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Handelt es sich bei dem sogenannten "Arabischen Frühling" in Ägypten um eine soziale Bewegung und welche Formen des Protests traten auf?

Hausarbeit 2013 11 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung einer sozialen Bewegung
2.1 Begriffsbestimmung von Protest

3. Ist der arabische Frühling in Ägypten als soziale Bewegung zu betrachten?

4. Welche Formen des Protests traten auf?

5. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

Die Jahre 2011/12 waren in der arabischen Welt Jahre des Umsturzes. Autoritäre Regime wurden gestürzt, meist haben viele Menschen hierfür ihr Leben gelassen. Der „Arabische Frühling“ oder auch „Arabelion“ begann 2010 mit ersten Protesten in Tunesien und inspirierte schnell angrenzende Länder. Es war ein Aufbegehren gegen die politischen und sozialen Strukturen ihrer Länder und eine massive Unzufriedenheit mit den konkreten Lebensverhältnisse.

Es handelt sich hierbei um einen epochalen Umbruch, dessen Ausmaß und Bedeutsamkeit mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches vergleichbar ist. (vgl. Nordhausen 2011; 10) Vor allem junge frustrierte Menschen, die trotz ihrer guten Ausbildung keinerlei Perspektiven in ihrem Heimatland haben, bewirkten diesen Umbruch. Neue Medien und soziale Netzwerke sind in ihrer Bedeutung auch nicht zu vernachlässigen. Durch die starke Vernetztheit der Menschen in den Revolutionsländern wurde der Umbruch enorm beschleunigt. Die Ursachen waren in allen Ländern vergleichbar: Arbeitslosigkeit, politische Entmündigung und gesellschaftliche Stagnation.

Nach dem der Westen Jahre lang mit den vermeintlich stabilen Regimen der arabischen Welt kooperiert hatte, wird nun auf eine mögliche Demokratisierung der Region und auf neue stabile Verhältnisse gehofft.

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich zunächst soziale Bewegungen und Protest bestimmen. Um auf dieser Grundlage den „arabischen Frühling“ in Ägypten einordnen zu können. Ich werde speziell auf die Arten des Protest eingehen und klären ob es sich bei dem „Arabischen Frühling“ in Ägypten um eine soziale Bewegung handelt.

2. Begriffsbestimmung einer sozialen Bewegung

Eine soziale Bewegung ist nur unter gewissen Voraussetzungen als solche zu verstehen, andernfalls handelt es sich um Protest.

Eine dieser Grundvoraussetzungen ist die innere Einheit einer solchen Bewegung. Es muss eine kollektive Identität entstehen, da es sich um ein fluides Gebilde, mit meinst kaum formellen Mitgliedschaften handelt. Das Gefühl von Zugehörigkeit ist deshalb hier von entscheidender Bedeutung. (vgl. Roth 2008; 21).

Im Umkehrschluss grenzen sich Bewegungen auch durch diese kollektive Identität von einander ab. Es kann hier auch zu Gegenbewegungen, Feindschaften oder Konkurrenz kommen. Wenn jedoch diese kollektive Identität vorhanden ist, gilt es die Mitglieder zu mobilisieren. Hierzu ist ein umfangreiches Mobilisierungsnetzwerk nötig. Heutzutage meinst auch transnational und durch die neuen Medien gestützt.

Anschließend folgt das kollektive Handeln nach den eigenen Zielsetzungen und Ideologien die eine soziale Bewegung antreiben. Wobei die heutigen sozialen Bewegungen meist durch ein geringes Maß an ideologischen Gemeinsamkeiten auskommen. (vgl. Roth 2008; 23).

Dieses kollektive Handeln tritt in Form von Protest auf, der viele Gestalten annehmen kann.

2.1 Begriffsbestimmung von Protest

Protest ist der wesentliche Bestandteil einer sozialen Bewegung und kann in Form von Sit In’s, Hausbesetzungen, Protestmärschen und vielen anderen öffentlichen Kundgebungen und Protestarten auftreten. Protest entsteht meist dann, wenn gesellschaftliche und soziale Ungleichheiten zu extrem werden. Protest kann aber auch politische und religiöse Ursachen haben. Es ist ein allgemeine Ausdruck von Unzufriedenheit über bestimmte gesellschaftliche Bedingungen innerhalb der Bevölkerung. Oder wie Niklas Luhmann sagt: „Proteste sind Kommunikationen, die andere adressieren und deren Verantwortung abmahnen“ (Luhmann 1991). Also kann man auch von einer Enttäuschung einer Erwartung sprechen, die zum sozialen Problem wird. Je nach dem wie mit diesem Problem umgegangen wird, kann es dann zum Protest kommen, der besagte Verantwortung fordert. Kommt es zu keiner Übereinkunft, oder die Forderungen werden nicht erfüllt, kann der Protest ausarten und es kann zu Gewaltanwendung kommen. Dies ist oftmals recht wahrscheinlich, da meinst keine Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien stattfindet. Protest ist demnach der Ausdruck des Scheiterns öffentlicher Institutionen. (vgl. Hellmann 1996)

3. Ist der arabische Frühling in Ägypten als soziale Bewegung zu betrachten?

Alles begann mit Mohamed Bouazizi, der sich in Tunesien öffentlich selbstverbrannte und eine Welle der Proteste lostrat. Nach dem die Proteste in Tunesien erfolgreich verlaufen waren, sprang auch der Funke auf Ägypten über. Maßgeblich waren die Satellitensender al-Dschasira, al-Arabiya, BBC und CNN, die für die Informationsweitergabe dort verantwortlich sind. (vgl. Nordhausen 2011; 41) Die Bilder aus Tunesien machten dem jungen ägyptischen Volk Mut, dass auch sie ihr Land ändern können. Etwa die Hälfte der rund 83 Millionen Einwohner Ägyptens sind unter 25 Jahren und durch die neuen Medien wie Internet, Facebook und Twitter miteinander vernetzt. Sie organisierten sich zu ersten Protesten auf dem Tahir-Platz, der schon bald zum Sinnbild und zentralen Schlüsselplatz der Revolution in Ägypten werden sollte. Sie gedachten einem getöteten Regimegegner und forderten ein Ende der Herrschaft Mubaraks. Es entstand die Bewegung „Kifayah“ (genug!), die sich immer wieder einer Übermacht Hunderter Aufstandspolizisten (Amn al-Markazi) gegenüber sahen und versuchte jede rebellische Regung brutal zu ersticken. (vgl. Nordhausen 2011; 39)

Um die Proteste voran zu treiben und besser zu organisieren trafen sich ägyptische Aufrührer in einer privaten Kairoer Wohnung mit Demonstranten aus Tunesien und Serbien. (vgl. Nordhausen 2011; 40) Sie übernahmen Techniken und Taktiken, die sich bewährt hatten und testeten diese auf kleineren Kundgebungen. Unter anderem mobilisierten sie nicht wie üblich über das Internet ins Stadtzentrum, sondern in einem Außenbezirk der weniger gesichert war. Beim Protestmarsch Richtung Tahir-Platz schlossen sich spontan viel mehr Leute an mit denen die Sicherheitskräfte des Regimes nicht gerechnet hatten. Im Vordergrund standen eigentlich immer friedliche Proteste jedoch kam es auch zu einem Bündnis zwischen den politischen Aktivisten und den zwar unpolitischen aber straßenkampferprobten Fußballfans der Kairoer Klubs. Die Regierung konterte wie gewohnt mit der Verhaftung von Oppositionellen und brutaler Niederschlagung der Proteste. Außerdem kam es zu einer weltweit einzigartigen Maßnahme. Das Regime schaltete das Internet ab. Dies war möglich mit der Hilfe einer durch amerikanische Unterstützung aufgebauten ägyptischen Cyber-Einheit aus Geheimdienstlern und Militärs. Die Internet Kommunikation und auch der SMS-Verkehr waren unterbrochen bzw. gestört. Dennoch konnten sich die Aktivisten weiterhin organisieren. Vor allem die Jugendbewegung „Koalition der Jugend“ stützte sich ohnehin auf spontane Kontakte und Freiwillige. Sie sehen sich alle als Bewegung ohne Anführer, eine Bewegung aus Ägyptern aller Schichten. Auch Oppositionspolitiker wie Mohammed el-Baradei schlossen sich der Bewegung an, der die Anti-Mubarak-Allianz „Bündnis für den Wechsel“ anführt. (vgl. Nordhausen 2011; 41f)

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Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668682528
ISBN (Buch)
9783668682535
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419480
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
Arabischer Frühling Ägypten Protest Arabellion

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