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Classroom Management. Unterrichtsstörungen und präventive Maßnahmen

Hausarbeit 2016 13 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.1 BEGRIFFSKLÄRUNG „UNTERRICHTSSTÖRUNGEN“
2.2 ERSCHEINUNGSFORMEN VON UNTERRICHTSSTÖRUNGEN
2.2 URSACHEN VON UNTERRICHTSSTÖRUNGEN

3. CLASSROOM MANAGEMENT ALS PRÄVENTIVE STRATEGIE
3.1 BEGRIFFSKLÄRUNG „CLASSROOM MANAGEMENT“
3.2 CLASSROOM MANAGEMENT NACH KOUNIN (1976/2006)
3.3 ASPEKTE DES CLASSROOM MANAGEMENTS NACH BORICH (2014)

4. FAZIT

5. LITERATUR

1. Einleitung

Als zukünftige Lehrkraft ist das Classroom Management und der Umgang mit Störungen elementar und basal für die Arbeit mit Schülerinnen und Schüler. Wie Lohmann (2013) treffend sagt: „Störungsfreier Unterricht ist eine didaktische Fiktion.“ (Lohmann 2013: 13). Also geht es nicht darum, den perfekten, störungsfreien Unterricht zu schaffen, sondern der Frage nachzugehen, wie man einen möglichst störungsfreien Unterricht gestaltet und welche Maßnahmen man präventiv treffen kann.

Die vorliegende Arbeit befasst sich zunächst und insbesondere mit Unterrichtsstörungen. Wiewerden diese definiert, was sind ihre Erscheinungsformen und Ursachen? In einem weiterenSchritt thematisiert die Arbeit das Classroom Management, um präventive Strategienabzuleiten und etwaige Handlungsspektren zu benennen. Es geht explizit nicht um einenpraktischen Leitfaden, sondern um das Verständnis, wie und was Unterrichtsstörungen sindund auf welchen Ebenen man Klassen und Klassensysteme betrachten kann und wo etwaigeHandlungsmöglichkeiten ansetzen können. Diesem Ansatz geht die Überzeugung voraus, dassein leichteres praktisches Umsetzen, ein theoretisches und wissenschaftliches Verständnis derBegriffe und Strukturen erfordert.

Nach einer Begriffsklärung von Classroom Management, skizziert die Arbeit wichtigeErgebnisse Kounins bezüglich des Classroom Managements und Handlungsdimensionen vonLehrkräften. Borichs Ansatz wird hinzugezogen, um Kounins Dimensionen um dreiPerspektiven zu erweitern. Letztendlich ist es das Ziel der meisten Lehrkräfte einenstörungsarmen Unterricht zu ermöglichen und die Klasse so zu führen, dass dies möglich ist.Vorliegende Erarbeitung gibt in erster Linie theoretische und strukturelle Betrachtungen vonUnterricht, Unterrichtsstörungen und Maßnahmen und eröffnet im Weiteren Betrachtungenund Möglichkeiten praxisnaher Techniken, um einen störungsfreien Klassenraum zu führen.

2. Unterrichtsstörungen

2.1 Begriffsklärung „Unterrichtsstörungen“

Der Begriff Unterrichtsstörung evoziert zunächst Begriffe wie „Disziplinstörungen [...]Disziplinschwierigkeiten“ (Winkel 2011: 26), „Verhaltensstörungen“ (Winkel 2011: 27) undviele mehr, die eine ausdrückliche Personenbezogenheit beinhalten. Jemand hat Problememit der Disziplin, oder Auffälligkeiten und Schwierigkeiten mit dem eigene Verhalten. Hieran anschließend entstehen unmittelbar Ideen und Vorstellungen davon, wie es in einem Klassenraum zugeht, in dem der Unterricht gestört wird: Die SuS laufen während desUnterrichts durch den Klassenraum, beachten die Lehrperson kaum, diese kann sich nichtdurchsetzen, ist frustriert und krakeelt mit hochrotem Kopf um Ruhe. Allein das freieAssoziieren zum Begriff Unterrichtsstörung bringt also mannigfaltige Bilder zutage. Auffälligist, dass die den hier gewählten Beispielen die Rolle des Störers und die des Gestörten relativeinfach zu erkennen scheinen. Die SuS stören, die Lehrperson ist während des Unterrichtensgestört, so die Idee. Im Folgenden erörtert diese Arbeit den Begriff Unterrichtsstörungen aufGrundlage wissenschaftlicher Bezüge.

Bereits 1979 definierte Karlheinz Biller Unterrichtsstörungen als „Alles, was den Prozess oderdas Beziehungsgefüge von Unterrichtssituationen unterbricht oder unterbrechen könnte...“(Biller 1979: 28). Seine Definition transportiert keine Schulzuweisung, sondern eine faktischeDarstellung des Aussetzens der Unterrichtssituation. Lohmann (2011) beschreibtUnterrichtsstörungen als „...Ereignisse, die den Lehr-Lernprozess beeinträchtigen,unterbrechen und unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unten denen Lehrenund Lernen stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen. Zu den Voraussetzungenzählen äußere und innere, das Lernen ermöglichende Bedingungen, wie z.B. physische undpsychische Sicherheit, Ruhe, Aufmerksamkeit, Konzentration.“ (Lohmann 2011: 13). Zunächstnennt Lohmann keinen Störer und benennt explizit, dass das „Lehren und Lernen“ (Lohmann2011: 13) stattfinden soll. Sowohl SuS, als auch Lehrpersonen können in ihren eigentümlichenTätigkeiten gestört werden. So bezieht der Begriff der Unterrichtsstörungen auch den Begriffdes Disziplinkonflikts mit ein. Lohmann sieht diesen als „normabhängig“ (Lohmann 2011: 14).Es gehe „... um die Verletzung - meist von Schülerseite - von impliziten oder expliziten Normenund Regeln, die - meist von Lehrerseite - für den reibungslosen Ablauf von Unterricht undSchulalltag vorausgesetzt werden. Was die Normen und Regeln inhaltlich besagen, hängt sehrvom jeweiligen Kontext ab, z.B. von der Kultur, dem Zeitgeist, der Schule, dem Lehrer, demFach, der Altersstufe, der Unterrichtsphase usw.“ (Lohmann 2011: 14).

Ähnlich wertfrei formuliert Winkel (2011) den Begriff. „Eine Unterrichtsstörung liegt dann vor,wenn der Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert,unerträglich oder inhuman wird.“ (Winkel 2011: 31). Er benennt keinen Störer, vielmehrbezieht er sich konkret auf das Lehren und Lernen als Aktivitäten im Unterricht.Bill Rogers spricht von „störendem Verhalten“ (Rogers 2013: 232) und meint explizit einen im umfassenden Sinne gebauchten Begriff, der sich nicht ausschließlich auf „lästiges oder nerviges Verhalten“ (Rogers 2013: 232) der SuS bezieht, sondern vielmehr Verhalten meint, das andere Akteure im Klassenzimmer ihres Rechts eines störungsfreien Unterrichtes beraubt. Genauer, „Mitschüler in ihrem Recht zu lernen, den Lehrer in seinem Recht zu unterrichten.“ (Rogers 2013: 232). Rogers Definition birgt die Idee der subjektiven Empfindung, denn erst, wenn andere sich gestört fühlen, kommt es zu Unterrichtsstörungen. Demnach ist es keine objektiv wahrnehmbare Größe, sondern vielmehr die individuell normierte Erwartung und Empfindung, die eine Unterrichtsstörung zu dieser macht. In diesem Punkt ist Rogers vergleichbar mit Lohmanns Auffassung. Winkel führt dies treffend aus, in dem er Unterrichtsstörungen als „...relative Bezeichnungen...“ definiert „...die letztendlich keine absolute Objektivität beanspruchen können.“ (Winkel 2011: 31).

2.2 Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen werden vielfältig benannt und definiert. Lohmann beschreibt Störungen, die von den SuS ausgehen können und untergliedert das störende Verhalten der SuS in verbales Störverhalten, mangelnden Lerneifer, motorische Unruhe und aggressives Verhalten (vgl. Lohmann 2011: 14). Kategorisiert man störendes Verhalten der Lehrperson, sieht Lohmann drei Ebenen von Handlungsweisen: die BeziehungsKommunikationsebene, den Unterricht und die Verhaltenskontrolle.

Kostorz (2015) hat wie folgt die gängigsten Formen der Unterrichtsstörungenzusammengefasst: „(verbal) aggressives Verhalten“ (Kostorz 2015: 69) gegenüber SuS undLehrkräften in Form von „Neckereien bis hin zur strafrechtlichen relevanten Beleidigungenoder Körperverletzungen“ (Kostorz 2015: 69). Weiter, herausforderndes, nicht erwünschtesBenehmen, „häufig [...] als Initiator für ein Machtspiel zwischen Lernendem und Lehrendem“(Kostorz 2015: 69). Ablenkungen durch Beschäftigung mit Gegenständen, Gespräche mitanderen SuS, „über die Socken der Lehrkraft oder den letzten Besuch im derzeit angesagtenTanzlokal“ (Kostorz 2015: 69). Gesteigerte körperliche Tätigkeit und Bewegung geäußertdurch „Kippeln mit dem Stuhl, Herumkramen in der Tasche (un)erlaubtes Aufsuchen derToilette während der Unterrichtszeit“ (Kostorz 2015: 69). Etwaige Verweigerungen undInaktivität wie die „ausbleibende Beteiligung am Unterricht oder demonstrativeNichtbearbeitung einer Aufgabe, was auch eine Provokation sein kann“ (Kostorz 2015: 69).Und richtige Klassiker sicher auch die erstens die „Unpünktlichkeit zu [...] Beginn der Unterrichtsstunde oder nach einer Pause“ und zweitens, das „unaufgefordertes Hineinrufen in ein Unterrichtsgespräch“ (Kostorz 2015: 69).

2.2 Ursachen von Unterrichtsstörungen

Unterrichtsstörungen haben Ursachen, die erarbeitet werden müssen, um etwaige präventive Maßnahmen zu benennen. In diesem Abschnitt werden die Ursachen für Unterrichtsstörungen beleuchtet.

Nach Lohmann können Unterrichtsstörungen „von Schülern und Lehrern verursacht oder vonaußen hereingetragen werden, z.B. [durch] laute Zwischenrufe, verbale oder physischeAttacken, Herumlaufen von Schülern; Hektik, Herumbrüllen oder Sarkasmus von Lehrern;Durchsagen, Baustellenlärm, Tiefflieger, plötzlicher Schneefall usw." (Lohmann 2011: 12).Winkel führt aus, dass menschliches Verhalten Funktionen und Intentionen habe und dieseebenso divers seien, wie die Störungen selbst (Vgl. Winkel 2011: 32). Er erklärt weiter, dass„Jedes störende Verhalten zumindest eins von fünf möglichen Zielen...“ (Winkel 2011: 32)verfolgt. Nämlich, „Mängel vertuschen [...] Aufmerksamkeit erregen [...] Überlegenheitgewinnen [...] Vergeltung/ Rache üben [...]“ und „...Liebe/ Zuneigung bekommen“ (Winkel2011: 32).

Nolting (2013) sieht drei Blickwinkel und potentielle Ursachen für Störungen, die in Bezug aufUnterrichtsstörungen betrachtet werden können (vgl. Nolting 2013: 16). Der Blick auf „...dieSchule als Institution, [...] auf die Schüler (Einzelne, Zusammensetzung der Klasse) [...] auf dasLehrerverhalten.“ (Nolting 2013: 16). Die Perspektive auf die Schule beschreibt er als diegenerellste und meint: „Die Schule produziert Störungen aufgrund ihrer eigenen Defizite undZwänge. Grundlegende Konflikte sind durch die Eigenschaften dieser Institution bedingt unddaher auch nicht gänzlich zu vermeiden.“ (Nolting 2013: 16). Weiter führt er aus, dassKonflikte entstehen, „...wenn unvereinbare Verhaltenstendenzen aufeinandertreffen [...] derWunsch, sich dem aufgezwungenen Programm zu entziehen und andere, unterrichtsfremdeDinge zu tun, ist also in der Schulsituation angelegt“ (Nolting 2013: 17). Dieser Blickwinkelvernachlässigt dabei die Individualität der Rahmenbedingungen jeder Schule sowie dieDispositionen der Teilnehmer des Lehr-Lern-Prozesses (vgl. Nolting 2013: 17). Oft werde derBegriff Störung auch auf Personen bezogen und ein „Störer“ wird definiert. Einzelne SuSwerden für eine hohe Störungsrate verantwortlich gemacht, bis hin zu einer Übertragung derUnterrichtsstörungen auf „psychische Störungen der einzelnen...“ (Nolting 2013: 17) SuS.

Dieser Blickwinkel lässt viel Raum für spekulative Überzeugungen, dass ein Unterricht ohne Störer ein störungsfreier Unterricht wäre (vgl. Nolting 2013: 18). Nolting sieht zu bedenken,dass situative Faktoren sowie interpersonale Einflüsse das Verhalten von SuS beeinflussen(vgl. Nolting 2013: 18). Plötzlich ist die Störung ein Resultat von „...unangemessenemSchülerverhalten...“ folgend erhält die/der SuS die „Diagnose ‚Verhaltensstörungen’...“ und es„...kommt eine Neigung zu sogenannten ‚therapeutischen Deutungsmustern’ zum Ausdruck.“(Lohmann 2011: 15). Ausgangspunkt dieser Zuschreibung von Gründen ist die Hypothese, dassdie Schule ein Ort mit klaren Regeln ist, die von allen störenden SuS bewusst missachtetwerden. Dies ist eine Verlagerung des Problems auf die SuS und verhindert den Blick auf eineBetrachtung der Ursachen von Unterrichtsstörungen, der institutionelle Strukturen kritisch inden Blick nimmt.

Die dritte Perspektive, mit Blick auf die Lehrkräfte als mögliche Ursache und Verursacher vonUnterrichtsstörungen. ist lohnend. Besonders, wenn man die Lehrpersonen als maßgeblichenFaktor für die Unterrichtsqualität sieht und erkennt, dass „...die Störungsrate je nach Lehrkraftaußerordentlich unterschiedlich sind.“ (Nolting 2013: 19). Statt das Verhalten der SuS zupathologisieren, eröffnen sich „Einfluss- und Handlungsmöglichkeiten“ (Lohmann 2011: 16)für Lehrpersonen und Unterrichtsstörungen sind „pädagogisch gestaltbar“ (Lohmann 2011.16). Unterrichtsstörungen können durch Prävention vermieden werden, indem Lehrpersonendurch gutes „...[Verhalten] zumindest ein teilweise erlernbares Handwerk...“ (Nolting 2013:21) erlernen und im Unterricht handeln.

Winkel fasst gut zusammen, wenn er darauf verweist, dass „Unterrichtsprozesse [...]multikausal bedingt, [sind] d.h. neben den klassen- und schulspezifischen Ursachen gibt esindividuelle, familiäre, gesellschaftliche, historische, zeittypische u.a.m.“ (Winkel 2011: 9-10).

3. Classroom Management als präventive Strategie

Im Folgenden wird das Classroom Management als präventive Strategie aufUnterrichtsstörungen besprochen. Zunächst wird der Begriff Classroom Management erörtertum im Anschluss präventiv ausgelegte Strategien des Classroom Management aufzuzeigen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668681187
ISBN (Buch)
9783668681194
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418607
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
Schule Lehrer Classroom Management Unterrichtsstörungen Maßnahmen

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Titel: Classroom Management. Unterrichtsstörungen und präventive Maßnahmen