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Vorurteile und Diskriminierung. Reformvorschläge nach Fereidooni

Hausarbeit 2016 14 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik
1.2 Durchgeführte Studie an der DBS-Lich

2. Reformvorschläge nach Fereidooni
2.1 Reform der elementarpädagogischen Bildung
2.2 Akademisierung der Erzieherausbildung
2.3 Multilingualer Habitus und Heterogenitätsdenken
2.4 Die Potenzialförderung
2.5 Der Ganztagskindergarten
2.7 Unterstützungs- statt Auslesemechanismus
2.8 Ausbau der Ganztagsschule
2.9 Gegenseitige Evaluation
2.10 Diversifizierung des Lehrpersonals
2.11. Intensivere Zusammenarbeit zwischen Fachlehrern und die Einbeziehung von Schulpädagogen und- psychologen im Schulalltag

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Internetquellen:

1. Einleitung

„Je weniger ein Kind von zu Hause mitbringt, je schwächer die Leistungsvoraussetzungen sind, desto stärker sollte die öffentliche Förderung sein.“ (Fischer, 2007: S. 8)

Leistungsschwache Kinder oder jene, die ungünstige Bedingungen in ihrem sozialen Umfeld verspüren, verdienen es besonders unterstützt zu werden. Das oben genannte Zitat nach Fischer steht für ein gerechtes deutsches Bildungssystem, zu dem Reformvorschläge eingeführt wurden, um Maßnahmen für eine pro Fokussierung publiker Hilfestellungen zu ermöglichen. Um diese zu gewährleisten, sollte eine mögliche Diskriminierung ausgeschlossen sein. Laut dem Wissenschaftler Daniel Greschke ist unter Diskriminierung zu verstehen, dass Individuen oder Gruppen sich nach einer Gleichbehandlung ersehnen, ihnen diese jedoch verwehrt bleibt (vgl. www.bpd.de)

In der folgenden Ausarbeitung möchte ich die Thematik der Reformvorschläge nach Fereidooni darstellen, welcher sich als ein empfehlenswerter Lösungsvorschlag unseres Referats mit dem Thema „Vorurteile und Diskriminierungen“ darbot. Um zu den Reformvorschlägen nach Fereidooni, auf welche ich im Laufe meiner Ausarbeitung eingehen werde, zu gelangen, werde ich zu Beginn kurz die grundlegende Thematik vorstellen. Diese schließt eine knappe Erläuterung über das Entstehen als auch die Arten einer möglichen Diskriminierung, sowie deren Auswirkungen auf die Schule ein. Im Anschluss daran findet eine Darstellung über das dreigliedrige Schulsystem statt, welches sich als ein begrenzender Faktor der Chancengleichheit erweist. Im Anschluss daran werde ich eine von uns durchgeführte Studie darstellen, in der überprüft wurde, inwieweit Diskriminierung in einer ausgewählten Gesamtschule herrscht. Diese Studie wurde von unserer Lerngruppe selbst konzipiert. In einem abschließenden Fazit werde ich die in der Hausarbeit gewonnen Erkenntnisse nochmals zusammenfassen.

1.1. Einführung in die Thematik

Der Begriff „Diskriminierung“ bringt ganz unterschiedliche Auffassungen mit sich. Er beschreibt beispielsweise unüberlegte Tätigkeiten oder Aussagen, einzelne Menschen oder Gruppen zu kränken, oder diese mit körperlichen Mitteln zu verletzen. Hierbei ist speziell „die Ungleichbehandlung von Menschen gemeint“ (Gomolla & Radtke, 2009: S. 16), die das Leben aller leittragender besonders stark beeinträchtigen kann. Ursachen, die für das Entstehen von diskriminierenden Handlungen verantwortlich sein können, sind vorab wertende Haltungen, Vorannahmen, Stereotype, Bräuche oder Sitten, Gewohnheiten des Fühlens, Denkens oder Handelns sowie Gesetzesvorgaben. In den meisten Fällen sind unterlegene Personen die Schuldtragenden für die Ausführung von Diskriminierung (vgl. ebd.). Diese äußert sich erfahrungsgemäß durch Benachteiligungen, physische und psychische Gewalt sowie durch einen eingeschränkten Zugang zu Bildung, Arbeitsmarkt und Wohnmarkt.

Wenn von Diskriminierung gesprochen wird, darf hierbei ein Blick auf die institutionelle Diskriminierung nicht außeracht gelassen werden. Unter der institutionellen Diskriminierung versteht man die „Ungleichbehandlung von Personen durch das organisatorische Handeln zentraler gesellschaftlicher Institutionen wie zum Beispiel der Bildungs- und Ausbildungssektor“ (Fereidooni, 2011: S. 23). Hiermit ist gemeint, inwieweit die Schule als Institution diskriminiert. Beispiele für eine solche Diskriminierung durch die Institution Schule können unter anderem die Empfehlungen der Lehrpersonen bezüglich der zukünftigen Schulform einer Schülerin oder eines Schülers sein, denen ein Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe bevorsteht. Diese Übergangsempfehlungen seitens der Lehrpersonen verlaufen auf einer subjektiven Basis. Obwohl die eigentliche Entscheidung hierüber von den Eltern getroffen wird, folgen viele (vorrangig Eltern mit Migrationshintergrund) den Vorschlägen des Lehrers, die im Hinblick auf die Leistung des Kindes nicht immer zutreffend und demnach geeignet sind. Ein weiteres Kriterium, welches auf eine mögliche Diskriminierung hindeuten kann, ist die Notenvergabe einer Lehrperson an seine Schülerinnen und Schüler. Diese Leistungsbeurteilung kann in manchen Fächern zu einer Ungleichbehandlung führen, da die Lehrpersonen hierbei, ähnlich wie bei den Übergangsempfehlungen, über einen individuellen Spielraum verfügen. Außerdem kann das dreierdifferenzierte (A-, B-, C- Kurse) beziehungsweise das zweierdifferenzierte Kursystem (Erweiterungs- oder Grundkurs) als ebenfalls diskriminierend empfunden werden, da den Schülerinnen und Schülern das Gefühl gegeben wird, dass sie weniger Wert seien als diese, die sich in einem Kurs mit einem höheren Leistungsniveau entfalten können. Dies gilt ebenso für die Einteilung in Hauptschul-Realschul- und Gymnasialzweige. Die eben genannten Faktoren für eine Diskriminierung sind alle in einem dreigliedrigen Schulsystem enthalten, welches als Verursacher für mögliche Chancenungleichheiten steht (vgl. a.a.O. S. 24). Die IGLU- Studie (internationale Grundschule – Leseuntersuchung) aus dem Jahr 2001 verdeutlicht, dass es Lehrpersonen nicht gelingt Lernende mit Migrationshintergrund angemessen zu fördern, sodass Kinder mit Migrationshintergrund bezüglich der Lesekompetenz schlechtere Ergebnisse erzielen als deutsche Schülerinnen und Schüler. Das Fazit dieser Untersuchung war, dass die Bildungsexperten, die für die Durchführung der Studie verantwortlich waren, eine grundlegende strukturelle Veränderung des Bildungssystems forderten (vgl. a.a.O. S. 54). Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die das deutsche Schulsystem als Organisation in ein eher negatives Licht rücken: Entscheidungen werden ohne Regelkatalog getroffen, der Spielraum für individuelle Entscheidungen und Förderungen ist hierbei eher gering, die Lehrer entscheiden über die Zukunft der Schülerinnen und Schüler und haben somit auf deren weiteren Lebenslauf großen Einfluss. Die Ursprünge dieser eher weniger optimalen Kriterien liegen im System und den dort vorhandenen Strukturen und Arbeitsweisen, nicht also im individuellen Handeln der Akteure. Hierbei ist die Eigenverantwortung des Einzelnen gefordert, welches durch die Reflexion und dem Hinterfragen des eigenen Handelns im System geschieht. Laut Mechthild Gomolla und Frank-Olaf Radtke entstehe eine Diskriminierung im Schulsystem durch die Anwendung gleicher Regelungen auf Migrantenkinder wie auf ihre deutschen Mitschüler, trotz unterschiedlicher Ausgangsbedingungen (Gomolla & Radtke, 2007: S. 52).

1.2 Durchgeführte Studie an der DBS-Lich

Einen Einblick in das reale Schulleben und die dort mehr oder minder stattfindende Diskriminierung, soll eine selbst erstellte Studie geben. Die hierbei untersuchende Fragestellung lautete: „Inwieweit ist Diskriminierung in der Dietrich-Bonhoeffer- Schule in Lich vorherrschend?“. Diese Untersuchung wurde in einer 6. Klasse mit 19 Schülerinnen und Schülern, einer 8. Klasse mit 17 Kindern sowie einer 10. Klasse mit 18 Lernenden durchgeführt. Insgesamt standen also 54 befragte Schülerinnen und Schüler für die Durchführung der Studie zur Verfügung, bei denen 17 Kindern einen Migrationshintergrund aufweisen. Den Schülerinnen und Schülern wurde zuallererst ein Fragebogen bezüglich unterschiedlicher Thematiken ausgeteilt, der mit den Antworten „ja“, „unsicher“ und „nein“ beantwortet werden konnte. Im Hinblick auf die Frage, inwiefern persönliche Vorurteile gegenüber fremder Kulturen existieren, ergab sich, dass diese Vorurteile bei 80% der Befragten bestehen und bei 20% keine Rolle spielen. Des Weiteren wurden die Lernenden dazu befragt, ob sie der Meinung seien, dass eine Bevorzugung deutscher Schülerinnen und Schülern bestehe. Für 52,50% der Schülerinnen und Schüler steht, laut Fragebogen, fest, dass dies der Fall sei, 22% waren sich diesbezüglich unsicher und 25,50% antworteten mit „nein“. Interessant war auch die Fragestellung, worin die Gründe solcher Vorteile deutscher Kinder gesehen werden. Hierbei sehen 46% der Untersuchten den Grund darin, dass deutsche Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu Kindern mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache besser beherrschen, 31,10% sind sich sicher, dass der Ursprung der Vorteile in der besseren Unterstützung durch die Eltern liege und 22,22% sehen die größere Motivation, die bei deutschen Kindern vorhanden ist, für verantwortlich. Die nächste Frage bezog sich auf die Indikatoren für eine ungerechte Behandlung ausländischer Kinder im Unterricht. 18% empfinden hierbei die Notengebung als entscheidend, 22% sehen die Gründe in der mündlichen Benotung und 60% antworteten, dass diese Indikatoren sich im Unterrichtverlauf entwickeln. Bei der Frage ob eine ungerechte Bewertung von Lehrpersonen, die jedoch nicht immer gerechtfertigt werden könne, stattfindet, ergab sich, dass 65,30% der Befragten dem zustimmen, 14,40% können sich hierbei nicht festlegen und 20,30% stimmen dem nicht zu. Die Studie offenbart, dass eine Diskriminierung an der untersuchten Schule stattfindet. Die Untersuchung verdeutlicht somit, dass es die Pflicht jeder Schule sein sollte, sich mit der komplexen Thematik der Diskriminierung und ihrer Auswirkungen auseinander zu setzen.

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Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668684959
ISBN (Buch)
9783668684966
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v419722
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12,0
Schlagworte
Vorurteile Diskriminierung Kinder Bildungssystem

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