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Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern im Kontext Globalen Lernens

Inwiefern haben sich die Lernvoraussetzungen durch eine global ausgerichtete Welt verändert und was bedeutet dies für den Geographieunterricht?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 21 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernvoraussetzungen von SuS
2.1 Theoretische Grundlagen

3. Einfluss des Globales Lernens auf Lernvoraussetzungen von
Schülerinnen und Schülern
3.1 Veränderungen der Lernvoraussetzungen von SuS
3.2 Konzeption und Inhalte Globalen Lernens.
3.3 Empirische Forschungsergebnisse zu Lernvoraussetzungen.
3.3.1 Schülereinstellung zu globalen Unterrichtsthemen (nach Uphues 2007)
3.3.2 Schülerinteresse an Themen, Regionen und Arbeitsweisen des
Geographieunterrichts (nach Hemmer/Hemmer 2010).

IV. Fazit und didaktische Konsequenzen.

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Unterricht verläuft stets unter bestimmten Bedingungen, welche bereits vor der Unterrichtsplanung bedacht und berücksichtigt werden sollten. Eine der entscheidenden Bedingungen stellen die Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern dar. Diese individuell verschieden ausgeprägten Lernvoraussetzungen können den Unterricht stark beeinflussen. Zentrale Leitfragen sind dabei u.a.

- „welche Interessen haben die SuS?“
- „wie weit reicht das Vorwissen?“
- „wer sind die Adressaten meines Unterrichts?“

Bezogen auf das Unterrichtsziel kann ebenfalls die Relevanz der Lernvoraussetzungen veranschaulicht werden. Auf der einen Seite sollte das gewählte Lernziel stets die Lernvoraussetzungen der SuS berücksichtigen, während bei speziellen Themen ohne ein gewisses Maß an Interesse oder Vorwissen das Unterrichtsziel nicht erreicht werden kann. Auch muss berücksichtigt werden, dass verschiedene SuS ganz individuelle Lernvoraussetzungen mitbringen, welche es ebenfalls zu berücksichtigen gibt. In Zeiten des Internets und besonders der sozialen Netzwerke haben sich die Lernvoraussetzungen weiter verändert.

In dieser Arbeit soll zunächst ein grundlegender Überblick zu den wesentlichen Charakteristiken von Lernvoraussetzungen skizziert werden. Weiterhin soll kurz aufgezeigt werden, inwiefern sich Lernvoraussetzungen im Kontext einer immer globaler ausgelegten Gesellschaft verändert haben. Einen Bezugsrahmen zwischen Lernvoraussetzungen und inhaltlichen Leitmotiven stellt das Konzept des „Globalen Lernens“ dar, welcher ebenfalls komprimiert vorgestellt werden soll.

Im weiteren Verlauf sollen einige empirische Befunde zu Lernvoraussetzungen aufgezeigt und anschließend auf das Konzept des Globalen Lernens projiziert werden. Das erkenntnisleitende Interesse liegt somit in der Entwicklung der individuellen Lernvoraussetzungen der SuS für den Geographieunterricht und ferner in der Vereinbarkeit dieser Veränderungen dem Konzept des Globalen Lernens. Abschließend sollen darauf aufbauend Rückschlüsse auf Unterrichtsplanung und Durchführung in Form von didaktischen Konsequenzen formuliert werden.

2. Lernvoraussetzung von SuS

Bei der Gestaltung von Lehr-Lernprozessen ist es unabdingbar auch die Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern als Basis für zielorientierten Unterricht zu berücksichtigen. So sollten etwa stets Einstellungen, Vorstellungen und Interesse von SuS in die Planung des alltäglichen Geographieunterrichts berücksichtigt werden. Hierbei gibt es allgemeinpädagogische Ansätze, welche für jedes Unterrichtsfach von Relevanz sind. Die Geographiedidaktik versucht darauf aufbauend einen theoretischen Bezugsrahmen zu schaffen, indem u.a. empirische Forschungsarbeit bezüglich der Zusammenhänge von Lernvoraussetzungen und Unterrichtsinhalten, bspw. Einstellungen gegenüber bestimmten Themengebieten der Geographie, geleistet wird. Die daraus resultierenden Erkenntnisse bilden eine Grundlage für lernzielorientierte Unterrichtsmaterialien, -methoden und die Gestaltung einer möglichst optimalen Lernumgebung. In diesem Kapitel soll folglich versucht werden, die wesentlichen Bestandteile der Lernvoraussetzungen zu skizzieren, um diese in darauffolgenden Kapiteln als Grundlage für didaktische Konsequenzen nutzen zu können.

2.1 Theoretische Grundlagen

Bevor ein Zusammenhang von geographischen Fachinhalten und Lernvoraussetzungen untersucht werden kann, ist es zunächst sinnvoll, sich mit den grundlegenden Charakteristiken von Lernvoraussetzungen zu beschäftigen. Ganz allgemein betrachtet, lassen sich diese als „Summe aller Bedingungen“ (KORTE, 2010 S.90) von Schülerinnen und Schülern vor Beginn einer neuen Lernsituation, d.h. speziell vor einem neuen geographischen Thema oder einer neuen Arbeitsweise, zusammenfassen. So lassen sich Lernvoraussetzungen in zwei untergeordnete Bereiche einteilen:

1. Individuelle Lernvoraussetzungen und

2. Umfeldbezogene Lernvoraussetzungen.

Beim Einordnen dieser Bereiche ist ebenfalls anzumerken, dass zwischen der pädagogischen, psychologischen, soziologischen und der didaktischen Perspektive unterschieden werden kann. Hierbei führen alle koexistierenden Voraussetzungen dazu, dass eine gänzlich individuelle Lernsituation der Lernenden gebildet wird. Ferner stehen die einzelnen Lernvoraussetzungen in einem „prinzipiell dynamischen“ (KLAFKI 1973 S.162) Verhältnis zueinander, sodass das Zusammenwirken dieser letztendlich den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler bestimmen kann. In dieser Arbeit soll es primär um die individuellen Lernvoraussetzungen gehen, da diese in einem direkteren Zusammenhang zur Lehrkraft besitzen bzw. von den SuS ausgehen. Die umfeldbezogenen Lernvoraussetzungen, zu welchen u.a. die familiäre Situation und der soziale Status gehören, würden folglich einen zu großen Bezugsrahmen schaffen, welcher eher für eine allgemeinpädagogische Forschung geeignet wäre.

- Individuelle Lernvoraussetzung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Zusammensetzung individueller Lernvoraussetzung (Quelle: WINTER & ACHTENHAGEN, 2008)

Die individuellen Lernvoraussetzungen umfassen alle Bereiche, welche von den biologischen bzw. psychologisch-ethologischen Gegebenheiten der Schülerinnen und Schüler gegeben oder bestimmt werden (Abb.1).

Hierzu zählen u.a. kognitive Bereiche, wie bspw. die Intelligenz, welche als mehrdimensionale Fähigkeit beschrieben werden kann, die erlaubt „neue Gesetzmäßigkeiten in bestehenden Abläufen zu erkennen, ebenso wie kreativ zu sein und zu Problemlösungen zu kommen“ (KORTE 2010 S.91). Eine starke Ausprägung dieser kann im Kontext des Geographieunterrichts besonders von Vorteil sein, indem die SuS bspw. anhand vorhandener Bodenressourcen eines Staates auf kulturgeographische Konsequenzen schließen können. Somit kann die Intelligenz nach dieser Definition weitere Bereiche aus den kognitiven Lernvoraussetzungen stark beeinflussen, steht jedoch hierarchisch nicht in einer übergeordneten Stellung. So kann auch das Vorwissen, welches bereits erworbene Handlungsstrategien bezeichnet, sowie „vor Inangriffnahme einer bestimmten Lernaufgabe besteht und […] einen dynamischen Prozess aus aktuell erworbenen Wissen und Vorwissen beschreibt“ (LANGFELD 2006 S.62) ein relevanter Aspekt der kognitiven Lernvoraussetzung sein. Hierbei kann es in der Praxis des Geographieunterrichts zum Beispiel von Vorteil sein, dass die SuS im Kontext nachhaltiger Energie bereits die Vor- und Nachteile von erneuerbaren Ressourcen kennen, sodass eine Kohärenz aus Vorwissen und neuem Wissen entstehen kann.

Hinzu kommen auch emotionale Lernvoraussetzungen (Abb.1), welche als „Ergebnisse einer ganzheitlichen Bewertung der momentanen Lage, die dann ihren Niederschlag in einer Erlebniskomponente („Gefühl“), einer neuro-physiologischen Aktivierungskomponente, einer Kognitionskomponente, einer motorischen Komponente und anderen Komponenten haben kann“ (UHLENWINKEL 2013 S.34) beschrieben werden können. Diese Komponenten werden von den meisten Vertretern der Verhaltensforschung als hierarchisch gleichberechtigt behandelt, jedoch kann eine Komponente im individuellen Lernprozess stärker hervortreten und somit die anderen negativ oder positiv beeinflussen (UHLENWINKEL S.37ff.). Im Kontext des Faches Geographie lässt sich eine solche Beeinflussung einer Komponente auf eine oder mehrere andere besonders häufig erkennen. So kann die Erlebniskomponente, d.h. das Gefühl bei SuS nach einem Urlaub in der im Unterricht geplanten Regionen durchaus beeinflussen. Konkret bedeutet dies, dass ein Schüler, welcher unmittelbar vor der Unterrichtssequenz „Mittelmeerraum“ in Italien einen schönen Urlaub verbracht hat, eine andere, da positiv beeinflusste Lernvoraussetzung mitbringt.

Zu den motivationalen Lernvoraussetzungen, welche in einem weiteren Kapitel noch genauer durchleuchtet werden sollen, zählen u.a. hauptsächlich das Interesse, Vorstellungen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern (Abb.1). Bei der Voraussetzung „Interesse“, welche sich grundlegend als die kognitive Anteilnahme bzw. Aufmerksamkeit einer Person für eine Sache oder einen Inhalt definieren lässt, werden in der psychologischen Interessenforschung zwei Perspektiven formuliert (KRAPP 2011 S.27ff.):

1. Prozessorientierte Perspektive

zentrale Fragestellung: Wie kann das Interesse einer Person zu einer Sache/Inhalt im aktuellen Zustand geweckt werden und welche Auswirkungen ergeben sich?

2. Strukturorientierte Perspektive untersucht dauerhafte, d.h. über einen längeren Zeitraum anhaltende Zustände des Interesses einer Person zu einer Sache/Inhalt

Die prozessorientierte Perspektive gilt es im Geographieunterricht demnach für sämtliche angestrebten Lehr-Lernprozesse zu berücksichtigen. Es sollte ein gewisses Maß an aktuellen Interesse seitens der Schülerinnen und Schüler bestehen, damit sich diese mit den geographischen Inhalten im Unterricht befassen. Etwas komplexer ist hierbei die strukturorientierte Perspektive, bei welcher die Lehrkraft einen Unterrichtsgegenstand so gestalten kann, dass bei sämtlichen SuS ein dauerhaftes Interesse für den Inhalt entstehen kann. Wichtig wird diese Perspektive andererseits dann, wenn es im Geographieunterricht nicht ausschließlich um konkretes Fachwissen (bspw. Eigenschaften von Vegetationszonen) geht, sondern ein komplexes Wirkungsgefüge eingeführt werden soll und sequenzübergreifend in anderen Unterrichtsthemen wieder aufgegriffen werden soll. Ein solches könnte u.a. der Themenbereich „nachhaltige Entwicklung“ sein, welcher sowohl im Lernbereich „Heimatraum Bayern“, als auch später im Bereich „Tropischer Regenwald“ das zentrale Lernziel darstellen soll. Auch sollte diese auf nachhaltiges Interesse ausgelegte Perspektive generell im Kontext einer immer weiter vernetzten und global ausgerichteten Gesellschaft auch im Geographieunterricht und den dort behandelten globalen Themen stets berücksichtigt werden. Hierauf wird nun im weiteren Verlauf der Arbeit genauer eingegangen, wenn es um das Globale Lernen im Geographieunterricht gehen soll.

3. Einfluss des Globales Lernens auf Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern

3.1 Veränderungen der Lernvoraussetzungen von SuS

Gegenwärtig kann bei Schülerinnen und Schülern eine sehr bedeutende Veränderung in Bezug auf ihre Lernvoraussetzungen, insbesondere bei den individuellen, festgestellt werden. Konnte man besonders im frühen und mittleren 20. Jahrhundert noch von halbwegs homogenen Lernvoraussetzungen sprechen, so bringen die SuS der heutigen Generation bspw. zum Teil extrem unterschiedliche Interessens- und Einstellungshaltungen mit in den Unterricht (vgl. REINFRIED 2010, S.22f.). Als Grund für diese Heterogenität können mitunter vielfältige Faktoren der Entwicklung und Erziehung der SuS herangezogen werden, zu denen bspw. der Einfluss Digitaler Medien oder die allgemeine gesellschaftliche Veränderung zählen (REINFRIED 2010, S.26.). Ferner stellt der Globalisierungsprozess eine der Hauptursachen für veränderte Lernvoraussetzungen der SuS dar. Eine der Begleiterscheinungen ist der äußerst ausgeprägte Informationsfluss, welcher den Jugendlichen etwa durch die Nutzung sozialer Medien und Netzwerke zur Verfügung steht. War es früher noch äußerst schwierig sich über das Leben in bspw. der USA zu informieren, reicht gegenwärtig eine kurze Internetrecherche aus um ein halbwegs authentisches Bild der gesellschaftlichen Verhältnisse in diesem Staat zu erhalten. Dies hat zum einen positive Auswirkungen, denn es ist davon auszugehen, dass eben dieses Wissen über das Leben oder andere kulturelle Aspekte (u.a. Politik und Wirtschaft) bei den heutigen SuS deutlich ausgeprägter ist. Es kann also ein höheres Maß an elementaren Vorwissen (Kap. 2.1 „kognitive Lernvoraussetzung“) bei einigen Themenbereichen erwartet werden. Allerdings unterscheidet sich dieses Vorwissen eben durch diesen ausgeprägten Informationsfluss sowohl quantitativ, als auch qualitativ. Dies stellt die Lehrkraft vor die Herausforderung genau einzuschätzen, inwiefern individuelle Unterschiede zum Vorwissen des zu behandelnden Themas bestehen. Auch der Aspekt der Einstellungen (Kap. 2.1 „motivationale Lernvoraussetzungen“) der SuS gegenüber bestimmten Themeninhalten hat sich verändert. So können manche Themen durch die starke Präsenz in den Medien zu einer individuell positiveren Vorstellung geführt haben, während andere Inhalte wiederum nun negativ behaftet sein könnten. Als Beispiel könnte hier der Themenbereich Klimawandel genannt werden:

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668670150
ISBN (Buch)
9783668670167
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v417999
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Didaktik der Geographie
Note
1,3
Schlagworte
Lernvoraussetzungen Globales Lernen Geographie Didaktik Geographie Unterricht Lernen Digitale Medien Schülerinteresse Vorstellung Einstellung Hausarbeit

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Titel: Lernvoraussetzungen von Schülerinnen und Schülern im Kontext Globalen Lernens