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Der SOFORT Bezahldienst. Ist diese Dienstleistung nützlich, akzeptiert und welche Gefahren birgt sie?

Seminararbeit 2018 25 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkurzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel
1.3 Vorgehen

2 SOFORT
2.1 SOFORT GmbH
2.2 Funktionsweise SOFORT

3 Nutzen

4 Akzeptanz

5 Gefahren

6 Fazit

IV. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lieblingsbezahlverfahren der Konsumenten beim Onlinekauf

Abbildung 2: Entwicklung der Umsatzanteile der Zahlungsverfahren im deutschen E-Commerce 2015 + 2016

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kostenvergleich der Zahlungsverfahren aus Handlersicht

Tabelle 2: Zahlungsverfahren: Gesamtkostenvergleich in vier Fallen

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

In der aktuellen Niedrigzinsphase versuchen Banken den sinkenden Ertragen aus dem Zinsgeschaft durch Steigerung der Ertrage aus dem Zahlungsverkehr entgegenzuwirken. Die Einfuhrung von paydirekt als das Pendant der deut- schen Banken zu PayPal zeigt das Potential, das im Zahlungsverkehr liegt. Die DZ-Bank bietet mittlerweile Aus- und Weiterbildungen im Bereich Zahlungsver­kehr an.

Auch fur Online-Handler ist Zahlungsverkehr ein wichtiges Thema. Die Studie „Erfolgsfaktor Payment" hat herausgefunden, dass 88% der Kunden den Kauf abbrechen, wenn die Zahlung per Vorkasse als einziges Zahlungsverfahren zur Auswahl steht. Die Kaufabbruchsquote kann durch das Anbieten weiterer Be- zahlverfahren deutlich verringert werden.1 Die Wahl der Zahlungsverfahren wird bei der zunehmenden Bedeutung des Online-Handel immer wichtiger. Der Um- satz im E-Commerce wuchs 2016 um 15% auf 52,7 Milliarden EUR. Der Anteil des E-Commerce am gesamten Einzelhandel liegt bei etwa 12,5%. 2015 lag dieser Wert noch bei acht Prozent, was eine Steigerung des E-Commerce- Anteil um 50% bedeutet.2

Die im Januar 2018 umgesetzte Zahlungsdienstrichtlinie Payment Service Di­rective II (PSD II) ermoglicht einen bankenunabhangigen Payment-Markt. In Zukunft ist es fur jeden Besitzer einer Zahlungsverkehrslizenz moglich, Kun- denzahlungen von dessen Konto bei einem anderen Kreditinstitut auszulosen. Diese Moglichkeit war bisher ein Privileg der Banken. Durch den Wegfall verlie- ren die Banken an Bedeutung. Im Gegenzug erlangen Zahlungsdienstleister, wie beispielsweise die SOFORT GmbH, Selbststandigkeit und werden von der Novelle profitieren.

1.2 Ziel

Ziel dieser Seminararbeit ist es, die Dienstleistung SOFORT hinsichtlich der Kriterien Nutzen, Akzeptanz und Rentabilitat sowie Gefahren zu untersuchen und einen Vergleich mit anderen Zahlungsdiensten aufzustellen.

1.3 Vorgehen

Zuerst erfolgt eine Beschreibung des Unternehmens sowie der Dienstleistung. AnschlieBend werden die drei Kriterien mithilfe einer Literaturrecherche analy- siert, bevor ein Fazit die Arbeit zusammenfasst.

2 SOFORT

2.1 SOFORT GmbH

SOFORT Uberweisung ist eine Dienstleistung der SOFORT GmbH, welche 2005 in der Nahe von Munchen gegrundet wurde. Damals noch unter dem Na- men „Payment Network". SOFORT Uberweisung ist ein Online-Bezahlsystem mit dem Ziel, das Leben einfacher zu machen und mit fairen Konditionen MaB- stabe zu setzen.3 Die SOFORT GmbH bietet Produkte und Dienstleistungen fur den sicheren Kauf von Waren und digitalen Gutern im Internet an. Neben der SOFORT Uberweisung entwickelte die SOFORT GmbH noch SOFORT Ident und SOFORT Uberweisung Paycode. SOFORT Ident ist eine Dienstleistung zur Altersverifizierung beim Online-Einkauf. Mit SOFORT Uberweisung Paycode kann der Kunde papierhafte Rechnungen mittels SOFORT Uberweisung bezah- len.4

Die SOFORT GmbH beschaftigt 170 Mitarbeiter an sieben Standorten in Euro- pa.5 Der Zahlungsdienstleister ist momentan europaweit in 13 Landern mit uber zwolf Millionen Nutzern aktiv.6 Im Jahr 2015 betrug der Umsatz 33,4 Millionen Euro, wobei in der Vergangenheit jahrliche Wachstumsraten von 30% erzielt wurden.7

2014 wurde die Sofort AG ein Teil der Klarna Group und zur SOFORT GmbH umfirmiert. Die Unternehmen agierten zunachst jedoch weiterhin operativ unab- hangig voneinander, so betrieben beide unverandert ihre eigenen Produkte und Dienstleistungen. Im Zuge einer Produktveranderung im August 2017 wurde die „SOFORT Uberweisung" in „SOFORT“ umbenannt und optisch an Klarna ange- passt.8 AuGerdem ubernahm die Klarna Group im September 2017 den Zah- lungsdienstleister BillPay und bietet somit vielseitige Bezahlmoglichkeiten im E- Commerce, wie Rechungskauf, Lastschrift, Ratenkauf und Direktuberweisun- gen an.9

2.2 Funktionsweise SOFORT

Fur den Online-Bezahldienst SOFORT ist keine Registrierung erforderlich. Vo- raussetzung fur die Verwendung ist lediglich, dass der Kaufer Online-Banking nutzt. Das Direktuberweisungsverfahren kann in funf Schritte unterteilt werden:

1. Auswahlen der Bezahlart SOFORT im Online-Shop. Weiterleitung auf die Seite der SOFORT GmbH erfolgt 2. Auswahl der eigenen Bank mittels Bankleitzahl, BIC oder Name 3. Eingabe der personlichen Anmeldedaten des Online-Bankings 4. Vorausgefulltes Uberweisungsformular erscheint. TAN-Eingabe erforder­lich. Dabei wird das TAN-Verfahren verwendet, welches der Kaufer im Online-Banking auch nutzt. 5. Der Kaufer erhalt eine Zahlungsbestatigung, der Verkaufer erhalt eine Echtzeit-Transaktionsbestatigung.

Vom Grundgedanken ahnelt SOFORT der Vorkassenzahlung. Der Unterschied ist, dass die Bezahlung direkt nach dem Bestellvorgang erfolgt und der Handler eine Transaktionsbestatigung erhalt.

3 Nutzen

Ein Vorteil fur den Kaufer ist, dass der Verkaufer Zahlungen mittels SOFORT wie Vorkassenzahlung mit sofortigem Geldeingang behandelt. Dies garantiert einen schnellen Versand bzw. Erhalt der bestellten Ware. Untersuchungen von ibi research ergaben, dass diese bei Zahlung mit SOFORT nach durchschnitt- lich 0,62 Tagen versandt wird und damit zu den Zahlungsverfahren, bei denen die Bestellungen am schnellsten versandt werden, zahlt.10 AuGerdem wird fur die Nutzung von SOFORT kein extra Konto benotigt. Die Abwicklung uber das Online-Banking des Kaufers sowie das vorausgefullte Uberweisungsformular sorgen fur eine bequeme und rasche Bezahlung. Es ist nur die Eingabe der Bankleitzahl, der personlichen Anmeldedaten im Online-Banking sowie der TAN erforderlich.

Aus Verkaufersicht ist es aufgrund der geringen direkten Kosten interessant, SOFORT als Zahlungsverfahren anzubieten. Die nachfolgende Tabelle ver- gleicht die Konditionen fur die Handler von SOFORT, PayPal, Kreditkarte und giropay.11 12 13 14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kostenvergleich der Zahlungsverfahren aus Handlersicht

Die beiden Direktuberweisungsverfahren SOFORT und giropay verlangen eine einmalige Einrichtungsgebuhr, eine monatliche Grundgebuhr sowie eine um- satzabhangige Transaktionsgebuhr. Die Hohe der Gebuhren sind ahnlich, wo- bei giropay mit steigender Transaktionenanzahl gunstiger wird.

Die Konditionen von PayPal und Kreditkartenzahlung sind von verschiedenen Faktoren, wie z.B. Transaktionsvolumen, Kreditkartenakzeptanz, Inlands- /Auslandszahlung, abhangig und dadurch sehr individuell.15 Die in der Tabelle dargestellten Gebuhren fur PayPal sind die auf der Homepage ausgewiesenen fur Handler. Eine ausfuhrliche Darstellung der Kosten ist in den AGB (PayPal) bzw. in der Preisinformation (Kreditkarte) einzusehen. Die variable Gebuhr liegt bedingt durch das monatliche Transaktionsvolumen zwischen 1,5 und 1,9% bzw. zwischen 1,419 und 1,919%. Alleinstellungsmerkmal erlangt PayPal dadurch, dass lediglich transaktionsabhangige Gebuhren, aber keine Einrich- tungs- oder Grundgebuhren verlangt werden.

Eine Studie, die alle gangigen Zahlungsverfahren (auGer giropay) nach den di- rekten Kosten untersuchte, ermittelte SOFORT als das zweitgunstigste nach der Vorkassenzahlung.16 Die Studie deckt sich somit mit der Gebuhrenubersicht in Tabelle 1.

Durch die sofortige Uberweisung und der Echtzeit-Transaktionsbestatigung zahlt SOFORT zu den Zahlungsverfahren mit hoher Zahlungssicherheit fur den Handler. Eine Prufung der Bonitat des Kunden sowie typischer Betrugsmuster wahrend des Bestellvorgangs wird demzufolge hinfallig. Eine solche Prufung fuhren uber die Halfte der Online-Handler durch und kostet je nach Bezahlver- fahren zwischen 0,15 und 4,81 Euro.17 Ferner sind wegen der sofortigen Zah- lung Zahlungsstorungen - wie beispielsweise nicht fristgerechte Zahlung oder Zahlungsausfalle - so gut wie ausgeschlossen, was die Kosten des Debitoren- managements verringert. AuGerdem verhindert das vorausgefullte Formular falsche Angaben in der Uberweisung, sodass Fehluberweisungen ausgeschlos­sen werden und beim Handler eine richtige Zuordnung gewahrleistet ist. Die Kosten fur Zahlungsstorungen und den damit verbundenen Kosten fur den Handler (z.B. Personalkosten, Mahnkosten) beliefen sich fur den gesamten E- Commerce-Markt 2013 auf etwa eine Milliarde Euro, was drei Prozent des Um- satzes im E-Commerce entspricht.18

Die sofortige Zahlung beim Kauf bewirkt eine Liquiditatsverbesserung des Ver- kaufers, da der Kunde kein Zahlungsziel ausreizen kann. Bei Rechnungszah- lung warten die Handler zwolf Tage langer auf den Geldeingang als bei Direkt- uberweisungen. Im Gegenzug benotigt der Handler infolge der verbesserten Liquiditat weniger Working Capital.19 AuGerdem entfallen die Opportunitatskos- ten (z.B. Zinsverluste), welche beim verzogerten Zahlungseingang entstehen. Die Ware kann sofort versandt werden und muss nicht bis zum Zahlungsein­gang gelagert werden. Somit sinkt die durchschnittliche Lagerzeit und folglich der Bedarf an Lagerplatz. Bei Bereithaltung der Ware bis zum Zahlungseingang reservieren die Handler diese im Durchschnitt fur 9,4 Tage.20

Nach Warenversand ist es dem Kaufer moglich, diese innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Grunden zuruckzugeben. Dies verursacht fur den Handler Kosten in Form von Arbeitsaufwand aber auch fur die Ruckerstattung. Ibi rese­arch entwickelte einen Retourenaufwandsindikator21, um die verschiedenen Bezahlverfahren zu vergleichen. Dieser betragt 10,87 fur SOFORT und ist der zweitniedrigste Wert nach der Vorkasse (10,25).

Nachteilig ist die Voraussetzung von Online-Banking. Dadurch wird die Anzahl der moglichen Nutzer eingeschrankt. Die SOFORT GmbH wirbt damit, dass es in den Landern, in welchen SOFORT genutzt werden kann, uber 180 Millionen Online-Banking-Nutzer gibt.

[...]


1 Vgl. Weinfurtner, S. u.a. (2013), S.93

2 Vgl. Bundesverband e-Commerce und Versandhandel e.V. (2017), S.39-41

3 Detaillierte Informationen finden Sie in Kapitel 2.2

4 Vgl. www.sofort.com (2017a)

5 Stand: 31.12.2015 Vgl. www.sofort.com (2017b)

6 Vgl. www.klarna.com (2017c)

7 Vgl. www.sofort.com (2017b)

8 Vgl. www.klarna.com (2017b)

9 Vgl. www.klarna.com (2017a)

10 Vgl. Pur, S. u.a. (2013), S.25

11 Vgl. www.sofort.com (2017c)

12 Vgl. www.paypal.com (2017a)

13 Vgl. www.vr-pay.de (2017); Preiskonditionen der VR Pay (Partner der Volks- und Raiffeisen- banken)

14 Vgl. www.giropay.de (2017)

15 Vgl. www.paypal.com (2017b)

16 Vgl. Bolz T. u.a. (2016), S. 7f

17 Vgl. Penzel, H.; Seidenschwarz, H. (2016), S.202

18 Vgl. Penzel, H.; Seidenschwarz, H. (2016), S.203f

19 Das Working Capital gilt als MaGstab fur die Liquiditat. Die Kennzahl gibt die Differenz aus dem Umlaufvermogen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten wieder. Vgl. wirtschaftslexikon.gabler.de (2017)

20 Vgl. Penzel, H.; Seidenschwarz, H. (2016), S.202f

21 Der Retourenaufwandsindikator stellt den Gesamtaufwand fur den Handler einer Retoure auf einer Skala von 1 (=geringer Gesamtaufwand) bis 36 (=hoher Gesamtaufwand) dar. Er besteht aus zwei Faktoren: Der vom Handler geschatzte interne Arbeitsaufwand abhangig vom Zahlungsverfahren Die vom Handler geschatzte Retourenanzahl abhangig vom Zahlungsverfahren Vgl. Pur, S. u.a. (2013), S. 66ff

Details

Seiten
25
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668677630
ISBN (Buch)
9783668677647
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v418764
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
1,2
Schlagworte
sofort dienstleistung gefahren bezahldienst

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