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"Spanglish" als eigenständige Sprache? Hispanics in den USA

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spanglish – eine "eigene" Sprache?

3 Sprachkontaktphänomene
3.1 Codeswitching
3.2 Entlehnungen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bedeutung des Spanischen in den USA steigt stetig an, obwohl es sich um eine Minderheitssprache handelt. Die "Hispanics", deren Muttersprache Spanisch ist, sind die größte Minderheit in den USA. Die Einwanderung begann schon früh, etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Großteil der spanisch sprachigen Bevölkerung immigrierte jedoch erst im 20. Jahrhundert in die USA. Viele Hispanoamerikaner sind allerdings keine Immigranten, sondern die Nachkommen von Spanischsprechern, die schon auf amerikanischem Gebiet lebten, bevor dieses Teil der USA wurde. Dazu zählen in erster Linie die Staaten Kalifornien, New Mexiko und Texas.[1] Die größten Minderheitsgruppen bilden außerdem die Puertoricaner, Mexikaner und Kubaner.[2] Heutzutage (Stand Mai 2014) leben ca. 53 Millionen "Hispanics" in den USA und stellen etwa 17% der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten dar.[3] Darüber hinaus ist die Minorität mit hispanophonem Hintergrund die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe der USA. 2050 wird vermutlich jeder vierte Amerikaner einen hispanophonen Background besitzen.[4]

Jedoch können über diese Bevölkerungsgruppe keine verallgemeinerten Informationen zu ihrer Lebensweise gegeben werden. Zu den "Hispanics", die in den USA leben, zählen sowohl arme und reiche, als auch gebildete und ungebildetere Menschen.[5] Die "Hispanos" definieren sich somit hauptsächlich über ihre Sprache. Doch auch hier lassen sich Veränderungen erkennen. Die jüngeren Generationen sprechen kaum noch Spanisch, da der Sprachkontakt mit dem Englischen im Vordergrund steht.

Der Großteil der "Hispanics" spricht heutzutage das sogenannte Spanglish – eine Mischform aus Spanisch und Englisch.[6] Jedoch gibt es kein einheitliches Spanglish, sondern verschiedene Formen und Dialekte. Wegen der Existenz von Spanglish wird häufig die Frage gestellt, ob dies eine "eigene" Sprache ist. Die Kritiker sehen Spanglish nicht als eigenständige Sprache an, da es keine einheitlichen Strukturen aufweist. Deshalb wird Spanglish als planloser, willkürlicher Wechsel vom Spanischen ins Englische und umgekehrt kritisiert.[7] Die Befürworter gehen davon aus, dass Spanglish als eigenständige Sprache anerkannt werden muss[8] und nennen gerade den willkürlichen Wechsel der Sprachen als ein Zeichen von hohem linguistischem Verständnis der Sprecher.[9]

Spanglish wird vor allem durch zwei Sprachkontaktphänomene charakterisiert. Bei diesen handelt es sich um Codeswitching sowie Entlehnungen.

Spanglish wird als eine Form des Codeswitchings dargestellt. Als Codeswitching wird der Wechsel von der einen in die andere Sprache während eines Diskurses bezeichnet.[10] Beim Codeswitching ist zu beachten, dass die gewechselten Elemente nicht im Sprachsystem der jeweils anderen Sprache integriert sind. Die internen Strukturen des Spanischen und Englischen bleiben somit erhalten.[11] Die Aussage, dass es sich bei Spanglish um Codeswitching handelt und nicht um eine eigene Sprache, wird überwiegend von den Linguisten befürwortet, da weiterhin zwei einzelne Sprachsysteme – das spanische und englische – bestehen bleiben und Spanglish keine festgelegten Regeln aufweist.[12]

Entlehnungen aus dem Englischen ins Spanische sind ein Bestandteil des Spanglish in den USA. Es handelt sich dabei um Elemente aus Sprache A, die in Sprache B integriert und somit Teil dieser geworden sind. Die Entlehnungen nehmen die morphologischen Eigenschaften der anderen Sprache an und werden auf syntaktischer Ebene integriert.[13]

In dieser Arbeit wird die Frage untersucht, ob es sich bei Spanglish um eine eigenständige Sprache handelt oder ob es das Potential hat, zu einer eigenen Sprache zu werden. Dafür werden die Argumente der Kritiker sowie Befürworter analysiert. Danach wird das Sprachkontaktphänomen Codeswitching näher betrachtet. Hierzu werden die verschiedenen Formen und Funktionen untersucht. Anschließend wird ein weiteres Sprachkontaktphänomen, die Entlehnungen, dargestellt. Diese nehmen auch einen entscheidenden Einfluss auf Spanglish. Im Fazit wird die abschließende Bewertung dargelegt, inwiefern Spanglish als eigenständige Sprache angesehen werden kann oder ob es den Charakteristika des Codeswitchings entspricht.

2 Spanglish – eine "eigene" Sprache?

Das Phänomen Spanglish erreichte in den letzten Jahren eine hohe Popularität. Immer mehr "Hispanos" nutzen diese Mischform aus Spanisch und Englisch für das alltägliche Leben. Deswegen stellten sich die Linguisten vermehrt die Frage, ob Spanglish eine eigenständige Sprache ist.

Zunächst war Spanglish nur ein Slang, der vor allem von den unteren, ungebildeteren Schichten der "Hispanics" gesprochen wurde. Es handelte sich nur um eine mündliche, informelle Form dieser Mischsprache. Mit den jüngeren Generationen, für die das Englische eine entscheidende Stellung einnimmt, gewinnt auch Spanglish an Popularität, da in den meisten hispanophonen Familien Spanisch gesprochen wird. Dennoch entwickelt sich Spanglish zunehmend zu einer schriftlichen "Sprache". Darüber hinaus werden Begriffe des Spanglish in verschiedenen Bereichen genutzt. Dazu zählt vor allem der Bereich des Sports mit spanischen Wörtern, die dem Englischen angepasst wurden: el tuchdaun oder el nocaut auf Spanglish wurde dem englischen touchdown oder knockout angepasst. Des Weiteren finden zweisprachige bzw. spanglishe Zeitschriften, Radio – und TV – Sender immer mehr Anklang und werden zunehmend genutzt.[14]

Aufgrund der zunehmenden Präsenz des Spanglish ist es durchaus berechtigt, zu hinterfragen, ob Spanglish eine eigene Sprache ist. Die Befürworter betonen, dass es sich bei Spanglish um eine eigenständige Sprache handelt.[15] Spanglish sei laut Ilan Stavans, ein Verfechter des Spanglish, ein Zeichen für die verbale Begegnung zwischen der Anglo – und Hispanokultur.[16] Darüber hinaus sei die Vermischung von Spanisch und Englisch als neue Sprache in Form von Spanglish kein reines linguistisches Phänomen. Es wird damit argumentiert, dass für die Entstehung einer neuen Sprache viele verschiedene Faktoren zusammenkommen.[17] Dazu zählt auch der soziale und kulturelle Kontakt zwischen "Hispanos" und Nordamerikanern. Die Bildung einer "neuen" Sprache erleichtert so die Kommunikation und somit auch das tägliche Miteinander. Um die Eigenständigkeit der Sprache zu beweisen, "übersetzte" Ilan Stavans ein paar Seiten des "Don Quijote" ins Spanglish, um die Gegenargumente der Kritiker des Spanglish zu widerlegen.[18] Dies ist ihm jedoch misslungen.

Die Kritiker betonen, dass der Wechsel vom Spanischen ins Englische und umgekehrt ein willkürliches, unüberlegtes und unstrukturiertes Phänomen ist.[19] Es wird weiterhin kritisiert, dass Spanglish kein linguistisches System aufweist, auf welches die Sprecher ad hoc zugreifen könnten. Im diesem Zusammenhang steht, dass Spanglish keine bestimmten Regeln besitzt, die beachtet werden müssen. Darüber hinaus ist das System weder einheitlich, noch systematisch, was normalerweise das Kennzeichen für eine einheitliche Sprache ist.[20] Spanglish würde als eigene Sprache berücksichtigt werden, wenn Grammatik und Syntax standardisiert sein würden.[21]

Ein weiteres Argument der Kritiker ist, dass Spanglish keine Sprache der Zukunft sein kann, da diese "Sprache" keine großartige Literatur hervorbringen wird.[22] Somit haben die Gegner des Spanglish als eigenständige Sprache Stavans "Übersetzung" bloßgestellt und nicht gewürdigt.

Außerdem spricht gegen die Eigenständigkeit des Spanglish aus Sicht der Kritiker, dass es unterschiedliche Arten von Spanglish gibt. Die verschiedenen Regionen besitzen somit eigene Formen des Spanglish, sodass von einer einheitlich neugebildeten Sprache erst recht nicht die Rede sein kann.[23] Sie betonen weiterhin, dass Spanglish eher einem Dialekt ähnelt, der von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe gesprochen wird, statt einer neuen Sprache, die in allen Regionen die gleichen Regeln aufweist.[24] Zudem kann Spanglish keine eigene Sprache sein, da sie nur von einem bestimmten Teil der Bevölkerung gesprochen wird. Abwertend wird Spanglish als die Sprache der weniger gebildeten "Hispanics" bezeichnet, die weder das Spanische noch das Englische gut beherrschen.[25] Außerdem sei Spanglish nur ein Phänomen bei Immigranten, die dabei sind, Englisch zu lernen.[26] Die Mischsprache Spanglish dient demnach nur als Mittel zum Zweck – zur Verständigung. Deshalb kann für die Gegner Spanglish keine eigene Sprache sein, wenn Immigranten aufgrund des fehlenden Wortschatzes die Sprache wechseln.[27] Als weiteres Argument gegen die neue Sprache führen die Kritiker an, dass es im Spanglish nicht möglich ist, über Physik, Metaphysik oder ähnliches zu sprechen, da dafür das angemessene Vokabular fehlt. Dieses jedoch ist im Spanischen sowie Englischen zu finden.[28]

[...]


[1] Vgl. Winkelmann, Sophia: Spanglish als Sprache. Grundlagen, Diskussionen und Programme, Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller 2007, S. 4.

[2] Vgl. Pelzer, Melanie: Ursachen und Konsequenzen von Sprachkontakt. Spanglish in den USA, Duisburg: WiKu-Verlag 2006, S. 28.

[3] Vgl. Graw, Ansgar: Die große Stunde der Latinoversteher, http://www.welt.de/politik/ausland/article128219348/Die-grosse-Stunde-der-Latino-Versteher.html (16.02.2015).

[4] Vgl. Pelzer, Melanie , op. cit., S. 29.

[5] Vgl. Winkelmann, Sophia: op. cit. , S. 4.

[6] Vgl. Rothman, Jason/ Rell, Amy Beth: „A linguistic analysis of Spanglish: relating language to identity“, Linguistics and the human sciences 1, 2005: 515-536, hier S. 520.

[7] Vgl. Rothman, Jason/ Rell, Amy Beth: op. cit., S. 523.

[8] Vgl. López Morales, Humberto: La aventura del español en América, Madrid 2005: Espasa, S. 166.

[9] Vgl. Rothman, Jason/ Rell, Amy Beth: op. cit. , S. 523.

[10] Vgl. Kabatek, Johannes/ Pusch, Klaus D.: Spanische Sprachwissenschaft: Eine Einführung, Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag 2009, S. 186.

[11] Vgl. Pelzer, Melanie: op. cit. , S. 69.

[12] Vgl. Rothman, Jason/ Rell, Amy Beth: op. cit. , S. 523.

[13] Vgl. Pelzer, Melanie: op. cit. , S. 124.

[14] Vgl. Winkelmann, Sophia: op. cit. , S. 27.

[15] Vgl. López Morales, Humberto: op. cit. , S. 166.

[16] Vgl. Stavans, Ilan: Spanglish. The making of a New American Language, New York: Harper Collins Publishers Inc. 2003, S. 5.

[17] Vgl. Winkelmann, Sophia: op. cit. , S. 27.

[18] Vgl. Kabatek, Johannes/ Pusch, Klaus D.: op. cit. , S. 188.

[19] Vgl. Rothman, Jason/ Rell, Amy Beth: op. cit. , S. 523.

[20] Vgl. López Morales, Humberto: op. cit. , S. 169.

[21] Vgl. Betti, Silvia: El Spanglish ¿medio eficaz de comunicación?, Bologna: Pitagora Editrice 2008, S. 39.

[22] Vgl. ebd. S. 21.

[23] Vgl. López Morales, Humberto: op. cit. , S. 170.

[24] Vgl. ebd. S. 170.

[25] Vgl. Gónzalez Echevarria, Roberto: „Is 'Spanglish' a language?“, in: Ilan Stavans (Hg.), Spanglish, Westport: Greenwood Press 2008: 116-117, hier S. 116.

[26] Vgl. Betti, Silvia: op. cit. , S. 21.

[27] Vgl. Gónzalez Echevarria, Roberto: op. cit. , S. 116.

[28] Vgl. Gónzalez Echevarria, Roberto: op. cit., S. 116.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668683440
ISBN (Buch)
9783668683457
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419718
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Schlagworte
spanglish sprache hispanics

Autor

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