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Der IWF - Schatten der Globalisierung ? Eine kritische Auseinandersetzung mit den zentralen Aussagen von Joseph Stiglitz ' "Die Schatten der Globalisierung"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

1. Die zentralen Aussagen von Stiglitz in "Schatten der Globalisierung"
1.1. Gebrochen Versprechen
1.2. Der Wandel der internationalen Finanzinstitutionen
1.3. Die Implementierung des Washington Consensus und sein Scheitern
1.4..Die Rolle des IWF im Zuge der Ostasienkrise
1.5.. Die Rolle des IWF in Russland
1.6. Stiglitz' Vorschläge zur Reform des IWF
1.6.1 Das Governance - Problem
1.6.2. Abkehr vom Washington Consensus
1.6.3. Zurück zum ursprünglichen Auftrag

2. Eine Analyse der Kritik Joseph Stiglitz'
2.1. Argumente gegen die zentralen Thesen von Joseph Stiglitz
2.1.1 Der IWF ist nicht gescheitert
2.1.2 Kritik an Stiglitz' neo - keynesianischer Haltung
2.1.3.Kritik an Stiglitz Analyse zur Ostasien -, und Russlandkrise
2.1.4. Weitere kritische Anmerkungen
2.2. Argumente für die zentralen Thesen von Joseph Stiglitz
2.2.1. Das Scheitern des IWF
2.2.2. Die Defizite des Washington Consensus
2.2.3. Die Rolle von Sonderinteressen
2.2.4. Der Mangel an Demokratie und Transparenz

3. Fazit

Literatur

Einleitung

Katalysiert durch die skandalträchtige Berichterstattung über die gewälttätigen Proteste im Rahmen der Tagungen des WTO in Seattle 1999 und im Zuge des G8 - Wirtschaftsgipfels in Genua 2001 hat die Kritik an der Arbeit der internationalen Finanzinstitutionen, insbesondere des IWF, der Weltbank und der WTO Einzug in den öffentlichen Diskurs gehalten.

Bis dato weithin unbekannte NGO’s wie Attac erhielten ein Forum, um für die negativen Begleiterscheinungen einer weitgehend von Finanz -, und Handelsinteressen getragenen Globalisierung der internationalen Kapital – und Handelsströme eine breitere Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Unterstützung erhielten die Globalisierungskritiker im Jahre 2002 von unerwarteter Seite: Joseph Stiglitz, einer der renommiertesten Wirtschaftswissenschaftler der Gegenwart, Nobelpreisträger und Ex – Chefvolkswirt der Weltbank, übte in seinem Buch "Globalization and its Discontents " überaus scharfe Kritik an der Arbeit der internationalen Finanzinstitutionen, vor allem am Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Neo – Keynesianer Stiglitz kommt zu dem vernichtenden Urteil, dass der IWF mit seiner Wirtschaftspolitik seinen Auftrag, die Welt vor zukünftigen Wirtschaftskrisen zu schützen und die Stabilität der Weltwirtschaft zu gewährleisten, verfehlt habe.

Im Rahmen meiner Seminararbeit werde ich im ersten Teil zunächst die zentralen Aussagen des überaus kontrovers diskutierten Buches mit dem deutschen Titel „Die Schatten der Globaliserung“ vorstellen. Dabei werde ich Stiglitz’ Ansichten zum Wandel der Rolle des IWF, und seine Kritik am Aufweichen der strikten Aufgabenteilung zwischen den Bretton Woods Institutionen (BWI) IWF und Weltbank, vortragen. Anschließend werde ich seine Ausführungen zum sog. Washington Consensus und seine Kritik an der Arbeit des IWF in Ostasien und Russland wiedergeben. Mit einer kurzen Vorstellung der Vorschläge Stiglitz’ zu einer Reform der internationalen Finanzinstitutionen werde ich Teil 1 beschließen.

Im zweiten Teil der Seminararbeit werde ich den Versuch unternehmen, die von Joseph Stiglitz aufgeworfene Kritik am IWF, auf ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen. Deshalb werde ich in Teil 2.1. zunächst jene Argumente vorstellen, welche Stiglitz’ Kritik an der Arbeit des IWF relativieren bzw. ihr zum Teil massiv widersprechen. Im Zentrum steht dabei eine Auseinandersetzung mit den stiglitzschen, neo – keynesianisch geprägten Vorstellungen der Wirtschaftspolitik.

Anschließend werde ich in Teil 2.2. jene Argumente vortragen, welche die Kritik Stiglitz’ stützen bzw. noch weiter verschärfen. Dabei werde ich insbesondere die Schwachstellen des Washington Consensus in den Focus meiner Untersuchung stellen.

Im Fazit, werde ich, anhand der im zweiten Teil gewonnenen Erkenntnisse, zu einer abschließenden Einschätzung der stiglitzschen Argumentation in „Schatten der Globalisierung“ gelangen.

1. Die zentralen Aussagen von Stiglitz in „Schatten der Globalisierung“

1.1. Gebrochene Versprechen

Joseph Stiglitz macht in seinem Buch „Die Schatten der Globalisierung“ schon zu Beginn deutlich, dass er sich nicht als einen Gegner der Globalisierung betrachtet. und diese Entwicklung auch nicht als etwas grundsätzlich Negatives einschätzt[1]. Er verweist vielmehr darauf, dass gerade jene, welche die Globalisierung am schärfsten geißelten, „allzu oft die positiven Effekte“[2] dieser Entwicklung übersähen.

Allerdings erwiesen sich die Früchte der Globalisierung vielfach kümmerlicher, als von ihren Anhängern verkündet und der Preis, den manche Länder zu zahlen hätten, als „oftmals höher, da die Umwelt zerstört, politische Prozesse korrumpiert wurden und der rasche Wandel den Ländern keine Zeit zur kulturellen Anpassung.“[3] Gegeben habe. So träten neben der hohen Arbeitslosigkeit auch „längerfristige Probleme der sozialen Desintegration auf – von massiver städtischer Gewaltkriminalität in Lateinamerika bis hin zu ethnischen Konflikten in anderen Regionen der Welt, wie etwa in Indonesien.“[4] Insofern kommt Stiglitz zu der Einschätzung, dass fünfzig Jahre nach seiner Gründung fest stehe, „dass der IWF seinen Auftrag nicht erfüllt “[5] habe. Seine marktliberale, vom Washington Consensus bestimmte Politik sei gescheitert.

Der IWF habe nicht das getan, „was er hätte tun sollen – für Länder, die von einem Abschwung bedroht sind, Gelder bereitzustellen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen und wieder annähernde Vollbeschäftigung zu erreichen.“[6] Vielmehr hätten viele der neoklassischen, wirtschaftspolitischen Auflagen des IWF, „vor allem die verfrühte Liberalisierung des Kapitalmarkts [...] die Instabilität der Weltwirtschaft"[7] verschärft und die Lage "in vielen Fällen sogar noch verschlimmert, insbesondere für die Armen."[8] Für Stiglitz spiegeln „viele der Fehler, die dem IWF unterlaufen sind, [...] fundamentale Missverständnisse volkswirtschaftlicher und politischer Prozesse wider, denen besonders Anhänger der reinen marktwirtschaftlichen Lehre immer wieder .“[9] aufsäßen. Als drastischste Beispiele für das Versagen des IWF führt Stiglitz insbesondere die Ostasienkrise und die ihr nachfolgende Russlandkrise an.

1.2. Der Wandel der internationalen Finanzinstitutionen

Um die negativen Begleiterscheinungen des Prozesses der Globalisierung verstehen zu können, so Stiglitz, müsse „man die drei wichtigsten Institutitionen betrachten, die die Globalisierung lenken: den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation.“[10], wobei er sich in seinem Buch, vor allem auf die Rolle des IWF und der Weltbank konzentriert.

Stiglitz erinnert an die ursprüngliche Aufgabenzuweisung des IWF: Nämlich „die Stabilität der Weltwirtschaft zu gewährleisten“[11] und einer neue Weltwirtschaftskrise wie in den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts vorzubeugen. Seine Aufgabe sei es, „ internationalen Druck auf Länder auszuüben, die keinen angemessenen Beitrag zur Aufrechterhaltung der globalen Gesamtnachfrage leisteten und so ihre Volkswirtschaft in eine Rezession trudeln ließen.“[12] Zudem sollte er gegebenenfalls von einem Abschwung bedrohte Länder „mit Liquidität in Form von Krediten versorgen.“[13]

Allerdings habe sich der IWF seit seiner Gründung stark verändert: „Während sein Handeln ursprünglich von der Überzeugung getragen war, dass die Märkte oftmals nicht störungsfrei funktionierten, predigt er heute mit ideologischer Inbrunst die Überlegenheit des Marktes.“[14] Zudem stelle er, statt, wie angedacht, die Länder zu einer expansiven Wirtschaftspolitik zu drängen, sogar „in der Regel nur dann Mittel bereit, wenn sich Länder zu einer kontraktiven Wirtschaftspolitik“[15] verpflichteten.

So wurde unter maßgeblichem Einfluss der neokonservativen Regierungen Reagan und Thatcher in den USA bzw. Großbritannien in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts „die keynesianische Einstellung des IWF, die Marktversagen und die Rolle des Staates bei der Schaffung von Arbeitsplätzen betonte, [...] durch das Mantra der freien Marktwirtschaft ersetzt“[16], das als „Teil des neuen „ Washington Consensus “ eine völlig neue Herangehensweise an Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung und Stabilisierung signalisierte.“[17]

Stiglitz kritisiert, dass es in Folge dieser Entwicklung zu einer Aufweichung der klaren Aufgabenteilung zwischen Weltbank und IWF gekommen sei und „eine immer stärkere Verflechtung ihrer Aktivitäten.“[18] stattgefunden hätte, in deren Folge, die Weltbank, so der Wirtschaftsnobelpreisträger, „immer als der untergeordnete Partner“[19] fungierte. Zwar sei die Schwesterinstitution der Weltbank „ in Entwicklungsfragen nicht besonders kompetent – ihr ursprünglicher Auftrag lautete: die Stabilität der Weltwirtschaft zu unterstützen, nicht, die Armut in den Entwicklungsländern zu bekämpfen.“[20], dennoch beziehe sie eindeutig Stellung zu Entwicklungsfragen.

Dabei habe sich der IWF allzu oft „gegenüber den Entwicklungsländern wie ein kleiner Kolonialherrscher aufgespielt.“[21] und nicht selten unverhohlen die Sonderinteressen einflussreicher Finanzkreise vertreten. Die enorme Machtfülle des IWF habe sich nach dem Fall der Berliner Mauer zudem durch „ein neues Betätigungsfeld, die Modernisierung der marktwirtschaftlichen Systemumstellung in der vormaligen Sowjetunion und in den Ostblockstaaten.“[22] noch weiter gesteigert.

1.3, Die Implementierung des Washington Consensus und sein Scheitern

Will man Stiglitz glauben, so hätte man, „wenn man einem Papagei den Spruch „fiskalische Austerität, Privatisierung und Marktöffnung“ beigebracht hätte“[23], in den achtziger und neunziger Jahren getrost auf den Rat des IWF verzichten können.

Zwar sollte man sich bei der Bewertung der Bilanz des IWF klarmachen, dass dessen „Empfehlungen, sofern sie sachgerecht umgesetzt werden, sehr nützlich sind.“[24] So habe sich in der Geschichte gezeigt, dass Staaten nicht dauerhaft über ihre Verhältnisse leben könnten, denn nachhaltiges Wachstum sei „bei Hyperinflation nicht möglich, so dass eine gewisse fiskalische Disziplin unerlässlich“[25] sei. Auch sei die vom IWF immer hoch gehaltene Privatisierung oftmals eine sinnvolle Strategie.

[...]


[1] Vgl. Stiglitz, Joseph 2004 Die Schatten der Globalisierung, München Goldmann Verlag, S.36

[2] Ebd, S.20

[3] Ebd, S.23

[4] Ebd, S.23,24

[5] Ebd, S.31

[6] Ebd, S.32

[7] Ebd

[8] Ebd

[9] Ebd, S.105

[10] Ebd, S.25

[11] Ebd, S.27

[12] Ebd

[13] Ebd, S.28

[14] Ebd

[15] Ebd, S.29

[16] Ebd, S.33

[17] Ebd

[18] Ebd, S.30

[19] Ebd, S.31

[20] Ebd, S.55

[21] Ebd, S.62

[22] Ebd, S.30

[23] Ebd, S.78

[24] Ebd

[25] Ebd

Details

Seiten
27
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638395496
DOI
10.3239/9783638395496
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Institut für Neuere und Neueste Geschichte
Erscheinungsdatum
2005 (Juli)
Note
1,2
Schlagworte
Schatten Globalisierung Eine Auseinandersetzung Aussagen Joseph Stiglitz Schatten Globalisierung Hauptseminar Neuere Neueste Geschichte

Autor

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