicht mindestens vormittags und abends je eine Stunde lang körperlich geschult wird, und zwar in jeder Art von Sport und Turnen“ (Hitler, 1940, S. 451 f, zit. nach Joch, 1976, S. 25).

Auch im Parteiprogramm von 1920 wird die Bedeutung des Sports im Punkt 21 deutlich:

„Der Staat hat für die Hebung der Volksgesundheit zu sorgen (...) durch Herbeiführung der körperlichen Ertüchtigung mittels gesetzlicher Festlegung einer Turn- und Sportpflicht, durch die größte Unterstützung aller mit körperlicher Jugendbildung beschäftigten Vereine“

(Hofer, Nationalsozialismus, 1957, S. 30).

Interessant ist auch, dass der körperlichen Schulung eine höhere Bedeutung beigemessen wird als der geistigen. So heißt es in Mein Kampf:

„so muß (sic) (...) die Erziehung zu allererst die körperliche Gesundheit ins Auge fassen und fördern“ und der Staat solle sich nicht auf die Wissensvermittlung versteifen, sondern „auf das Heranzüchten kerngesunder Körper“. Des Weiteren heißt es an dieser Stelle:

„Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung geistiger Fähigkeiten. (...) Der völkische Staat muß (sic) dabei von der Vorraussetzung ausgehen, dass (sic) ein zwar wissenschaftlich gebildeter , aber körperlich gesunder Mensch mit gutem, festem Charakter, erfüllt von Entschlußfreudigkeit (sic) und Willenskraft für die Volksgemeinschaft wertvoller ist als ein geistreicher Schwächling“

(Hitler, 1940, S. 451 f, zit. nach Joch, 1976, S. 25).

Hitler betont, dass Sport keine individuelle Angelegenheit sei, sondern eine Erziehungsaufgabe durch den Staat, der diese so einzurichten hat „dass (sic) junge Körper schon in ihrer frühesten Kindheit zweckentsprechend behandelt werden und die notwendige Stählung für das spätere Leben erhalten. (...) Der völkische Staat hat die körperliche Ertüchtigung nicht nur in den offiziellen Schuljahren durchzuführen und zu überwachen, er muß (sic) auch in der Nachschulzeit dafür Sorge tragen, dass (sic), solange ein Junge in der körperlichen Entwicklung begriffen ist, diese Entwicklung zu seinem Segen ausschlägt“

(Hitler, 1940, S. 451f, zit. nach Joch, 1976, S. 25).

Anhand dieser Zitate wird deutlich, wie hoch die beigemessene Bedeutung des Sports im Dritten Reich ist und auch, dass der Sport als ein Instrument der Politik benutzt wurde.

Um die Bedeutung und die Entwicklung des Sports zur Zeit des Nationalsozialismus genauer zu betrachten, ist es wichtig, Leitmotive der Leibeserziehung im Dritten Reich zu kennen und zwischen öffentlichem Sport, Schulsport und Sport in Formationen und Sport zu differenzieren. Ein besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten und die Adolf-Hitler-Schulen richten.

2.1 Der öffentliche Sport

Nach der Machtübernahme der Nazis wurde sofort ein direktes Interesse am Sport deutlich. Das zeigte sich in den Maßnahmen, die unternommen wurden, um die Leibesübungen in Deutschland zu ordnen. Diese Maßnahmen wurden am 29.4.1933 eingeleitet: Hans von Tschammer und Osten, der damalige SA-Gruppenführer, wurde erst Reichssportkommissar und im Juli des gleichen Jahres Reichssportführer. Damit unterstand von Tschammer und Osten das ganze Sport- und Turnwesen Deutschlands (Vgl. Joch 1976, S. 28.)

Nach der Auflösung des Deutschen Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) entstand der Reichsführerring, dem 15 Verbände unterstanden. 1934 wurde dann der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen gegründet. Neben der Neuordnung des deutschen Sports wurden alle sportlichen Gruppen, die eine Gegenposition zum Nationalsozialismus bildeten, zerstört. Sogar die Arbeitersportbewegung wurde von den Nationalsozialisten nicht mehr als Sportorganisation anerkannt und aufgelöst. 1935 erfolgte für alle konfessionellen Sportverbände, wie zum Beispiel Deutsche Jugendkraft (DJK) und Eichenkreuz das Verbot zur Ausübung von Sport. Grenzen waren der Neuordnung im Sport nur durch die Tatsache gesetzt, dass 1936 die Olympischen Spiele in Berlin geplant waren und das NS-Regime bei ihnen nicht an Ansehen verlieren wollten. So erhielten die Nationalsozialisten sich eine Basis des Sports, indem sie die Vereine, die in Deutschlands seit langer Tradition Träger des deutschen Sports waren, nicht zerschlugen, sondern auf diese bauten. (Vgl. Joch 1976, S. 28.)

Die Olympischen Spiele waren laut dem Sportwissenschaftler Arnd Krüger[1] ein „stimmungsmäßiger Höhepunkt nationalsozialistischer Herrschaft“ (Joch, 1976, S. 28).

Die Olympischen Spiele stützen 1936 folgendes Grundmotiv der NS-Sportideologie: Die Menge der olympischen Medaillen demonstrierte der Welt die Überlegenheit des deutschen Volkes und rechtfertigte den NS-Staat und seine Maxime. (Vgl. Joch, 1976, S. 28, ff.).

[...]


[1] Prof. Dr. Arnd Krüger, Professor für Sportwissenschaft an der Universität Göttingen

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668644403
ISBN (Buch)
9783668644410
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v412399
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Sportwissenschaften
Note
3,0
Schlagworte
sport nationalsozialismus leibeserziehung ns-ausleseschulen

Autor

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