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Das Frauenbild in den Massenmedien

Seminararbeit 2017 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rolle und Funktion der Medien in der Gesellschaft

3 Theoretische Grundlagen
3.1 Biologisches und soziales Geschlecht
3.2 Geschlechterrollen: „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“
3.3 Vermittlung vom weiblichen Geschlecht in den Medien

4. Das Frauenbild in verschiedenen Medien
4.1 Printmedien - Ausbau von klischeebehafteten Stereotypen der Frau
4.2 Internet und soziale Netzwerke – Herausforderung und Chance für das weibliche Geschlecht
4.3 Fernsehen und Filme – Rolle der Frau in Bild und Ton

5. Frauenbild in der Werbung

6. Fazit: Auswirkungen der sexistischen Darstellung der Frau in den

7. Quellenverzeichnis
7.1 Abbildungen
7.2 Bücher
7.3 Internetquellen

1 Einleitung

„Medieninhalte bieten kein objektives Abbild der Realität, aber sie beeinflussen nachhaltig die Vorstellungen der Menschen von dieser Realität“[1].

Mit diesem Zitat beschreibt die Bielefelder Soziologin Christiane Schmerl das aktuelle Problem der massenmedialen Darstellung von Geschlechter-stereotypen.

Zwar werden die gesellschaftlichen Differenzen zwischen Mann und Frau allmählich geringer, was beispielsweise im wirtschaftlichen und familiären Bereich erkennbar ist, jedoch werden Frauenbilder in den Medien immer noch sehr häufig eindimensional dargestellt[2].

Frauen werden in den Massenmedien meistens auf bestimmte Attribute (z.B. naiv, aufreizend bzw. charmant) und Rollen (z.B. Ehefrau, Hausfrau) reduziert abgebildet. Sie werden sehr oft sexualisiert und als Objekte ohne vielfältige Persönlichkeit verkörpert. Dies geschieht meist in der Werbung, aber auch in anderen Bereichen der Medien. Es umfasst sowohl die Printmedien, das Fernsehen und heutzutage auch das Internet mit den sozialen Netzwerken.

Wie präsent ist das Thema Sexismus in den heutigen Massenmedien überhaupt?

In meiner Seminararbeit möchte ich genau diese Problematik analysieren und kritisch hinterfragen. Neben theoretischen Grundlagen wie Defini-tionen oder Erkenntnissen bzw. Fakten, möchte ich außerdem auf das Frauenbild in den unterschiedlichen Medien eingehen. Dabei untersuche ich zusätzlich den Aspekt der Werbung.

Am Ende der Arbeit soll neben einer Zusammenfassung und einem Fazit ein Zukunftsausblick der Auswirkungen der sexistischen Darstellung der Frau in den Massenmedien vorliegen.

2 Rolle und Funktion der Medien in der Gesellschaft

Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert den Begriff „Massen-medien“ als „Sammelbezeichnung für Presse, Rundfunk und Fernsehen, im weiteren Sinne auch für Bücher, CDs, Videos und Internet, also für Mittel (= Medien), mit denen Nachrichten und Unterhaltung in Schrift, Ton und Bild zu einem breiten Publikum kommen“[3].

Die Massenmedien stellen die wichtigste Informationsquelle für Menschen dar.

Massenmedien bieten drei sich stark überschneidende mögliche Funk-tionen, welche im Folgenden aufgeführt werden: Die Funktion der Information, der Mitwirkung an Meinungsbildung, sowie die der Kontrolle und Kritik[4].

Die Informationsfunktion besagt, dass die Bevölkerung vollständig und sachlich über Themen unterrichtet wird. Dies sollte möglichst verständlich erfolgen und der breiten Bevölkerung die Chance geben sich selbst aktiv beispielsweise an der Politik beteiligen zu können. Die Massenmedien sollen des weiteren den Dialog unterschiedlichster Interessensgruppen ermöglichen.

An dieser Stelle wird eine Überschneidung deutlich, da nicht nur in der Informationsfunktion der Dialog eine entscheidende Rolle spielt, sondern auch in der der Mitwirkung an der Meinungsbildung. Hierbei ist allerdings neben der Diskussion auch das Aufzeigen des Meinungspluralismus dieser verschiedenen Gruppen wichtig und dies möglichst ohne eine bestimmte Meinung hervorzuheben[5].

Durch eine breit gefächerte Aufnahme der Informationen und deren eigene Abwägung kann eine Kontrollfunktion gegenüber der Informationspolitik der jeweiligen Regierung erreicht werden. Eine Demokratie basiert auf einer freien Mediennutzung und der freien Veröffentlichung in den Medien. Ist dies eingeschränkt, kann eine freiheitliche Demokratie nicht weiter existieren und es besteht die Möglichkeit negativer Beeinträchtigungen auf die Bevölkerung und die freie Presse, welche sich durch Korruption oder Unterdrückung äußern kann. Im schlimmsten Fall findet eine Manipulation der Bevölkerung durch verstaatlichte Regierungssender statt.

Da wir täglich mit Massenmedien konfrontiert sind, werden sie oft auch als „Sozialisationsinstrument“[6] bezeichnet. Das bedeutet, dass sie sehr hohen Einfluss auf die Normen- und Wertebildung von Personen unterschied-lichsten Alters, aber vor allem der Kinder und Jugendlichen haben. Somit spielen die Massenmedien neben Familie und anderem sozialen Umfeld eine Rolle bei der Vermittlung von Geschlechterstereotypen[7], insbeson-dere des klischee-behaftetem traditionellem Frauenbild.

3 Theoretische Grundlagen

Das folgende Kapitel fungiert zur Aufklärung über die theoretischen Hintergründe dieses Themas. Es wird in die verschiedenen Teilaspekte Biologisches und soziales Geschlecht, die Geschlechterrollen „Männ-lichkeit“ und „Weiblichkeit“, wie auch die Vermittlung vom weiblichen Geschlecht in den Medien gegliedert, um einen deutlichen Überblick des Themas zu schaffen. Anhand dieser Grundlagen soll die Inhaltsanalyse verschiedener Medien durchgeführt werden.

3.1 Biologisches und soziales Geschlecht

„Der Begriff Geschlecht beschreibt die Wahrnehmung von Menschen als „weiblich“ oder „männlich“ und ermöglicht ihre Einteilung in Frauen und Männer“[8]. Die Trennung zwischen einem biologischen und sozialen Geschlecht jedes Menschen, kam zuerst in den siebziger Jahren durch eine anglo-amerikanische Frauenforschung zustande[9]. Das biologische Geschlecht („sex“) bezeichnet die rein körperlichen Geschlechtsmerkmale einer Person, also chromosomales und hormon-elles Geschlecht, sowie die Geschlechtsorgane.

Es ist somit klar vom sozialen Geschlecht („gender“) zu differenzieren,

denn „gender“ bezeichnet vielmehr das psychische Geschlecht, wie Geschlechtsausdruck und -präsentation[10]. Das soziale Geschlecht beschreibt die Geschlechtseigenschaften einer Person, unabhängig von seinem biologischen Geschlecht, welche durch Kultur und die Gesellschaft bzw. das soziale Umfeld geprägt wurden. Es bildet sich im Laufe des Lebens und entwickelt die Geschlechtsidentität jedes Menschen.

3.2 Geschlechterrollen: „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“

In unserer westlichen Gesellschaft herrscht das System der Zwei-geschlechtigkeit[11]. Die starke Differenzierung der Geschlechter in Mann und Frau bildet sozial konstruierte Normen für angemessene Verhaltens-weisen, Fertigkeiten und Interessen. Diese bestimmten Eigenschaften werden am biologischen Geschlecht festgemacht und scheinen somit zwischen „Mann und Frau“ nicht vereinbar. Man bezeichnet dies auch als „Geschlechterrollen“.

Die ersten Konzepte der „Weiblichkeit“ und der „Männlichkeit“ entstanden in der Zeit der Industrialisierung. Der Mann, welcher für das Verdienen des Geldes verantwortlich war, arbeitete nun nicht wie zuvor zu Hause sondern außerhalb des privaten Bereichs. Die Frau war für den Haushalt und die Erziehung der Kinder verantwortlich und bewegte sich kaum außerhalb des privaten Umfeldes. Es kam zur strikten Trennung von Beruf und Haushalt mit den entsprechenden Tätigkeitsfeldern für das jeweilige Geschlecht.

Der „typische Mann“ zeigt Stärke, Dominanz und Rationalität. Er ist emotionslos, unabhängig, leistungsfähig und selbstbewusst.

Das typische Konzept der Weiblichkeit hingegen, zeigt die entgegen-gesetzten und negativen Eigenschaften auf. Die Frau ist vom Mann abhängig, unselbstständig und steht unter dauerhaftem Perfektions-druck[12].

Dieser Druck wird von den Massenmedien meist gefördert statt diesem entgegen zu wirken. Dies geschieht ganz nach dem Sprichwort „Ein Junge, der weint, ist nicht männlich, eine junge Frau, die Schminke ablehnt, ist nicht weiblich“[13].

Ein Grund weswegen wir uns an diese Geschlechterrollen immer noch anpassen ist, dass wir stetig den Wunsch nach einem „homogenen und hochbewertete[m] Bild“[14] von uns haben. Das hat jedoch zu Folge, dass das Individuum nur eine eingeschränkte Möglichkeit zur freien Entfaltung seiner Persönlichkeit besitzt. Ein Problem, welches selbst in unserer scheinbar modernen und toleranten Gesellschaft noch immer vorherrscht, ist unter anderem diese massenmediale Geschlechtsstereotypiserung.

3.3 Vermittlung vom weiblichen Geschlecht in den Medien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Durchschnittliche Mediennutzung

Quelle: http://www.vprt.de/verband/presse/pressemitteilungen/content/mediennutzung-2016-deutsche-nutzen-über-10-stunden-täglich aufgerufen am 28.09.2017

Wir Deutschen nutzen täglich ca. zehn Stunden Medien[15]. Das meist genutzte Medium ist das Fernsehen mit einer durchschnittlichen Nutzung von 239 Minuten am Tag.

Anhand dieser Mediennutzungsanalyse ist nachvollziehbar, dass die Massenmedien einen bedeutsamen Einfluss auf den Sozialisations-prozess von Menschen, v.a. von Kindern und Jugendlichen, haben.

Sie bestimmen was in unserer Gesellschaft als „sozial relevante Realität zu gelten hat“[16]. Medien erzeugen außerdem Wertvorstellungen und vermitteln somit falsche Werte, wenn sexistische bzw. frauenfeindliche Inhalte gezeigt und verbreitet werden.

Wenn wir täglich mit einem falschen und verzerrten Frauenbild in den Medien konfrontiert werden, betrachten wir dieses nach kurzer Zeit als „normal“. Sie spielen uns eine „korrekte“ Männlich- und Weiblichkeit vor, welche wir in der Realität nachahmen[17].

„Medien als Instrumente der Wissens- und Informationsvermittlung haben einen indirekten, sozial vermittelten Einfluss auf das soziale Handeln der Rezipienten“[18]. Mit diesem Satz beschreibt der Medienwissenschaftler Heinz Bonfadelli schon 1981 diese problematische Situation der tradition-ellen Geschlechterbilder.

Frauen werden in den Medien meist sexualisiert und ohne Vorbildfunktion abgebildet. Das weibliche Geschlecht erscheint in den Medien seltener als das männliche und ist zusätzlich gering in bedeutenden Positionen besetzt[19]. Das ist daran erkennbar, dass Eigenschaften die für einen Mann als selbstverständlich gehalten werden, bei Frauen häufig als Sensation gelten. Außerdem werden wichtige soziale Themen der Frau, wie Doppel-belastung und Benachteiligung im Beruf, in den Medien so gut wie nie angesprochen und diskutiert[20].

Frauen werden oft auf Funktionen festgelegt, welche von Männern vorgeschrieben und konstruiert werden[21].

Diese Vermittlung des weiblichen Geschlechts beruht keines Falls auf einer „naturgegebenen Essenz“[22] sondern wurde allein durch gesellschaft-liche Strukturen etabliert und ist somit auch veränderbar.

[...]


[1] Schmerl, Christiane: In die Presse geraten. Darstellung von Frauen in der Presse und Frauenarbeit in den Medien. Böhlau Verlag. Köln 1985. S.7.

[2] Vgl. o.V.: Frauenbilder in den Medien, https://www.gruenderszene.de/allgemein/ frauenbilder-in-den-medien (10.09.2017)

[3] Thurich, Eckart: pocket politik. Demokratie in Deutschland. http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16493/massenmedien (12.09.2017)

[4] Vgl. Chill, Hanni: Funktionen der Massenmedien in der Demokratie, https://www.bpb.de/ system/files/dokument_pdf/NuN_06_Funktionen%20der%20Massenmedien.pdf

[5] Vgl.ebd.

[6] Pfannes, Petra: 'Powerfrau', 'Quotenfrau', 'Ausnahmefrau' …?. Die Darstellung von Politikerinnen in der deutschen Tagespresse. Tectum Verlag. Marburg 2004. S.14.

[7] Vgl. ebd, S.14

[8] Kommunikation und Bildung. Was ist Geschlecht?. Differenzierung zwischen "Sex" und "Gender", http://www.queerformat.de/fileadmin/user_upload/news/Was_ist_Geschlecht _2016.pdf, (18.09.2017)

[9] Vgl. Pfannes, 2004, S.8.

[10] Vgl. Kommunikation und Bildung, 2016.

[11] Vgl. Pfannes, 2004 S.10.

[12] o.V.: Mediale Frauen- und Männerbilder, http://www.klicksafe.de/themen/medienethik/ mediale-frauen-und-maennerbilder/ S.102 (20.10.2017)

[13] Pfannes, 2004 S.11.

[14] Pfannes, 2004 S.11f.

[15] Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V.: Mediennutzung 2016, http://www.vprt.de/verband/presse/pressemitteilungen/content/mediennutzung-2016-deutsche-nutzen-über-10-stunden-täglich?c=4

[16] Pfannes, 2004, S.14.

[17] Vgl. Pfannes, 2004, S.15.

[18] Pfannes, 2004, S.15.

[19] Vgl. Prommer, Elizabeth: Audiovisuelle Diversität, https://www.uni-rostock.de/fileadmin/unirostock/UniHome/Presse/Pressemeldungen/ Broschuere_din_a4_audiovisuelle_Diversitaet_v06072017_V3.pdf (01.11.2017)

[20] Vgl. Dorer, Johanna: Wie die Medien „Frauen“ konstruieren, https://www.lmz-bw.de/fileadmin/user_upload/Medienbildung_MCO/fileadmin/bibliothek/dorer_marschik_frauen/dorer_marschick_frauen.pdf (01.11.2017)

[21] Vgl. ebd., S.7.

[22] Ebd.,S.3

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668671638
ISBN (Buch)
9783668671645
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v417970
Note
1,0
Schlagworte
Medien Frauenbild Massenmedien

Autor

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