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Das Leben der Jugend in Kaufbeuren nach dem 2. Weltkrieg unter Einfluss der Amerikaner

von Tayo Singleton (Autor)

Seminararbeit 2017 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Europa Nachkriegszeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Jugend im 21. Jahrhundert

2. Das Konzept der Reeducation der Jugend

3. Jugendverbände
3.1. Das Prinzip der außerschulischen Umerziehung
3.2. German Youth Activities - Unterstützung und Erziehung durch die Amerikaner
3.2.1. German Youth Activities in Bayern
3.2.2. German Youth Activities in Kaufbeuren

4. Einfluss der amerikanischen Kultur auf die Jugend
4.1. Land
4.2. Stadt

5. Der Eissportverein Kaufbeuren

6. Schluss - Generationen im Vergleich

7. Quellenverzeichnis
7.1. Abbildungen
7.2. Bücher
7.3. Internetquellen
7.4. Schriftverkehr

1. Jugend im 21. Jahrhundert

Spotify, Netflix, Facebook, Google, Apple und Co. sind weltweit bekannte, amerikanische Unternehmen. Die Produkte dieser Firmen sind mittlerweile tief im deutschen Alltag verankert und für viele junge Menschen im täglichen Umgang nicht mehr wegzudenken. So besitzt jeder vierte deutsche Jugendliche ein Smartphone der amerikanischen Firma Apple1, rund 44% der deutschen Jugendlichen hören amerikanische Musik über Streaming Dienste wie z.B. Spotify2. Zu den von den Jugendlichen am meisten genutzten Medien zählen die angebotenen Dienste YouTube und WhatsApp der amerikanischen Internet- Giganten Google und Facebook. So deklarierten im Jahre 2016 ca. 65% der jungen Deutschen das Internetportal YouTube als die am liebsten genutzte Website3. Dieses breit gefächerte Angebot an Internetdiensten schafft die Möglichkeit, die deutschen Jugendlichen auf verschiedenste Weise zu beeinflussen, sei es durch aktuelle Internet-Trends von Prominenten oder auch durch gezielte Nutzung der persönlichen Daten, um mit bewusst geschalteter Werbung das Kaufverhalten der Jugendlichen zu manipulieren4. Die verschiedenen Einflussfaktoren amerikanischer Unternehmen über das Internet und deren Auswirkungen auf die deutschen Jugendlichen im 21. Jahrhundert, die sogenannte Generation Z5, lassen sich noch erheblich ausführlicher darstellen. Diese kurze Erläuterung reicht allerdings aus, um einen Vergleich zu dem Einfluss der Amerikaner auf die Jugend nach dem 2. Weltkrieg, dem Thema dieser Arbeit, ziehen zu können. Neben der Schilderung der allgemeinen Situation in den amerikanischen Besatzungszonen nach Ende des 2. Weltkrieges wird im weiteren

vgl. Matthias Bichler, JIM-Studie 2016: Jeder vierte Jugendliche hat ein iPhone (03.12.2016, (https://www.smartweb.de/news/handy/jim-studie-2016-jeder-vierte-jugendliche-hat-ein- iphone-03121601) (Stand 30.10.2017) Z.6f))

vgl. Dominique Prescher, et. al., Musik - Streaming in Deutschland wächst seit fünf Jahren (09.03.2017, (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Musik-Streaming-in-Deutschland- waechst-seit-fuenf-Jahren.html) (Stand 30.10.2017) Z.4f)

vgl. Heike vom Orde, et. al., Grunddaten Jugend und Medien (2017, (http://www.br-online.de/ju- gend/izi/deutsch/Grundddaten_Jugend_Medien.pdf) (Stand 28.10.2017) S. 39)

vgl. Zehn Trends aus den USA (20.06.2013, (https://www.internetworld.de/bildergalerie/zehn- trends-usa-253703.html?seite=4) (Stand 30.10.2017) S.4)

vgl. Johanna Brühl, Generationenübersicht (2014, (https://den-wandel-gestalten.de/generatio- nenubersicht/) (Stand 30.10.2017))

Verlauf der amerikanische Einfluss auf die jungen Deutschen anhand konkreter Erlebnisse von Jugendlichen in der Stadt Kaufbeuren im Allgäu veranschaulicht.

2. Das Konzept der Reeducation der Jugend

„‚Der Historiker, der sich um eine Wertung der Bildungspolitik der Alliierten im Nachkriegsdeutschland bemüht, hat keine leichte Aufgabe. Vergleichsmöglichkeiten bestehen so gut wie keine. Diejenigen von uns, denen ausgangs der vierziger Jahre die Aufgabe gestellt wurde, das sogenannte ‚Re-education‘- oder ‚Re-orientation‘ Programm zu entwerfen und durchzuführen konnten sich an keine geschichtlichen Vorbilder anlehnen. Präzedenzfälle für geistige oder pädagogische Reparationen gab es nicht, schon gar nicht als Bestandteil eines Besatzungs- oder Befriedungsplans. Theorien über die solch scheinbar esoterischen Begriffen wie Erziehungs- und Bildungsreform befaßte, stand nicht zur Verfügung. Re-education war ein Fall sui generis, ein erstmaliges und wahrscheinlich einmaliges Experiment’6“7

8. Mai 1945, der 2. Weltkrieg ging für die deutsche Wehrmacht mit einer bedingungslosen Kapitulation zu Ende. Die alliierten Mächte besetzten das damalige großdeutsche Reich und starteten die Umsetzung ihrer geplanten Besatzungspolitik. Das Programm der Reeducation spielte dabei in den amerikanisch besetzten Gebieten eine zentrale Rolle. Die Grundlage dieses Plans, die Umerziehung des deutschen Volkes, wurde bereits 1942 von den Wissenschaftlern John Dewey, Kurt Lewin und Richard M. Brickner formuliert. Reeducation, was wörtlicher übersetzt „Umerziehung“ heißt, wird jedoch mit diversen anderen Begriffen wie „Demokratisierung“ beziehungsweise „geistige Neuausrichtung“ verbunden. Denn zusammen mit der Entnazifizierung war es das

6 Henry J. Kellermann, „Von Re-education zu Re-orientation. Das amerikanische Reorientierungs- programm im Nachkriegsdeutschland“, in Manfred Heinemann, Hg., Umerziehung und Wiederauf- bau. Die Bildungspolitik der Besatzungsmächte in Deutschland und Österreich (Stuttgart, Ernst Klett, 1981, S. 86).

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag Gmhb, 2007, S.5 Z.1 - 11).

Ziel des Umerziehungsprogrammes, demokratische Prinzipien in den Köpfen des deutschen Volkes so zu manifestieren, dass Deutschland wieder in der Lage war, in den friedlichen Bund der Nationen aufgenommen zu werden. Dadurch sollte eine von Deutschland ausgehende Bedrohung des Weltfriedens für immer ausgeschlossen werden. Es begann der mühselige Weg, dem Volk in den betroffenen Besatzungszonen Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Bremen, dem amerikanischen Teil Berlins und der an Bayern angrenzende Besatzungszone in Österreich das Programm der Reeducation sowohl in kultureller wie auch in politischer Hinsicht zu vermitteln8. Da jedoch die Jugend als „‚zentrales Potential für die langfristige Veränderung gesellschaftlicher Strukturen gilt’9 10“ , wird in den nachfolgenden Ausführungen speziell auf die jungen Deutschen eingegangen. Die Schilderung der Situation junger Menschen in der bayerischen Stadt Kaufbeuren im Landkreis Ostallgäu soll zeigen, wie umfangreich sie von der amerikanischen Militärregierung und vom Gedanken der Reeducation beziehungsweise Reorientation beeinflusst wurden.

3. Jugendverbände

3.1. Das Prinzip der außerschulischen Umerziehung

Wie schafft man es, das Gedankengut der Reeducation in den Köpfen der Jugendlichen unterzubringen, wenn sich diese auf Grund der überaus schlechten schulischen Situation mehr Zeit außerhalb des für die Militärregierung kontrollierbaren Bereichs aufhalten? Die Lösung der Amerikaner war die Idee, alte Jugendorganisationen zu entnazifizieren und neue Jugendverbände auf demokratischer Basis zu gründen. Damit sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, den jungen Menschen durch außerschulische Aktivitäten die demokratischen Prinzipien zu vermitteln. Der erste Schritt zur Verwirklichung

vgl. Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag Gmhb, 2007, S.5 - 9).

Hermann-Josef Rupieper, Die Wurzel der Westdeutschen Nachkriegsdemokratie. Der amerikani- sche Beitrag 1945 - 1952 (Opladen, Westdeutscher Verlag GmbH, 1993, S. 110).

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag Gmhb, 2007, S.8 Z.11). dieses Plans war direkt nach der Besatzung das Verbot der im Dritten Reich vorherrschenden, nationalsozialistischen Jugendorganisationen, der Hitlerjugend sowie des Bunds Deutscher Mädel. Die daraufhin entstandene Lücke musste so schnell wie möglich mit neuen Angeboten für die Jugendlichen gefüllt werden.11 Deshalb wurde bereits 1945 eine neue OMGUS-Direktive verabschiedet, welche die Einrichtung von Kreisjugendkomitees vorsah. 12„Diese Komitees sollten aus deutschen Männern und Frauen bestehen, ‚[…] who represent variier interests such as education, the churches, the youth welfare office, the health authorities, various economic groups, and the like‘ 13 14. Diese Jugendkomitees sorgten für entsprechende Entnazifizierungsmaßnahmen in den Jugendverbänden. Jedoch konnte nur durch reine Kontrolle das Ziel der Amerikaner nicht erreicht werden, was ab März 1946 die Anordnung einer neuen Vorgehensweise zur Folge hatte. So sollten die in den jeweiligen Städten und Ortschaften stationierten Soldaten, die „[…] (freiwillige Formierung von) Jugendgruppen auf allen Gebieten von Kultur über Religion zu Sport […](fördern)“15. Um die Umerziehung beziehungsweise Förderung der Jugend noch weiter zu verbessern, wurde 1946 die „Army Assistance to German Youth Activities“16 in den amerikanischen Besatzungszonen ins Leben gerufen.

vgl. Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag Gmhb, 2007, S.84 - 86).

Annunal Report on Youth Activities, E&RA Branch, 1946, in BayHStA OMGB 10/49-1/3 IMPELMENTING INSTRUCTIONS to accompany Directive on Control of Youth Activities (In

BayHStA OMGB 10/19 - 2/9, 21. September 1945,)

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag GmbH, 2007, S.86 Z. 9ff)

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag GmbH, 2007, S.86 Z. 28ff)

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag GmbH, 2007, S.95 Z.8

3.2. German Youth Activities - Unterstützung und Erziehung durch die Amerikaner

3.2.1. German Youth Activities in Bayern

Am 15. April 1946 wurden die German Youth Activities (GYA) mit der Verabschiedung einer neuen Direktive zum Leben erweckt. Das anfängliche Ziel des von der amerikanischen Militärregierung geleiteten GYA-Programms war es „[…] die Jugendlichen mit Sport- und Freizeitangeboten von der Straße zu holen“17. Langfristig sollte die Reeducation der Jugend stattfinden mit dem Ziel, die Jugendlichen zu demokratischen, freien und weltoffenen Menschen zu erziehen18. Zuerst wurden die Jugendkomitees durch die Bereitstellung von Sportgeräten, Bekleidung und Werkzeugen von der amerikanischen Armee in ihrer wirtschaftlichen Not unterstützt. Durch die Einrichtungen der GYA konnten den Jugendlichen eine Reihe von Freizeitaktivitäten angeboten werden. So wurden beispielsweise Tanzabende organisiert, Sommercamps und Sportveranstaltungen durchgeführt. Das Interesse der jungen Deutschen war groß. Die Organisation der GYA erfuhr in der Folgezeit eine unglaubliche Beliebtheit bei den Heran- wachsenden und erweckte dadurch bei ihnen eine große Neugierde für die Vereinigten Staaten. Trotz der geringen „Demokratisierungsbemühungen“19 muss der geleistete Beitrag der GYA hinsichtlich des Wiederaufbaus von sportlichen Aktivitäten und sozialen Einrichtungen für die Heranwachsenden hervorgehoben werden. Auch darf die „‚[…] Förderung von Bildung und Diskussionsrunden unter den Jugendlichen zur Vermittlung demokratischer Prinzipien’20 21“ , nicht außer Acht gelassen werden. Etwas kritisch müssen die GYA lediglich hinsichtlich ihres

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag GmbH, 2007, S.95 Z. 9f)

vgl. Philip Axel Flaig, Das Jugendprogramm der USA nach 1945 ( 20.05.2008, (https://www.- karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick78/aufsatz2.de (Stand 21.10.2017) Z.25ff))

Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag GmbH, 2007, S.97 Z. 23)

German Youth Activities Programm (In BayHStA OMGB 13/127 - 3/7, 5. November 1948) Florian Jetzlsperger, Die Umerziehung der Jugend durch die amerikanische Militärregierung 1945 - 1949 (GRIN Verlag GmbH, 2007, S.96 Z. 5f)

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Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668654457
ISBN (Buch)
9783668654464
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v414441
Note
2,0
Schlagworte
Jugend Kaufbeuren zweiter Weltkrieg Amerikaner Einfluss Leben

Autor

  • Tayo Singleton (Autor)

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Titel: Das Leben der Jugend in Kaufbeuren nach dem 2. Weltkrieg unter Einfluss der Amerikaner