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"Jenseits von Stand und Klasse?". Thesen von Ulrich Beck zur Individualisierung der Gesellschaft

Rezension / Literaturbericht 2005 14 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Teil I
Die Ansätze von Karl Marx und Max Weber zum Wandel sozialer Ungleichheitsverhältnisse und Tendenzen der Individualisierung.

Teil II
These 1
These 2
These 3
These 4

Reflexion über und Fragen an das Becksche Argumentationsmuster im Aufsatz: Jenseits von Stand und Klasse?

Einleitung

Ulrich Beck beschreibt in seinem Aufsatz „Jenseits von Klasse und Stand?“ den zunehmenden Individualisierungsprozess, der sich innerhalb unserer Gesellschaft seit den fünfziger Jahren ereignet. Laut Beck kommt es nämlich genau seit der Nachkriegszeit zu einem entscheidenden Kontinuitätsbruch sozialer Ungleichheitsverhältnisse. Die folgende Zusammenfassung dieses Aufsatzes gliedert sich in zwei Teile und in vier Thesen, welche Ulrich Beck 1984 verfasst hat.

Im Teil I dieses Aufsatzes beschreibt Beck anhand einer kurzen Auseinandersetzung mit den zwei Klassikern der Ungleichheitstheorie, Marx und Weber, die einsetzenden Individualisierungstendenzen zur damaligen Zeit.

Für Beck lassen sich die Ansätze von Marx und Weber nicht mehr in die Nachkriegszeit übertragen, da mit der Schaffung sozialstaatlicher Sicherungs- und Steuerungssysteme im Rahmen des Wohlfahrtstaates soziale Ansprüche ausgelöst wurden, die zu einem zunehmenden Verlust von Klassensolidaritäten geführt haben.

Teil II

Beck bezeichnet in seiner ersten These den Arbeitsmarkt als „Motor der Individualisierung“. Er stützt diese These durch drei Elemente, die er auf den Arbeitsmarkt bezieht: Bildung, Mobilität und Konkurrenz.

Die zweite These schildert die Konsequenzen des unaufhaltsamen Individualisierungsschubes, der sich in der BRD seit den fünfziger Jahren ereignet hat. Dieser führt zu einer Auflösung von ständisch geprägten Klassenkulturen. Beck vertritt die These, dass wir heute bereits in Verhältnissen jenseits der Klassengesellschaft leben.

In der dritten These geht es um weiträumige Veränderungen, die durch immer neue Technologien und Innovationen entstehen. Diese Veränderungen nehmen auch einen entscheidenden Einfluss auf das Privatleben der Menschen. Auch hier stellt sich auf kultureller, politischer und sozialer Ebene ein Wandlungsprozess von noch ungeahnter Reichweite und Dynamik ein. Es kommt zu einer fließenden Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatismus.

Becks letzte These beschreibt den fortschreitenden Individualisierungsprozess als ein Übergangsstadium zu einer Art „Nachklassengesellschaft“, die allerdings nicht verwechselt werden sollte mit der „klassenlosen“ Gesellschaft wie Marx sie beschrieben hatte. In diesem Zusammenhang führt er diesbezüglich einige Grundzüge auf.

Im Abschluss an Teil I und II erfolgt eine Reflexion und einige Fragen bzgl. des Beckschen Argumentationsmusters in seinem Aufsatz.

Teil I

Die Ansätze von Karl Marx und Max Weber zum Wandel sozialer Ungleichheitsverhältnisse und Tendenzen der Individualisierung.

In diesem Abschnitt beschreibt Ulrich Beck, welche Ansichten die Klassiker der Ungleichheitstheorie, KARL MARX und MAX WEBER in Bezug auf die Individualisierungstendenzen vertreten haben und stellt anschließend seinen Standpunkt dazu vor.

Ulrich Beck beschreibt MARX als den wohl bedeutendsten Individualisierungstheoretiker, der allerdings seine Arbeiten, welche die gesellschaftliche Individualisierung betreffen, jedoch frühzeitig abgebrochen habe. Er habe an vielen Stellen seines Werkes wiederkehrend betont, dass durch die Ausbreitung des modernen Frühkapitalismus ein bisher unerkannter Prozess eingetreten sei, der die Menschen nicht nur innerhalb diverser Feudalbindungen, sondern auch im Kapitalismus ständig neuen Schüben der Freisetzung unterworfen habe. Es gab also bereits zu Zeiten von MARX Veränderungsprozesse innerhalb familialer, beruflicher und kultureller Bindungen.[1]

Der Grund, warum MARX dem Phänomen einer sich individualisierenden Gesellschaft nicht weiter nachgegangen ist, liegt darin, dass für ihn der Prozess von Vereinzelung und Freisetzung im kapitalistischen System immer schon aufgefangen wurde durch die „Kollektiverfahrung der Verelendung“[2], denn gerade durch die Verelendung, von der große Bevölkerungskreise betroffen waren, entstand die Klassenkampfdynamik. Alle, die von einer zunehmenden Armut betroffen waren, verbündeten sich zu einem Kampf gegen das wohlhabende Bürgertum. Einen wichtigen Punkt stellt hier die Tatsache dar, dass dieser Freisetzungsprozess nicht verbunden war mit einer Zersplitterung, sondern es kam zu einer Solidarisierung zwischen den einzelnen, denn die Erfahrung der Verelendung, bzw. die Verschlechterung der Lebenslagen der Arbeiter, führte zu einem Zusammenschluss und schließlich zum Klassenkampf. Daher stellte sich für MARX die Frage nach Individualisierungsprozessen nicht, da er sie immer mit Prozessen der „Klassenformierung“[3] in Verbindung brachte.

[...]


[1] Beck, U.: Jenseits von Stand und Klasse? In: Kreckel, R. (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt.

Sonderband. Göttingen. 1983. S.47

[2] Beck. S.47f.

[3] Beck. S.48.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638396769
ISBN (Buch)
9783638937528
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41410
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2
Schlagworte
Jenseits Stand Klasse Thesen Ulrich Beck Individualisierung Gesellschaft Seminar

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Titel: "Jenseits von Stand und Klasse?". Thesen von Ulrich Beck zur Individualisierung der Gesellschaft