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Psycholgie des Gesundheitsverhaltens. Selbstwirksamkeitserwartung und Gesundheitspsychologisches Handlungsfeld chronischer Erkrankungen

Einsendeaufgabe 2015 24 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Selbstwirksamkeitserwartung
1.1 Erläuterung des Begriffs Selbstwirksamkeitserwartung
1.2 Fragebogen zur Feststellung der spezifischen Selbstwirksamkeitserwartung
1.3 Auswertung
1.4 Übersicht der Studienlage zur Selbstwirksamkeitserwartung

2 Gesundheitspsychologisches Handlungsfeld – Chronische Erkrankung: Osteoporose
2.1 Chronische Erkrankung
2.2 Theoretische Grundlagen – Osteoporose
2.3 Überblick aktueller Zahlen
2.4 Körperliche Aktivität und Prävention der Osteoporose
2.5 Konsequenzen für gesundheitsorientierte Beratung
2.6 Praxisleitfaden

3 Beratungsgespräch
3.1 Kundenprofil
3.2 Aspekte eines Beratungsgesprächs
3.3 Einordnung der Kundin in das Transtheoretische Modell
3.4 Beratung
3.5 Reflektion

4 Literaturverzeichnis

5 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
5.1 Abbildungsverzeichnis
5.2 Tabellenverzeichnis

1 Selbstwirksamkeitserwartung

1.1 Erläuterung des Begriffs Selbstwirksamkeitserwartung

Der Begriff der Selbstwirksamkeitserwartung gehört zu den Grundsätzen kognitiver Theorien, die menschliches Handeln erforschen (Zimmer, 2012). Die Selbstwirksamkeitserwartung beinhaltet die Kenntnis und Wahrnehmung der eigenen Kompetenz, eine Aufgabe zielgerichtet und aussichtsreich erfüllen zu können. Des Weiteren hat sie Einfluss auf die Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer bei Anforderungsbewältigungen (Bandura, 1997). Je stärker die Selbstwirksamkeitserwartung ausgeprägt ist, desto intensiver und überdauernder strengt sich eine Person an. Bandura (1997) stellt heraus, dass Selbstwirksamkeitserwartungen auf direkten, stellvertretenden, symbolischen (Feedback über eigene Kompetenzen durch Dritte) oder physiologischen Erfahrungen (eigene Gefühlsregung als Hinweis individueller Kompetenzen) basieren. Bei den direkten Erfahrungen besteht eine Kausalität zwischen individuellem Bemühen und dem daraus resultierendem Feedback der Umwelt. Stellvertretende Erfahrungen basieren auf dem Konzept des Modelllernens. Aus dem Modelllernen leiten sich soziale Vergleichsprozesse ab, die Hinweise auf eigene Kompetenzen liefern.

Direkte und stellvertretende Erfahrungen beeinflussen menschliches Verhalten sehr intensiv. Sie besitzen große Relevanz für die Selbstwirksamkeitserwartung. (Zimmer, 2012). Die Selbstwirksamkeitserwartung kann zusätzlich durch Erfolgsvorstellungen und dem emotionalen Zustand einer Person verstärkt beeinflusst werden (Bandura, 1997). Um den Begriff detaillierter zu definieren kategorisiert Bandura (1997) in die drei Aspekte „Niveau“, „Allgemeinheitsgrad“ und „Gewissheit“. Unter „Niveau“ wird die wahrgenommene Komplexität der Anforderung gefasst. Der „Allgemeinheitsgrad“ stellt die Situationsanzahl dar, in denen Zuversicht der eigenen Kompetenz vorhanden ist. Die „Gewissheit“ ist die Kenntnis und Sicherheit über eigene Kompetenzen (Pieter, 2014).

Die Selbstwirksamkeitserwartung kann nicht mit dem Selbstvertrauen synonym verwendet werden, man kann Sie jedoch als situationsspezifische Form des Selbstvertrauens verstehen (Moritz et. al., 2000).

1.2 Fragebogen zur Feststellung der spezifischen Selbstwirksamkeitserwartung

Anhand von Fragebögen können individuelle Selbstwirksamkeitserwartungen eruiert und methodisch analysiert werden. Die Fragebögen können ausgerichtet sein auf die allgemeine Selbstwirksamkeitserwartung oder auf spezielle, situative Anforderungen ausgerichtet sein (Pieter, 2014, zit. nach Schwarzer und Jerusalem 1999). Beispielsweise konzipierten Schwarzer und Jerusalem (1999) einen „Fragebogen zur Diagnose der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung“. Hingegen entwickelten Fuchs und Schwarzer (1994) eine Skala zur Selbstwirksamkeit von sportlicher Aktivität.

Angelehnt an die durch Schwarzer und Jerusalem (1999) vorgegebenen Rahmenbedingungen zur diagnostischen Befragung der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung wird in dieser Hausarbeit ein Fragebogen zur Selbstwirksamkeitserwartung zu gesundem Essenverhalten erstellt.

Der Fragebogen umfasst 12 Items, wobei jedes Item mit einem Punktwert von 1-4 bewertet wird. Der Punktwert 1 steht für „stimmt nicht“; 2 für „stimmt kaum“; 3 für „stimmt eher“ und 4 für „stimmt genau“.

Um die Selbstwirksamkeitserwartung zu gesundem Essverhalten untersuchen zu können sind die drei Aspekte „Niveau“, „Allgemeinheitsgrad“ und „Gewissheit“ in den 12 folgenden Items berücksichtigt.

Der Ausdruck „ungesundes Essen“ umfasst eine Vielzahl von Lebensmitteln. Gemeint sind Produkte, die von der allgemeinen Bevölkerung als ungesund und schädlich angesehen werden.

1) Wenn ich das Bedürfnis nach ungesundem Essen habe, finde ich gesunde und befriedigende Alternativen.

(Bsp.: Nach einem anstrengendem Tag habe ich das Bedürfnis nach fettigem Essen. Die Auswirkungen von fettigem Essen sind mir jedoch bewusst und ich begnüge mich mit einer gesunden Alternative.)

2) Es fällt mir leicht, auf ungesundes zu verzichten.

3) In außerhalb meiner Routine liegenden Situationen kann ich mich beherrschen und achte auf gesunde Ernährung.

(Bsp.: Auf einer Tagesreise bediene ich mich nicht im Fastfood Restaurant, sondern suche gesunde Alternativen.)

4) Heißhungerattacken werfen mich nicht aus der Bahn, weil ich darauf vertrauen kann die Situation zu kontrollieren.

5) Auch in stressigen Situationen kann ich mein Essverhalten kontrollieren.

(Bsp.: Auch im Arbeitsstress benötige ich keinen „Balsam für die Seele“.)

6) Unerwartete Situationen in meinem Umfeld haben keinen Einfluss auf mein Essverhalten.

7) Auch in Gesellschaft habe ich mich im Griff und achte auf gesunde Ernährung.

(Bsp.: Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden.)

8) Wenn ich ungesund Esse, bekomme ich ein schlechtes Gewissen.

9) Wenn mir ungesundes Essen angeboten wird, dann sage ich höflich „Nein“ und verfalle nicht dem sozialen Druck.

10) Auch wenn ich traurig bin verändert sich mein Essverhalten nicht negativ.

11) Wenn ich mit starkem Hungergefühl einkaufen gehe, dann habe ich mich im Griff und kaufe zielgerichtet.

12) Auch bei starkem Hungergefühl, esse ich nur so viel wie ich mir vornehme und verfalle nicht dem Heißhunger.

1.3 Auswertung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Punktwertdiagramm zur Selbstwirksamkeitserwartung von gesundem Essverhalten

An der Befragung zur Selbstwirksamkeitserwartung zu gesundem Essverhalten nahmen 12 Versuchspersonen teil. Die Wahl der Versuchspersonen erfolgte nach Geschlecht und allesamt verfolgen sportliche Motive. Der maximal zu erreichende Punktwert beträgt 48. Es wurde festgelegt, dass ein Punktwert über 38 auf eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung deutet und ein Punktwert unter 28 eine niedrige Selbstwirksamkeitserwartung prognostiziert. Grundsätzlich kann interpretiert werden: je höher der Punktwert, desto höher die Selbstwirksamkeitserwartung zu gesundem Essverhalten.

Demzufolge haben Versuchspersonen mit einem hohem Punktwert (>38) weniger Probleme sich gesund zu ernähren, auf ungesundes Essen zu verzichten und ein stabiles sowie gesundheitsorientiertes Essverhalten auszuleben (Schwarzer, 2000).

Bandura stellt heraus, dass Menschen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung Erfolge fokussieren und diese auf eigene und überdauernde Kompetenzen beziehen. Demgegenüber resultieren Misserfolge nicht auf mangelnder Kompetenz, sondern aus Unwillkürlichen Gegebenheiten (Pieter zit. nach Bandura, 1997).

Folglich der Feststellung wird den Versuchspersonen 4,5 und 6 eine Umstellung und Aufrechterhaltung des Essverhaltens leichter fallen als allen anderen Teilnehmern. Es kann allgemein davon ausgegangen werden, dass ihr Essverhalten gesünder ist.

Der Fragebogen wird die Interpretation jedoch nicht eindeutig belegen können. Es handelt sich in dieser Einsendeaufgabe nicht um einen standardisierten Fragebogen, sondern um einer modifizierten Version nach Schwarzer & Jerusalem (Pieter zit. nach Schwarzer und Jerusalem, 1999). Die Auswertungskriterien sind nicht standardisiert, sondern basieren auf einer subjektiven Konzeption. Kritisch ist festzuhalten, dass einige Fragen ohne Beispiele kontrovers wären. Die Aspekte „Niveau“, „Allgemeinheitsgrad“ und „Gewissheit“ werden zwar berücksichtigt, dass Verständnis von gesunden bzw. ungesunden Produkten ist jedoch sehr individuell.

1.4 Übersicht der Studienlage zur Selbstwirksamkeitserwartung

Tab.1: Zusammenfassung der Studie „the moderating role of specific self-efficacy in the impact of positive mood on cognitive performance

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.2: Zusammenfassung der Studie „The Importance of general Self-Efficacy for the Quality of Life of Adolescents with Chronic Conditions

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Gesundheitspsychologisches Handlungsfeld – Chronische Erkrankung: Osteoporose

2.1 Chronische Erkrankung

Um die Chronizität zu erklären muss der chronische Schmerz von der tatsächlichen Erkrankung differenziert werden. Treten Schmerzen länger als der normale Heilungsprozess auf, so spricht man von chronischem Schmerz. Schließlich wird der chronische Schmerz vom Symptom zur Krankheit. Wenn temporäre Schmerzen sich manifestieren oder über einen gewissen Zeitraum häufiger auftreten spricht man von einer chronischen Erkrankung. Das Problem von chronischen Erkrankungen ist die Unkenntnis der Ursachen (Pieter, 2014). Im Unterschied zur akuten Erkrankung besitzt die chronische Erkrankung keine Warnfunktion. Es wird kein Hinweis gegeben wie man sich Verhalten sollte, um die Schädigung des Körpers zu verhindern. Selbst Interventionsmaßnahmen können sich nicht mehr auf die systematische Heilung des Körpers konzentrieren, sondern die Symptomlinderung wird fokussiert (Pieter, 2014) Eine chronische Erkrankung wird von emotionalen, psychologischen und sozialen Konsequenzen begleitet. Durch soziale Isolation oder körperliche Einschränkung sinkt die Lebensqualität der Betroffenen (Pieter, 2014). Therapiemaßnahmen werden oft von Demotivation und Hoffnungslosigkeit begleitet. Prävalenzuntersuchungen zeigen, dass bedingt durch den demographischen Wandel das individuelle Krankheitsrisiko steigt (Pieter, 2014). Somit erhöht sich auch die Gefahr einer Chronizität. Im Rentenalter sind mehr Menschen von einer Chronizität betroffen als nicht betroffen. Außerdem ist in Abbildung 2 zu erkennen, dass Frauen häufiger an chronischen Erkrankungen leiden als Männer (Pieter, 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Menschen mit mindestens einer chronischen Erkrankung modifiziert von Pieper (2014) nach Nowossadek (2012)

Die chronische Bronchitis, das Asthma Bronchiale, der Diabetes Mellitus sowie die chronische Herzinsuffizienz sind Beispiele chronischer Erkrankungen. Im Folgenden soll sich speziell mit der Osteoporose -eine chronisch systemische Erkrankung- beschäftigt werden.

2.2 Theoretische Grundlagen – Osteoporose

Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die den gesamten Skelettapparat betreffen kann. Indiz der Osteoporose ist eine gestörte Knochengeweberemodellierung und systemischer Knochenschmerz. Es liegt eine signifikante Disparität zwischen Knochenresorbtion durch Osteoklasten und Knochenaufbau durch Osteoblasten zuungunsten des Knochenaufbaus vor. Die im Volksmund als „Knochenschwund“ bezeichnete Krankheit beruht daher auf metabolischen Vorgängen (Siegrist, Lammel & Gradinger, 2008).

Aufgrund einer Abnahme der absoluten Knochenmasse resultiert ein erhöhtes Frakturrisiko. Eine Fraktur ist für die Diagnose einer vollständigen Osteoporose essentiell. Dieses Ereignis ist unerlässlich für eine detaillierte Definition. Oftmals wird der Begriff der Osteopenie für Patienten ohne osteoporosebedingte Fraktur verwendet (Ringe, 1991). Eine Osteoporose tritt häufig erst im späten Erwachsenenalter auf und äußert sich durch Wirbelkörperfrakturen sowie Oberschenkelhalsfrakturen. Die Erkrankung bleibt dementsprechend lange unentdeckt. Statistiken belegen, dass das Risiko für einen Folgebruch nach einem osteoporosebedingten Knochenbruch bis zu 12-fach erhöht ist (Siegrist et. al., 2008).

Drei deutliche Osteoporoseformen werden unterschieden: die postmenopausale Osteoporose, die Osteoporose im hohen Lebensalter und die Glukokortikoid-induzierte Osteoporose (Siegrist et. al., 2008).

Tab. 3: Differente Osteoporoseformen nach Siegrist et. al. 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Erkrankung unterliegt einer genetischen Disposition. Das Risiko an einer Osteoporose zu erkranken ist für hellhäutige Frauen am größten. Untergewichtige und inaktive Personen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Zusätzlich beeinflussen das Ernährungsverhalten sowie Alkohol- und Zigarettenkonsum die Entwicklung einer Osteoporose. Kalzium- und Vitamin-D Mangel sind als weitere Risikofaktoren bekannt (Siegrist et. al., 2008).

2.3 Überblick aktueller Zahlen

Aufgrund des demographischen Wandels erwarten Experten eine gravierende Zunahme der Osteoporoseprävalenz. Längere Lebenszeiten der Bevölkerung begünstigen den Knochenabbauzeitraum. Weiter haben Lebensstillfaktoren wie Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung negativen Einfluss. Vor allem durch Bewegungsmangel fehlen mechanische Reize zur Geweberemodelleriung. Im Jahre 1999 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die chronische Skeletterkrankung zu einer essentiellen Volkskrankheit (Siegrist et. al., 2008). Aktuelle Prävalenz- und Inzidenzraten sind inkonstant und liegen zwischen 4-8% der Gesamtbevölkerung. In diesem Zusammenhang betont das Robert-Koch-Institut, dass Ergebnisse aus Prävalenzstudien durch Art und Quelle der Studie differieren. Auch die Probandenauswahl hat Einfluss auf das Prävalenzergebnis (Robert-Koch-Institut, 2012). Ungefähr 20 Prozent der Frauen ab dem 50. Lebensjahr erkranken an einer Osteoporose. Die Anzahl der Neuerkrankungen steigt mit dem Alter kontinuierlich (Werle, 1995). Über einhunderttausend osteoporosebedingte Brüche des Oberschenkelhalsknochens werden jährlich registriert (bezogen auf Deutschland). In der Regel erhört sich die Osteoporoseprävalenz für Frauen ab dem 45ten Lebensjahr signifikant. Beim männlichen Geschlecht ab dem 55ten Lebensjahr. Im Jahre 1998 prognostizierte die „US National Osteoporosis Foundation“ dass 70% aller Hüftfrakturen osteoporosebedingt sind. Ab 1998 wurden jährlich ca. 235.000 Fälle registriert. Neun Milliarden Dollar wurden für Diagnose, Therapie und Prävention aufgebracht (Kruse, Knappe, Schulz-Nieswandt, Schwartz & Wilbers zit. nach Melton, 2003).

Zusammengefasst sind Frauen mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Aktuell werden jährlich mehrere Milliarden Euro für die Behandlung osteoporosebedingter Spätfolgen eingesetzt. Es sollte Ziel zukünftiger und gesundheitspolitischer Bestrebungen sein, die bisherigen Ausgaben für präventive Interventionen zu erweitern. Nur so können die immensen Behandlungskosten minimiert werden (Siegrist et. al., 2008).

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Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668677227
ISBN (Buch)
9783668677234
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418559
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,1
Schlagworte
Selbstwirksamkeitserwartung Gesundheitspsychologisches Handlungsfeld Gesundheitsverhalten Osteoporose

Autor

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Titel: Psycholgie des Gesundheitsverhaltens. Selbstwirksamkeitserwartung und Gesundheitspsychologisches Handlungsfeld chronischer Erkrankungen