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Präpositionen und ihre Zugehörigkeit zur Grammatik

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Romanistik - Fächerübergreifendes

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zum Terminus „Präposition“

2. Der Grammatikalisierungsprozess

3. Was versteht man unter Grammatik?
3.1. Die traditionelle und die moderne Definition von Grammatik im Vergleich zur Wortbildung
3.2. Die Merkmale von grammatischen Morphemen nach traditioneller Auffassung
3.2.1. Frequenz
3.2.2. Lautvolumen
3.2.3. Spezifischer Charakter
3.2.4. Schlussfolgerung zu den aufgeführten Merkmalen
3.3. Semantische Bedeutungsleere als Merkmal von grammatischen Morphemen

4. Die Zuordnung von Präpositionen zu Grammatik bzw. Lexik
4.1. Grammatische Präpositionen
4.1.1. Präpositionen mit Redundanzcharakter
4.1.2. Pleonastische Intensivierungen durch Präpositionen
4.1.3. Präpositionen mit Verlust der ursprünglichen Bedeutung
4.2. Lexikalische Präpositionen
4.2.1. Präpositionen in ihrer ursprünglichen Bedeutung
4.2.2. Präpositionen als Verursacher von Bedeutungsveränderungen anderer Wortarten

5. Indizien für semantische Bedeutungsleere bei Präpositionen
5.1. Austauschbarkeit innerhalb einer Sprache
5.2. Übersetzbarkeit von Präpositionen in andere Sprachen

Schlusswort

Literaturhinweise

Einleitung

In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, wann Präpositionen eher der Grammatik bzw. der Lexik zuzurechnen sind. Um auf diese Fragestellung eine befriedigende Antwort zu erhalten, möchte ich zunächst auf Präpositionen und ihre Merkmale im Allgemeinen und den Grammatikalisierungsprozess eingehen. Im weiteren Verlauf wird zu erörtern sein, wie sich Grammatik überhaupt definieren lässt und welche Merkmale grammatische Morpheme haben. Anhand dieser Überlegungen soll gegliedert werden, nach welchen Gesichtspunkten Präpositionen kategorisiert werden können hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zur Grammatik bzw. zur Lexik.

1. Zum Terminus „Präposition“

Die Bezeichnung „Präposition“ stammt ab von dem lateinischen Begriff „praepositio“ und bedeutet ins Deutsche übersetzt „das Vorangestellte“ oder auch „die Stellung vor etwas“[1]. Diese wörtliche Bedeutung trifft jedoch nur bedingt zu, denn nach syntaktischer Stellung unterscheidet man – im Deutschen – folgende Adpositionen:

- Präposition (z.B. in der Stadt)
- Postposition (z.B. der Ehre halber)
- Zirkumposition (z.B. um der Ehre willen)
- Ambiposition (z.B. der Ehre wegen vs. wegen der Ehre)

Weitaus treffender hinsichtlich ihrer Funktion lassen sich Präpositionen wie folgt definieren: Präpositionen werden „im Rahmen der traditionellen Grammatik als Beziehungs- oder Verhältniswörter klassifiziert, die Relationen etwa zwischen Verben und Substantiven untereinander beschreiben.“[2]

Auch Jürgen Lang beschreibt diese Wortart in ähnlicher Weise: „Präpositionen sind alle diejenigen Morpheme einer Sprache“, die „einen Vorstellungsinhalt A in bezug auf einen Vorstellungsinhalt B […] situieren.“[3]

Präpositionen stehen frei im Satz und „kommen nicht alleine vor, sondern verbinden sich mit einem Substantiv oder Pronomen zu einer Wortgruppe“[4], und setzen dabei Subjekt und Objekt in ein Verhältnis zueinander.

z.B. Maria scrive una lettera -> an wen?

-> a sua madre.

Weitere typische Eigenschaften von Präpositionen sind Unveränderlichkeit (sie sind nichtflektierend) und Kasuszuweisung, das heißt, sie bestimmen („regieren“) den Kasus des nachfolgenden Substantivs.

z.B. Ich gehe aus dem Haus. -> Präposition + Dativ

Ich gehe in den Garten. -> Präposition + Akkusativ

Viele Präpositionen können auch zwei Kasus regieren:

z.B. an der Unfallstelle vorbeifahren -> Dativ

an die Unfallstelle heranfahren -> Akkusativ

Die alten, von Claudio DiMeola als „primär“ bezeichneten Präpositionen[5] gehen zum größten Teil auf Ortsadverbien zurück:

z.B. Präposition Adverb

vor vorn(e)

hinter hinten

in innen

Neben den „primären“ Präpositionen werden auch die „sekundären“ Präpositionen (z.B. hinsichtlich, dank, oberhalb, angesichts) und so genannte „präpositionsartige Präpositionalphrasen“ (z.B. an Stelle, mit Hilfe, auf Grund) in DiMeolas Verzeichnis der Präpositionen aufgeführt[6]. Diese neueren Präpositionen wurden im Verlauf eines Sprachwandels aus Wörtern anderer Wortgruppen gebildet.

Demzufolge können Präpositionen im weiteren Sinne auch nicht als geschlossene Klasse betrachtet werden, obwohl sich nach der traditionellen Grammatik die Wortart der Präposition unter anderem auch durch ihren geschlossen Charakter definiert[7]. „Während die primären Präpositionen durchaus eine geschlossene Gruppe bilden, gilt dies keineswegs für die sekundären oder abgeleiteten Präpositionen. Deren Inventar wird durch komplexe Präpositionen ergänzt, die durch den Grammatikalisierungsprozess (siehe Punkt 2.) bedingt durch eine partielle Desemantisierung des enthaltenen nominalen Elementes (vgl. di faccia a, intorno a etc.) zeigen.“[8]

Festhalten lässt sich also zunächst, dass Präpositionen nichtflektierende Verhältniswörter sind, die einen oder mehrere Kasus regieren und relativ frequent sind.

De Weiteren ist noch zu erwähnen, dass Präpositionen zu den Funktionswörtern (Strukturwörter, Synsemantika) zählen, die traditionell den Inhaltswörtern (Vollsemantika, Autosemantika) gegenübergestellt werden. Dabei wird den Funktionswörtern im Gegensatz zu den Inhaltswörtern dabei eine geringe semantische Bedeutung zugeschrieben, wobei dies im Verlauf der Arbeit näher zu erörtern sein wird.

Oben wurde erläutert, dass Präpositionen – mit Ausnahme der primären Präpositionen – keine geschlossene Gruppe sind. Bezüglich Geschlossen- und Offenheit von Wortklassen sei hier allerdings noch zu erwähnen, dass Lexeme typischerweise eine offene Klasse darstellen, wobei es auch hier Grenzen gibt z.B. bei „Adverbien, die durch Wortbildung nur in Teilbereichen ausbaufähig sind (z.B. die Bildungen mit – maßen oder – weise)“[9]. Bei Präpositionen ist die Barriere zur Erweiterung ihrer Liste jedoch stärker, wobei eben durch Umwandlung von Lexemen aber noch immer Möglichkeiten gegeben sind. Auf diese Möglichkeiten, also die Entstehung von neuen Präpositionen durch Grammatikalisierung möchte ich nun näher eingehen.

2. Der Grammatikalisierungsprozess

Die Grammatikalisierung ist „eine Form von Sprachwandel“[10], genauer gesagt ein „semantischer Prozeß, in dessen Verlauf Lexeme zu Grammemen werden“[11]. Bereits Lehmann beschrieb 1995 auf diese Weise den Grammatikalisierungsprozess:

„[…] grammaticalization must mean a process in which something becomes or is made more grammatical.“[12]

Beispiel: Entwicklung von Substantiven zu Präpositionen

(frz.: côté, façon, genre etc.)

Hildegard Klöden legt einen Werbetext von Citroën zur Verdeutlichung dieses Grammatikalisierungsprozesses vor:

„ ‘J’ai un faible pour le vrai confort, côté conduite, pour les moteurs qui déménagent, côté plaisir, et pour l’espace, côté copains.’ "

Hier wird das grammatikalisierte Substantiv coté als Präposition statt der eher umständlichen Formulierung en ce qui concerne verwendet.

Diesen Text und ähnliche beobachtete Vorkommen sieht Klöden als einen klaren Beweis dafür, dass es sich bei Präpositionen „um eine Gruppe [handelt], die bei Bedarf jederzeit erweitert werden kann.“[13] Den Grund für eine solche Entwicklung sieht Klöden hauptsächlich darin, dass Sprecher eher komplexe und umständliche Formulierungen meiden und stattdessen auf einfachere Formulierungen zurückgreifen.[14]

Auch in der deutschen Sprache lassen sich für diesen Grammatikalisierungsprozess Beispiele finden: anfangs, anlässlich, trotz, etc.

Lehmann beschreibt in “Thoughts on grammaticalization” (1995) unter Anderem verschiedene Stufen der Grammatikalisierung, die hier allerdings nicht weiter erörtert werden sollen. Es genügt für die folgenden Ausführungen zu wissen, dass aufgrund von Grammatikalisierungsprozessen die Liste der Präpositionen jederzeit erweiterbar ist, und dass zwischen primären, sekundären Präpositionen und Präpositional-phrasen unterschieden wird.

[...]


[1] Lang, Jürgen: Die französischen Präpositionen; S. 18. (dieser und alle folgenden detaillierten

Quellennachweise s. S. 18)

[2] Heinemann, Sabine: Bedeutungswandel bei italienischen Präpositionen; S. 9.

[3] Lang, Jürgen: Die französischen Präpositionen, Funktion und Bedeutung, Heidelberg: Winter, 1991; S. 28.

[4] Hoberg, Rudolf: Deutsche Grammatik / Der kleine Duden; S. 83.

[5] Vgl. hierzu: DiMeola, Claudio: Die Grammatikalisierung deutscher Präpositionen; S. 27.

[6] Vgl. hierzu: DiMeola, Claudio: Die Grammatikalisierung deutscher Präpositionen; S. 257-269.

[7] Vgl. hierzu: Heinemann, Sabine: Bedeutungswandel bei italienischen Präpositionen; S. 11.

[8] Heinemann, Sabine: Bedeutungswandel bei italienischen Präpositionen; S. 9.

[9] DiMeola, Claudio: Die Grammatikalisierung deutscher Präpositionen; S. 34.

[10] Grammatikalisierung in den iberoromanischen Sprachen / Hildegard Klöden; S. 63.

[11] Grammatikalisierung in den iberoromanischen Sprachen / Hildegard Klöden; S. 64.

[12] Lehmann, Christian: Thoughts on grammaticalization; S. 9.

[13] Grammatikalisierung in den iberoromanischen Sprachen / Hildegard Klöden; S. 64-65.

[14] Vgl. hierzu: Grammatikalisierung in den iberoromanischen Sprachen / Hildegard Klöden; S. 64.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638400435
ISBN (Buch)
9783638790765
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v41866
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Romanistik
Note
2,0
Schlagworte
Präpositionen Zugehörigkeit Grammatik Proseminar Wortbildung Italianisten)

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