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Sterbehilfe und Selbstbestimmtes Sterben. Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Der Fall Ramón Sampedro

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 13 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Verschiedene Formen der Sterbehilfe

3. Vergleich derzeitige Rechtslage in Deutschland und Spanien

4. Mar adentro
4.1 Stammdaten und Inhalt
4.2 Filmische Mittel
4.3 Reaktionen und Glorifizierungs-Vorwürfe

5. Ausblick: Aktuelle Debatte – Positionen in Deutschland und Spanien

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sterbehilfe ist sowohl in Deutschland als auch international ein höchst umstrittenes sowie sensibles Thema.

In Konflikt stehen nicht nur rechtliche Fragen, sondern auch zahlreiche religiöse und ethische Weltansichten. In nahezu jeder Landesverfassung steht der Schutz und die Bewahrung eines Menschenlebens an oberster Stelle. Ob jenes Leben, das so geschützt werden soll, trotz langer und beschwerlicher Krankheit dennoch lebenswert bzw. menschenwürdig ist, bietet Stoff für immer wieder aufflammende Diskussionen.

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich eingängig mit dem Thema Sterbehilfe sowie dem spanischen Film Mar adentro befassen. Ziel der Arbeit ist es, durch die Darstellung der unterschiedlichen Formen der Sterbehilfe, der aktuellen Rechtslage als auch Debatte in Deutschland und Spanien, sowie der Analyse von Mar adentro ein besseres Verständnis für dieses höchst kontroverse Thema schaffen zu können.

Die Arbeit wurde in insgesamt sieben Kapitel eingeteilt.

Die Kapitel eins und zwei haben zum Ziel, eine Wissensgrundlage über die unterschiedlichen Formen der Sterbehilfe und ihre aktuelle Rechtslage herzustellen. Zunächst werden die vier Formen der Sterbehilfe definiert und erklärt, Kapitel zwei widmet sich der aktuellen Rechtslage in Deutschland und Spanien.

Im Anschluss folgt die Vorstellung des Films Mar adentro. Neben einer kurzen Hintergrundinformation und Inhaltsangabe des Films gehe ich nachfolgend auf den wahren Ramón Sampedro ein, dessen Schicksal als Vorlage für den Film diente. In den Unterkapiteln 4.3 und 4.4 werde ich ausgewählte filmische Mittel analysieren wie auch kritische Reaktionen auf den Film präsentieren.

In Kapitel fünf wird die aktuelle Stimmung der deutschen und spanischen Bevölkerung zum Thema Sterbehilfe beleuchtet. Hier stellt sich die Frage, inwiefern sich die Meinungen der Deutschen und Spanier gleichen bzw. unterscheiden, und wie die jeweiligen Landes-Regierungen versuchen, die Gesetzlage an jene Meinungen anzupassen.

Im Fazit werde ich alle Ergebnisse der Vergleiche zusammenfassen, auswerten und resümieren.

2. Verschiedene Formen der Sterbehilfe

Der Begriff Sterbehilfe beschreibt jegliche Vorgänge, mit denen das Sterben eines schwer kranken oder unheilbar kranken Menschen durch eine weitere Person schneller herbeigeführt wird. Der Missbrauch der Euthanasie im 3. Reich hatte zur Folge, dass die Bezeichnung Sterbehilfe im deutschen Sprachraum eingeführt wurde, um den geschichtlich vorbelasteten Begriff Euthanasie zu vermeiden. Weltweit wird jedoch allgemeinhin von Euthanasia gesprochen.

Insgesamt kann man zwischen vier unterschiedlichen Formen der Sterbehilfe unterscheiden, die an dieser Stelle in den kommenden Absätzen erläutert werden sollen. Eines haben alle Formen der Sterbehilfe jedoch gemeinsam: Alle setzen voraus, dass der Patient im Vollbegriff seiner geistigen Kräfte sein muss und die Tötung auf seinen ausdrücklichen Willen hin erfolgt.

Angemerkt sei noch an dieser Stelle, dass weder Suizid noch Suizidversuch (sofern keine weiteren Personen verletzt werden), der aus eigener Kraft verübt wird, per se strafbar sind.[1]

1) Aktive Sterbehilfe

Man spricht von aktiver Sterbehilfe, wenn mithilfe eines Dritten der Tod des Patienten aktiv herbeigeführt wird. Dies kann beispielsweise durch Verabreichung einer Giftspritze oder tödlichen Arzneicocktails geschehen.

2) Assistierter Suizid/Beihilfe zur Selbsttötung

Bei assistiertem Suizid nimmt sich der Patient mit der Hilfe einer dritten Person eigenständig das Leben. Jene dritte Person fungiert hierbei lediglich als Suizidhelfer, der zum Beispiel ein tödliches Medikament beschafft und/oder präpariert, welches der Patient dann selbstständig zu sich nimmt.

3) Passive Sterbehilfe

Bei der passiven Sterbehilfe wird der Tod des Patienten nicht, wie bei der aktiven Sterbehilfe, durch die direkte Verabreichung eines tödlichen Medikaments herbeigeführt, sondern durch das Abschalten lebensnotwendiger Maßnahmen. Demnach trifft der Tod des Patienten nicht unmittelbar, jedoch früher oder später sicher ein.

4) Indirekte Sterbehilfe

Streng genommen handelt es sich bei der indirekten Sterbehilfe nicht um Sterbehilfe im klassischen Sinne. Hauptmotiv ist hier die Schmerzlinderung des Patienten, die durch die erhöhte Dosierung von Schmerz- oder Schlafmitteln erreicht werden soll. Der Tod des Patienten als „Nebenfolge“ der (zu) hohen Medikamentendosis wird damit zwangsläufig in Kauf genommen, ist aber nicht beabsichtigt.[2]

Der Großteil der zuvor genannten Formen der Sterbehilfe steht weltweit unter Strafe, mit unterschiedlicher Gewichtung der Schwere der Tat. Auf die aktuelle Rechtslage in Deutschland und Spanien wird im anschließenden Kapitel näher eingegangen.

3. Vergleich derzeitige Rechtslage in Deutschland und Spanien

Die aktuelle Rechtslage zur Sterbehilfe ist sowohl in Deutschland als auch in Spanien nicht immer rechtlich klar geregelt. Je nach Form der Sterbehilfe (s. Kapitel 2) gelten andere Bestimmungen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Gesetzeslage in Deutschland weniger „streng“ ist als in Spanien. In den folgenden Abschnitten werden nun die jeweiligen Regelungen zum Thema Sterbehilfe vorgestellt und verglichen.

Die aktive Sterbehilfe ist in Deutschland als auch in Spanien verboten. In beiden Ländern wird der Täter in der Regel mit Totschlag gleichgesetzt und mit einer Freiheitsstrafe belegt. Diese beläuft sich in Deutschland nach § 212 StGB, auf ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug[3], in Spanien greift der Código Penal mit Art. 409 CP[4]. Dies gilt auch für den Fall, wenn der Todeswillige zuvor seine Tötung ausdrücklich und unmissverständlich gewünscht hatte.

Im Falle des assistierten Suizids unterscheidet sich die Rechtslage zwischen Deutschland und Spanien maßgeblich. Die Beihilfe ist, sofern der Suizidhelfer nicht geschäftsmäßig ist und die Tötung letztendlich vom Opfer selbst ausgeht, in Deutschland straffrei.[5] Anklage kann dennoch wegen unterlassener Hilfeleistung (sollte der Suizidhelfer beim Tode des Opfers anwesend sein) oder im Hinblick auf das Betäubungsmittelgesetz (sollte die Tötung durch eine Überdosis/Arzneicocktail erfolgen) erhoben werden, das Strafmaß kann sich auf bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug belaufen.

In Spanien ist die Beihilfe zum Selbstmord verboten und wird mit direkter Tötung gleichgesetzt[6]. Jedoch herrscht hier eine Verjährungsfrist von sieben Jahren, nach deren Ablauf Ramón Sampedro’s Freundin Ramona Maneiro ihre Mithilfe an dessen Selbstmord gestand.[7]

Indirekte und passive Sterbehilfe gelten in Deutschland dann als legal, wenn eine rechtlich gültige Patientenverfügung bzw. eine Willensäußerung des Patienten vorliegt[8].

In Spanien ist die indirekte Sterbehilfe nur dann legal, wenn sie medizinisch korrekt durchgeführt wurde. Was die passive Sterbehilfe betrifft, so befindet sich diese in einer rechtlichen Grauzone, hier ist noch immer nicht eindeutig rechtlich geklärt, ob Anklage (etwa gegen den behandelnden Arzt) erhoben werden kann.[9]

4.Mar adentro

4.1 Stammdaten und Inhalt

Der Film „ Mar adentro “ (deutscher Titel: „ Das Meer in mir “) schildert den Kampf des querschnittsgelähmten Seemanns Ramón Sampedro mit der Justiz und der katholischen Kirche, um das Recht, Sterbehilfe beanspruchen zu dürfen.

Mar adentro “ erschien im Jahre 2004, gedreht wurde er sowohl in Spanien, Frankreich und Italien. Regie führte Alejandro Amenábar, in den Hauptrollen sind unter anderem Javier Bardem, Belén Rueda und Lola Dueñas zu sehen.

Der Film erlangte wenig internationale Aufmerksamkeit, erhielt aber dennoch zahlreiche Preise, wie etwa die Rekord-Anzahl von vierzehn Goyas sowie jeweils den Golden Globe und den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film.[10]

Der Film beruht auf der wahren Geschichte des Seemannes Ramón Sampedro, der sich bei einem Kopfsprung von einer Klippe das Genick bricht und daraufhin querschnittsgelähmt ist. Seit jenem Unfall sind fast 28 Jahre vergangen, die Ramón (Javier Bardem) bewegungsunfähig in seinem Krankenbett verbracht hat.

Zwar wird er liebevoll von seiner Familie (bestehend aus seinem Bruder, dessen Frau und ihrem Sohn) umsorgt und gepflegt, sieht jedoch keine Würde in seinem Leben und hegt den Wunsch, es aus freien Stücken zu beenden.

Sein Vorhaben stößt sowohl bei seiner Familie als auch bei der Justiz und der katholischen Kirche auf vehemente Ablehnung. Unterstützung erhält Ramón schließlich von der Organisation „ Würdevoll sterben “ der auch die Anwältin Julia (Belén Rueda) angehört. Julia’s Engagement ist nicht ganz uneigennützig, da sie selbst von der Nervenkrankheit CADASIL betroffen ist, und sich die Möglichkeit schaffen will, auch ihr Leben vorzeitig beenden zu können.

Im Laufe des Films verlieben sich Ramón und Julia ineinander, und beschließen, sich gemeinsam das Leben zu nehmen, doch Julia bricht ihr Versprechen und verlässt Ramón, der auch vor Gericht eine Niederlage nach seiner Forderung von aktiver Sterbehilfe akzeptieren muss.

Durch Ramón’s öffentliche Fernsehauftritte wird die Fabrikarbeiterin Rosa (Lola Dueñas) auf ihn aufmerksam, woraufhin sie Kontakt zu ihm aufnimmt, mit dem Ziel, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Auch sie verliebt sich in Ramón, und letzten Endes ist sie diejenige, die für ihn ein Glas mit Zyankali bereitstellt, welches Ramón aus freien Stücken trinkt und kurz darauf stirbt.

[...]


[1] Lebensschutz in Rheinland-Pfalz: „Sterbehilfe- Rechtslage in Deutschland, unter:http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Rechtslage-Deutschland.html

[2] Keller, Claudia: „Aktive und passive Sterbehilfe“, in: Der Tagesspiegel (06.09.2014), unter: http://www.tagesspiegel.de/politik/definitionen-und-rechtslage-aktive-und-passive-sterbehilfe/10663572.html

[3] Lebensschutz in Rheinland-Pfalz: „Sterbehilfe- Rechtslage in Deutschland, unter:http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Rechtslage-Deutschland.html

[4] Madlener, Dr. Kurt: „ Spanien “ unter: https://www.mpicc.de/files/pdf2/19-spanien S.654

[5] Lebensschutz in Rheinland-Pfalz: „Sterbehilfe- Rechtslage in Deutschland, unter: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Rechtslage-Deutschland.html

[6] Madlener, Dr. Kurt: „ Spanien “ unter: https://www.mpicc.de/files/pdf2/19-spanien.pdf, S. 655

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Meer_in_mir#Kritiken

[8] Lebensschutz in Rheinland-Pfalz: „ Regelungen zur Sterbehilfe in Europa “, unter: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Sterbehilfe-in-Europa.html

[9] Lebensschutz in Rheinland-Pfalz: „ Regelungen zur Sterbehilfe in Europa “, unter: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Sterbehilfe/Sterbehilfe-in-Europa.html

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Meer_in_mir#Kritiken

Details

Seiten
13
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668678354
ISBN (Buch)
9783668678361
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418602
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
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