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Portfolio zur Auswertung des Allgemeinen Schulpraktikums (ASP)

Vorbereitung, Begleitung und Auswertung des ASP

Praktikumsbericht (Schule) 2015 33 Seiten

Zusammenfassung

In diesem Portfolio gebe ich zuerst einen Einblick über meine Unterrichtsbeobachtung in der Schule. Dafür schildere ich den Verlauf von der ersten Idee bis hin zur Reflexion und Auswertung. Die Fragestellung habe ich gezielt unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden untersucht und mich dabei auf relevante Literatur wie Handbuch- und Ratgeberartikel sowie ethnografische und empirische Studien gestützt. Danach stelle ich meine selbstständig vorbereitete Doppelstunde als Unterrichtsversuch vor und erläutere meine Vorgehensweise mit einer abschließenden Auswertung. In diesem eingeleiteten Perspektivwechsel der Schüler- zur Lehrerrolle beziehe ich sowohl meine eigenen als auch die Eindrücke, der zu dieser Zeit anwesenden Lehrkraft in die Auswertung mit ein. Nach diesen wichtigen Aspekten und Erfahrungen reflektiere ich meine eigene Lehrerinnenrolle in Bezug auf die Schule. Inwieweit ich mich selbst als Lehrerin mit den dazugehörigen Herausforderungen und Aufgaben sehe. Im Anschluss des Portfolios befinden sich ein Literaturverzeichnis und ein Anhang, der die relevanten Erzeugnisse des Schulpraktikums innehält.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtsbeobachtung
2.1. Vorarbeiten der Beobachtungsaufgabe
2.2. Festlegung der Fragestellung
2.3. Methodische Vorgehensweise
2.4. Beschreibung, Vergleich, Handlungsalternativen und Literaturbezug
2.5. Auswertung

3. Der eigene Unterricht
3.1. Beschreibung und Reflexion eines eigenen Unterrichtsversuches
3.2. Auswertung

4. Selbstreflexion

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literatur
5.2. Internetadressen

6. Anhang
6.1. Vorstellung der Praktikumsschule
6.2. Wochenpläne
6.3. Beobachtungsprotokolle
6.4. Einschätzung des Mentors

1. Einleitung

In dem Zeitraum vom 16.02.2015 – 20.03.2015 war ich Praktikantin an einer Kooperativen Gesamtschule (KGS) und habe dort hospitiert sowie ausgeholfen. Meine Aufgaben lagen hauptsächlich in der Beobachtung von Unterricht.

Während der Vorbereitungen auf das Praktikum habe ich mir Schwerpunkte gesetzt wie meine Studien- und Berufswahlentscheidung zu festigen sowie in das Aufgabenspektrum und die Kompetenzen von Lehrkräften hineinzublicken. Dazu wollte ich gezielte Beobachtungen durchführen und dabei sowohl Selbst- als auch Fremdbeobachtungen dokumentieren und diese kritisch reflektieren. Demnach wollte ich die Schule als meinen zukünftigen Arbeitsplatz erkunden und dabei möglichst viele Aspekte kennenlernen, die mir bei einer guten Unterrichtsplanung, -durchführung und -nachbereitung von Nutzen sein könnten. Besonderes Interesse weckten bei mir Aspekte wie zum Beispiel die Planung und Organisation einer Lehrkraft, die Durchführung von Arbeitsaufträgen, die zu erreichende Schülermotivation, die Beziehung zwischen Lehrern und Eltern, Notenvergabe, Leistungsdifferenzierung, der Schulaufbau und weitere Gesichtspunkte.

In diesem Portfolio gebe ich zuerst einen Einblick über meine Unterrichtsbeobachtung in der Schule. Dafür schildere ich den Verlauf von der ersten Idee bis hin zur Reflexion und Auswertung. Die Fragestellung habe ich gezielt unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden untersucht und mich dabei auf relevante Literatur wie Handbuch- und Ratgeberartikel sowie ethnografische und empirische Studien gestützt. Danach stelle ich meine selbstständig vorbereitete Doppelstunde als Unterrichtsversuch vor und erläutere meine Vorgehensweise mit einer abschließenden Auswertung. In diesem ein-geleiteten Perspektivwechsel der Schüler- zur Lehrerrolle beziehe ich sowohl meine eigenen als auch die Eindrücke, der zu dieser Zeit anwesenden Lehrkraft in die Auswertung mit ein. Nach diesen wichtigen Aspekten und Erfahrungen reflektiere ich meine eigene Lehrerinnenrolle in Bezug auf die Schule. Inwieweit ich mich selbst als Lehrerin mit den dazugehörigen Herausforderungen und Aufgaben sehe. Im Anschluss des Portfolios befinden sich ein Literaturverzeichnis und ein Anhang, der die relevanten Erzeugnisse des Schulpraktikums innehält.

2. Unterrichtsbeobachtung

2.1. Vorarbeiten der Beobachtungsaufgabe

Die Beobachtung, das heißt die detaillierte Wahrnehmung und Reflexion von Situationen im Bereich Schule, ist eine wichtige Kompetenz für den Lehrerberuf geworden. Deswegen ist es im Schulpraktikum wichtig, den Unterricht und die Schule aus einer wissenschaftlichen Perspektive heraus zu betrachten und diese Kompetenz zu üben.

In den ersten Tagen des Schulpraktikums habe ich mich zunächst orientiert und offene Beobachtungen durchgeführt. Dazu habe ich Dinge, Umstände und Szenen in möglichst vielen verschiedenen Klassen notiert, die mir aufgefallen sind und mein Interesse geweckt haben. Nach dem jeweiligen Tag habe ich meine Ergebnisse nachbereitet.

2.2. Festlegung der Fragestellung

Aufbauend auf diese offenen und wenig fokussierten Beobachtungen, habe ich mein Erkenntnisinteresse am Anfang der zweiten Woche auf das Spanische gelegt. Da ich selbst keine Muttersprachlerin bin, jedoch selbst als Schülerin nur von Muttersprachlern unterrichtet wurde, wollte ich herausfinden, wie sich eine Lehrkraft der Herausforderung stellt, als nicht Muttersprachler den Fremdsprachenunterricht zu gestalten. Hinzukommt, dass ich Spanisch studiere und in der Zukunft selbst mit diesem Problem konfrontiert sein werde. Ein weiterer interessanter Punkt wäre dabei gewesen, herauszufinden was passiert, wenn die SchülerInnen der Lehrkraft in der Zielsprache nicht folgen können. Meine Beobachtungsaufgabe sollte dazu lauten: Wie verwendet die Lehrkraft das Spanische im Fremdsprachenunterricht. Bei den darauffolgenden Beobachtungen ist mir jedoch aufgefallen, dass die Lehrkräfte sowohl im Spanisch- als auch im Englischunterricht zu viel und zu oft in den Sprachen wechseln, sodass es für mich fast unmöglich wurde, die Beobachtungen sorgfältig aufzuzeichnen.

Daraufhin entschied ich mich für eine andere wichtige Beobachtung, sodass mein Interesse von „Arbeitsaufträge im Unterricht stellen“ geweckt wurde. Da ich bis zum Anbruch der dritten Praktikumswoche schon in vielen verschiedenen Klassen hospitiert hatte, wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die Lehrkräfte mit diesem Themengebiet umgehen. So entschied ich mich also ab der dritten Praktikumswoche für folgende Beobachtungsaufgabe: Wie gestaltet die Lehrkraft die Arbeitsaufträge im Unterricht.

2.3. Methodische Vorgehensweise

Nachdem ich mich für diese Unterrichtsbeobachtung entschieden hatte, las ich mich in die dazu passende Literatur ein. Anhand dieser Texte habe ich überlegt, welche Fragen ich zu diesem Thema stellen könnte, was ich gerne wissen und worauf ich genau im Unterricht achten möchte. Dann ging ich in den Unterricht hinein, in dem mir die Arbeitsaufträge gut gefallen haben und der mir für mein späteres Lehrerdasein behilflich und nützlich sein könnte. Dazu hospitierte ich unter anderem bei vier verschiedenen Lehrern und verglich diese miteinander. Dabei achtete ich auf Aspekte wie Zeitangaben, Sozialformen, mündliche oder schriftliche Arbeitsaufträge. Ob die Arbeitsaufträge selbst formuliert oder aus einem Buch entnommen wurden. Diese Erkundungsfragen haben mir dabei geholfen die Beobachtungen gezielter aufzuschreiben.

2.4. Beschreibung, Vergleich, Handlungsalternativen und Literaturbezug

Das Thema Arbeitsaufträge ist sehr komplex und trotzdem wird es oft zu nachlässig behandelt. Das ist eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Arbeitsaufträge einen großen Teil des Unterrichts in Beschlag nehmen.[1] In meinen Beobachtungsprotokollen kann man erkennen, dass eigentlich der ganze Unterricht aus geleiteten Aufgaben der Lehrkraft besteht. Zu diesem Aspekt kommt die Schwierigkeit hinzu, dass man bei der Formulierung der Arbeitsaufträge viele Fehler als Lehrkraft machen kann.[2]

Im Folgenden möchte ich meine ausgewählten Beobachtungsprotokolle zum Thema Arbeitsaufträge mit Hilfe des Grundmusters von Mühlhausen und Wegner „Arbeitsaufträge durchdacht entwerfen, verständlich stellen und überprüfen“ analysieren und diese in Bezug zu anderer wissenschaftlicher Literatur setzen und auf Handlungsalternativen aufmerksam machen. Als Grundmuster kann nach Mühlhausen und Wegner folgendes Schema gelten[3]:

1. Schon vor Beginn der Äußerung des Arbeitsauftrages, muss die Lehrkraft die Situation abpassen, um dann in einer geeigneten Situation den Arbeitsauftrag zu stellen.

Dafür muss die Lehrkraft die Stimmung der Klasse beobachten und sicher gehen, dass die Kinder aufnahmefähig sind.

Im Beobachtungsprotokoll 2 ist es interessant zu beobachten, dass die Lehrerin Frau K. sich das Begrüßungsritual zur Hilfe nimmt, um die Aufmerksamkeit der SchülerInnen zu bekommen. Außerdem sorgt sie dafür, dass sich die Kinder nicht wieder ablenken lassen, indem sie den Unterricht mit der Hausaufgabenkontrolle gleichweg fortführt. Im Beobachtungsprotokoll 3 hingegen kann man sehen, dass die Kinder wegen des Raumwechsels und der Tatsache, dass die letzte Stunde begonnen hat, sehr aufgedreht und unruhig sind. Das ist eine Beobachtung, die der Lehrer zuvor zu leisten hat, um den Unterricht zielgerichtet gestalten zu können.

2. Als zweiten Schritt prüft die Lehrkraft und stellt sicher, dass Ruhe und Aufmerksamkeit der Schüler gewährleistet sind.

Im Beobachtungsprotokoll 1 handelt es sich um einen Unterrichtseinstieg, der auch einen Arbeitsauftrag birgt. Die Lehrerin gewinnt mit dem Wimmelbild die Aufmerksamkeit der SchülerInnen. Das Bild ist nicht auf dem ersten Blick zu erkennen, sodass die Kinder sehr konzentriert draufschauen müssen, um alles wahrnehmen zu können. Mit dem Wimmelbild möchte sie eine starke Schüleraktivierung erreichen. Jedoch ist die Schüleraktivität nicht so stark ausgeprägt wie es sich die Lehrkraft wahrscheinlich erhofft hatte. Erst nachdem sich der erste Schüler traut sich zu melden, zeigen auch andere Kinder in der Schulklasse auf. Dass die Lehrkraft lediglich mit einem „sí“ nach richtiger Beantwortung der Frage antwortet, kann für die SchülerInnen etwas demotivierend sein. Es heißt zwar, dass das Gesagte richtig ist, jedoch gibt es keine weitere Anerkennung. Außerdem ist es interessant, dass die Lehrerin immer wieder genau die gleiche Frage wiederholt. Sie benutzt keine anderen Worte, sondern spricht nur noch langsamer und betonter als zuvor. Jedoch ist es gerade in einer Fremdsprache wichtig, dass man den Arbeitsauftrag oder die Frage bei Nichtverstehen durch anderes Vokabular umformt, um ein Verstehen zu gewährleisten. Die Situation löst die Lehrkraft, indem sie den drangenommenen Schüler bittet, andere SchülerInnen dranzunehmen. Das ist allerdings eine sehr unglückliche Lösung. Wie man in Beobachtungsprotokoll 1 sehen kann, nimmt der Schüler eine wohl ziemlich schlechte Schülerin dran, sodass die Lehrkraft dann zusätzlich intervenieren muss und eigentlich nur einen Störfaktor darstellt. Auch im Beobachtungsprotokoll 2 wartet die Lehrkraft erst darauf, dass es ganz ruhig in der Klasse ist, bevor sie mit der Hausaufgabenkontrolle fortfährt. Zudem ist es interessant zu beobachten, wie sie die Aufmerksamkeit aller SchülerInnen bei sich behält.

Beim Stellen eines Arbeitsauftrages sollte nicht in eine allgemeine Unruhe gesprochen werden, denn es kann passieren, dass die Schüler dann akustisch nicht verstehen, worum es eigentlich geht. Dies hat natürlich zur Folge, dass sie den Arbeitsauftrag nicht bearbeiten können. Einige haben dann schon angefangen die Aufgabe zu bearbeiten, andere wiederum fragen ihren Tischnachbarn oder sogar den Lehrer. Das hat dann zur Folge, dass es sehr unruhig wird und noch weniger Schüler etwas mitbekommen oder dass man als Lehrkraft von Tisch zu Tisch gehen muss, um den Arbeitsauftrag klarzustellen.[4] Um dieses zu verhindern kann man zuvor eine Art Spannung aufbauen. Eine dramatische Darstellung, die Stimme erheben oder auch eine bedeutungsvolle Pause sind Mittel, um Aufmerksamkeit von den Kindern zu bekommen.[5]

Wie immer man auch als Lehrer nach einem nicht verstandenen Arbeitsauftrag reagiert, eine nicht verstandene Aufgabe hat zumeist ungünstige Konsequenzen, die man anschließend schwer zufriedenstellend auffangen kann.[6]

In dem Beobachtungsprotokoll 3 kann man sehen, dass Herr B. über die Unruhen hinweg-sieht und einfach mit dem Unterricht fortfährt. Als Spannungsaufbau bedient er sich der Neugierde der Kinder. Herr B. führt seinen Unterricht fort, ohne auf das Geplapper der Kinder zu achten und malt Striche an die Tafel. Das Interesse wird geweckt und da alle Kinder das Spiel Galgenraten durch die Striche schnell erkennen, wird ihr Kampfgeist geweckt und Herr B. hat die Aufmerksamkeit der Kinder für sich.

Beim Arbeitsauftrag passiert ihm allerdings der gleiche Fehler wie der Lehrkraft im Beobachtungsprotokoll 1. Bei Nichtverstehen des Arbeitsauftrages wird der exakt gleiche Satz in der Fremdsprache wiederholt. Er versucht zwar durch Gestik und mit dem Hochhalten des Buches den mündlichen Arbeitsauftrag zu verdeutlichen, jedoch gelangt er erst durch die Hilfe einer guten Schülerin zu dem Ziel, dass jeder den Arbeitsauftrag verstanden hat.

3. Die Lehrkraft formuliert den Auftrag relativ leise, aber langsam und betont sprechend.

Die Fragen sind klar zu formulieren und man sollte nicht darauf vertrauen, dass die Schülerinnen und Schüler den Arbeitsauftrag gleich wahrnehmen und verstehen. Dazu ist es ratsam den Arbeitsauftrag noch an der Tafel, dem Smartboard, dem Arbeitsblatt oder Overheadprojektor festzuhalten. Dies dient als ständige Gedächtnisstütze und ist für den Unterrichtsfluss sehr wertvoll.[7]

In dem Beobachtungsprotokoll 2 kann man sehen, dass Frau K. zusätzlich zu ihrem mündlich gestellten Arbeitsauftrag, diesen an der Tafel festhält. Sie schreibt ihn sehr gut leserlich an die Tafel. Dadurch, dass sie ihn erst mündlich gesagt hat, können die Kinder schon mit dem Arbeitsauftrag beginnen. Die Kinder, die noch Zweifel haben, warten ab, bis Frau K. mit dem Tafelschrieb fertig ist und fangen kurze Zeit danach an, zu arbeiten. Als die Lehrkraft mit dem Tafelbild fertig ist, weist sie nochmal ausdrücklich auf das Ziel der szenischen Darstellung hin und wiederholt die Zeitangabe von 20 Minuten. Das Ziel des Arbeitsauftrages muss zu erkennen sein, damit die Schüler und Schülerinnen wissen, wozu der Auftrag dient und was am Ende wichtig ist.[8] Die Übung sollte einen Nutzen aufzeigen und von Relevanz sein und keine bloße Zeitbeschäftigung.[9] Das Feedback dient den SchülerInnen zur Motivationssteigerung. Mir selbst ist aufgefallen, dass sich die Kinder gegenseitig sehr fair bewerten. Arbeitsaufträge können sowohl Motivationsfördern als auch -senkend sein. Wenn ein Schüler positives Feedback zu seiner zuvor geleisteten Arbeit bekommt, bestärkt es ihn, gibt ihm Selbstvertrauen und Selbstsicherheit.[10] Im Beobachtungsprotokoll 1 sieht man allerdings wie zuvor schon erwähnt, dass ein bloßes „sí“ als Motivation nicht ausreichend ist.

Eine präzise Zeitangabe mit Zeitdauer und Endzeitpunkt ist für eine selbstständige Arbeitsphase besonders wichtig. Dabei ist zu beachten, dass die Lehrkraft immer ein paar Minuten Reserve im Lehrplan miteinbezieht.[11] Auch Herr B. in Beobachtungsprotokoll 3 gibt die Stütze an der Tafel mit Zeitangabe. Dabei haben jeweils Herr B. und Frau K. den SchülerInnen etwas mehr Zeit gelassen, als es eigentlich vorherbestimmt war.

Falls man Gruppenarbeit arrangieren möchte, ist zu beachten, dass die Zusammenlegung nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Außerdem gibt es je nach Arbeitsauftrag und Klassenklima Herausforderungen wie Heterogenität, Leistungsdifferenzierung etc. zu bedenken. Darüber hinaus kann man bei der Einteilung der Gruppenarbeit die Präsentationsart bekanntgeben, sodass sich die Kinder schnell einig werden und es vor der Präsentation zu keinen größeren Verzögerungen kommt.[12]

In dem Beobachtungsprotokoll 2 bildet Frau K. Gruppen, indem sie Puzzleteile herausgibt. Die Gruppeneinteilung nimmt sie vor der Auftragsstellung vor. Das hat den Nachteil, dass sie nach den Pärchen-Findungen erst wieder warten muss, dass es ruhiger wird, damit sie den Arbeitsauftrag stellen kann. Zudem war es sehr interessant zu beobachten, dass oft Mädchen-Jungen-Paare entstanden sind. Das kann bei einem Thema wie Romeo und Julia und dem Ziel, die Liebe auf den ersten Blick zu verdeutlichen schwierig werden. Um dieser Situation entgegenzuwirken, bedient sich Frau K. dem Trick, dass alle SchülerInnen die Szene vorstellen müssen. Aufgrund dieser Aussage haben sich alle Kinder gemeldet, da sie es so schnell wie möglich hinter sich bringen wollten. Es ist erstaunlich wie souverän und fair die SchülerInnen miteinander umgegangen sind. Das hat mich sehr beeindruckt. Da Frau K. ihre Klasse kennt, war ihr natürlich bewusst, dass die SchülerInnen solch einen Arbeitsauftrag meistern würden. Was natürlich nicht bei jeder Klasse selbstverständlich ist. Somit werden mit diesem Arbeitsauftrag nicht nur Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch die intellektuelle und soziale bzw. moralische Entwicklung gefördert. Was nach Tulodziecki, Herzig und Blömeke ebenfalls wichtige Kompetenzen darstellen.[13]

Nach Mühlhausen und Wegner sollen die Arbeitsaufträge relativ leise formuliert werden. Mir ist aber aufgefallen, dass die Lehrkräfte ausnahmslos etwas lauter beim Stellen des Arbeitsauftrages geworden sind. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass die SchülerInnen den Arbeitsauftrag besser aufnehmen können. Wenn man jedoch den ersten und zweiten Schritt befolgt, erscheint das Lautersprechen als unnötig.

4. Die Lehrkraft bittet die Schüler, den Auftrag wörtlich zu wiederholen bzw. vorzumachen, und wartet einen Moment.

Im Protokoll 3 sieht man wie Herr B. nach der dritten Wiederholung des Arbeitsauftrages ein Kind auf Deutsch fragt, was zu machen ist. Da er nach wiederholtem Ansagen des Arbeitsauftrages schon sichtlich von der Unkonzentriertheit der Schüler genervt ist, seufzt er.

Zudem kann man beobachten, dass er wie auch Frau G. im Beobachtungsprotokoll 1 von der Situation, dass die Kinder den Arbeitsauftrag nicht so einfach lösen können, in die Muttersprache verfällt. Beide Lehrkräfte sollten sich etwas geduldiger zeigen und den Arbeitsauftrag durch anderes Vokabular umformen wie oben zuvor angesprochen.

5. Die Lehrkraft nimmt dann mindestens einen Schüler dran, der den Auftrag wiederholt beziehungsweise vormacht.

Im Beobachtungsprotokoll 3 nimmt Herr B. dann eine Schülerin dran, die sich meldet. Wenn sich niemand gemeldet hätte, hätte er wahrscheinlich das Kind drangenommen, bei dem er gewusst hätte, dass es aufgepasst hat. Das ist jedoch nicht unbedingt von Vorteil. Herr B. wollte, dass schnellstmöglich mit der Aufgabe anfangen wird und hat deshalb das Mädchen drangenommen, von dem er wusste, dass sie den Arbeitsauftrag verstanden hat.

Wenn die Lehrkraft jedoch ihre Schüler gut kennt, ruft sie nicht irgendeinen Schüler auf, und schon gar nicht einen von denen, die sich sofort melden. Diese Schüler bekommen in der Regel jeden Arbeitsauftrag mit. Auch wenn es wie in der Klasse 5.5 noch so laut und chaotisch zugeht. Die Lehrkraft wartet vielmehr, auch auf die Gefahr hin, dass 'kostbare' Unterrichtszeit verstreicht. Solange bis sich auch die Schüler melden, die erfahrungsgemäß meist nicht so genau mitbekommen, was zu tun ist. Denn erst, wenn einer von diesen Schülern den Arbeitsvorschlag wiedergeben kann, kann die Lehrkraft ziemlich sicher sein, dass er von den meisten anderen wohl auch verstanden worden ist.[14]

Nachdem der Arbeitsauftrag endlich von allen Kindern verstanden wurde, schreibt er zusätzlich als Gedächtnisstütze die Seite, Aufgabe und Zeit an die Tafel. Er schreibt die Zeit an die Tafel, in der die Kinder die Aufgabe bewältigt haben sollen. Mit der Sozialform, Zeitangabe und Gedächtnisstütze verfahren Herr B. und Frau K. gleich, wobei Frau K. den SchülerInnen sagt wieviel Zeit sie für die Aufgabe haben, im Gegensatz zu Herrn B., der auf die Tafel schreibt, wann die SchülerInnen fertig sein müssen. Die Methode von Herrn B. scheint dabei etwas sicherer, da die Kinder andernfalls eventuell nicht mehr wissen, wann sie mit der Aufgabe begonnen haben und wieviel Zeit dann dementsprechend noch bleibt.

6. Erst nach der erfolgreichen Wiederholung des Auftrags durch einen (oder ggfs. mehrere) Schüler gibt die Lehrkraft das Signal, mit der Ausführung zu beginnen.

In den Beobachtungsprotokollen kann man sehen, dass die Lehrkräfte eigentlich nur bis Schritt 3 gehen. Herr B. in Beobachtungsprotokoll 3 war die einzige Lehrkraft, die den Arbeitsauftrag noch einmal hat wiederholen lassen und somit bei Schritt 4 angelangt ist. Die anderen LehrerInnen haben oft nicht die Zeit oder Geduld dazu gehabt. Bei Frau K. war das Wiederholen eines Arbeitsauftrages einfach nicht nötig, da dieser klar und verständlich gestellt wurde und zudem immer als Gedächtnisstütze aufgeschrieben wurde.

2.5. Auswertung

Das Ziel und die Aufgabe eines gestellten Arbeitsauftrages ist die Ermöglichung, dass der Schüler selbst in der Lage ist, diesen Arbeitsauftrag zu bearbeiten und zu lösen.[15] Von daher ist die Vorgehensweise von Frau K. sehr zufriedenstellend. Durch den zuerst mündlich gegebenen Arbeitsauftrag und der darauffolgenden Gedächtnisstütze am Smartboard oder an der Tafel, kann sich die Lehrkraft sicher sein, dass alle SchülerInnen den Arbeitsauftrag mitbekommen haben, sodass ein Wiederholen eines anderen Schülers als überflüssig erscheint und somit übersprungen werden kann.

Als Merkmale geeigneter und komplexer Aufgaben können die Verständlichkeit des Arbeitsauftrages mit Bezügen zur Realität der SchülerInnen, die Situierung, die Bedeutsamkeit, der Neuigkeitswert, der Schwierigkeitsgrad und die Eignung zur exemplarischen und handlungsrelevanten Erschließung eines für die Gegenwart oder Zukunft bedeutsamen Unterrichtsinhalts dienen.[16] Arbeitsaufträge dienen sowohl zur Erarbeitung, Übung, Sicherung, Anwendung und Wiederholung. Womit sie sehr vielseitig eingesetzt werden können.[17]

Gerade im Beobachtungsprotokoll 1 kann man erkennen, dass die Unterrichtsphasen wie Einstieg, Erarbeitung und Sicherung wie in diesem Beispiel der Unterrichtseinstieg von Arbeitsaufträgen geprägt sind.

Arbeitsaufträge dienen als Ausgangspunkt für Lernprozesse im Unterricht.[18] Daher sollte eine ideale Aufgabe einerseits Bedürfnisse und Interessen von Kindern ansprechen und andererseits zur Erarbeitung von Inhalten führen, die bildende Bedeutung haben und gesellschaftlichen Anforderungen (im Sinne von Richtlinien und Lehrplänen) gerecht werden.[19] Somit sollte man sich als Lehrkraft dem Grundmuster Mühlhausens und Wegners bedienen, um den SchülerInnen gerecht zu werden und ihnen die Aufgabenbearbeitung zu gewährleisten. Denn nur wenn die Lehrkraft im Stande ist, den Arbeitsauftrag richtig durchzuführen, können die SchülerInnen im Stande sein, diesen Auftrag zu lösen.

[...]


[1] Vgl. Mühlhausen/Wegner (2010), S. 141.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. ebd., S. 148.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. ebd., S.143.

[8] Vgl. ebd., S. 145.

[9] Vgl. Weidenmann (2002), S. 81.

[10] Vgl. Staatliches Studienseminar, Kapitel 9.

[11] Vgl. Mühlschlegel/Wegner (2010), S. 145.

[12] Vgl. ebd., S. 145f.

[13] Vgl. Tulodziecki/Herzig/Blömeke (2009), S. 98.

[14] Vgl. Mühlschlegel/Wegner (2010), S.141.

[15] Vgl. Staatliches Studienseminar, Kapitel 9.

[16] Vgl. Tulodziecki/Herzig/Blömeke (2009), S. 98.

[17] Vgl. Bohl/Kleinknecht (2009), S. 331.

[18] Vgl. ebd.

[19] Vgl. Tulodziecki/Herzig/Blömeke (2009), S. 79.

Details

Seiten
33
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668636361
ISBN (Paperback)
9783668636378
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Pädagogisches Seminar
Erscheinungsdatum
2018 (Februar)
Note
2,0
Schlagworte
Portfolio Auswertung des Schulpraktikums Vorbereitung Begleitung Praktikum ASP
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Titel: Portfolio zur Auswertung des Allgemeinen Schulpraktikums (ASP)