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Spiel und Regel. Zum Begriff der (Spiel)Regel bei John Searle und Max Weber

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 12 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

John Searles Regelbegriff
Regulative Regeln
Konstitutive Regeln
Handlungen und Sprechakte

Max Webers Regelbegriff
Technische Regeln und soziale Regeln
Das Skatspiel und die Regeln seiner Anwendung
Das Skatspiel und die Erkenntnisdimension seiner Regeln

Fazit und Ausblick

Literatur

Einleitung

Ein Spiel vollzieht sich immer gemäß spezifischer Regeln. Es fällt schwer, sich ein Spiel vorzustellen, dass völlig ohne Regel funktioniert und sinnvoll gespielt werden kann. Auch der Umgang mit Menschen erfordert gewisse Regeln, um zu einem sinnvollen Austausch zu gelangen. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende erkenntnisleitende Fragen:

Was hat es mit Regeln auf sich? Welche formalen und inhaltlichen Kriterien lassen sich feststellen? Gibt es verschiedene Arten von Regeln? Besteht ein generalisierter Zusammenhang zwischen sozialen Regeln, sozialem Verhalten und spezifischen Spielregeln? Kann man Regeln verletzen und muss eine Regelverletzung zwangsläufig eine Strafe nach sich ziehen? Kann man durch soziale Regeln Verhalten vorhersagen? Kann man Regeln folgen ohne sie zu kennen?

Gibt es Spielregeln, die für alle Spiele gleich sind?

Man kann zwischen spezifischen, nur für ein bestimmtes Spiel (Schach) gültigen Regeln und allgemeinen (d.h., allen Spielen gemeinsamen) Spielregeln (Nicht-Betrügen, Gewinnen-Wollen) unterscheiden.

Um den abstrakten Begriff der Regel und seine Ausdeutung geht es in diesem Referat. Zu diesem Zweck werden die Bestimmungen des Regelbegriffs aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erläutert. Sprachphilosophie und Soziologie beschreiben die Welt aus unterschiedlichen Sichtweisen, obwohl sie sich teilweise auf die gleichen Gegenstände beziehen. Der Begriff der Regel ist für beide Disziplinen von immanenter Bedeutung.

Zunächst wird der Regelbegriff von John Searle untersucht, der hier die Position der Sprachphilosophie vertritt. In Searles Sicht wird die soziale Welt durch intentionale Akte konstruiert. Searle instrumentalisiert den Regelbegriff für seine Theorie der Sprechakte und beschränkt sich deshalb auf eine eher rudimentäre Begriffsklärung. Zudem bezieht er seinen Regelbegriff, wie seine ganze Sprechakttheorie, auf das handelnde Subjekt und vernachlässigt den kommunikativen Partner, der in jeder sozialen Interaktion eine entscheidende Rolle spielt. Max Webers Sicht sozialer Regeln nimmt den jeweiligen Partner mit in seine Regelbestimmung mit ein und kommt insgesamt zu einer umfassenden Ausdeutung.

John Searles Regelbegriff

Searle unterscheidet zwei Arten von Regeln. Da sind zum Einen die regulativen Regeln, deren Funktion die Regelung bestehender Verhaltensformen ist, und zum Anderen nennt er die konstitutiven Regeln, deren wesentliches Merkmal die Erzeugung von Verhaltensformen ist, die ohne eben diese konstitutiven Regeln nicht existieren würden.

Regulative Regeln

Regulative Regel kann man so verstehen, dass sie bereits existierende Verhaltensformen regeln. Es gibt gewisse Konventionen, gemäß denen man sich verhält. Beispielsweise gehört es zu den Verhaltensnormen an den Seminaren der Universität, dass man nacheinander spricht, andere ausreden lässt und nicht durcheinander redet. Viele Anstandsregeln regeln zwischenmenschliche Beziehungen. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen bestehen aber, nach Searle, unabhängig von konstitutiven Regeln. Soziale Regeln haben, laut Searle, regulativen Charakter. Ebenso regeln Ampeln das Überqueren von Straßen, aber das Überqueren der Straßen ist auch ohne eine solche Regel denkbar. Hier übergeht Searle den sozialen Aspekt und trifft keine Unterscheidung zwischen regulativen und konventionalisierten Regeln. Es ist nicht so, dass zwischenmenschliche Beziehungen, sprich soziale Interaktion, unter regulative Regeln, etwa analog zum Überqueren der Straße, fällt. Bei Max Weber wird die Rolle sozialer Regeln deutlicher. Aber weiter in Searles Argumentation.

Es ist bestimmend für regulative Regeln, dass man sie in Form von Imperativen umschreiben kann. Ein Beispiel wäre: wenn du über die Straße gehen willst, dann gehe, wenn die Ampel grün leuchtet. Regulative Regeln lassen sich also durch die Formel: „ Wenn X, dann tue Y “ ausdrücken.

Konstitutive Regeln

Konstitutive Regeln erzeugen und prägen, im Unterschied zu regulativen Regeln, Verhaltensformen, die ohne entsprechende Regeln nicht existieren würden. Als Beispiel nennt Searle hier das Schach- und das Fußballspiel. Die Regeln für Fußball regeln nicht nur ein Fußballspiel, sondern schaffen erst die Möglichkeit, ein solches überhaupt erst zu spielen. Ein Tor ist dann erzielt, wenn der Ball in vollem Umfang über die Torlinie gebracht wurde. Zwar lässt sich dieses Verhalten hier gemäß der imperativischen „Wenn-Dann“-Bestimmung der regulativen Regel beschreiben, aber der Ball würde niemals über die Torlinie gebracht, wenn es nicht die Regel im Fußballspiel gäbe. Ein solches Verhalten existierte schlechthin nicht, wenn es die dazu passende Regel nicht gäbe.

Konstitutive Regeln sind im Wesentlichen tautologischer Natur. Das ein Tor dann erzielt ist, wenn ein Spieler den Ball während des Spieles über die Torlinie gebracht hat gehört zur Definition von „Tor“. Es scheint zwar nach gewissen Regeln abzulaufen, beschreibt andererseits aber auch eine Selbstreferentialität, etwa dergestalt, dass ein Tor erzielt ist, wenn ein Tor erzielt ist.

Für das System konstitutiver Regeln erweitert Searle seine Formeldefinition. Konstitutive Regeln haben häufig die Form von „X gilt als Y im Kontext C“. Ein Beispiel wäre etwa: Wenn der Ball von einem Spieler über die Torlinie bugsiert wird, gilt das als Tor im Spiel als erzielt. Aber auch regulative Regeln lassen sich in der Formel „X gilt als Y im Kontext C“ ausdrücken. Hier wäre ein Beispiel: Wenn man über die Straße geht und die Ampel grün ist, dann gilt das als sicher.

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638396400
ISBN (Buch)
9783638806398
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41363
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Schulpädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Spiel Spielregel Begriff Theorien Spielen

Autor

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Titel: Spiel und Regel. Zum Begriff der (Spiel)Regel bei John Searle und Max Weber