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Stadion der Weltjugend. Ort der Vergangenheit, Veranstaltungen für die Zukunft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 12 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Stadion der Weltjugend
2.1.1 Lage und Ausstattung
2.1.2 Historischer Exkurs
2.1.3 „Geisterbahnhöfe“ - Züge durch die Dunkelheit
2.2.1 Veranstaltungen
2.2.2 Deutschlandtreffen der Jugend
2.2.3 Weltjugendspiele
2.2.4 Bedeutung für den Fußballsport 10

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Jugend-einig im Kampf für den Frieden-gegen die Gefahr eines neuen Krieges“1, so lautete das Thema der dritten Weltjugendfestspiele, welche im Walter-Ulbricht-Stadion, später Stadion der Weltjugend, zelebriert wurden. Diese Aussage beinhaltete nicht nur politische Inhalte des Antimilitarismus und des Sozialismus, sondern deutete auch auf die Existenz zweier deutscher Staaten hin, bei der sich eine friedliebende DDR von einer kriegslüsternen Bundesrepublik amerikanischer Besatzungsherrschaft absetzten möchte. Dieser Eindruck kam für viele zustande, da kaum Jugendliche und Studenten aus der BRD an den Festspielen teilnahmen. Grund war, dass die BRD die FDJ verbot und den Jugendlichen somit die Möglichkeit nahm, bei den Festivals mitzuwirken. Lediglich unter dramatischen Umständen kam es dazu, dass einige von ihnen dabei waren. Anhand dieser Weltfestspiele der Jugend und Studenten um den Zeitraum des 12. bis 19. August 1951 ist sehr leicht zu erkennen, unter welch politisch labilen Situation die Veranstaltung stattfand. Dass diese Folgen der Nachkriegszeit noch Jahre andauerten, zeigten die 10. Weltfestspiele, wiederum im Stadion der Weltjugend stattfindend, in Forme der geringen Beteiligung an Jugendlichen und Studenten der Bundesrepublik und politisch propagandistischen Veranstaltungen. Ein weiteres Treffen für Frieden und Völkerfreundschaft war das Deutschlandtreffen der Jugend, welches im Wesentlichen von der FDJ organisiert wurde und in den Jahren 1950, 1954 und 1964 zu Pfingsten stattfand. Es war das nationale Pendent zu den internationalen Weltfestspielen. Beide Veranstaltungen waren für das Stadion der Weltjugend von größter Bedeutung, wurden sehr bekannt und spiegeln wiederum die politisch prekäre Situation in der Nachkriegszeit wieder. Vor allem junge Leute der DDR, teils von der BRD, griffen Fragen der deutschen Einheit auf und wollten ein Zeichen Richtung Friedenspolitik machen. Es waren aber nicht nur Festivals sportlicher und politischer Ebene, die das Stadion der Weltjugend prägten, sondern auch Geschichten über sogenannte „Geisterbahnhöfe“ und „Geheimspiele“, auf die ich in dieser Hausarbeit ebenfalls nochmal genauer eingehen möchte. Sie zeigen, inwiefern die Bevölkerung die Teilung des deutschen Staates wahrnimmt. Die „Geheimspiele“ legen zudem an den Tag, das es unterschiedliche Ansichten beider Seiten gab und man sich nicht auf eine gesamtdeutsche Fußballmannschaft bei den Olympischen Spielen in Rom einigen konnte.

Das Stadion der Weltjugend – seit dem Abriss im Jahre 1992 zwar nur noch ein Ort der Vergangenheit, dennoch fanden dort, wie oben schon angedeutet, Veranstaltungen statt, die für die Zukunft in politischer Sicht richtungsweisend waren.

2 Stadion der Weltjugend

2.1.1 Lage und Ausstattung

Das Stadion der Weltjugend, eines der größten Leichtathletik- und Fußballstadien der DDR, befand sich im westlichen Teil des Stadtbezirks Berlin-Mitte. Heute bilden die ehemaligen Bezirke Tiergarten und Wedding einen sogenannten „neuen“ Bezirk Berlin-Mitte. grenzte im Norden an die Boyenstraße, im Süden an die Habersaathstraße, welche bis zum Jahre 1951 noch Kesselstraße hieß, sowie im Westen und Osten an die Scharnhorst- bzw. Chausseestraße. Mit einer Gesamtfläche von 131.000 m² und einer Zuschauerkapazität von 50.000 war es die größte Sportstätte der DDR-Hauptstadt. Es verfügte über leichtathletische Einrichtungen, zwei Mehrzweckhallen, weiteren Trainingsflächen sowie einem Funktionsbau mit Sanitär-, Verwaltungs- und Gaststättenräumen. Die Oberfläche war mit Rasen ausgestattet. Neben dem Hauptstadion befanden sich auf dem Gelände noch weitere Fußballfelder, neun Tennis- und zwei Werferplätze sowie eine Schwerathletikanlage.

2.1.2 Historischer Exkurs

Die Geschichte des Stadions geht bis in das Jahr 1820. Damals noch vorrangig für militärische Zwecke als Exerzierplatz genutzt, wurde auf dem Areal an der Chausseestraße Mitte des 19. Jahrhunderts die Garde-Füsilier-Kaserne gebaut. Am Ende des ersten Weltkrieges wurde dieses Gelände von der Berliner Polizei übernommen. Im Jahre 1929 kam es zum Bau des Polizeistadions, welches während des Zweiten Weltkrieges komplett zerstört wurde. Nach dem Krieg beseitigte man die Ruinen der Kasernen und die Überreste des Polizeistadions und errichtete anlässlich des ersten Deutschlandtreffens der Jugend ein neues Stadion. Die Architekten Reinhard Lingner und Selman Selmanagic stellten das neue Stadion, welches nach dem damaligen SED Generalsekretär Walter Ulbricht benannt wurde, binnen 120 Tage fertig. Am 20.05.1950 eröffnete Walter Ulbricht das Stadion, welches nun den Namen Walter-Ulbricht-Stadion trug. Zudem bekam es im Volksmunde wegen der auffälligen Barttracht des Generalsekretärs die Bezeichnung „Zickenwiese“. Die neu erbaute Konstruktion erfüllte nun keine militärische Zwecke mehr, sondern war neben politischen Großveranstaltungen im Wesentlichen für Sportereignisse zuständig. Ein Jahr später kam es zum erneuten Umbau der Anlage, bei der ein großer Teil des zeitgleich demontierten Berliner Stadtschlosses als Auffüllschütt für die Tribünen verwendet wurde. Grunde der neuen Konstruktion waren die dritten Weltfestspiele der Jugend und Studenten, welche 1951 im Walter-Ulbricht-Stadion stattfanden. Damals vor einer Zuschauerkapazität von rund 70.000 . Da diese Errichtung nun auch als Symbol der DDR-Regierung galt, wurde es bei dem Volksaufstand vom 17.06.1953 von tausenden Demonstranten besetzt. Bei dem Aufstand kam es zu etlichen Zerstörungen der Sportstätte an Schriftzügen, Bänken, Mauern, Fensterscheiben sowie an Embleme. Erst 1973 wurde das Walter-Ulbricht-Stadion anlässlich der zehnten Weltfestspiele saniert und erneut umgebaut. Die Architekten des Umbaus hießen nun Jörg Piesel und Rolf Tümmler. Dabei kam es nicht nur zur einer Reduzierung der Zuschauerkapazität von 70.000 auf 50.000, sondern auch zu einem Namenswechsel. Da Erich Honecker im Jahre 1971 das Amt von Walter Ulbricht übernahm, änderte er den Namen der Sportstätte in das Stadion der Weltjugend. Nachdem man die Anlage viele Jahre für diverse Sportveranstaltungen nutzte, kam es in den Jahren 1992 bis 1994 zum Abriss der maroden Wettkampfstätte. Beweggrund dieser Maßnahme war die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2000 und der damit verbundenen Errichtung einer modernen Mehrzweckhalle. Diese Sportarena sollte 15.000 Zuschauer fassen. Nach der Bekanntgabe der Olympischen Spiele 2000 in Sydney scheiterte das private Finanzierungsprogramm der Anlage und das Areal lag über Jahre hinweg brach. Es wurde lediglich als Beachvolleyballanlage, Mountainbikestrecke oder Golfanlage genutzt. Im Jahr 2006 wurde auf diesem Terrain mit dem Bau der neuen BND-Zentrale begonnen. Die Kosten sollen sich dabei auf planmäßig 720 Millionen Euro belaufen, 4000 Arbeitsplätze stellen und bis 2013 fertiggestellt werden.

2.1.3 „Geisterbahnhöfe“ – Züge durch die Dunkelheit

Ohne ein gut funktionierendes Netz des ÖPNV konnte es keinen reibungslosen Transport der Besucher zum Walter-Ulbricht-Stadion beziehungsweise zum Stadion der Jugend sowie zum Olympiastadion geben. Die Nord- und Südbahnstrecke, die zu den Olympischen Spielen 1936 fertiggestellt wurde, sollte eine schnelle Verbindung zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof gewährleisten. In der Zeit von 1961 und 1989 verlief diese Strecke für den Fahrgast anders, in gewisser Art und Weise unheimlich. Fokussiert man den 13.08.1961 in der Berliner Geschichte, so ist jener Tag ein bewegtes Datum auch im städtischen Bahnnetzsystem. An dem Tag wurde die Mauer, der sogenannte „Grenzschutzwall“ wie dieses Bauwerk seitens der ostdeutschen Staatsführung tituliert wurde, fertiggestellt. Den Bahnverbindungen galt hier besondere Aufmerksamkeit. Das bedeutete, dass die Westbahnen von Süd nach Nord oder auch umgekehrt durch den Osten fuhren ohne anzuhalten. Beim durchfahren der gesperrten Bahnhöfe, die meist nur matt beleuchtet waren, konnte man oft nur eine Bank sehen, hin und wieder auch Grenzsoldaten der ehemaligen DDR. Alles wirkte gespenstisch, tote Bahnhöfe, eben Geisterbahnhöfe. Ein Durchfahren der Bahnhöfe erweckte den Anschein, dass alles absolut dicht abgesperrt war. Oberirdisch konnte man die ursprünglichen Ein- und Ausgänge kaum erkennen, da sie teilweise zugemauert oder unkenntlich gemacht waren. An den Grenzübergangsstellen blieben Notausgänge erhalten, oberirdisch wurden die Bahnhöfe abgeschliffen. Das bedeutete kein einziger Eingang war mehr zu erkennen. Im Osten hatten junge Menschen gelernt, dass es neben der Hauptstadt Berlin eine Art „Niemandsland“ gab, das beim Durchqueren dieser Strecken dunkel war. Besucher von 1961 bis 1989 waren Zeugen dieser Strecke, die dennoch kurioserweise nicht geschlossen wurde. Eine weitere nicht geschlossene Strecke war die Linie der U6 mit dem „Geisterbahnhof“ des heutigen U-Bahnhofs Schwartzkoppffstraße. 1951 noch mit dem Namen Walter-Ulbricht-Stadion vermerkt und 1973 in Stadion der Weltjugend umbenannt, lag dieser Tunnelbahnhof dem Areal des Stadions der Weltjugend am nächsten. Auch hier hielt die U-Bahn nicht an der Station „Walter-Ulbricht-Stadion“, sondern nur am Bahnhof Friedrichstraße. Seit 1991 trägt die U-Bahnstation den heutigen Namen „Schwartzkopffstraße“ und steht seit 1993 unter Denkmalschutz. Meine Generation lernte diese Geisterbahnhöfe nicht mehr bewusst kenn. Erinnerungen an diese für einst tot erklärten Bahnhöfe der Stadt- und Untergrundbahnen liefern uns nur noch Fotos, Dokumente und Zeitzeugen.

2.2.1 Veranstaltungen

Das Stadion diente als Austragungsort für Wettkämpfe der Leichtathletik, politischen Großveranstaltungen sowie diverser Fußballspiele. Die erste Großveranstaltung war das Deutschlandtreffen der Jugend, das im Stadion der Weltjugend von 1950, 1954 und 1964 stattfand und lediglich auf nationaler Ebene ausgetragen wurde. Ebenfalls wurde in dieser Arena das FDGB-Pokalfinale des Jahres 1950 gespielt. Diese fanden die Regelmäßigkeit jedoch erst in den Jahren zwischen 1975 und 1989. Insgesamt kam es zu 13 offiziellen Länderspielen der DDR-Nationalmannschaft und einem inoffiziellen Länderspiel, welches als „Geheimspiel“ bekannt wurde. Weiterhin war die Einrichtung ab 1952 Etappenziel der Internationalen Friedensfahrt, einem Radrennen durch Mitteleuropa. Von größerer Bedeutung waren jedoch die internationalen Weltfestspiele der Jugend und Studenten. Zunächst die dritten Weltfestspiele aus dem Jahre 1951, welche durch ein inoffizielles Duell zwischen der Nationalmannschaft der DDR und dem sowjetischen Spitzenverein Dynamo Moskau vor einer Rekordkulisse von 70.000 Zuschauern eröffnet wurden. Im Jahre 1973 fand dieses Festival ein zweites Mal in der DDR-Hauptstadt statt.

[...]


1 Vgl. Breßlein, Erwin: Drushba-Freundschaft?. Von der Kommunistischen Jugendinternational zu Weltjugendfestspielen, Frankfurt am Main 1973, S. 90.

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668679474
ISBN (Buch)
9783668679481
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419330
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Jugendspiele Stadion der Weltjugend Geheimspiele FDJ Nachkriegsspiele Walter-Ulbricht-Stadion

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