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Kunstvermittlung im Museum. Von den Potentialen des Originals

Hausarbeit 2016 10 Seiten

Pädagogik - Kunstpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Meisterwerke – ein Überblick
1.1 Artemisia Gentileschi – Judith enthauptet Holofernes, 1612/13
1.2 Rembrandt Harmensz Van Rijn – Die Blendung des Simsons, 1636

2. Der Dialog

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit stellt einen Portfolio-Baustein der Modul 3-Kunstprüfung dar und wurde im Rahmen des Seminars „Themenorientierte Studien mit fachdidaktischem Schwerpunkt – Kunstvermittlung im Museum: Von den Potentialen des Originals“ erarbeitet. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, verschiedene Kunstwerke in einen Dialog zu bringen und unter gewissen Aspekten miteinander zu vergleichen. Als Modulleistung im Anschluss an eine Exkursion beträgt der geforderte Umfang (für WHRPO 2011, NF) mindestens zwei Textseiten.

Die Grundlage für die vorliegende Arbeit bildet die Exkursion nach Frankfurt vom 05.10.2015 – 09.10.2015, die mit dem Besuch des Städelmuseums verbunden war. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums wurden dort in einer großen Sonderausstellung zentrale Werke aus den bestehenden Sammlungsbereichen mit 65 Meisterwerken aus den renommiertesten Museen der Welt, wie dem Museée d’Orsay in Paris, der Albertina in Wien oder der Tate in London zusammengebracht. In insgesamt 40 Gegenüberstellungen traten weltbekannte Werke von Vermeer, Poussin, Picasso und vielen mehr in einen „Dialog der Meisterwerke“ (Titel der Jubiläumsausstellung). Dadurch wurde es ermöglicht überraschende Bezüge zwischen den Künstlern, deren Biographien und Werken herzustellen, die innerhalb der Sammlung rund 700 Jahre Kunstgeschichte umfassen.[1]

Der für diese Arbeit ausgewählte Dialog war in der Sammlung „Alte Meister“ zu finden. „Judith enthauptet Holofernes“ von Gentileschi wurde anlässlich der Jubiläumsausstellung als Leihgabe vom Museo e Gallerie Nationali di Capodimonte (Neapel) nach Frankfurt gebracht. Dort stand es (bis Ausstellungsende am 24. Januar 2016) Rembrandt’s Gemälde „Die Blendung des Simsons“, gegenüber, das sich seit 1905 in Besitz des Städel befindet. Beeindruckend ist die Dramatik und Ausdrucksstärke beider Werke, sodass sie gut im Gedächtnis blieben und so meine Auswahl mitbestimmten. Zudem konnten – aufgrund meines zweiten Studienfaches der katholischen Religionspädagogik - interdisziplinäre Bezüge hergestellt werden, die ein besseres Verständnis und die Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven ermöglichten.

Die Gliederung der Arbeit umfasst zwei Punkte. Eine kurze Vorstellung beider Werke findet sich unter Punkt eins. Unter Punkt zwei befindet sich der Dialog, der sich mit Gemeinsamkeiten, Unterschieden und Interpretationsmöglichkeiten beider Werke befasst.

1. Die Meisterwerke – ein Überblick

1.1 Artemisia Gentileschi – Judith enthauptet Holofernes, 1612/13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: ARTEMISIA GENTILESCHI (1593 – ca. 1653)

Judith enthauptet Holofernes 1612/13

Öl auf Leinwand, 158,8 x 123,5 cm

Museo e Gallerie Nationali di Capodimonte, Neapel

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Judith_und_Holofernes_(Artemisia_Gentileschi)

Gentileschis Historienmalerei bezieht sich auf jenen Bibelausschnitt aus dem Alten Testament, in dem eine Frau durch Mord ihr Volk rettet. Es handelt sich um die Figur Judiths, die zusammen mit ihrer Magd den mächtigen assyrischen Feldherrn Holofernes enthauptet. Nach der Bibelgeschichte belagert dieser mit seinen Truppen die Stadt Betulia, die er durch Abschneiden der Wasserzufuhr zur Kapitulation zwingen will. Da die Bevölkerung zu verdursten droht, ergreift Judith die Initiative und verschafft sich mithilfe ihrer weiblichen Reize Einlass in Holofernes‘ Gemächer. Als dieser nach einem Fest so betrunken ist, dass er einschläft, ermordet sie ihn im Schlaf. Abweichend von der Bibelgeschichte ist ihre Magd in der Darstellung des Gemäldes aktiv an der Tötung beteiligt. Sie scheint in etwa Judith’s Alter zu haben und hilft ihr dabei Holofernes in Position zu halten. In der Bibelgeschichte wird von einer „alten Magt“ erzählt, die vor dem Zelt mit einem Sack wartet, um Holofernes‘ Haupt in Empfang zu nehmen (vgl. AT Buch Judith (Jdt 13,10) Bibelübersetzung: Lutherbibel 1984). Bei der Darstellung von Gentileschi handelt es sich quasi um eine Momentaufnahme, die den Augenblick eines schrecklichen Mordes dokumentiert. Die Magd drückt dabei den Oberkörper des Holofernes mit großer Anstrengung nach unten, während sich Judith voller Abscheu aber auch Entschlossenheit nach hinten beugt um mit gestreckten Armen den Kopf abzutrennen. Holofernes versucht sich mit letzter Kraft aus dem Griff der Magd zu befreien, indem er sie am Kragen packt. Jedoch hat er keine Chance. Sein Mund ist weit aufgerissen, die Augen verdreht und aus seiner Kehle fließt das Blut über die weißen Bettlaken.

1.2 Rembrandt Harmensz Van Rijn – Die Blendung des Simsons, 1636

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: REMBRANDT H. VAN RIJN (1606 – 1669)

Die Blendung des Simsons, 1636

Öl auf Leinwand, 206 x 276 cm

Städel Museum, Frankfurt am Main

Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Blendung_Simsons#/media/File:Rembrandt_Blendung_Simsons@St%C3%A4del_Museum_Frankfurt20170818.jpg

Auch Rembrandt’s Gemälde bezieht sich auf eine Geschichte des Alten Testaments. Sie zeigt die Heldenfigur Simson im Kampf gegen die Philister. Die Szene spielt sich in einer dunklen Höhle ab, die von einem einbrechenden Lichtstrahl, in der linken Bildhälfte, beleuchtet wird. Simson wird von einem Soldaten im Klammergriff von hinten gewaltvoll auf den Boden gezerrt, während ihm ein anderer einen scharfen Dolch in sein rechtes Auge rammt. Das Blut spritzt über Simson‘s schmerzverzerrtes Gesicht. Rechts davon steht ein weiterer Soldat, der den kräftigen Arm Simsons mit einer Stahlkette festhält. Dahinter in der rechten oberen Ecke des Bildes ist ein weiterer Mann zu sehen, von dem nur das Gesicht und die rechte Hand mit einem erhobenen Säbel aus dem Dunkel hervortreten. Simsons Fäuste sind geballt, doch angesichts der Überzahl der Angreifer ist jeder Wiederstand zwecklos. Von links bedroht ihn ein weiterer Philister mit einem Speer. Hinter Simsons rechtem Fuß, der schmerzgekrümmt in die Höhe ragt, kann man seine Geliebte Delilah sehen. Ihr hat Simson seine einzige Schwachstelle verraten, sein langes blondes Haar, das ihm zu übernatürlichen Kräften verhalf. Für Geld lockte sie ihn in einen Hinterhalt und schnitt ihm sein Haar ab um ihn dann geschwächt den Philistern zu überlassen. Delilah blickt mit einem unergründlichen Blick über ihre linke Schulter zurück, in der einen Hand die Haare des Simsons, in der anderen Hand eine Schere. Auffallend ist die brutale und realistische Darstellung der Szene. Bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass die Waffen eher unsachgemäß verwendet werden (z.B. die Handschellen, die als Kette gebraucht werden und der Dolch, der an der Klinge gefasst wird). Man sieht den Moment der größten Gewalt, das hastige und eher planlos wirkende Szenario, in der Simson sein Augenlicht verliert.

[...]


[1] Vgl. Homepage des Städelmuseums unter http://www.staedelmuseum.de/de/ausstellungen/dialog-der-meisterwerke (abgerufen am 06.03.2017)

Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668669178
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v417866
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Schlagworte
kunstvermittlung museum potentialen originals

Autor

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Titel: Kunstvermittlung im Museum. Von den Potentialen des Originals