Lade Inhalt...

Glaube und Wettkampf. Religiosität der antiken Athleten bei den Olympischen Spielen

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

WWU Münster

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Religiöse Rituale bei den Olympischen Spielen
a. Die Prozession:
b. Der Schwur:
c. Die Opferungen:
d. Die Siegerehrung:
e. Die Festgelage und privaten Siegesfeiern:

3. Religiöse Bedeutung der Wettkämpfe in Olympia
a. Das Wagenrennen:
b. Der Laufwettbewerb:

4. Kritik an der Lebensweise der Athleten

5. Schlussbemerkung

6. Quellen – und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um das Thema ‚Antike Athleten und Religion‘. Genauer gesagt habe ich mich auf die Religiosität der Athleten bei den Olympischen Spielen bezogen. Dazu habe ich mir die Frage gestellt, inwieweit antike Athleten ihre Religion, in dessen Sinn antike Agone veranstaltet wurden, ausleben. Kann man sagen, dass die Athleten an diesen Wettbewerben aus religiöser Motivation teilnehmen oder verfolgten sie auch andere Absichten?

Um diese Fragen zu klären habe ich die Rituale bei den Olympischen Spielen untersucht. Im speziellen bin ich auf die Rolle der Athleten bei diesen Ritualen eingegangen. Außerdem habe ich den religiösen und kultischen Bezug der Wettkampfdisziplinen an zwei Beispielen, dem Wagenrennen und den Wettläufen, erläutert. Schließlich habe ich dies hinterfragt, indem ich Kritiken an der Lebensweise der Athleten näher beleuchtet habe.

2. Religiöse Rituale bei den Olympischen Spielen

Die verschiedenen Rituale haben eine große Bedeutung für das olympische Fest. Ich werde nun sowohl auf die großen als auch auf die kleineren Rituale eingehen und ihre religiöse Bedeutung versuchen zu erläutern.

a. Die Prozession:

Zwei Tage vor dem Beginn des Festes und der Wettkämpfe in Olympia machten sich alle Athleten und die Kampfrichter (Hellanodiken) auf den Weg zum Heiligtum. Dazu kamen noch die Trainer und Betreuer. Dieser ca. 60 km lange Marsch führte die Teilnehmer in das Alpheiostal, in dem Olympia lag. Der Startpunkt war das Gymnasion in der Stadt Elis, in dem sich die Athleten schon 30 Tage vor Beginn der Spiele zur gemeinsamen Wettkampfvorbereitung einzutreffen hatten.[1]

Es wird davon ausgegangen, dass die Prozession auf ihrem Weg angehalten hat, um religiöse Riten zu begehen. Nach etwa 23 km kam man nämlich in Letrinoi aus, wo sich ein Heiligtum der Artemis Alpheiaia befand. Es könnte auch sein, dass die Gesellschaft dort eine Nacht zur Erholung blieb, um für den Rest der Strecke ausgeruhter zu sein. Abgesehen davon könnte es sein, dass die gesamte Prozession, auf Grund ihrer Länge und der Tatsache, dass es ein Fußmarsch war, für die Athleten und ihre Leistungsfähigkeit nicht förderlich war in Bezug auf die anstehenden Wettkämpfe.[2]

Der Endpunkt des Marsches war die Altis, also der heilige Bezirk in Olympia, wo der Festzug wohl von zahlreichen Zuschauern empfangen worden ist. Allerdings nimmt man an, dass kurz vor diesem Empfang Station an einer Heraklesstatue gemacht worden ist, wahrscheinlich, um sich nach der großen Anstrengung der Prozession nochmal zurecht zu machen aber auch aus einem rituellen Gedanken heraus, da Herakles als Patron der Athleten galt. Dazu passt die Tatsache, dass das Gymnasion in Elis diesem auch geweiht war. Zum genauen Zugangspunkt der Prozession in die Altis gibt es verschiedene Möglichkeiten, da sich auf Grund von Erdbeben oder Überschwemmungen die bauliche Situation mehrfach verändert haben muss durch Neu – oder Umbauten.

Die weiteren Begebenheiten der Ankunft in der Altis sind allerdings unbekannt aber man vermutet, dass die Athleten in das Buleuterion weitergingen, wo sie einen Schwur als weiteres religiöses Ritual leisteten.[3]

Eine solche große Prozession kann hier ganz klar als ein religiöser Akt gesehen werden. Die Teilnehmer nahmen eine hohe Anstrengung auf sich, um das Heiligtum in Olympia zu erreichen. Dies zeigt, dass das ganze Fest für sie eine große Bedeutung gehabt haben musste, vor allem in Bezug auf ihren Glauben. Man kann annehmen, dass sie diesen weiten Marsch vollzogen haben, um den Göttern zu huldigen und diese zu ehren.

b. Der Schwur:

Dieser Schwur oder Eid der antiken Olympischen Spiele fand, wie bereits erwähnt, im Buleuterion statt. Das Buleuterion war ein Versammlungshaus in dem der olympische Rat tagte.[4] Aus den Reiseschriften des antiken Schriftstellers Pausanias kann man entnehmen, dass sich dort eine Statue des Zeus befand. Diese soll auf besondere Art und Weise Ehrfurcht bei den Betrachtern hervorgerufen haben. Sie hatte die zusätzliche Bezeichnung ‚Horkios‘, was Schwurgott bedeutet.

Vor dieser Statue also hatten alle Athleten aber auch ihre Trainer und Betreuer den olympischen Eid abzulegen, dass sie gegen keines der Gesetze der Olympischen Spiele verstoßen haben. Zusätzlich beschworen die Athleten die vorausgesetzte zehnmonatige Vorbereitung strikt eigehalten zu haben. Neben den Athleten und Trainern schworen auch die Hellanodiken, nämlich, dass sie die Athleten gerecht beurteilt und in die verschiedenen Klassen eingeteilt haben ohne dabei Bestechungen angenommen zu haben. Während des Schwures ist außerdem ein Eberopfer dargebracht worden. Nicht nur die Statue selbst soll Ehrfurcht erzeugt haben sondern es gab auch eine Bronzetafel mit Versen, welche den Beschwörenden die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit des Eides verdeutlicht haben soll.[5]

Es gibt die Annahme, dass die Beschreibung Pausanias im Nachhinein abgeändert worden ist. Als Begründung dafür dient die Tatsache, dass die eingehaltene zehnmonatige Vorbereitung der Athleten auf die Spiele schon früher in Elis beschworen werden musste weil sonst eine Teilnahme, wahrscheinlich an der dreißigtägigen Vorbereitung in Elis und der Prozession, ausgeschlossen wäre. Außerdem muss der Schwur der Hellanodiken auch vorher gewesen sein, da die Einteilung der Athleten in die Klassen wohl ebenfalls schon in Elis geschah.[6]

Dies macht deutlich, dass der Schwur in Olympia nochmal eine besondere, vielleicht auch religiöse, Bedeutung für alle Beteiligten gehabt haben musste und ihre Ehrfurcht vor diesen gottgeweihten Spielen betonte.

c. Die Opferungen:

Am zweiten Tag wurde am Abend dem Heros der Spiele Pelops, neben Zeus, ein Totenopfer dargebracht. Dazu wurde ein schwarzer Widder am Grabhügel des Pelops (Pelopion) geopfert. Man glaubte, dass der Heros sich am Blut des Tieres, welches in die Erde sickerte, erfreute und sich außerdem von dem Rauch des brennenden Fleisches ernährte. Der Widder wurde, anders als bei sonstigen Opferungen, bis auf den Nacken komplett verbrannt. Somit gab es kein anschließendes Mahl, bei dem das Opferfleisch gegessen wurde, wie es sont üblich gewesen war. Es wird davon ausgegangen, dass es zusätzliche Trankopfer und Klagelieder gab. Aus Tradition wurde bei der Verbrennung ausschließlich das Holz der Weißpappel verwendet.[7]

Das Hauptopfer des olympischen Festes war für den Göttervater Zeus, dem bekanntlich die ganzen Spiele gewidmet waren. Es fand auf dem großen Aschealtar, welcher sich mitten in der Altis zwischen den Tempeln der Hera und des Zeus befand, wie der schon genannte Grabhügel des Pelops. Dieser Altar hatte eine große Stufe, die Prothysis, auf der die Asche der verbrannten Opfertiere aufgeschüttet wurde. Bei der Opferung wurden 100 Stiere auf der Prothysis geschlachtet und schließlich nur die Schenkel der Tiere auf der Spitze des Altars verbrannt. Dafür wurde wie bei der Opferung für Pelops ausschließlich das Holz der Weißpappel verwendet Diese Opferung war der Höhepunkt der Spiele und fand daher in der Mitte des Festes, also am Morgen des dritten Tages, statt. Außerdem gab es eigens für diese Opferung eine Prozession der gesamten Festgemeinschaft, sprich Athleten, Trainier, die Kampfrichter und die übrigen offiziellen Verwalter der Spiele sowie die zahlreichen Zuschauer. Man nimmt an, dass diese am Prytaneion (offizielles Amtslokal), welches sich am Rand der Altis befand, startete und schließlich vor dem Zeusaltar endete.[8] [9]

Des Weiteren gab es viele private Opferungen an den zahlreichen anderen kleineren Altären in Olympia zur selben Zeit wie das große Hauptopfer des Zeus.[10]

Am fünften Tag, also am Ende der Spiele, könnten große Dankopfer stattgefunden haben. So vermutet man aus der griechischen Tradition heraus, dass für die Sieger der Wettkämpfe mit den übrigen Anwesenden eine weitere Opferung am großen Zeusaltar durchgeführt worden sein könnte. Schließlich endete dies mit dem großen Abschlussfestmahl, bei dem das Fleisch der Opfertiere verspeist wurde.[11]

Auch zu anderen Zeitpunkten während des olympischen Festes soll es viele weitere kleine Opferungen gegeben haben. Diese könnten auch von den Athleten selbst durchgeführt worden sein. Zum Beispiel, um für erfolgreiche bzw. siegreiche Wettkämpfe zu bitten.[12] Ein solcher Akt ist definitiv als ein religiöser zu bewerten, da sie daran geglaubt haben mussten, dass die Götter über einen Sieg im Wettkampf entscheiden konnten.

[...]


[1] Sinn, U. Das Antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst. S. 125

[2] Swaddling, J. Die Olympischen Spiele der Antike. S. 79, 80

[3] Sinn, U. Das antike Olympia. Götter, Spiel und Kunst. S.129

[4] Swaddling, J. Die Olympischen Spiele der Antike. S. 34

[5] Pausanias. Reisen in Griechenland 2. V, 24,9-11

[6] Drees, L. Olympia. Götter, Künstler und Athleten. S. 79, 80

[7] Drees, L. Olympia. Götter, Künstler und Athleten. S. 90

[8] Drees, L. Olympia. Götter, Künstler und Athleten. S. 90, 91

[9] Pausanias. Reisen in Griechenland 2. 13,8-14,2

[10] Drees, L. Olympia. Götter, Künstler und Athleten. S. 91

[11] Drees, L. Olympia. Götter, Künstler und Athleten. S. 102

[12] Siehe Abbildung 1 und 2

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668679887
ISBN (Buch)
9783668679894
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419278
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Schlagworte
glaube wettkampf religiosität athleten olympischen spielen Antike Olympia

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Glaube und Wettkampf. Religiosität der antiken Athleten bei den Olympischen Spielen