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Die Identitätsfindung im interkulturellen Kontext

Facharbeit (Schule) 2016 12 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Identität - was ist das eigentlich?

Verschiedene Kulturen

Pädagogische Ansätze

Fazit und kritische Stellungnahme

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema der kulturellen Identitätsfindung ist ein sehr komplexes, aber auch äußerst interessantes Thema. Als es um die Themenfindung für die schriftliche SEVO-Arbeit ging, fielen mir nicht sehr viele Themen ein. Da die psychosoziale Entwicklung nach Erikson im Unterricht behandelt wurde, kam ich auf den Geschmack der Identitätsfindung. Als ich im August 2014 auf La Réunion einen 3-monatigen Austausch gemacht habe, habe ich das perfekte Beispiel von Multikulturalismus erlebt. Ich kam in eine Familie, in der ich noch zwei Geschwister hatte. Meine Gastmutter war eine Kreolin, das heißt, dass sie von den „Ureinwohnern“ abstammt. Anfangs gab es auf La Réunion keine Franzosen, jedoch wurde diese Insel irgendwann von Franzosen erobert. Wenig später kamen spanischsprechende Bürger dazu, indische und chinesische ebenfalls. So entstand aus Französisch und Spanisch eine neue Sprache: Kreol. Mein Gastvater stammt aus dem Elsass, folglich ist er Franzose. Die Mutter meines Gastvaters lebt in der Nähe von Münster, die Mutter meiner Gastmunter lebt in Barcelona. Hier erkennt man bereits die Vermischung mehrerer Kulturen. Gesprochen wird französisch und kreolisch. Es entstand eine wirklich tolle Familie, die sich aus vier Nationalitäten zusammensetzen lässt.

Betrachtet man nun noch die weitere Verwandtschaft, so erkennt man noch viele weitere Nationalitäten. Es ist nach Erikson ein gelungenes Beispiel für Multikulturalismus. Anfangs ist man immer fremd in der neuen Kultur, doch schon bald bringt man sich ein, man tauscht sich aus, lernt die andere Kultur kennen, nimmt diese auf, behält jedoch noch einen Teil von der eigenen. Es ist ganz egal woher man kommt, egal aus welchem Land, welchem Kontinent, das einzig Wichtige an einem Menschen ist sein Charakter, seine Identität, die er durch seine Kultur, sein Umfeld, sein Handeln und die Erfahrungen bildet. Jeder Mensch ist einzigartig, und das ist auch gut so. So stellt sich mir die Frage, wie das Zusammenleben verschiedener Individuen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt funktioniert. Wie ist das alles entstanden und vor allem wieso?

In meiner Arbeit wird die Identitätsfindung im Bezug auf verschiedene Kulturen in Form eines Vergleichs dargelegt. Zu allererst werden die Begriffe der „Identität“ und der „Kultur“ näher formuliert, gefolgt von der pädagogischen Sichtweise. Des Weiteren wird auf die momentane politische Lage der Kulturenfindung eingegangen und in einem Fazit schlussendlich alles zusammengefasst.

Identität - was ist das eigentlich?

Zu aller Erst stellt sich bei dem Thema „Identitätsfindung in kulturellem Kontext“ natürlich die Frage, was überhaupt Identität ist. Um dieser Frage genauer auf den Grund zu gehen, befasst sich die Menschheit nun mit unterschiedlichsten Definitionen, zwar ist dies nicht alles auf einen bestimmten Menschen anpassbar, jedoch lässt sich etwas Generelles feststellen. Jeder Mensch ist ein einzigartiges Individuum. Das bedeutet, dass jeder Mensch unterschiedlich ist, jeder hat verschiedene Interessen, verschiedene Handlungsmöglichkeiten und, worauf wir später noch kommen, verschiedene Vorrausetzungen. Ich stelle mir in Verbindung mit der Identität oft die Frage, wer ich selbst überhaupt bin. Wer bin ich, was mache ich und warum mache ich das so? Nach Keupp ist Identität ein Akt sozialer Konstruktion1. Was bedeutet denn dieser soziale Akt? Der soziale Akt geht auf Beziehungen ein, die im Kindesalter bereits kurz nach der Geburt aber auch noch bis zum letzten Lebenstag eingegangen werden. All diese Beziehungen prägen den Menschen als Individuum und machen ihn zu dem, wer er ist. Identität befasst sich mit dem sozialen Umfeld eines Menschen, seinen Handlungen, seinen Gedanken. Jeder Mensch ist einzigartig und seine Identität bildet sich von ganz alleine. Das äußere Umfeld beeinflusst dieses zwar in größerem Maße, jedoch lässt sich Identität nicht bestimmen. Wir Menschen werden in eine stetig heranschreitende Gesellschaft hineingeboren und nach diesen Prinzipien erzogen. So bildet sich auch ein Teil unserer Identität, welche sich jedoch das ganze Leben lang weiterbildet. Der Entwicklungsstatus ist niemals abhängig von der Identität, denn die Entwicklung hat niemals ein Ende. Die Identitätsbildung ist von Familie zu Familie unterschiedlich, manche sind beispielsweise religiöser als andere, dafür achten sie weniger auf ethisches Handeln und noch andere setzen ihr Augenmerk auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Identität lässt sich nach Precht in vier Teile aufsplitten: Identit ä t als Mensch und Identit ä t als Mitmensch, Identit ä t als Frau/Mann und Identit ä t als Christ. 2 Nach dem Philosophen handelt es sich bei der Identität als Mensch um das eigene Wohl, den eigenen Organismus, wenn man alleine ist. Im Gegenteil dazu steht logischerweise die Identität als Mitmensch, in der das Thema der Interaktion in einer Gruppe thematisiert wird. Folglich geht die erste Methode auf das Individuum an sich ein, die zweite beschäftigt sich mit dem Individuum in einer Gruppe. Eine weitere Methode, nämlich die der Identität im Bezug auf das Geschlecht, geht auf die Eigenschaften eines Geschlechts ein und beantwortet Fragen nach der Lust und Laune eine bestimmte Interaktion durchzuführen. Zu guter Letzt nimmt Richard Precht Stellung zu der Identität im christlichen Sinne. Wie bereits erwähnt wurde, kann man unmöglich alle vier Teile gleichzeitig, komplett gerecht werden, da man nicht in allen Teilen zustimmen würde. Würde man sagen, dass man eher christlich ist, aber nicht streng gläubig, so würde diese Methode an Bedeutung verlieren, jedoch wäre sie nicht unwichtig. Die christliche Frage nach der Identität ist die Frage nach dem Grund, weshalb man so ist, wie man nun eben ist und was Gott sich dabei gedacht hat.

Verschiedene Kulturen

Das Thema der verschiedenen Kulturen ist ebenfalls sehr weitläufig. Es ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig aber grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Kultur aus Erwartungen, Regeln und Tradition besteht. Jeder Mensch wird in eine Kultur hineingeboren und um ein „vernünftiges“ Leben führen zu können, muss sich dieser an die Erwartungen, Traditionen und Regeln anpassen. Es gibt auf der Erde viele verschiedene Kulturkreise, die sich mehr oder weniger global bestimmen lassen. Diese Kulturkreise sind durch Traditionen entstanden und diese werden von Generation zu Generation übermittelt. Betrachtet man diese verschiedenen Kulturen jetzt auf der Basis von Ländern, so erkennt man von Land zu Land Unterschiede.

So wirkt auf uns Menschen der Wert der Nationalität und damit auch der Kultur. Wir sind ein Kulturträger, der in einem Kulturrahmen (Nationalität) lebt. Es wird nach Rasse, Geschlecht und Klasse unterschieden, sodass es für alle Gruppen unterschiedliche Kulturrahmen gibt. Diese Methode wird als Vergleichskategorie bezeichnet. Kultur beschreibt eine Gesellschaft, die bestimmte Wertvorstellungen teilt aber auch beschreibt sie Gesellschaften, die sich ein Unterscheidungsmerkmal teilt, wie zum Beispiel gleichgeschlechtliche Beziehungen. Kultur kann nicht unterdrückt werden, sie kann aber auch transportiert werden. Dies wird als Kulturtransfer bezeichnet. Es werden jedoch nur fortschrittliche Kulturen übertragen, rückständige Kulturen haben in der heutigen Gesellschaft keine Chance mehr, sich in einer fremden Umgebung durchzusetzen. Es ist völlig egal, wie unterschiedlich die Personen sind, sie haben alle dieselbe Nationalität und sind daher Kulturträger derselben Kategorie (Homogenität). Kulturen sind Gebilde, die bereits abgeschlossen sind und sich nicht vermischen lassen. Multikulturalismus beschreibt ein Phänomen, welches die gleichzeitige Existenz verschiedener Kulturen in einem Kulturkreis / Kulturrahmen autorisiert. Dabei bleibt die Kultur in beiden Fällen erhalten, sie vermischt sich nicht. In einer fortgeschrittenen Kultur ist es ethnisch unterschiedlichen Gruppen also möglich zusammen zu leben, ohne sich zu behindern. Das Konzept des Multikulturalismus ist jedoch bereits Geschichte und somit abgeschlossen. Wissenschaftler sagen, dass dieses Konzept gescheitert ist. Heute spricht man von einem durchlässigen Kulturmodell, welches die Vermischung der Kulturen beschreibt.

[...]


1 Keupp, H. (2000): „Identität“

2 Precht, Richard D. (2007): „Wer bin ich - und wenn ja, wieviele?“

Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668673878
ISBN (Buch)
9783668673885
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418376
Note
Schlagworte
identitätsfindung kontext pädagogik Schule Facharbeit Fach Unterricht interkulturell beziehung erziehung erziehungswissenschaften sprache deutsch international

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Titel: Die Identitätsfindung im interkulturellen Kontext