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Das Konzept der Strafklassen. Die Entwicklung der Sozialen Arbeit

Kunstreich. Von den Strafklassen zur modernen Pädagogik

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept Strafklasse

3 Beratungsabteilungen der Regionalen Bildungsund Beratungs-zentren (ReBBZ)

4 Aspekte zum Vergleich
4.1 Zuweisungsmechanismen
4.2 „Vermittler“
4.3 Soziale Konstruktion der „Probleme“
4.4 „Ordnung“
4.5 „Erziehung der Erzieher“

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

„Bildung ist […] in ihrer Semantik, ihren Konzepten umkämpft: Es verknüpfen sich mit den jeweiligen Ansätzen […] Traditionen wie Positionen, die mit gesellschaftlichen Interessen, klassenmäßigen Vorteilen und Vorurteilen, politischen Perspektiven vermittelt sind" (Sünker 2009: 253).

In verschiedenen Epochen der Geschichte nahm Bildung und Erziehung unterschiedliche Stellenwerte ein. Die Ansätze und Methoden haben sich – nicht zuletzt seit der Bildungsreform in den 60er Jahren – stark verändert. In dieser Arbeit werden zwei Konzepte aus dem Bildungsbereich aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten verglichen. Das Konzept der Strafklasse, das Anfang des 19ten Jahrhunderts in Hamburg entstand, und das zeitgenössische Konzept der Beratungsabteilung der Regionalen Bildungsund Beratungszentren (ReBBZ)[1], das ebenfalls in Hamburg umgesetzt wird.

Das 19te Jahrhundert war geprägt von dem Übergang der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft. Dieser führte zu hoher Arbeitslosigkeit und schlechten Arbeitsbedingungen. Frauen und Kinder mussten häufig mitarbeiten und es bleib wenig Zeit und Kraft für Erziehung und Bildung. Vor allem in den Städten kam es zu Verelendung und Massenarmut. Soziale Hilfen waren kaum zugänglich. In dieser Zeit wurden Strafklassen für Kinder eingerichtet, die zum Beispiel kriminell wurden, die Schule schwänzten oder bettelten (vgl. buber)[2]. Heute ist die elementare Versorgung der Menschen durch das Sozialhilfesystem gesichert. Außerdem haben alle Kinder das Recht auf Bildung, was im Schulgesetz verankert ist (vgl. HmbSG, §1)[3]. Für Fälle, in denen es zu akuten Problemen im Schulalltag kommt, hat die Hamburger Schulbehörde ReBBZ eingerichtet.

Nach einer Vorstellung des Konzeptes der Strafklasse in Kapitel 2 und des Konzeptes der ReBBZ in Kapitel 3 erfolgt ein Vergleich dieser in Kapitel 4. Dabei sollen die unterschiedlichen pädagogischen Grundhaltungen und Methoden herausgearbeitet und erläutert werden. Der Vergleich geschieht anhand von Aspekten, die Kunstreich (2009) für einen Vergleich von „Strafklasse“ und „Rauhes Haus“ verwendet hat.

2 Das Konzept Strafklasse

Strafklasse ist ein Erziehungssystem, das 1828 in Hamburg eingeführt wurde. Es diente der „Beaufsichtigung und Unterweisung verbrecherischer oder verwilderter Kinder und junger Leute, deren Bestrafung die Behörden verfügt hatten“ (Hudtwalcker, zit. nach Döbler 2009: 31). Um die Strafklasse historisch einordnen zu können und damit besser zu verstehen, ist es sinnvoll, zuerst einen Überblick über die Entwicklung erzieherischer Hilfen von 1600 bis ins 19te Jahrhundert zu geben.

Bis 1600 gab es eine Klosterfürsorge und Waisenversorgung, durch die hilfsbedürftige Säuglinge und Kleinkinder aufgenommen wurden. Im 17ten Jahrhundert wurden Arbeitspflicht und Arbeitszwang eingeführt, um Menschen aus Notlagen herauszuholen. Dies geschah in Arbeitsund Zuchthäusern. Von 1650-1800 entstanden Pietistische Waisenhäuser , die das Betteln unterbinden sollten, da dies als Sünde angesehen wurde. Stattdessen gab es Arbeitsbeschaffung oder Zwangsarbeit und regelmäßigen Schulund Religionsunterricht für Kinder, wodurch die Kinder für ein besseres Leben ausgerüstet werden sollten (vgl. Kuhlmann et al. 2001: 285ff.) Anfang des 19ten Jahrhunderts, zur Zeit der Industriellen Revolution, verloren viele Kinder und Jugendliche ein gesichertes Sozialisationsfeld, da die Eltern nicht mehr „Zuhause“, sondern in der Fabrik arbeiteten. In dieser Zeit entwickelten sich unterschiedliche Hilfekonzepte, u.a. die Strafklasse und Rettungshäuser.

Elternlose Kinder wurden im Waisenhaus untergebracht, andere hilfsbedürftige Kinder schickte man auf Armenschulen, wo eine strenge Schulzucht herrschte. Die Stadt Hamburg hat 1828 im Werkund Arbeitshaus eine Strafklasse eingerichtet, die für Schulschwänzer, Bettelkinder und vagabundierende Jugendliche vorgesehen war. Zuvor wurden herumtreibende Kinder direkt an die Polizei übergeben und dort vermahnt, unter Arrest gestellt oder in Zuchthäuser gebracht. In der Strafklasse sollte nun aus „verwahrlosten Geschöpfen nützliche Menschen" gemacht werden (vgl. Diakonie).[4] Die Idee der Strafklasse stellte daher zunächst einen Fortschritt dar, in der Umsetzung zeigte sich aber durch ungeschultes Personal und schlechte Arbeitsbedingungen, dass die Bedingungen für die Kinder nicht weit von einem Aufenthalt im Zuchthaus entfernt war. Das oberste Prinzip war Zucht und Ordnung. So wurde zum Beispiel für jedes Kind eine Nummer zugeteilt, die sich auf Kleidung und Geschirr wiederfanden. Die Kinder hatten einen sehr strengen Tagesablauf: Nach dem Schulbesuch am Morgen mussten sie nachmittags in der Einrichtung arbeiten (vgl. Diakonie). Die pädagogische Qualität der Strafklasse war völlig abhängig von Anstaltskatecheten und den Arbeitsverträgen der MitarbeiterInnen. Qualifizierte Lehrkräfte und Betreuer ließen sich nicht langfristig in den Strafklassen halten (vgl. Döbler 2009).

Viele Lehrer, Pfarrer und anderen kommunalen Autoritäten, die mit dem Konzept der Strafklasse nicht einverstanden waren, gründeten andere Erziehungsvereine, die (nach deren Meinungen) besseres leisten konnten als das Angebot der Strafklasse. Zum Beispiel der Pfarrer Heinrich Wichern, der 1833 in Hamburg das „Rauhe Haus“ eröffnet hat. Wichern bot in seiner Einrichtung für kleine Kinder christliche Familieneinheiten und kümmerte sich um deren Ausbildung. Wicherns Verein und die weiteren Vereine haben nicht nur proletarische, verwahrloste oder Kinder, die die Schule schwänzten, aufgenommen, sondern auch vernachlässigte Kinder, deren Eltern alkoholabhängig, gewalttätig oder in Gefängnissen waren sowie Kinder, die zum Betteln geschickt wurden (vgl. Kuhlmann et al. 2001: 289).

3 Beratungsabteilungen der Regionalen Bildungsund Beratungs-zentren (ReBBZ)

Die Regionalen Bildungsund Beratungszentren (ReBBZ) gehören der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg an. Ende 2012 hat die Stadt Hamburg ihr bisheriges System der Beratung und Unterstützung völlig neu strukturiert. 14 Regionale Beratungsund Unterstützungsstellen in Hamburg (REBUS), 19 Förderschulen und sechs Sprachheilschulen wurden zu 13 Regionalen Bildungsund Beratungszentren umstrukturiert. Dies geschah im Zuge der Inklusion, um Kindern und Jugendlichen mit Schwierigkeiten in der sprachlichen Entwicklung sowie der emotionalen/sozialen Entwicklung den erforderlichen Besuch einer Regelschule reibungslos zu ermöglichen. Schwerwiegende Schulprobleme sollen durch Orientierungsgespräche, schulpsychologische oder/und sozialpädagogische Beratung und Förderung der Schülerinnen und Schüler, der LehrerInnen und Lehrer sowie der Eltern gelöst werden (vgl. Inklusionstagung: 2).[5] Der Aufgabenbereich der ReBBZ ergibt sich gemäß des Integrationsauftrags des Hamburgischen Schulgesetzes § 3, Abs. 1: „Das Schulwesen ist so zu gestalten, dass die gemeinsame Erziehung und das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen in größtmöglichem Ausmaß verwirklicht werden können“ (HmbSG: 12)[6] und aus §12, Abs. 1: „Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben das Recht, allgemeine Schulen zu besuchen. Sie werden dort gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf unterrichtet und besonders gefördert. Die Förderung kann zeitweilig in gesonderten Lerngruppen erfolgen, wenn dieses im Einzelfall pädagogisch geboten ist“ (HmbSG: 18).

ReBBZ bietet ein umfassendes qualifiziertes Beratungsangebot. Die ReBBZ haben vier Kernaufgaben, wobei sich der Vergleich mit Strafklasse in dieser Arbeit auf die Beratungsabteilung beziehen wird: „ [1] Sie unterrichten, erziehen und bilden Schülerinnen und Schüler wie bisher an den Förderund Sprachheilschulen dauerhaft in Klassenverbänden. [2] In der Beratungsabteilung der ReBBZ findet in Fortführung des Angebotes der REBUS-Dienststellen Beratung von Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften in allen schulischen und pädagogischen sowie schulpsychologischen Fragestellungen statt. [3] Aufgabe der ReBBZ ist die Beratung und Unterstützung von Pädagoginnen und Pädagogen der allgemeinen Schulen der Region in Fragen der sonderpädagogischen Diagnostik und Förderung. [4] Die ReBBZ unterstützen - zusammen mit den Jugendämtern - die Schulen der Region bei der Bildung von zeitlich befristeten Lerngruppen für Schülerinnen und Schülern, die eine besondere Stabilisierung benötigen und vorübergehend nicht in ihren normal großen Lerngruppen lernen können“ (rebbz)[7].

Die Beratungsabteilung der ReBBZ übernimmt die Aufgaben, die bisher REBUS wahrgenommen hat und arbeitet nach dem gleichen Konzept. REBUS wurde im Jahr 2000 eingerichtet. Das Ziel bestand darin, „die Aufgaben und Dienstleistungen, die bisher von der Schülerhilfe, den Schulen für Verhaltensgestörte, den Schulstellen der schulischen Erziehungshilfe, den Psychologinnen und Psychologen der Gesamtschulen und einem Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hausund Krankenhausunterrichts bearbeitet wurden“ (BfSJB 2001: 5)[8], zu bündeln. Bei REBUS handelte es sich um ein entwicklungsoffenes Konzept der Beratung, Förderung, Organisation und des Einsatzes, in dem unterschiedliche Professionen arbeiteten. Dabei sollten die Hilfen so integrativ wie möglich gestaltet sein. Trotzdem sind sowohl unterrichtsintegrierende als auch ergänzende Hilfen vorhanden, wobei erstere stets Vorrang haben sollten (vgl. ebd.).

4 Aspekte zum Vergleich

Nun folgt ein Vergleich zwischen Strafklasse und ReBBZ. Dabei werden folgende Aspekte abgearbeitet, die Kunstreich in einem Vergleich zwischen „Strafklasse“ und „Rauhes Haus“ in Anlehnung an einen Artikel von Döbler verwendet hat: Zuweisungsmechnismen, Vermittler, Soziale Konstruktion der Probleme, Ordnung und Erziehung der Erzieher (vgl. Kunstreich 2009: 31-39). Außerdem werden aktuelle Perspektiven auf Soziale Arbeit und Bildung von Sünker (2012) in den Vergleich mit einbezogen.

4.1 Zuweisungsmechanismen

Bei dem Aspekt Zuweisungsmechanismen wird erläutern, welche Klientel in die Institutionen kommt, welche Probleme es dorthin führt und auf welche Art die Zuweisung geschieht.

[...]


[1] Regionalen Bildungsund Beratungszentren wird im Folgenden abgekürzt mit ReBBZ.

[2] (buber) entspricht der Quelle: http://buber.de/christl/unterrichtsmaterialien/soziale_frage. Zugriff am 11.05.13.

[3] (HmbSG): entspricht der Quelle: Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule und Berufsbildung (Hg.) (2013): Hamburgisches Schulgesetz. Hamburg. URL: http://www.hamburg.de/contentblob/1995414/ data/ schulgesetzdownload.pdf. Zugriff am 09.05.13.

[4] (Diakonie) entspricht im Folgenden der Quelle: http://www.diakonie-mitteldeutschland.de/ viomatrix/imgs/download/sattler_wichern-leben_und_werk.pdf. Zugriff am 09.05.13.

[5] (Inklusionstagung) entspricht im Folgenden der Quelle: URL: http://www.hamburg.ganztaegig-lernen.de/sites/default/files/Konzept %20ReBBZ%20f%C3%BCr%20LI-Tagung%2011%202012.pdf. Zugriff am 09.05.13.

[6] (HmbSG) entspricht im Folgenden der Quelle: URL: http://www.hamburg.de/contentblob/1995414/ data/ schulgesetzdownload.pdf. Zugriff am 09.05.13.

[7] (rebbz) entspricht im Folgenden der Quelle: URL: http://www.hamburg.de/rebbz/. Zugriff am 25.04.13.

[8] (BfSJB) entspricht im Folgenden der Quelle: URL: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung. Zugriff am 09.05.13.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668674172
ISBN (Buch)
9783668674189
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418210
Note
1,7
Schlagworte
Geschichte der Sozialen Arbeit Strafklassen wichern kunstreich

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