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Paul Rebhuhns Reformationsdrama "Ein Geistlich spil von der Gotfürchtigen vnd Keuschen Frawen Susannen Susanna". Tugendhafte Heldin und ideale Ehefrau der Reformation

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 23 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Das Drama der Reformation

3. Die Frau und die Ehe in der Reformation

4. Paul Rebhuhns Susanna-Drama
4.1 Rebhuhns Susanna als Vorbild: perfekte Ehefrau und ideale Mutter
4.2 Hortus conc/usus-Metaphorik zur Verdeutlichung der intakten Ehe

5 Fazit

Literatur

1. Einführung

Gerade die Apokryphen der Bibel bildeten den Vorbildstoff für zahlreiche protestantische Bibeldramen. Für die Protestanten des 16. Jahrhunderts bot aber vor allem der Susanna- Stoff (aber auch Judith oder der verlorene Sohn) etwas programmatisches, weshalb die protestantischen Autoren sich der Dramatisierung dessen besonders intensiv widmeten. Die Geschichte der Susanna lieferte einen besonderen Anreiz, der darin begründet liegt, dass Luther besonderen Wert auf die Heiligkeit der Ehe legte. Diese wird hierin zuerst angegriffen und erweist sich sodann jedoch als beständig. Die Sünder sind die unverheirateten, eigentlich in Enthaltsamkeit lebenden, Richter.1 „So steht das protestantische Ideal der reinen Ehe gegen das nach Luther unerfüllbare Ziel der Enthaltsamkeit. Susanna verherrlicht dieses protestantische Ideal; sie zeigt [außerdem], wie [eine protestantische (Ehe-)] Frau sich verhalten soll.“2

„Die Geschichte der Susanna eignet sich hervorragend dazu, die Standhaftigkeit der Heldin, ihre Gottesfürchtigkeit und ihr Gottvertrauen exemplarisch als Vorbild für eine tugendhafte Lebensführung darzustellen wie auch die Bestrafung eines nicht tugendhaften unkeuschen Lebens als Negativbeispiel.“3

Wissenschaftliche Untersuchungen zur Entstehung und der Rezeption der Susanna- Geschichte finden sich überwiegend im Feld der Genderforschung sowie in Forschungsarbeiten zu reformatorischen Dramen und deren Besonderheiten. Für die vorliegende Arbeit war vor allem die Monographie von Manuel Simon4 äußerst hilfreich, da jene die historischen Zusammenhänge und die Bedeutung der Susanna-Geschichte für die Rolle der Frau sehr umfangreich darstellt. Die Lebensstellung der Frau innerhalb der Reformation und ihre Funktion als Hausmutter werden genau herausgearbeitet. Daneben legt die Arbeit besonderen Wert auf die literarische Rezeption des religiösen Stoffes. In diesem Zusammenhang geht Simon auch näher auf die Susanna-Bearbeitung Rebhuhns ein und macht dabei deutlich, welche Charaktereigenschaften eine vorbildliche Ehefrau zu Zeiten der Reformation aufweisen sollte. Die Dissertation von Nicole Lorenz5 bildet in dieser Arbeit die Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Reformationsdrama. Die Promotionsschrift beschäftigt sich mit den wichtigsten Werken sächsischer Autoren des 16. Jahrhunderts. Darin finden auch die Biografie Rebhuhns und das von ihm geschaffene Drama über Susanna Berücksichtigung. Von besonderer Relevanz ist - ganz im Sinne der Reformation - das Verhalten der verschiedenen Figuren. Lorenz vergleicht zudem die Bearbeitungen der unterschiedlichen Autoren. Einen wesentlichen Beitrag zum protestantischen Drama leistet auch Detlef Metz6, wobei er sich in seiner Monographie besonders auf das Theater der Reformationszeit konzentriert. Für die vorliegende Arbeit waren vor allem die Abschnitte über den Aufbau der Dramen, die Bedeutung des „Wittenberger Kreises“ und der Exkurs über den Einfluss Martin Luthers auf die Literaturproduktion von Interesse. Wenn es um das Susanna-Drama Rebhuhns geht, sollte hier noch der Beitrag von Hans-Gert Roloff7 Erwähnung finden, da dieser die wichtigsten Punkte des Dramas herausarbeitet und in einem kurzen Überblick zusammenfasst, sodass man die Besonderheiten der Bearbeitung schnell erfassen kann.

Nach diesem einführenden Abschnitt wird das nachfolgende Kapitel dem Leser einen allgemeinen Einblick in das sog. Reformationsdrama geben. Von besonderer Relevanz werden dabei das sächsische Bibeldrama und dessen Besonderheiten sein. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Rolle der Frau während des 16. Jahrhunderts verändert hat und welchen Einfluss Luthers Ansichten zur Ehe darauf hatten. Darauf aufbauend wird dann das Susanna-Drama Rebhuhns im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Die Figur der Susanna und ihre Rolle als (Ehe-) Frau in der Reformation sollen die Erarbeitungen abrunden. Es wird sich die Fragen stellen, inwieweit das schon in der Bibel vorbildhafte Verhalten Susannas durch Rebhuhns Bearbeitung die Besonderheiten der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit der Ehe widerspiegelt.

2. Das Drama der Reformation

Die Bühne galt als „Waffe der Reformation“. Dementsprechend kam dem Drama ab dem 15. Jahrhundert eine immer wichtigere Rolle als neue Gattung zu. In Deutschland etablierten sich unterschiedliche Dramentypen, wobei sich gerade in Sachsen, dem „Stammland der Reformation“, das mitteldeutsche Reformationsdrama durchsetzte. Dieses zeichnete sich weniger durch einen hohen künstlerischen Anspruch als vielmehr durch seine sozialen Funktionen aus. Das Reformationsdrama diente der Einführung und

Festigung moralischer Grundsätze sowie der Belehrung des Publikums in Glaubensfragen.8 Bei Roloffheißt es dazu treffend:

„Die einprägsame Vorführung einer lehrhaften moralisierenden Tendenz war das vomehmliche Ziel fast aller Dramen dieser Zeit; es lag nicht in der Absicht der Autoren, durch kunstvolle, literarisch­ästhetisch gestaltete Dramen ihr Publikum zu unterhalten, sondern sie wollten lehren, aufklären und bilden - auch mit den Mitteln des Theaters.“9

Die sächsischen Dramen verbreiteten sich über ganz Deutschland. Autoren in anderen Regionen adaptierten oftmals die gleichen Stoffe, die allesamt der Bibel entstammten. Die Bedeutung der Bibel und die Verbreitung des neuen Glaubens in der Reformation setzten zudem neue Maßstäbe für die Literatur. Auch hier sei auf Roloff verwiesen, der darauf aufmerksam macht, dass das Bibeldrama - vergleichbar mit einer Predigt - als Auslegung eines Bibeltextes verstanden werden kann:

„Der Dramatiker eines Bibelstoffes war in der Tat in der Schwierigkeit, zwischen den Ansprüchen von Ästhetik und Theologie, zwischen effektvoller Dramatisierung und Verkündigung des reinen unverfälschten Wortes lavieren zu müssen. [Luther forderte zum Beispiel vom Dramatiker seiner Zeit und vom Bibeldrama, dass es ordentlich und unverfälscht sein müsse.] Insofern ist es berechtigt, den Gehalt des Bibeldramas wie den Gehalt einer Predigt, d.h. als Auslegung eines Bibeltextes, zu betrachten.“10

Die verschiedenen protestantischen Dramen weisen jeweils eine ähnliche Struktur auf, denn es setzte sich weitgehend eine Einteilung in fünf Akte durch. Vorbild dieses fünfteiligen Aufbaus ist das humanistische neulateinische Drama. Der Prolog gibt dem Autor die Möglichkeit, die Intension bzw. den thematischen Horizont des Dramas kurz zu umreißen. Das auf den Prolog folgende argumentum trägt die eigentliche Handlung. Die einzelnen Akte werden - der antiken Tradition folgend - meist durch einen Chor abgeschlossen. Dadurch soll das Publikum stärker in das Stück mit einbezogen werden. Den Schluss bildet der Epilog, also ein Lehrstück für die Zuschauer. Die Struktur und der pädagogische Anspruch spiegeln den humanistischen Ursprung des Reformationsdramas wider. Durch die Dreiteilung kann der Verfasser mit seinem Publikum in Kontakt treten, aber auch sein schriftstellerisches Tun rechtfertigen. Teilweise ergänzen daher auch Widmungsschreiben die Dramen. Diese dienen dazu, die Auswahl der Geschichte bzw. des Themas zu begründen. In der Regel ist es üblich gewesen, dass das Publikum bereits mit der Widmung oder dem Prolog über den Inhalt des jeweiligen Stücks informiert wurde. Das stellte auch deshalb kein Problem dar, weil die biblischen Stoffe, die den Dramen zugrunde lagen, den meisten Zuschauern ohnehin bekannt waren.11 Autoren von Reformationsdramen waren zum Beispiel Lehrer, Schulmeister oder Pfarrer. Oftmals wird deshalb in der Forschung das geistliche Drama der Reformation als Schuldrama bezeichnet. Bemerkenswert ist, dass es über eine lange Zeit hinweg, ein Nebeneinander von deutschen und lateinischen Aufführungen gab. Im Rahmen der Schule und bei geschlossenen Aufführungen wurde lateinisch vorgeführt, an öffentlichen Orten (wie etwa aufMarktplätzen) immer häufiger auf Deutsch.12

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bildete sich zunehmend ein Autorenkreis heraus, der in der Forschung als „Wittenberger Kreis“ bezeichnet wird. Detlef Metz beschreibt jenen wie folgt:

„Unter ,Wittenberger Kreis‘ seien [...] solche Verfasser geistlicher Dramen verstanden, die eine besondere Beziehung zur frühen Wittenberger Reformation pflegten - sei es dass sie dort studierten, sei es dass sie sogar mit Luther und Melanchthon in freundlichem Verhältnis standen - und deren dramatische Tätigkeit sich dieser Beziehung verdankte oder zumindest von ihr beeinflusst war.“13

Der Schwerpunkt des literarischen Schaffens des „Wittenberger Kreises“ liegt in den dreißiger und vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts, wobei die Texte ausnahmslos in deutscher Sprache verfasst wurden. Zu den wichtigen Autoren der Gruppe gehörte auch der Österreicher Paul Rebhuhn (ca. 1500-1546), der in Wittenberg studierte und mit Luther und Melanchthon befreundet war. Er war unter anderem Schulmeister in Kahla und Pfarrer in Plauen, bevor er Superintendent in Oelsnitz wurde. Sein Susanna-Drama Ein Geistlich spil von der Gotfürchtigen vnd Keuschen Frawen Susannen14 war sein erstes und erfolgreichstes Drama. Es wurde am ersten Fastensonntag des Jahres 1535 in Kahla, mit Unterstützung von Schülern und Bürgern, uraufgeführt und in den folgenden Jahren mehrfach nachgedruckt.15 „Bis 1610 sind 14 Aufführungen, über den sächsischen Bereich hinaus, belegt.“16

Der Susanna-Stoff war einer der beliebtesten des 16. Jahrhunderts. Nicole Lorenz weist allerdings darauf hin, dass erste dramatische Bearbeitungen bereits aus dem 14. Jahrhundert überliefert sind.17 Heute sind insgesamt etwa 20 verschiedene dramatische Fassungen bekannt, die während des 15./16. Jahrhunderts entstanden sind. Das Hauptinteresse an der biblischen Fassung galt der constatia von Susanna und ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen. Ihre Tugendhaftigkeit wird durch Errettung belohnt. Dieses Bibeldrama soll den Glauben stärken und kann somit als durchweg reformatorisch bewertet werden.18 „Daneben bot die Susanna-Gestalt auch genügend Ansatzpunkte, um ein in der Zeit beliebtes Idealbild der frommen, keuschen und züchtigen Gattin und Mutter exemplarisch darzustellen.“19 In den folgenden Kapiteln soll nun die Rolle der Frau in der Reformationszeit, also innerhalb ihrer Familie und der Ehe, genauer untersucht werden. Es geht dabei um die Frage, inwieweit Rebhuhn das damals gültige Frauenbild aufgreift und welche erzieherische Wirkung seine Susanna-Figur auf das Publikum ausüben sollte.

3. Die Frau und die Ehe in der Reformation

Martin Luther nahm mehrfach öffentlich Stellung zur Rolle der Frau und ging zudem in seinen Werken und Schriften auf diese Fragestellung ein. Beispiele hierfür sind Vom ehelichen Leben aus dem Jahre 1522 und das Traubüchlein20 von 1529. Die von ihm u. a. hierin nieder gelegten Gedanken sind geprägt von seiner Auseinandersetzung mit biblischen Originalzeugnissen und Überlieferungen. Luthers Genesiskommentar von 1535­45 zeigt exemplarisch, dass der Reformator seine Auffassungen zur Ehe aus dem Schöpfungsbericht heraus ableitete. Er betrachtete die Ehe als eine ausdrücklich weltliche Institution, als eine Gemeinschaft unter dem Segen Gottes. Die Eheschließung obliegt demnach weltlichen Autoritäten und sollte auch von dieser Seite aus geregelt werden. In dem die Eheordnung durch die weltliche Obrigkeit vorgegeben wird und ihre Nichteinhaltung durch diese auch sanktioniert werden kann, sind Leib und Gut in einer Ehe rechtlich geschützt. Der Hauptzweck der Ehe bestand für Luther deshalb darin, dass Leib und Gut zweier Menschen fest miteinander zu verbinden. Innerhalb dieser rechtlich nach außen geschützten Gemeinschaft sollten Mann und Frau einem geordneten Geschlechtsleben nachgehen, das ihnen die Fortpflanzung ermöglicht und zugleich sexuelle Befriedigung gewährt. Ausgehend von diesen Überlegungen hielt Luther den Ehestand für eine „Gottesordnung“, die der Schöpfung Gottes angemessen und dienstbar ist. Mit Blick auf das innereheliche Verhältnis zwischen Mann und Frau lässt sich feststellen, dass Luther die Erziehung und Fürsorge der Kinder als eine gemeinsame Aufgabe von Frau und Mann ansah. Der Reformator betonte mit Blick auf den Erziehungsalltag nicht nur, dass der Nachwuchs im festen Glaube an Gott aufzuziehen sei, sondern er sah durchaus die Notwendigkeit, dass der Mann seiner Frau bei den üblichen Verrichtungen, wie dem Waschen und Windeln wechseln zur Hand gehen sollte. Er betonte überdies, dass der Mann seiner Frau für die Gefahren, die sie bei einer Geburt zu überstehen hat, Anerkennung zollen sollte. Luther war jedoch kein Verfechter der Gleichheit von Mann und Frau. Ein respektvoller Umgang miteinander sowie die Einhaltung bestimmter Regeln und Pflichten, das erwartete Luther von beiden Geschlechtern. Die Lutherische Arbeitsteilung in der Ehe ordnete die Frau dem Mann im Handeln und Denken allerdings klar unter. Während Luther dem Mann die produktive Rolle des Arbeiters bzw. des Erzeugers zurechnete, galt ihm die Frau in erster Linie als Mutter, die für den Nachwuchs verantwortlich ist. Luther zufolge, können Frauen nicht klug reden und sind dem Mann verstandesmäßig unterlegen. Deshalb können sie nicht überzeugend argumentieren und sind deshalb nicht geeignet, um ein politisches oder kirchliches Amt zu bekleiden. Allein die Leitung über den Hausstand kann man ihnen zugestehen, so Luther.21 Domröse beschreibt Luthers Ansichten so:

„Andererseits zieht Luther auch in seinen Tischreden eindeutige Grenzen für Frauen. So soll die Frau im Haushalt regieren und über Angelegenheiten, die den häuslichen Bereich betreffen, vermag sie auch mit Verstand zu reden. Alles, was jedoch über den Haushalt hinausgehe, sei nicht ihr Bereich, sondern das Terrain des Mannes, da die Frau auf diesem Gebiet nur unordentlich und kindisch rede.“22

Die Ehefrauen waren eine Zeit lang Wesen „zweiter Ordnung“, doch die Reformatoren betonten, dass die Ehe eine von Gott gestiftete Situation sei und die Nonnen und Mönche in einem vom Menschen gemachten - also sozial konstruierten - Status lebten. Der soziale Status der Ehefrauen wurde aufgewertet, weil man zunehmend den positiven Einfluss der Frauen auf das gesamte familiäre Zusammenleben anerkannte. Die Reformatoren waren selbst oftmals ehemalige Mönche, die nun frühere Nonnen heirateten und ihre Sexualität damit legitimierten. Zwar war eheliche Sexualität immer noch verwerflich, aber besser als Hurerei und Masturbation. Die Ehe war sozusagen ein natürlicher Zwang und keine freie Entscheidung, wenn man so sündenfrei wie möglich leben wollte. Die Ehe als Allgemeingut aller Menschen wurde, wie bereits oben dargestellt, zunehmend aus dem Zuständigkeitsbereich der Kirche herausgelöst. „Öffentlich vollzogen und eingebunden in die Normen der Gesellschaft wurde die Ehe nach Luthers Vorgaben zu einem Stand der weltlichen Ordnung, und zwar zu ihrem ersten und vornehmsten Stand.“23

Die Auswirkungen der Ehe-Lehre Luthers auf die gesellschaftliche Rolle der Frau waren gewaltig. Zum einen kann darin eine Abwertung derselben gelesen werden, zum anderen eine Aufwertung. Die Frau wurde mit der Reformation auf ihre Funktion als Hausfrau und Mutter festgelegt. Sie war verantwortlich für den Haushalt und die Familie. Eine freie Persönlichkeit als Individuum konnte ihr nach Luthers Auslegungen, die im weitesten Sinne den mittelalterlichen Anschauungen folgten, nicht zugesprochen werden. Ihre Rolle wurde durch ihre Biologie und ihre Stellung in Bezug auf den Mann bewertet, was sie zu einem Menschen zweiter Klasse machte.24 Anders als dem Mann, der durch seinen Beruf zum Sachwalter Gottes auf Erden werden und damit in den Gnadenstand gelangen konnte, war der Frau dieser Weg versperrt. Die Frau konnte Gottes Gnaden nur dann erhalten, wenn sie ihre Aufgaben als gehorsame Ehefrau und Mutter zur Zufriedenheit des Mannes erfüllte. Noch einmal erwähnt werden muss an dieser Stelle, dass der Mann unter diesen Vorzeichen ausdrücklich nicht von allen häuslichen und familiären Pflichten frei gestellt gewesen ist.25 Für die Nonnen, die dieses neue „Amt“ nicht einnehmen wollten, hatte das schwierige Folgen (siehe Kapitelende). „Die Voranstellung, die Martin Luther der Ehe einräumte, bedeutete also keineswegs eine uneingeschränkte Hochschätzung der Frau, wie dies in älteren Arbeiten im bezeichnenden Widerspruch zu denen jüngsten Datums gern behauptet wird.“26 In den Eheschriften Luthers wird betont, dass die Frau den Mann nicht nur zu unterstützen hat, sondern auch für Freude und Trost sorgen soll. Ihre Rolle, als eine Gehilfin des Mannes, sichert vor allem die Familie. Durch sorgsame Kindererziehung festigt die Frau die Tugenden der Einzelnen. Durch die Reformation gab es ein gesteigertes kommunales Ordnungsdenken, was der Forderung nach sorgfältiger Kindererziehung Nachdruck verlieh.

[...]


1 Michael, Wolfgang F. (Hg.): Die Nürnberger "Susanna". Ein Spiel aus dem frühen 16. Jahrhundert ; FaksimileundKommentar, Göppingen 1994. (=Litterae,Bd. 115). S. 17-19.

2 ebd,, S. 19.

3 Lorenz, Nicole: Das sächsische Reformationsdrama als Bindeglied zwischen mittelalterlichen und neuzeitlichen Aufführungsreformen und Kommunikationsmedium der Reformation, Chemnitz 2014, S. 39.

4 Simon, Manuel: Heilige, Hexe, Mutter. Der Wandel des Frauenbildes durch die Medizin im 16. Jahrhundert, Berlin 1993. (= Reihe Historische Anthropologie, Bd. 20).

5 Lorenz 2014 (wie Anm. 3).

6 Metz, Detlef: Das protestantische Drama. Evangelisches geistliches Theater in der Reformationszeit und im konfessionellen Zeitalter, Köln, Weimar, Wien 2013.

7 Roloff, Hans-Gert: Paul Rebhuhns 'Susanna', in: Hans-Gert Roloff/Christiane Caemmerer (Hg.): Kleine Schriften zur Literatur des 16. Jahrhunderts. Festgabe zum 70. Geburtstag, Amsterdam [u.a.] 2003, S. 169­185. (= Chloe, Bd. 35).

8 Vgl. ebd., S. 169-171.

9 ebd,, S. 170.

10 ebd,, S. 181.

11 Vgl. Metz 2013 (wie Anm. 6), S. 28f.

12 Vgl. ebd., S. 31-35.

13 ebd., S. 105.

14 Rebhuhn, Paul: Susanna, in: Hellmut Thomke (Hg.): Deutsche Spiele und Dramen des 15. und 16. Jahrhunderts, Frankfurt am Main 1996, S. 327-444.

15 Vgl. Metz 2013 (wie Anm. 6), S. 105f.

16 ebd., S. 106.

17 Vgl. Lorenz 2014 (wie Anm. 3), S. 40. Auch auf das Leben Rebhuhns geht die Autorin sehr genau ein, S. 31ff.

18 Vgl. Roloff (wie Anm. 7), S. 179.

19 ebd. S. 179.

20 Luther, Martin: Enchiridion, der kleine Catechismus, für die gemeine Pfarherren, und Prediger. Der kleine Katechismus. Franckfurt a. O. 1612. SLUB Dresden http://digital.slub-dresden.de/id334857732, S. 5-58.

21 Vgl. Domröse, Sonja: Frauen der Reformationszeit. Gelehrt, mutig und glaubensfest, Göttingen 2010, S. 133-141.

22 ebd., S. 140f.

23 Roper, Lyndal: Das fromme Haus. Frauen und Moral in der Reformation, Frankfurt am Main u.a. 1995. (= Reihe Geschichte und Geschlechter : Sonderband), S. 132.

24 Vgl. Becker-Cantarino, Barbara (Hg.): Die Frau von der Reformation zur Romantik. Die Situation der Frau vor dem Hintergrund der Literatur- und Sozialgeschichte. 2. Aufl., Bonn 1985. (= Modem German studies, Bd. 7).; Weigelt, Sylvia: "Der Männer Lust und Freude sein". Frauen um Luther. 1. Aufl., Weimar 2011.

25 Roper 1995 (wie Anm. 23), S. 227. „Die Reformatoren haben parallel zu Luthers Theologie der zwei Reiche gewissermaßen eine Zwei-Reiche-Lehre des Geschlechterunterschieds entwickelt: Mann und Frau waren in geistlicher Hinsicht gleich, aber ihre Ämter auf Erden unterschieden sich. Dadurch, daß sie die Unterschiede zwischen Mann und Frau und der irdischen Welt fest machten, bekräftigten die Protestanten jedoch die unterschiedlichen Pflichten von Mann und Frau und arbeiteten diese Unterschiede weiterhin aus.“

26 Hörauf-Erfle, Ulrike: Wesen und Rolle der Frau in der moralisch-didaktischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Univ., Diss. Frankfurt (Main), 1990, Frankfurt am Main 1991. (= Europäische Hochschulschriften Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 482), S. 138.

Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668672154
ISBN (Buch)
9783668672161
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v415911
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,3
Schlagworte
paul rebhuhns reformationsdrama geistlich gotfürchtigen keuschen frawen susannen susanna tugendhafte heldin ehefrau reformation

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Titel: Paul Rebhuhns Reformationsdrama "Ein Geistlich spil von der Gotfürchtigen vnd Keuschen Frawen Susannen Susanna". Tugendhafte Heldin und ideale Ehefrau der Reformation