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Die Ausbildungsunreife von Jugendlichen. Kritik der Arbeitgeber und mögliche Lösungen

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Warum sprechen die Unternehmen von nicht „ausbildungsreifen“ Jugendlichen?
2.1 Jugendliche unserer Gesellschaft
2.2 Was kritisieren die Arbeitgeber?

3. Probleme beim Ausbildungseinstieg

4. Demografischer Wandel- es sindnicht mehrgenug junge Bewerber da!

5. Lösungen über verschiedene Kanäle von großer Bedeutung
5.1 Herausforderungen/Handlungsfelder
5.2 Produktionsschulen
5.3 Unternehmen stellen ihre Ausbildungskonzepte um
5.4 Chancen durch Migration?

6. Jugendliche müssen aktiver werden und nach Alternativen suchen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Behauptung deutscher Unternehmen, dass viele der heutigen Jugendlichen nicht die nötige Ausbildungsreife vorweisen. Um genauere Aussagen treffen zu können, sollen zunächst die Lebensumstände der Jugendlichen beleuchtet werden. Dies ist jedoch auszugsweise zu betrachten und nicht universell auf alle Jugendlichen festzulegen. Anschließend wird beschrieben, was die Arbeitgeber im Allgemeinen kritisieren und dies mittels einer Grafik unterlegt. Folgend werden die möglichen Probleme der Jugendlichen beim Ausbildungseinstieg betrachtet. Weiterhin findet der zunehmende Einfluss des demografischen Wandels seine Beachtung und es wird ansatzweise nach Lösungen gesucht, indem mögliche Alternativen aufgezeigt werden. Im Anschluss dessen wird durch die aufgeführten Handlungsfelder im Bildungsbericht 2014 der daraus resultierende Handlungsbedarf, aber auch dessen Grenzen verdeutlicht. Anschließend werden Produktionsschulen thematisiert. Auch die Umstellung der Unternehmen auf die gegenwärtige Situation der Ausbildungskriterien und eine mögliche Integration von Migranten werden aufgeführt. Im Fazit werden die gesammelten Erkenntnisse kurz ausgewertet.

2. Warum sprechen die Unternehmen von nicht „ausbildungsreifen“ Jugendlichen?

2.1 Jugendliche unserer Gesellschaft

Immer wieder heißt es, dass die Jugendlichen nicht „ausbildungsreif“ seien, aber warum? Ist dies wirklich so gegeben? Und wenn ja: Woran liegt das?

Hier zunächst ein kleiner Einblick in das mögliche Aufwachsen der heutigen Jugendlichen und Einflüssen, die deren Leben deutlich mitbestimmen.

Durch die diversen und weiterhin an Vielfalt ständig zunehmenden Möglichkeiten der Medienwelt beeinflusst, wachsen die Jugendlichen in unserer Gesellschaft heutzutage unter anderen Umständen auf, als noch vor Jahren. Um Langeweile zu bekämpfen oder Frust abzubauen, reicht nunmehr ein Tastendruck bzw. ein Wisch über ein elektronisches Gerät aus. Es scheint nicht mehr nötig, mit Freunden aktiv zu werden, um Herausforderungen, Ablenkung sowie Erfolg zu „erleben“.

Bei genauerem Hinsehen, ist zudem festzustellen, dass für viele Jugendliche heutzutage das klassische Familiensystem längst nicht mehr die Regel für ihr Aufwachsen darstellt. So sind beispielsweise Alleinerziehende und/aber auch stark beruflich eingebundene Eltern nicht in dem Maße verfügbar, wie es für die Erziehung erforderlich wäre (vgl. Stolla, 2016, S.1f.).

Hinzu kommt ein weiteres gesellschaftliches Problem: Die allgegenwärtige Leistungsgesellschaft und der Druck, etwas „darstellen zu müssen“ und „jemand zu sein“, der über alles und allem steht. Am liebsten sofort und auf Knopfdruck: Zeit ist Geld. Wer aber Ruhe und Geduld zum Bewältigen und Verstehen der ihm gestellten Aufgaben benötigt, ist schnell ein Teil des verachteten, gesellschaftlichen Randes.

2.2 Was kritisieren die Arbeitgeber?

In den Medien heißt es, dass momentan die Ausbildungschancen so gut stehen, wie lange nicht! Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) steigen Lehrstellenangebote und Ausbildungsplätze. Dennoch haben kleinere und mittlere Betriebe immer häufiger Schwierigkeiten, ihre Stellen besetzen zu können. Dazu gehören vor allem Berufe wie z.B. Kellner, Systemgastronomen, Fleischer, Klempner, Hotelfachfrau, Gebäudereiniger, Koch und Bäcker. Demzufolge reduzierten sich bereits 2012 die auszubildenden Betriebe dieser Branchen auf 22,5 Prozent(vgl. Borstel/Vitzthum, 2012, o. S.).

Vermehrt beklagen Unternehmen die ungenügenden Mathematik- und Deutschkenntnisse sowie die fehlende Sozialkompetenz der Jugendlichen. Zusammengefasst sprechen diese dann von einer fehlenden Ausbildungsbereitschaft der Jugendlichen (vgl. Borstel/Vitzthum, 2012, o. S.).

Somit stellen viele Betriebe zwar Ausbildungsplätze zur Verfügung, können diese aber zum Teil immer unzureichender besetzen. Laut dieser Statistik liegen folgende Gründe dafür vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Warum Lehrstellen nicht besetzt wurden; Quelle: Infografik DWO (Borstel/Vitzthum, 2012, o. S.)

2010 nahmen insgesamt 15.333 Unternehmen an einer Online-Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) über Azubis teil, wobei sich vorrangig kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe beteiligten. Demzufolge äußert die Hälfte der deutschen Firmenbei den Jugendlichen Ausbildungshemmnisse, welche einerseits die mangelnde Qualifikation (besonders Mathe- und Deutschkenntnisse)sowie andererseits die persönlichen Kompetenzen betreffen. Die Unternehmen klagen über eine geringe Leistungsbereitschaft (48 Prozent), mangelnde Belastbarkeit (44 Prozent) und fehlende Disziplin der Schulabgänger (46 Prozent), deren Verursachung hauptsächlich den Eltern angelastet wird (vgl. managerSeminare, 2010, o. S.).

Diese Annahme ist jedoch nur teilweise richtig. Einen sehr großen Anteil an dieser mangelhaften Qualifikation, trägt das deutsche Bildungssystem. In diesem wird seit Jahrzehnten das Niveau fortwährend gesenkt, um die Noten und Durchfallquoten auf einem, der statischen Erhebung, förderlichen Stand zu halten. Anstatt die Ursachen und Probleme dieser Erscheinungen zu bekämpfen, werden die Ansprüche an die Schüler gesenkt. Fakt ist, dass ein einheitliches Bildungssystem diesem mehr als förderlich gegenüber stehen würde. Ein Bildungssystem, indem ein solides Grundwissen in Mathematik, Deutsch und Gesellschaftskunde gelehrt wird.

Weiterhin beklagen Unternehmen zunehmend, dass die in Aussicht gestellten Übernahmegarantien von den Jugendlichen abgelehnt werden und werden somit gefordert, Weiterbildungsmöglichkeiten anzugliedern, um die ausgelernten Azubis in ihren Betrieben halten zu können(vgl. Buschbacher, 2014, o. S.). Eine Umsetzung dessen ist jedoch nicht für alle (vor allem kleinere) Unternehmen möglich.

3. Probleme beim Ausbildungseinstieg

Der Übergang von Schule zur Arbeits- und Erwachsenenwelt gestaltet sich längst nicht mehr vorhersehbar und planbar. Immer mehr Jugendliche gehen ihren Weg inzwischen über ein plurales (Übergangs-) System in die Berufswelt. So bewältigen etliche von ihnen den Einstieg ins Erwerbsleben nur mit diversen Zwischenstationen (vgl. Kuehnlein, 2010, S. 58).

Lernbehinderten, verhaltensgestörten, aber auch Jugendlichen aus einem sozial schwachen Umfeld fällt es dabei besonders schwer, sich in die Gesellschaft und somit in die Arbeitswelt zu integrieren. Ihnen fehlt die zeitnahe individuelle Förderung. Mit Hilfe von Kinder und Jugendeinrichtungen soll diesen Voraussetzungen entgegengewirkt werden. Doch meist greift diese Maßnahme recht spät und es ist oft ein langer Weg für die Jugendlichen, sich auf die Hilfe anderer einlassen zu können.

Sogenannte Produktionsschulen bieten gute Möglichkeiten, um den Jugendlichen Wege aufzuzeigen. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird auf Produktionsschulen (unter Punkt 5.2) noch einmal ausführlicher eingegangen, um deren Bedeutsamkeit aufzuzeigen.

4. Demografischer Wandel- es sind nicht mehrgenug junge Bewerber da!

Zunehmend wird unsere Gesellschaft durch die wachsende Anzahl von älteren Menschen geprägt, zumal auch die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er in nicht allzu langer Zeit ins Rentenalter kommen. Statistiken zufolge wird dies bis zum Jahr 2050 mehr als jede dritte Person betreffen, derzeit gehört jede vierte Person der Generation 60 plus an (vgl. Statistisches Bundesamt, 2016, S. 6).

Die Menschen gewinnen bei guter Gesundheit an Lebenszeit (durch Studien belegt) und die Wahrnehmung des Alters kann dementsprechend heutzutage nicht mehr von traditionellen und eher negativen Vorstellungen dominiert werden. Altersvorstellungen, insbesondere auch eigene, persönliche Bilder vom Alter, sind zu überdenken und zu prüfen. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind diesem Wandel des Alter(n)s stetig anzupassen sowie neu zu gestalten. Dazu dienen die Altenberichte der Bundesregierung Deutschland, welche zentrale Grundlagen und Orientierungsgrößen für Bund, Länder und Kommunen sowie andere gesellschaftliche Akteure herausgefiltert haben und wichtige Erkenntnisse beinhalten (vgl. Schröder, 2012, S. 8).

Doch fraglich bleibt, wie die Renten zu sichern sind? Die SPD 60 plus veröffentlichte 2009 dazu folgendes:

Ruheständler müssen sich auf die Politik verlassen können, entsprechend habe die jeweilige Bundesregierung in den vergangen Jahren immer wieder mit Rentenreformen auf den Alterungsprozess in der Gesellschaft reagiert. Damit dieser in den nächsten Jahrzehnten erfolgreich bewältigt werden könne, müsse vor allem für eine ständig steigende Arbeitsproduktivität und mehr wirtschaftliches Wachstum gesorgt werden. Zum Beispielmüssen Innovationen gefördert sowie die Bildungsinvestitionen massiv ausgeweitet werden. Ein Ausbau der Ganztagsschulen und der Ganztagsbetreuung sei deshalb unverzichtbar und zukunftsweisend. Ebenfalls könne durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Frauenerwerbstätigkeit ansteigen und damit für Entlastung sorgen.

Eine stabile Wirtschaft mit produktivitätsorientierter Lohnpolitik ist notwendig, da stagnierende Löhne sich negativ auf die Entwicklung des aktuellen Rentenwerts auswirken würden. Dies gelte ebenfalls, wenn das Arbeitsleben von zeitweiligen Niedriglohntätigkeiten oder häufiger Arbeitslosigkeit geprägt sei! Insbesondere die Nachhaltigkeit der Arbeitslosigkeit und die unterdurchschnittlichen Löhne der letzten Jahre fördern die längst überwunden geglaubte Altersarmut, welche gefühlt schon droht und in den nächsten Jahren und Jahrzehnten massiv zurückkehren könnte. Dies wäre ein trauriger zivilisatorischer Rückschritt und müsse deshalb mit allen Kräften verhindert werden (vgl. SPD 60plus, 2009, o. S.).

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Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668653719
ISBN (Buch)
9783668653726
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v415435
Institution / Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
2,0
Schlagworte
Ausbildungsunreife Arbeitgeberkritik Lösungsmöglichkeiten

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