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Vegane Ernährung aus der Sicht des Anthropozentrismus. Ist die vegane Ernährung aus umweltethischer Sicht sinnvoll?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 19 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Veganismus
2.1. Die Begriffe vegetarisch und vegan
2.1.1. Mögliche Veganertypen nach Englert
2.2 Verbreitung

3. Anthropozentrismus versus Physiozentrismus

4. Anthropozentrische Argumente für vegane Ernährung
4.1 Das basic-needs-Argument
4.1.1 Das grundlegende Bedürfnis Nahrung
4.1.2 Das grundlegende Bedürfnis Gesundheit
4.1.3 Das grundlegende Bedürfnis Obdach
4.2 Das Heimat-Argument
4.3 Das Argument der Pflichten gegen ü ber zuk ü nftigen Generationen
4.4 Das pädagogische Argument

5. Probleme und Gegenargumente
5.1 Probleme des basic-needs-Arguments
5.1.1 Probleme veganer Ernährung mit Blick auf das Grundbedürfnis Nahrung
5.1.2 Probleme veganer Ernährung mit Blick auf das Grundbedürfnis Gesundheit
5.1.3 Probleme veganer Ernährung mit Blick auf das Grundbedürfnis Obdach
5.2 Das Problem des Heimat-Arguments
5.3 Probleme des Arguments der Pflichten gegen ü ber zuk ü nftigen Generationen
5.4. Probleme des pädagogischen Arguments

6. Schlussbemerkungen und Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lange Zeit hat die Frage, wie der Mensch sich seiner nicht-menschlichen Umwelt gegenüber moralisch verhalten soll, keine große Rolle gespielt. Der Mensch wurde zumeist als einziges moralisch relevantes Objekt angesehen und deswegen beschäftigen sich Ethiken oftmals nur mit der Frage, wie er sich gegenüber anderen Menschen verhalten soll. In Zeiten von globaler Erwärmung, vermehrt vorkommenden Naturkatastrophen und schrumpfender Artenvielfalt wird allerdings die Frage, wie wir unsere Umwelt behandeln sollten, drängend. Neuere Strömungen der Ethik fordern, den Kreis der moralisch relevanten Objekte zu erweitern - je nach Theorie um Tiere, Pflanzen oder ganze Ökosysteme. Die Menschheit steht vor der großen Aufgabe, Wege zu finden, die Umwelt vor der Zerstörung zu bewahren - und sei es nur, um die eigene Existenz nicht zu gefährden. Denn die natürlichen Ressourcen, von denen die Menschheit abhängig ist, werden knapper und die Wahrscheinlichkeit für Naturkatastrophen, die die Lebensräume der Menschen bedrohen, wird durch den Klimawandel erhöht.

Immer mehr Menschen erkennen, dass jeder Einzelne seinen Beitrag zum Schutz und auch zur Zerstörung der Umwelt leistet, und viele möchten ein bewussteres Leben führen. Für die meisten stellt die die Ernährung einen maßgeblichen Bestandteil dieses bewussteren Lebensstils dar. Eine Ernährungsform, die immer mehr Zuspruch gewinnt, ist die vegane Ern ä hrung. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass viele negative Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit, wie ern ä hrungsbedingte Zivilisationskrankheiten, Massentierhaltung, Welthunger, aber eben auch die globale Erw ä rmung mit übermäßigem Fleischkonsum in Verbindung gebracht werden kann.

In der vorliegenden Arbeit wird nun die Frage gestellt, inwiefern die vegane Ernährung aus umweltethischer Sicht möglicherweise zu bevorzugen ist und was gegen diese Ernährungsart sprechen könnte. Der Schwerpunkt wird dabei auf anthropozentrischen Argumenten liegen also solchen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

2. Der Veganismus

2.1. Die Begriffe vegetarisch und vegan

Als offizielle Bezeichnung für die fleischlose Ern ä hrung wurde das Wort vegetarian (abgeleitet von lat. vegetus = lebendig, frisch, kraftvoll) 1847 eingeführt, als in England die erste vegetarische Gesellschaft („Vegetarian Society oft the United Kingdom“) gegründet wurde (vgl. SPENCER 2000: 238). Zum damaligen Zeitpunkt ging es darum, sich ohne Fleischprodukte und Fisch zu ernähren - die ethischen Konsequenzen des Milchkonsums innerhalb der vegetarischen Bewegung wurden noch nicht einbezogen. Dies erfolge erstmals 1908 mit der Gründung der International Vegetarian Union (IVO). Aus den damaligen Diskussionen entwickelte sich die Vegan Society, die 1944 von Elsie Shrigley und Donald Watson ins Leben gerufen wurde und alle milchfreien Vegetarier zusammenführen sollte. Um sich auch begrifflich vom klassischen Vegetarismus abzugrenzen, wurde beim zweiten Treffen die Bezeichnung strenge Vegetarier durch den Neologismus vegan ersetzt (vgl. STEPANIAK / MESSINA 2000: 20). Der Begriff Veganer wurde seither mehrmals erweitert und wird seit den 1990 Jahren als „person, who does not eat or use animal products“ im Oxford English Dictionary definiert (ENGLERT 2016: 13).

2.1.1. Mögliche Veganertypen nach Englert

Englert teilt in ihrer Einf ü hrung in die vegane Ern ä hrung Veganer in verschiedene mögliche Veganertypen ein, deren Bezeichnungen sowohl der populären als auch der wissenschaftlichen Literatur entstammen und auf verschiedene Trends zurückzuführen sind (vgl. Ebd.: 14 f). So gibt es neben den konsequenten Veganern, die sich zu 100 Prozent pflanzlich ernähren, keine tierischen Produkte verwenden und deren Motivation sowohl in der Ethik als auch in gesundheitlichen Aspekten begründet liegt, auch die sogenannten Pudding-Veganer, die neben gesunden pflanzlichen Produkten wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auch viele stark fett- und zuckerhaltige - wie zum Beispiel Pudding Lebensmittel konsumieren. Sie ernähren sich zwar strikt vegan, achten aber nicht auf eine ernährungsphysiologisch ausgewogene Zusammensetzung ihrer Kost. Bei den Pudding- Veganern steht die Ethik im Vordergrund - die gesundheitlichen Aspekte spielen keine große Rolle. Ebenfalls zu den konsequenten Veganern zählen Fruganer und Roh-Veganer, die ihrerseits noch strengere Kriterien bei der Auswahl ihrer Nahrungsmittel befolgen. Fruganer konsumieren lediglich Lebensmittel, die ihnen die Natur freiwillig zur Verfügung stellt beispielweise Fallobst, Nüsse und Samen. Roh-Veganer hingegen nehmen nur pflanzliche, frische und nicht erhitzte Nahrung zu sich.

Auch Menschen, die neben pflanzlichen Nahrungsmitteln bestimmte Produkte wie Honig oder Fisch konsumieren, bezeichnen sich als konsequente Veganer (Honig-Veganer und Pesco- Veganer). Eine besondere Gruppe stellen die Makrobiotiker dar, die sich auf Grundlage taoistischer Lehren ernähren und deswegen hauptsächlich Vollkorngetreide, frisches Gemüse und Obst, Bohnen und Brühen zu sich nehmen. Tierische Lebensmittel wie Fisch gibt es nur selten und in kleinen Mengen.

Nicht alle Veganer sind konsequent, es gibt auch moderate Veganer, die weniger als 5 Prozent ihrer täglichen aufgenommenen Energie aus tierischen Lebensmitteln beziehen. Darüber hinaus existieren noch weitere Formen von nicht-konsequenten Veganern, deren Aufzählung den Rahmen dieser Arbeit aber sprengen würde.

2.2 Verbreitung

Zurzeit liegen noch wenige repräsentative Daten über die Verbreitung von Vegetariern und Veganern in Deutschland vor - dennoch lässt sich in vielen westlichen Ländern eine steigende Tendenz zur fleischlosen Ernährung erkennen (vgl. Ebd.: 12). Gründe dafür können - neben einem wachsendendem Bewusstsein für die ökologischen und ethischen Auswirkungen der Massentierhaltung - die Projektion von politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auf den eigenen Ernährungsstil und die Beschäftigung mit der Ernährung sein (vgl. Ebd.).

In Deutschland geht der Vegetarierbund davon aus, dass es, gerechnet auf die Gesamtbevölkerung, mittlerweile 10 Prozent Vegetarier und 1,1 Prozent Veganer gibt (VEBU 2015).

3. Anthropozentrismus versus Physiozentrismus

Wenn man in der Umweltethik nach dem moralischen Wert der Natur fragt, gibt es zwei Sichtweisen, aus denen heraus man argumentieren kann. Auf der einen Seite steht der Anthropozentrismus (von griech. anthropos = Mensch) , der vertritt, dass die Natur keinen eigenen moralischen Stellenwert hat, sondern ausschließlich für den Menschen da ist (vgl. KREBS 1977: 342). Auf der anderen Seite steht der Physiozentrismus ( von griech. physis = Natur), der der Natur einen eigenen moralischen Wert zuschreibt. Daraus ergibt sich, dass der Mensch Rücksicht auf die Natur nehmen muss - und zwar um der Natur Willen selbst (vgl.: Ebd.).

Innerhalb des Physiozentrismus gibt es nach Krebs‘ Naturethik drei verschieden starke Positionen: den Pathozentrismus (von griech. pathos = Leid), den Biozentrismus (von griech. bios = Leben) und den radikalen Physiozentrismus. Während der Pathozentrismus allen leidensf ä higen Lebewesen einen moralischen Stellenwert zuspricht, plädiert der Biozentrismus für eine moralische Berücksichtigung ausnahmslos aller Lebewesen. Der radikale Physiozentrismus (oder auch Ökozentrismus) geht noch weiter und setzt sich für eine Berücksichtigung der Natur als Ganzes ein (vgl. Ebd.). Angewendet auf unsere Umwelt bedeutet das, dass der Pathozentrismus neben dem Menschen meist nur die Tierwelt berücksichtigt, der Biozentrismus den Kreis der moralisch relevanten Objekte um Pflanzen erweitert und der radikale Physiozentrismus auch Gestein, Gewässer oder ganze Ökosysteme umfasst.

Wer sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern er oder sie durch den eigenen Ernährungsstil die Natur schützen kann, wird physiozentrische und anthropozentrische Argumente für eine vegane Ernährungsweise finden.

Eine pathozentrische Argumentation scheint auf den ersten Blick nächstliegend zu sein, denn wenn leidfähige Wesen - also Tiere - einen eigenen moralischen Stellenwert besitzen, spricht vieles dagegen, sie für den menschlichen Verzehr heran zu züchten und zu töten. In ähnlicher Weise argumentieren beispielsweise Peter Singer und andere Vertreter der Tierethik. In dieser Arbeit liegt das Hautaugenmerk aber auf den anthropozentrischen Argumenten für vegane Ernährung - die typischen Argumente der Tierethik werden außen vor gelassen. Der Grund dafür ist einerseits, dass die Anwendung sämtlicher Argumente der Naturethik auf das Ernährungskonzept des Veganismus den Rahmen der Arbeit sprengen würde; vor allem aber soll eine etwas andere Sichtweise auf die vegane Ernährung abseits der vielfach diskutierten Tierethik präsentiert und geschärft werden.

Intuitiv könnte man bei der Vorstellung, dass allein der Mensch moralischen Stellenwert hat, während Tiere, Pflanzen und der Rest der Natur moralisch nicht berücksichtig werden müssen, versucht sein, dem Menschen zuzusprechen, dass er ausnahmslos alles essen kann, was er möchte. Ob diese Intuition stimmt, soll im Folgenden näher beleuchtet werden.

4. Anthropozentrische Argumente für vegane Ernährung

Anthropozentrische Argumente beziehen sich auf den anthropos - den Menschen -, dem als einzigem Objekt ein moralischer Wert zugeschrieben wird. Die Natur hat währenddessen lediglich instrumentellen und eudaimonistischen Wert - sie soll dem Menschen dienen, ihm das Überleben sichern und dafür sorgen, dass er ein gutes Leben führen kann. Im Anthropozentrismus gibt es eine Reihe verschiedener Argumente, die von Angelika Krebs in ihrem Aufsatz zu den Grundbegriffen der Naturethik aufgeführt werden. Im Folgenden werden diese Argumente in Anlehnung an Krebs beschrieben und anschließend auf den Veganismus angewendet.

4.1 Das basic-needs-Argument

Das Argument der basic needs, also der grundlegenden Bed ü rfnisse, sagt aus, dass „die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse nach Nahrung, Obdach [und] Gesundheit von natürlichen Dingen abhängt“ (Ebd.:364), diese natürlichen Bedingungen aber durch die fortschreitende Industrialisierung bedroht sind. Um seine Grundbedürfnisse weiterhin stillen zu können, sollte der Mensch die natürlichen Dinge, von denen seine Nahrungsversorgung, sein Obdach und seine Gesundheit abhängen, schützen.

4.1.1 Das grundlegende Bedürfnis Nahrung

Zum jetzigen Zeitpunkt leiden über 800 Millionen Menschen weltweit an Hunger (vgl. FAO 2018).

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Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668674691
ISBN (Buch)
9783668674707
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418482
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Schlagworte
Veganismus Anthropozentrismus Umweltethik Physiozentrismus vegan vegetarisch Klimawandel Umwelt

Autor

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