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Wertewandel der Generation Y auf dem Arbeitsmarkt

Projektarbeit 2017 26 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Megatrends und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft

B Wertewandel der Generation Y auf dem Arbeitsmarkt
1. Wertewandel als grundlegende Veränderung einer Gesellschaft
1.1 Der Trend des Wertewandels als Kernfrage
1.2 Die Entstehung der Werte
1.3 Individualisierung als übergeordnete Veränderung
2. Die Auswirkung von Werteinstellungen auf den Arbeitsmarkt
2.1 Vorherrschende Werte der früheren Generationen
2.2 Die Generation Y auf dem Arbeitsmarkt
2.3 Reaktionsmöglichkeiten des Arbeitgebers
3. Kritische Würdigung
3.1 Elementare Veränderungen der Wertvorstellungen
3.2 Bewertung der Ergebnisse
3.3 Die Weiterentwicklung des Wertewandels

C Die Gesellschaft der Zukunft

Literaturverzeichnis

A Megatrends und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft

Die Digitalisierung und Globalisierung unserer Umwelt sind in den letzten Jahren zu den wichtigsten Treibern der Veränderung unseres Umfelds aufgestiegen. Diese Entwicklungen ziehen so tiefgreifende Änderungen des menschlichen Lebens nach sich, dass sie als Megatrends bezeichnet werden. Aufgrund der permanenten Interaktion des Menschen mit seinem Umfeld wird eine so gravierende Veränderung sich zwingend auch in der Gesellschaft als Ganzes bemerkbar machen. Der technische Fortschritt nimmt seit Jahren in rasantem Tempo zu und interkulturelle Grenzen verschwimmen durch die Globalisierung immer weiter. All das hat eine starke Wechselwirkung auf unsere Gesellschaft und erfordert Anpassungen in Verhalten und Denkweise. Das Fortschreiten der Megatrends wird von einem Fortschreiten der gesellschaftlichen Veränderung begleitet. Ein Mittel, um sich einen Überblick über die vorgehenden Prozesse der Änderung zu verschaffen, ist die genaue Analyse der Ursachen und Auswirkungen dieser Veränderungen. Die genaue Erklärung dieser Entwicklungen soll einen grundlegenden Wertewandel in unserer Gesellschaft aufdecken und in einem weiteren Schritt Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt deutlich machen.

Dadurch kann die Ungewissheit gegenüber der Situation in der Zukunft verringert werden und eine grundsätzliche Richtung der Entwicklung nachvollzogen werden.

B Wertewandel der Generation Y auf dem Arbeitsmarkt

1. Wertewandel als grundlegende Veränderung einer Gesellschaft

1.1 Der Trend des Wertewandels als Kernfrage

Hinsichtlich der genauen Definition von Werten existiert in der Literatur eine Vielfalt verschiedener Ansätze. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Werte erstrebenswerte und situationsübergreifende Ziele sind, die in ihrer Ausprägung variieren und als Leitprinzipien einer Person oder Gesellschaft dienen.1 Als weitere Definition können Werte als tiefsitzende, unveränderliche und generalisierte Vorstellung von Lebenszielen definiert werden.2 Werte beeinflussen Menschen also in ihren Ansichten und daraus resultierend in ihren Entscheidungen und ihrer Lebensweise.

Zur Klärung und genaueren Beschreibung eines vorherrschenden Wertewandels zwischen Generationen auf dem Arbeitsmarkt soll im Folgenden genauer beschrieben werden, wie es zu einem gesellschaftlichen Wertewandel kommt und welche Gründe dahinterstehen.

Hierfür wird der Prozess der Wertentstehung eines Individuums erarbeitet und erklärt, wie dadurch ähnliche Werte für eine ganze Generation entstehen können. Da Wertveränderungen vielschichtig und innerhalb der Generation nicht immer homogen verlaufen, soll der wesentliche Trend des Wertewandels herausgearbeitet werden.

Weiterhin soll ein besonderer Fokus auf die Generation Y gelegt werden. Die vorherrschenden Werte und Wertorientierungen der Generation Y werden mit denen der früheren Generationen verglichen und grundlegende Veränderungen erklärt. Insbesondere wird hier auf die Generation der Babyboomer, die zwischen 1945 und 1960 geboren wurde, und auf die Generation X, die sich auf Geburtsjahrgänge zwischen 1960 und 1980 bezieht, als Vergleich zurückgegriffen.3

Sobald eine Wertveränderung auf elementarer Ebene festgestellt werden kann, werden die Auswirkungen dieser Veränderung auf den Arbeitsmarkt spezifiziert. Im Vordergrund dieser Arbeit steht es, eine Handlungsempfehlung für den

Arbeitgeber auszusprechen, die die neuen Bedürfnisse der Generation Y bestmöglich abdecken kann.

Grundsätzlich soll folgender Frage nachgegangen werden:

Welche Wertveränderungen sind in der Generation Y zu beobachten und welche Auswirkungen haben diese auf den Arbeitsmarkt und das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

1.2 Die Entstehung der Werte

Um eine Veränderung in den Werten einer ganzen Generation feststellen zu können, muss betrachtet werden, wie sich eine Veränderung von Wertorientierungen einer heranwachsenden Generation entwickeln kann. Gemeinsame Werte einer Generation werden durch gemeinsame Erfahrungen und prägende Ereignisse geformt. Dies hat Auswirkungen auf Standpunkte und Verhaltensweisen in etlichen gesellschaftlichen Situationen, wodurch sich Unterschiede zu früheren Generationen manifestieren.4

Durch den demographischen Effekt werden langsam und kontinuierlich alte Werte durch neue Werte ersetzt und es entsteht ein Trend. Sobald der Unterschied dieser Werte prägnant genug zu beobachten ist, wird in der Literatur meist eine Trennung in eine neue Generation vorgenommen.

Ausschlaggebend für die Einteilung in Generationen ist also die Wertentwicklung einzelner Individuen. In der Forschung ist grundsätzlich der Konsens zu beobachten, dass die Wertentwicklung überwiegend in der Kindheit und Jugend abläuft.5 Menschen entwickeln ihre Persönlichkeit und damit auch ihr Werteprofil und behalten dies im Erwachsenenalter relativ stabil bei.6 Dies bedeutet nicht, dass erwachsene Menschen keine Anpassungen ihrer Denkweise vornehmen, allerdings nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Anpassung des Werteprofils erheblich ab, sobald ein Individuum das Erwachsenenalter erreicht.7 Es ist also wichtig, zu verstehen, wie die Werteentwicklung eines einzelnen Individuums in der Jugend abläuft.

"Das Gehirn entwickelt dazu im Laufe seiner Entwicklung über Erfahrungen und Erlebnisse ein eigenes (mentales) Modell der Wirklichkeit, also ein einzigartiges und vereinfachtes Abbild der Realität“.8 Natürlich sind diese Erfahrungen stark von Unterschiedlichkeiten geprägt, da die Umgebung eines jeden Individuums in verschiedenen Punkten stark abweicht. Was allerdings die Entwicklung einer ganzen Generation beeinflussen kann, sind so tiefgreifende Ereignisse oder Veränderungen deren Auswirkungen sich global bemerkbar machen. "Und auch wenn der individuelle Einfluss prägender Ereignisse auf die mentalen Modelle unterschiedlicher Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist, sind sie doch der rote Faden, der Generationen gemeinsame Merkmale verleiht".9 Auch Hurrelmann und Albrecht bestätigen diese Sichtweise und sind der Meinung, dass sich jedes Individuum auf seine persönliche Weise mit epochalen Ereignissen auseinandersetzt.10 „[W]eil nun einmal alle Jahrgänge einer Generation zur selben Zeit aufwachsen und in der entscheidenden Phase der Persönlichkeitsentwicklung, der Jugend nämlich, durch dieselben Ereignisse geprägt werden, bildet sich doch ein recht einheitlicher Sozialcharakter“.11

Es lässt sich also zusammenfassen, dass die wesentliche Entwicklung von Werten in der frühen Phase der Sozialisation bzw. der Jugend geschieht. Da die Jugend einer Generation die wesentlichen prägenden Ereignisse gemeinsam und in einem ähnlichen Alter miterlebt, entstehen so Werte und Einstellungen, die innerhalb einer ganzen Generation beobachtbar und nachweisbar sind.

Um eine Aussage über einen globalen generationenbezogenen Wertewandel treffen zu können, müssen also elementare Veränderungen mit globalen Auswirkungen auf die Menschheit herausgearbeitet werden.

1.3 Individualisierung als übergeordnete Veränderung

Das menschliche Handeln und auch die Entwicklung verschiedener Werte werden direkt von deren Umfeld beeinflusst. „Es gibt tiefgreifende Unterschiede im Verhalten und den Weltanschauungen von Menschen, die ihr persönliches Überleben als unsicher ansehen, und von Menschen, die sich um den Treibhauseffekt sorgen“.12 Diese Erkenntnis lässt sich mit Maslows Theorie der menschlichen Motivation erklären. Maslow ist der Meinung, dass sich menschliche Bedürfnisse in fünf Kategorien einteilen lassen.

Zu Beginn nennt er die physiologischen Bedürfnisse; die Bedürfnisse des Körpers. Hierunter zählen beispielsweise Hunger, Durst und Müdigkeit, genauer gesagt, alle Signale, die der Körper sendet, um das biologische System im Gleichgewicht zu halten.13 Dies sind die stärksten Bedürfnisse des Menschen und

drängen sich bei Nichterfüllung in den Vordergrund. So wurde „ein Wehrdienstverweigerer längere Zeit auf eine Beinahe-Nulldiät gesetzt. Nach mehreren Wochen verlor er das Interesse an sozialen Idealen und begann stattdessen an Essen zu denken, davon zu sprechen und sogar von Essen zu träumen“.14 Die Erfüllung der physiologischen Bedürfnisse ist also Grundlage für eine weitere Entwicklung.

Sobald die physiologischen Bedürfnisse ausreichend befriedigt sind, treten die Sicherheitsbedürfnisse auf. Diese können bei einer Bedrohung eine ähnlich starke Auswirkung auf das Handeln haben, wie die physiologischen Bedürfnisse und diese teilweise sogar für einen kurzen Moment übertreffen, um eine akute Lebensgefahr auszuschließen.15

Als nächste große Kategorie können die sozialen Bedürfnisse genannt werden. Hier erlebt der Mensch einen Drang nach sozialen Beziehungen, freundschaftlichen Verbindungen, Liebesbeziehungen und Familie. Die unzureichende Erfüllung dieser Bedürfnisse ist ein großer Motivator in einer modernen Gesellschaft, da vorgelagerte Bedürfnisse in ausreichendem Maß erfüllt sind.16

Nachfolgend treten Wertschätzungsbedürfnisse auf. Darunter fallen einerseits Bedürfnisse nach Erfolg, Selbstvertrauen, Unabhängigkeit und Freiheit und andererseits Bedürfnisse nach einem guten Ruf oder sozialem Prestige und Anerkennung. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse ruft Gefühle von Selbstvertrauen und Stärke hervor, während eine Nichterfüllung Gefühle von Minderwertigkeit, Schwäche und Verzweiflung hervorrufen kann.17

Sollten alle diese Bedürfnisse zu einem gewissen Grad erfüllt sein, wird dennoch eine gewisse Unruhe und Unzufriedenheit im Menschen hervortreten. Dies ist auf das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung zurückzuführen. Dies beschreibt den Wunsch eines Individuums, sein Potenzial auszuschöpfen und das zu tun, was ihm am besten liegt.18 Während alle anderen Bedürfnisse ähnliche Auswirkungen auf den einzelnen Menschen haben und ähnliche Handlungen nach sich ziehen, ist dies hier nicht der Fall. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung manifestiert sich also von Individuum zu Individuum sehr unterschiedlich, da die Entfaltung der Persönlichkeit in komplett verschiedene Richtungen verlaufen kann.

Der Verlauf dieser Bedürfnisse entwickelt sich allerdings nicht komplett linear.

Eine vorgehende Kategorie muss nicht zu 100% erfüllt sein, bis ein neues Bedürfnis auftritt, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bedürfnisrelevanz nach Maslow 19

In heutigen modernen Gesellschaften ist eine Verschiebung zu den Bedürfnissen der Selbstverwirklichung sehr wahrscheinlich. Physiologische und Sicherheitsbedürfnisse sind für die durchschnittliche westliche Kultur selbstverständlich und es stehen jegliche Freiheiten offen, seine sozialen Bedürfnisse und Wertschätzungsbedürfnisse zu stillen. Daraus ergibt sich die Folge, dass sich die Menschen mehr auf die Verwirklichung ihrer eigenen Wünsche konzentrieren können und hierfür aus einer Vielzahl von Möglichkeiten wählen können. Dies wird auch als Prozess der Individualisierung bezeichnet.

„Individualisierung beschreibt dabei einen langfristigen, gesamtgesellschaftlichen Prozess, in dem der Einzelne nach einem selbstbestimmten Leben und Selbstverwirklichung strebt“.20 Die Generation Y kann dies aufgrund verschiedener Faktoren noch stärker ausleben als vorherige Generationen. Durch den allgemeinen Wohlstandszuwachs der vergangenen fünfzig Jahre sinkt die Abhängigkeit des Einzelnen von traditionellen sozialen Bindungen und Normen. Dadurch entstehen neue, nie dagewesene Freiheiten, Optionen und Gestaltungsspielräume.21

Zusätzlich dazu erlebte „der Prozess der Individualisierung […] vor allem durch die Globalisierung und den technologischen Wandel einen weiteren Schub“.22 Die zunehmende digitale und globale Vernetzung eröffnet eine ganze Reihe an

Wahlmöglichkeiten in allen vorhandenen Lebensbereichen. Die Herausforderung der Generation Y ist es, die passende Wahl aus all diesen Möglichkeiten zu treffen. Dies erfordert die Entwicklung neuer Denk- und Verhaltensweisen, um sich an die neu geschaffenen Rahmenbedingungen anzupassen.23

Im folgenden Kapitel soll vor allem darauf eingegangen werden, wie sich diese Entwicklung auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Dazu sollen zuerst die Werte und Einstellungen der früheren Generationen, also der Babyboomer und der Generation X erarbeitet werden. Diese werden im Anschluss mit den Werten der Generation Y verglichen und die wesentlichen Unterschiede werden aufgezeigt. Zum Abschluss sollen verschiedene Möglichkeiten für den Arbeitgeber dargestellt werden, wie auf die neuen Einstellungen und Werte der Generation Y eingegangen werden kann.

2. Die Auswirkung von Werteinstellungen auf den Arbeitsmarkt

2.1 Vorherrschende Werte der früheren Generationen

Im Wesentlichen gibt es neben der Generation Y noch zwei weitere Generationen auf dem Arbeitsmarkt, welche sich in gewissen Anteilen auf die Erwerbsbevölkerung verteilen. Dies ist Abbildung 2 zu entnehmen. Die Generation der Veteranen ist für diese Ausführung zu vernachlässigen, da ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung gering ist und deshalb für eine Verdeutlichung des Wertewandels nicht von Bedeutung ist.

[...]


1 Vgl. Schwartz, 1994, S. 21.

2 Vgl. Inglehart, Silent Revolution, 1977, S. 29.

3 Vgl. Pfeil, 2017, S. 62.

4 Vgl. Benckendorff et al., 2010, S. 10.

5 Vgl. Klages, Wertorientierungen, 1984, S. 13f; Inglehart, Culture Shift, 1990, S. 12f; Smola/Sutton, 2002, S. 364; Holste, 2012, S. 18; Pfeil, 2017, S. 8; Hurrelmann/Albrecht, 2014, S. 15.

6 Vgl. Inglehart, Silent Revolution, 1977, S. 23.

7 Vgl. Inglehart, Silent revolution, 1977, S. 23.

8 Schulenburg, 2016, S. 8.

9 Schulenburg, 2016, S. 8.

10 Vgl. Hurrelmann/Albrecht, 2014, S. 14.

11 Hurrelmann/Albrecht, 2014, S. 14 f.

12 Vgl. Inglehart, Postmodernisierung, 1998, S. 59.

13 Vgl. Maslow, 1943, Seite 373.

14 Inglehart, Postmodernisierung, 1998, S. 56.

15 Vgl. Maslow, 1943, S. 376.

16 Vgl. Ebd. S. 381.

17 Vgl. Maslow, 1943, S. 382.

18 Vgl. Ebd.

19 Heckhausen/Heckhausen, 2010, S. 58.

20 Ewinger et al., 2016, S. 5.

21 Vgl. Zukunftsinstitut GmbH, 2011, S. 10.

22 Ewinger et al., 2016, S. 7.

23 Vgl. Deutsche Gesellschaft für Personalführung e. V., 2011, S. 8.

Details

Seiten
26
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668653962
ISBN (Buch)
9783668653979
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v415705
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach
Note
1,5
Schlagworte
Generation Y Babyboomer Generation X Generation Z Werte Maslow Bedürfnis Bedürfnispyramide Generationenforschung Zukunftsforschung

Autor

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